Ein filmisches Experiment

Gepostet von Foodhub Muenchen am Sonntag, 12. April 2020

Popcorn ready? Wir gehen ins Kino! – wer kommt mit? 
Foodhub München präsentiert diesen Donnerstag, den 16.04., um 20 Uhr den Film „ANDERS ESSEN“.

Zu sehen über www.vimeo.com/ondemand/andersessenexperiment
Unkostenbeitrag 3 €

Ein Film über ein Experiment, das Mut macht:
Drei Familien wagen sich in den Selbstversuch. Sie beginnen regional einzukaufen und entdecken das Kochen neu. Das Ergebnis überrascht. Anders essen verändert tatsächlich unseren Landverbrauch und die CO2-Last.

Warum ist dieses Experiment wichtig und dadurch der Film so interessant?
Ein Feld von 4.400 Quadratmetern, ein kleines Fußballfeld. Diese Fläche wird gebraucht, zur Ernährung einer Person.

Was kaum jemand von uns weiß: Nur 1.500 qm davon befinden sich im eigenen Land. 2.900 Quadratmmeter davon liegen im Ausland. Insgesamt beansprucht jede*r Deutsche also mehr doppelt so viel Fläche, als eigentlich im eigenen Land zur Verfügung steht. Würden sich alle Erdenbürger so ernähren, bräuchten wir eine zweite Erde.

Das Experiment:
Für den Film „ANDERS ESSEN“ wird erstmals ein 4.400 qm Acker mit genau jenen Getreiden, Gemüsen, Früchten, Ölsaaten und Gräsern bepflanzt, die pro Person auf unseren Tellern landen. Inklusive der Saaten, die von der Industrie u.a. zu Futtermitteln für Tiere verarbeitet werden.

Unsere Art zu essen belastet das Klima. Doch wie groß ist die CO2-Last tatsächlich und stimmt die Behauptung, dass unsere Rinder eigentlich auf den Feldern der Sojabauern in Brasilien stehen?

Der Film ANDERS ESSEN klärt auf und zeigt, es geht auch anders. Wenn wir das wollen!
Bis dann!

KARTOFFEL(ÜBER)LEGUNG 2020

Bald ist es so weit. In den nächsten Tagen „legen“ wir wieder unsere KK-Kartoffeln für die Ernte im Herbst. Hier ein kleiner Überblick, wie, warum und was wir dafür tun:

Die Vorbereitungen beginnen bereits viele Monate vorher. Wenn die Hauptkultur abgeerntet ist, säen wir auf dem zukünftigen Kartoffelacker eine Zwischenfrucht. Zum Beispiel Roggen. Der Roggen hält die Nährstoffe im Boden und durch das anschließende Unterheben der Roggenpflanzen bekommt der Boden zusätzliche Nährstoffenergie. Falls auf der Fläche eine mehrjährige Kleegrasgründüngung stand, ist das anschließende Umbrechen des Bodens sehr wichtig, um die Drahtwurmgelege zu dezimieren. Drahtwürmer sind sehr durstig und haben sich im Allgemeinen die Kartoffeln als Zapfstelle ausgesucht und durchbohren sie bei ihrer Sauftour kreuz und quer.

Kartoffeln stehen in der Fruchtfolge eher am Ende, da es eine Kultur ist, die weniger Stickstoff braucht und sehr lange – von Anfang/Mitte April bis Ende August/Anfang Oktober – auf dem Feld steht. Bei Frühkartoffeln verschieben sich die Daten nach vorne. Im Kartoffelkombinat bauen wir in dieser Saison drei mittelfrühe Sorten an:

  • Allians: langoval, sehr gelbfleischig, speckig, festkochend
  • Agria: längliche Standardsorte im Ökolandbau, vorwiegend festkochend bis mehligkochend, gelbfleischig, leicht mehliger Geschmack
  • Jelly: rundoval, vorwiegend festkochend, leicht rötlich-violette Verfärbung an den Polen.

Sie alle sind relativ robust, d.h. weniger krankheitsanfällig und gut lagerbar. Außerdem reifen sie relativ zeitgleich ab, was wegen unserer Abhängigkeit von Dienstleistern zur Ernte sehr wichtig ist. Die Sorte Ditta ist deshalb wieder rausgefallen, weil sie, was die Erntereife betrifft, voll aus dem Timing tanzt.

Warum bauen wir nicht selbst nach, sondern kaufen unsere Pflanzkartoffeln ein?
Zertifiziertes Pflanzgut kostet uns in etwa das gleiche wie normale Speisekartoffeln, ist auf Viren- und Pilzbefall geprüft und kalibriert. Dass heißt, die Pflanzkartoffeln haben alle in etwa die gleiche Größe (ca. 50 mm im Ø). Unterschiedlich große Pflanzkartoffeln können schlechter maschinell ausgebracht werden und die Flächenberechnung ist unklarer. Insgesamt kommen Horden der Knollen in unseren Boden, nämlich ca. 90.000 Stück (!) auf 2 ha Fläche. Da ist eine einfache kalibrierte Flächenberechnung sehr hilfreich ;-).

Ca. Mitte April legt uns ein Dienstleister unsere Kartoffeln mit einer speziellen Maschine in Dämme. Diese trocknen schneller ab als der plane Acker, was die Pflege erleichtert, das Erntefenster verbreitert und die Qualität der Kartoffeln erhöht, da sie geringerer mechanischer Beanspruchung ausgesetzt sind.

Und dann heißt es erst einmal die Natur wirken lassen, bevor im Herbst die große Kartoffelernte ansteht.

Wir freuen uns drauf und werden berichten.

support your local dealer

Solidarität wird gerade großgeschrieben. Und das ist auch gut so. Wir arbeiten als Solidargemeinschaft seit acht Jahren an unserer gemeinsamen Vision der lokalen Versorgungsstruktur. Und mit uns, ganz aktiv und an erster Stelle unsere Verteilpunktbetreiber*innen. Viele von Ihnen und mit ihnen zahlreiche andere Gastronom*innen, Ladenbesitzer*innen und Solo-Selbstständige sorgen sich derzeit um ihre Zukunft. Denn aufgrund der derzeitigen Schließung und Ausgangsbeschränkung müssen sie teilweise massive Umsatzeinbußen aushalten.

Deshalb aufgemerkt, bevor der 1-Click-Kauf bei Amazon getätigt wird: Viele lokale Händler*innen bieten bereits (oder nun ganz neu) Lieferdienste und Online-Bestellungen an – mit kurzen Wegen und Produkten aus der Region, oder stellen Gutscheine aus, die Ihr in der Post-Corona-Ära einlösen könnt.

So helfen wir gemeinsam den kleinen Unternehmer*innen über diese schwierige Zeit, die nun am meisten unter den wirtschaftlichen Folgen leiden und stärken so den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gleichzeitig schützen wir durch die Unterstützung regionaler Wirtschaftskreisläufe auch die Umwelt.

Einen Überblick über viele gute regionale und lokale Anbieter*innen mit einem breiten Angebot für alle Bereiche, die sich über Unterstützung freuen findet Ihr unter https://helfen-muenchen.de. Dort können sich auch Unternehmen anmelden, um gelistet zu werden.

Und falls Ihr noch gute Ideen habt, wir lokale kleine Unternehmen unterstützt werden können oder die sinkenden Umsätze auszugleichen, kommentiert gerne fleißig unter unseren Facebook-Post zum selben Thema.

#gemeinsamsindwirstark #flattenthecurve #supportyourlocaldealer

Wichtige Infos bzgl. Corona

Aktualisiert: 19.03.2020
+++ Bis Ende April sind vorerst alle Präsenztermine im Kartoffelkombinat abgesagt +++ 
+++ Alle bereits angemeldeten Joker könnt Ihr bis 31. März zurückziehen +++
+++ Bitte beachtet die Sicherheitsetikette bei der Abholung der Ernteanteile +++

  • Bitte nicht den Fahrer*innen beim Ausladen der Ernteanteile helfen
    Das ist zwar wirklich nett, birgt aber zum einen die Gefahr, dass der/die Fahrer*in den Überblick verliert, wieviele Kisten bereist ausgeladen wurden. Bei zum Teil großen Verteilpunkten mit 80 Kisten, kann das langes erneutes Zählen und damit Zeitverzug auf der Tour mit sich bringen. Zum anderen ist es wichtig, überall den Sicherheitsabstand von 2-3 Metern zwischen Personen einzuhalten.
  • Nehmt gerne einen eigenen Stift zum Ausstreichen auf der Abholliste mit
  • Betretet Verteilpunkte in geschlossenen Räumen nur einzeln

Bereits seit längerem befassen wir uns mit den Entwicklungen bezüglich Corona und möchten Euch mit dieser Mail über mehrere Punkte informieren.

Grundsätzliches: Soweit es möglich ist, möchten wir als landwirtschaftlicher Betrieb weiterhin anbauen. Gerade in dieser besonderen Situation sehen wir uns in der Verantwortung und sind in kleinem Maße für unsere Haushalte durchaus „systemrelevant”.

Damit wir dieser Verantwortung nachkommen können, ist es besonders wichtig, dass wir gesund bleiben und haben im Rahmen unserer Möglichkeiten Maßnahmen ergriffen. Das sind u.a. Home Office und Videokonferenzen statt Meetings, geänderte Arbeitspläne, um Kontakte zu vermeiden, veränderte Abläufe und Prioritäten sowie Kontaktaufnahme zu den Behörden.

Mit diesen Maßnahmen hoffen wir dazu beizutragen, dass wir gesund und arbeitsfähig bleiben, dazu beitragen, die Infektionskurve abzuflachen und unsere Haushalte weiterhin mit frischem Gemüse versorgen können. Wir müssen jetzt nahezu von Tag zu Tag sehen, wie wir als Team betroffen sein werden, wie es unseren Partnerbetrieben geht und welche VPs ggf. wegfallen. Letztlich bleibt nur zu hoffen, dass wir als relativ junges Team in den nächsten Wochen nicht zu stark von den Krankheitsverläufen betroffen sein werden.

Da wir davon ausgehen, dass mit kommender Woche auch hierzulande ein massiver „Shutdown” angesagt ist, haben wir dieses Wochenende alle Liefertouren überarbeitet – dies führt für Euch zu größeren Veränderungen:

  • Wir versuchen alle Ernteanteile, die normalerweise in Ladengeschäften (außer Lebensmittel) und Büros verteilt werden, auf private VPs umzuleiten.
  • Dadurch können wir erreichen, dass weiterhin so gut wie alle Haushalte Gemüse von uns bekommen können. Gleichzeitig wird es für einige Abholer*innen längere Wege bedeuten, weil so gut wie die Hälfte der bisherigen VPs wegfällt.
  • Wir bitten alle privaten Verteilpunkt-Inhaber*innen um Verständnis dafür, dass wir jetzt ein paar außergewöhnliche Schritte gehen müssen und vielleicht auch temporär den ein oder anderen VP etwas überfordern.
  • Im Umkehrschluss erwarten wir von den Abholer*innen, dass die Ernteanteile ausnahmslos an den Liefertagen abgeholt werden, um zusätzliche Komplikationen zu vermeiden.
  • Hierbei kann es auch zu Verschiebungen der Abholtage kommen. Anna wird sich bis Montagabend per Mail bei den betroffenen VPs und entsprechenden Haushalten melden. Im Umkehrschluss: Bei denen sie sich nicht meldet, gibt es auch keine Änderung. 🙂

Außerdem möchten wir an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle VP-Inhaber*innen für Euer Engagement für das Kartoffelkombinat aussprechen. Durch Eure Bereitschaft einen Verteilpunkt zu betreiben/zur Verfügung zu stellen, ermöglicht Ihr inzwischen über 1.700 Genoss*innen ihr Gemüse an über 120 Verteilpunkten in und um München abzuholen. Vielen Dank!

Für weiteren Austausch rund um die VPs kann auch der entsprechende Bereich in unserem Forum verwendet werden: https://kartoffelkombinat.de/forum/forum-80.html

Für generelle Rückfragen und weitere Infos haben wir hier einen neuen Bereich aufgemacht: https://kartoffelkombinat.de/forum/forum-125.html

Diese Änderungen sind für uns relativ aufwändig, bitte habt Geduld, wenn wir bei allen anderen Anliegen etwas länger als sonst brauchen. Individuelle Umleitungswünsche können vorerst leider nicht berücksichtigt werden. Falls es Euch nicht möglich sein sollte Ernteanteile selbst zu holen, muss das bitte über Freund*innen, Nachbar*innen, … selbst organisiert werden.

Bei Fragen oder Unklarheiten wendet Euch gerne jederzeit an die info@kartoffelkombinat.de. Wir versuchen Euch schnellstmöglich eine Rückmeldung zu geben.

Wir informieren Euch, sobald es Updates gibt.
Uns allen gute Gesundheit!

Benny, Jana, Teresa, Daniel und das ganze Kartoffelkombinat-Team

+++ Klimastreik ist abgesagt +++

Der angekündigte bayernweite Klimastreik, 2 Tage vor der #klimawahl, ist aufgrund des Coronavirus abgesagt.

Doch die Wahl bleibt: kommenden Sonntag, den 15. März von 08:00-18:00 Uhr heißt es:
👉 wählen gehen – denn Deine Stimme zählt! 👈

Informier Dich vorab, welche/r der zur Wahl stehenden Kandidat*innen sich wirklich für das Klima einsetzt und ggf über Deine Zukunft mitentscheidet: www.klimawahl2020.de

Ein Hinweis zum Wahlgang: „Die Ansteckungsgefahr in einer Wahlkabine ist nicht besonders hoch. Sich dort das Coronavirus oder eine andere Viruserkrankung wie die Grippe zu holen, sei „unwahrscheinlich“, sagte Peter Walg, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene der Deutschen Presseagentur:
Mehr Infos hier klicken.

#klimawahl2020 #muenchenmusshandeln #allefürsklima

Die Kommunalwahl am 15. März ist eine Klimawahl

Das Kartoffelkombinat steht für Klimaschutz, lokale Versorgungsstrukturen und Gemüseerzeugung ohne Lebensmittelverschwendung und Ausbeutung von Mensch und Umwelt. Und wofür wir im Kleinen stehen und agieren, das wünschen wir uns auch im großen Ganzen. Angefangen bei der Kommunalpolitik unserer Stadt.

Deshalb wurde vor neun Monaten das Klimaschutzbündnis „München muss Handeln“ gegründet, um bis zur Kommunalwahl – die das Bündnis zur Klimawahl ausgerufen hat – den Parteien genau auf die Finger zu schauen und transparent zu machen, wie sie zu den Klimaschutzforderungen von Fridays For Future stehen.

Zur Kommunalwahl am 15.03. sind es weniger als 20 Tage! Jede einzelne Stimme hat Einfluss darauf, wer für die nächsten 6 Jahre den Hebel für die lebenswerte Gestaltung und den ökologischen Fußabdruck unserer Stadt in der Hand hat, oder wer die klimagerechten Visionen von tausenden aktiven Bürger*innen und über 500 Organisationen aus der Zivilgesellschaft, die sich unter dem Dach von
#muenchenmusshandeln zusammengefunden haben, ausbremst.


6 Jahre! Verstreichen diese ungenutzt in Sachen Klimaschutz und Vorbereitung auf eine klimaveränderte Zukunft für das Leben in der Stadt, werden wir vieles, was jetzt noch möglich ist, nicht mehr auf den Weg bringen können, da das Klima und sein Wandel nicht darauf wartet, bis wir politisch „bereit“ dazu sind. Wir müssen jetzt handeln, deshalb rufen wir alle auf, 

a) wählen zu gehen und sich 

b) auf www.klimawahl2020.de vor der Klimawahl darüber zu informieren, welche/r der Stadtratskandidat*innen klar und progressiv den Klimaschutz angehen wird. 

Zwei Tage vor der #Klimawahl wird bayernweit zum Klimastreik aufgerufen.
Treffpunkt: Freitag, 13. März um 12 Uhr am Königsplatz. Alle, die mit ihrem Unternehmen mitstreiken und auf der Streikkarte von #muenchenmusshandeln verzeichnet sein möchte, können sich direkt hier eintragen: www.muenchen-muss-handeln.de/mitstreiken

Streik-Plakate und -Flyer zum Aushängen und Verteilen gibt’s online unter: www.muenchen-muss-handeln.de/downloads. Ausgedruckte Materialien sind bei Green City e.V., Lindwurmstraße 88, Rgb, 5. Stock abzuholen.

Passend zum Thema wird das Bündnis auf unserer monatlich stattfindenden Kartoffelakademie vorgestellt, und Daniel Überall gibt einen Rück- und Ausblick auf die ereignisreiche Bündnisarbeit. 
Termin: Freitag, 13. März., 19 Uhr, Daiserstrasse 15, Rgb. 

Anmeldung unter: kartoffelkombinat-ev.de/blog/events/muenchen-muss-handeln/

Und wer nochmal genau wissen will was es mit dem Panaschieren, Häufeln und Kumulieren auf sich hat, der guckt sich das Erklärvideo des BR dazu an. Dort erfahrt Ihr, wie Ihr Eurer Stimme bei der Wahl das maximale Gewicht verleihen und Euer ganz eigenes Stadtparlament zusammenstellen könnt.

Der Turmfalke

Aus der Serie: Tiere in unserer genossenschaftlichen Gärtnerei

Neben dem nervigen Erdfloh und gefräßigen Wühlmäusen gibt es viele spannende Tiere auf der Gärtnerei, die einen großen Nutzen für uns haben und ein schönes Zeichen für ein intaktes Ökosystem sind. In unregelmäßigen Abständen werden wir Euch von diesen Tieren erzählen.

Den Auftakt macht unser Turmfalkenpärchen, das sich auf unserem Betrieb wohl sehr heimisch fühlt. Das Männchen erkennt Ihr deutlich an seinem grauen Kopf, wohingegen das Weibchen einheitlich rotbraun gefärbt ist. Beide haben ein typisch schwarz gesprenkeltes Gefieder, sind etwa 36 cm lang und haben eine Flügelspannweite von 75 cm.
Turmfalken bleiben ein Leben lang zusammen und werden um die 15 Jahre alt. Die Bezeichnung „Turmfalke“ rührt von seiner Vorliebe, an Kirch- oder Fabriktürmen zu brüten und somit nah an den Siedlungsgebieten der Menschen zu hausen. Er ist ebenfalls unter dem Namen „Rüttelfalke“ bekannt, da er häufig in seinem „stehenden Flug“, dem sog. Rüttelflug in 10-20 m über Wiesen und Feldern auf der Suche nach Beute beobachtet werden kann. Hat der Turmfalke Beute gesichtet, geht er im Sturzflug nieder – dabei ist er zwar schnell, aber immer noch wesentlich langsamer als zum Beispiel sein Verwandter, der Wanderfalke – der schnellste Vogel im Sturzflug.

Im Winter sind Falken häufig auf Ansitzstangen zu beobachten, denn die Jagdmethode des bequemen Ausschauhaltens aus hoher Position verbraucht weniger Energie als der Rüttelflug. Und Energie benötigt der Turmfalke vor allem für die Jagd. Ein Turmfalkenpaar verputzt zwei bis drei Mäuse täglich und mit hungrigen Jungen im Nest werden bis zu acht Mäuse – meist Wühlmäuse – pro Tag erlegt. In schlechten „Mäusejahren“, während der kalten Jahreszeit oder als unerfahrener Jungvogel fallen dem Turmfalken gerne auch kleinere Singvögel, Eidechsen, Käfer und sogar Regenwürmer zum Opfer.
Der Bestand an Turmfalken war in den 1960er bis in die 1980er Jahre massiv eingebrochen – Schuld waren intensiv bewirtschaftete und ausgeräumte Kulturlandschaften und der Einsatz von Pestiziden, die sich besonders auf die Tiere am Ende der Nahrungskette negativ auswirkten. In Deutschland leben heute ca. 50.000 der insgesamt 90.000 Brutpaare Mitteleuropas. Deutschland hat also eine besondere Verantwortung für den Erhalt des Turmfalken, weshalb wir uns sehr über unser Pärchen in Spielberg freuen.
Für die kommende Brutsaison steht den frisch Verliebten an unserem nördlichen Kamin ein Nistkasten zur Verfügung. Mal schauen, ob sie diesen annehmen. Dem Turm sieht man durch die vielen Hinterlassenschaften in Form von weißen Klecksen jedenfalls an, dass er gerne als Rastplatz und für die Ansitzjagd genutzt wird ;-). 
Am Fuße des Turms findet sich immer wieder mal Gewölle – so nennt man die Speiballen von Greifvögeln, in denen sie unverdautes Fell und Knochen hervorwürgen.

Ob es eine Brut gibt, dürfte Mitte April klar werden, wenn nach 30 Tagen drei bis sechs Junge schlüpfen. Wir sind gespannt und werden berichten. Junge Turmfalken sind sehr verspielt und neugierig. Sie toben herum wie kleine Kinder, üben den Sturzflug mit am Boden liegenden Steinen und ruhen sich gemeinsam kuschelnd am Brutplatz aus, wo sie leidenschaftlich miteinander schnäbeln. Kommt gerne an einer unserer Hofführungen vorbei, die wir auf unserer Facebook-Seite bekannt geben und haltet Ausschau nach diesen schützenswerten Mitbewohner*innen unserer Gärtnerei.

Ökologische News

Immer mehr Boden wird gut gemacht – ökologisch bewirtschaftete landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland wachsen kontinuierlich.

„2019 stellten täglich durchschnittlich fünf Bauern ihren Betrieb auf Ökologische Landwirtschaft um. Insgesamt legte die Bio-Fläche in den letzten fünf Jahren um fast 50 % zu. Jeder zehnte Hektar in Deutschland ist enkeltauglich“, sagt Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bio-Spitzenverbandes Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Nach aktuellen BÖLW-Schätzungen stellten deutsche Bäuerinnen und Bauern in 2019 rund 107.000 ha (+ 6,6 %) auf Ökologische Landwirtschaft um. „Die Bauern setzen dabei besonders oft auf die sehr hohen Öko-Standards der Bio-Verbände. Mit über 1 Mio. ha. bewirtschaften die Verbandsbauern jetzt fast zwei Drittel der gesamten deutschen Bio-Fläche“, sagt Röhrig.
Auf jedem der insgesamt 1.622.103 Bio-Hektar schützen Öko-Landwirte Böden, Gewässer, Klima und Artenvielfalt. „Ökologie und Ökonomie gehen mit Bio erfolgreich Hand in Hand“, so der BÖLW-Geschäftsführer. „Immer mehr Betriebe geben ihren Familien mit Bio eine Zukunftsperspektive.“…„Damit unsere Regionen resilient sein können, braucht es wirksame Strukturpolitik. Denn Resilienz braucht Vielfalt. Und dezentrale, vor allem kleine und mittelständische Verarbeitungsunternehmen und Händler bieten Bäuerinnen und Bauern die Möglichkeit zu fairen Partnerschaften auf Augenhöhe.“ kommentiert BÖLW-Vorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein.

Der BÖLW ist der Spitzenverband deutscher Erzeuger, Verarbeiter und Händler von Bio-Lebensmitteln und vertritt als Dachverband die Interessen der Ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland. 

Die allergrünste Woche in Berlin

Einmal im Jahr trifft sich die Agrar-Szene in Berlin zur Grünen Woche. Die Landwirtschaftsministerin spricht und die „Wir haben es satt“-Demo läuft.
Aus diesem Anlass übernehmen wir an dieser Stelle einen so treffenden, wie großartigen Kommentar vom IWE-Vorstand, Wilfried Bommert:
„(…)
So grün war es noch nie zur Grünen Woche in Berlin. Selbst die industriefreundliche Bundeslandwirtschaftsministerin überschlägt sich mit ökologischen Bekenntnissen. Weniger Pestizide, weniger Antibiotika, weniger Fastfood, weniger Nitrat, weniger Fleisch, weniger Klimagase. Dafür mehr Bienen und Insekten in der Feldflur, mehr Vielfalt auf dem Acker, mehr Tierwohl im Maststall, mehr Lebensmittel aus der Region, mehr Selbstgekochtes auf den Tischen in Kitas, Schulen und Universitäten. Ja, das wollen wir. Zumindest ist es schön gesagt und wohlfeil applaudiert. Die Politik hat verstanden: Ab jetzt zählt grün, grüner, am grünsten. Wirklich?

Oder sind es nur verbale Nebelkanonen, die in Berlin in Stellung gebracht werden, um die unangenehme Wirklichkeit der Agrarwirtschaft zu verdecken? Nebelkanonen, die verschleiern sollen, dass die deutsche Landwirtschaft 20 Milliarden Wertschöpfung erbringt, dafür aber Umwelt- und andere Kosten in Höhe von 100 Milliarden produziert. Ökologische Kosten, die für ausgeräumte Landschaften, verlorene Bodenfruchtbarkeit und schrumpfende Wasserreserven, sterbende Bienenvölker und eine ausgezehrte Vogel- und Tierwelt hier und auf den Mastfuttersteppen in Südamerika anfallen. Kosten, die wir und unsere Enkel werden zahlen müssen. Wenn wir die Schwüre, die unter dem Funkturm Berlins geleistet werden, ernst nehmen sollen, dann muss genau diese Rechnung auf den Tisch. Und auf den Tisch muss auch, was wir für eine enkeltaugliche Landwirtschaft tun können. Anstelle von Schönrederei – harte Fakten, klare Ziele, konsequente Umsetzung. Dafür haben wir unsere Politiker gewählt.

Mein Vorschlag:
Pro Jahr 5 Prozent verringern bei allem, was nicht mehr ökologisch zu verantworten ist. 5 Prozent pro Jahr weniger bei Pestiziden, Antibiotika, Nitrat, Futtermitteln aus Übersee, Billigfleisch und Klimagasen. Und 5 Prozent pro Jahr mehr von dem, was dringend notwendig ist: Glückliche Tiere, mehr Bienen, mehr Vielfalt auf dem Acker, mehr sauberes Grundwasser und gesunder Boden, mehr Bauern und Bäuerinnen, die mit Stolz und Anerkennung ihre Felder bestellen. In 20 Jahren wären das 100 Prozent, also die komplette ökologische Wende auf den Äckern und auf den Tellern bis 2040.
Eine grüne 5-Prozent Diät für die nächsten 20 Jahre – das wäre mal eine konkrete Ansage. Und sie würde das umsetzen, was uns die Regierung bis 2050 versprochen hat, ein klima- und umweltverträgliches Land.“

Das IWE (World Food Institute – Institut für Welternährung e.V.) ist ein Zusammenschluss von Journalist*nnen, Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen und interessierten Laien mit dem Ziel, sich gemeinsam für eine Ernährungswende einzusetzen.