Winter in der Gärtnerei – Insekten



In einem unserer letzten Blogartikel haben wir uns die Überwinterungsstrategien der Pflanzen angeschaut. Diesmal geht’s um alles was durch die Gegend krabbelt, kriecht und schwirrt – Insekten und ihre Methoden über den Winter zu kommen….


Insekten – die artenreichste Klasse der Tiervielfalt auf unserem Planeten. Sie alle – ob fliegend, krabbeln oder kriechend – haben verschiedenste Methoden entwickelt, um gut über den Winter zu kommen. Gängige und auch uns, den Menschen, nicht ganz unbekannte Techniken, sind Verkriechen und Verschlafen, Einbuddeln oder die Flucht in wärmere Regionen.

Egal wo und wie sich Insekten verkriechen – die meisten fallen über die stade Zeit in Kältestarre. Hierbei wird die Körperfunktion auf ein Minimum runtergefahren bevor der Frost zuschlägt. Hobbyphysiker*innen stellen sich hier eine berechtigte Frage: Gefrorenes Wasser dehnt sich aus. So auch das Wasser in den Zellen der Insekten – wie können sie dies überleben?

Dazu nutzen Insekten einen raffinierten Trick. Ebenso wie die winterharten Pflanzen entwässern sie ihren Körper, konzentrieren ihre Körpersäfte und lagern Glyzerin oder Zucker ein, welches den Gefrierpunkt der Körperflüssigkeit herabsetzt. So verhindert dieses natürliche „Frostschutzmittel“ das Gefrieren von Gewebeflüssigkeiten bei Minusgraden. Eine Methode die viele fliegenden Insekten wie Marienkäfer, Stechmücken oder auch der Zitronenfalter anwenden. Letzterer kann so bis minus 20° C überleben. Er klammert sich dazu hinter Efeublätter, Brombeersträucher oder ins hohe Gras, erstarrt und wartet auf die ersten warmen Frühlingstage, um langsam zu erwachen.

Andere in unserer Region überwinternde Falter (z.B. Großer und Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge) wiederum benötigen ein frostsicheres Versteck, wie z.B. alte Bäume mit Höhlen oder Reisighaufen aber auch Dachstühle, Geräteschuppen oder Kellerräume sind gut geeignet, um gefahrlos über den Winter zu kommen.

Doch einige zieht es in wärmere Gefilde – wie z.B. manche Schmetterlingsarten, die sich im Herbst Richtung Süden aufmachen. Der Distelfalter bspw. kann mit einer Spannweite von 40 bis 60 mm die Windströmungen nutzen, um Richtung Afrika aufzubrechen. Das klappt nicht immer und für manchen Falter endet die Reise vorschnell auf alpinen Gletschern, wenn ihn ein früher Kälteeinbruch erwischt. Alle gut im Süden gelandeten Falter legen munter mit der Fortpflanzung los und im Mai/Juni des nächsten Jahres fliegt eine neue Generation zurück Richtung Geburtsstätte der Eltern. Bis zu zwei Generationen erblicken dann in Europa das Licht der Welt, bevor sie mit sinkenden Temperaturen zum Jahresende erneut die lange Reise gen Süden antreten.

Verkriechen, Erstarren oder Flucht in den Süden – weitere Methoden, um die kalten Monate gut zu überstehen, sind die Überwinterung als Puppe im Kokon oder Ei im Boden. Kokons sind hängend an Stauden oder Gräsern zu entdecken, aber auch Baumrinden bieten gute Verstecke gegen Fressfeinde. Eier werden zur Überwinterung gerne direkt im Stängel der Futterpflanze, oder dicht daneben im Boden abgelegt – damit die geschlüpfte Raupe im Frühling die Nahrungsquelle direkt vor der Nase hat.

Und wie sieht es am Boden aus? Was machen all die krabbelnden Insekten, die sich nicht verpuppen oder gen Süden flüchten?
Z.B. die Ameisen, die sommers überall anzutreffen sind. Durch ihre unterirdischen Aktivitäten sorgen sie für gute Bodenbelüftung, verteilen auf ihren Transportwegen gerne Samen und verwerten organische Materialien im Ameisenbau. Sie verbringen die frostigen Monate tief in der Erde, sodass ihnen die Kälte nichts anhaben kann. Alle Ein- und Ausgänge ihres Winternestes werden verschlossen und der ganze Ameisenstaat fällt in eine gemeinschaftliche Winterstarre. 

Im Singledasein verstecken sich dagegen junge Hummelköniginnen gerne in Ritzen, Laubhaufen, unter Totholz oder in alten Mäusenestern, um den Winter zu überstehen, denn sie haben einiges vor. Im Herbst sind sie als letzte Brut geschlüpft, haben sich verpaart und warten nun erstarrt auf den Frühling. Die alte Königin und die ausgedienten Arbeiterinnen quittieren ihren Dienst und sterben, sobald es kälter wird. So machen sie Platz für die junge Regentin, die mit den ersten wärmeren und helleren Tagen im Februar hungrig aufbricht, auf der Suche nach Frühblühern und einem eigenen Staat.

Wildbienen überdauern die „stade Zeit“ nur selten. Die meisten sind einjährige Geschöpfe und sterben bereits im Sommer, nachdem sie für Nachwuchs gesorgt haben. Diesen legen sie in Brutzellen im Boden, in Käferbohrlöchern oder in Pflanzenstängeln ab. Die Brutzelle wird vorab ausreichend mit Proviant bevorratet und verschlossen, bevor die Elterngeneration das Zeitliche segnet. Aus dem Ei schlüpft dann recht bald als Vollwaise eine Larve, frisst sich satt, sitzt den Winter als Puppe aus, um dann im Frühjahr zu schlüpfen und selbst Nach- wuchs zu zeugen.

Der Kollege Laufkäfer wiederum überwintert als Larve oder ausgewachsenes Exemplar am liebsten im Boden. Laufkäfer sind hilfreiche Schädlingsbekämpfer, denn sie können pro Tag das Dreifache des eigenen Körpergewichts verputzen. Im Frühjahr schlüpft die Käferlarve im Boden und frisst sich erstmal an Schnecken, Würmern und Raupen satt. Strukturen wie Wiesen, Hecken, Totholz- und Laubhaufen kommen den Käfern dabei entgegen, denn sie benötigen einen humusreichen Boden mit viel Bodenleben für ihre ausgedehnten Fressstreifzüge.

Kleine Insekten, wie Marienkäfer, Florfliegen und z.B. Stechmücken suchen sich für ein winterfestes Versteck meist Ritzen und Spalten hinter Baumrinden, in Reisighaufen oder Nischen in und an Gebäuden. Wie die Ameisen verfallen sie dort in eine Winterstarre und harren geduldig dem Frühling.

Alle genannten Insekten reagieren in Ihren Winterquartieren oder auf Ihren Reiserouten sehr sensibel auf Temperaturunterschiede und sind auf stabile jahreszeitliche Abläufe angewiesen, um ihr Überleben zu sichern. Durch den Klimawandel geraten die fein aufeinander abgestimmten natürlichen Kreisläufe immer mehr aus dem Tritt. Zum Leidwesen vieler Tierarten und Insekten, die dies mit ihrem Leben bezahlen.

Das KK im Protestonaut-Kalender 2021

Im Spätsommer durften wir einen ganz besonderen Besuch in unserer genossenschaftlichen Gärtnerei Nähe München begrüßen. Wir und unsere Tomaten hatten ein kleines Get-Together mit dem Protestonaut – siehe Bild:

Der Protestonaut (lat.: protestari – öffentlich bezeugen, gr.: –nautēs – Matrose) ist ein journalistisches Kunstprojekt, das mit Fotos und kurzen Texten Aufmerksamkeit auf wichtige Punkte und Herausforderungen lenken will. Denn das Überangebot der Medien und die immerwährende Überinformation verschiedenster Kanäle verschleiert manchmal den Blick auf wichtige Themen wie Klimaschutz, Bildung oder Datenschutz – Themen, die alle Menschen betreffen.

Der Protestonaut besucht Projekte, Institutionen und Regionen, die einen aufmerksamen Blick verdienen, da sie Besonderes leisten, Wichtiges sichtbar machen und mit Engagement und Herzblut daran arbeiten, die Welt ein Stückchen besser zu machen.

Im Wandkalender 2021 sind alle Besuche des Protestonauten in wunderschönen Bildern festgehalten. So ist der Kalender ein Impulsreferat in gedruckter Form. Zum Denkanstöße geben und Diskussionen anregen. 

Astronauten sind Entdecker und müssen zahlreichen Herausforderungen gewachsen sein. Im All haben sie einen außergewöhnlichen Blick auf die Erde und schweben über Problemen des blauen Planten. Im Kostüm des Protestonauten könnte jeder stecken: die Verkäuferin, der Bankangestellte, die Lokalpolitikerin, der Student, die Managerin, der IT-Fachmann, die Leserbriefschreiberin, der Arbeitssuchende, die Lehrerin, der Privatier – und Du.

Das wunderbare Bild vom Protestonaut in unserem Tomatengewächshaus findet Ihr in der siebten Ausgabe des Wandkalenders. Hier steht das Thema „Nachhaltigkeit“ im Fokus und die Kalendermotive für 2021 zeigen den Protestonaut unter anderem im Wald, beim Einkaufen im Second-Hand-Laden, in unserer Gärtnerei, vor einem Insektenhotel und beim Urban Gardening.

Der Protestonautkalender 2021 zum Thema Nachhaltigkeit ist ab sofort erhältlich – Wo und wer hinter dem Projekt steckt könnt Ihr hier nachlesen: protestonaut.de/der-kalender.

Winter in der Gärtnerei – Pflanzen

Die Natur bereitet sich langsam auf die kalte Zeit vor und wir wollen uns mal genauer anschauen, wie sich Pflanzen, Tiere und Insekten winterfest machen, um die Zeit bis zum Frühjahr gut zu überbrücken …

Wir drehen die Heizung auf, kochen Tee und machen es uns unter dicken Decken auf dem Sofa gemütlich, sobald die Temperaturen auf Winterniveau fallen. Doch wie sieht es mit den Pflanzen aus, die neben allerlei Gemüsekulturen auf unserem Betrieb zu Hause sind?

Sinkende Temperaturen und die kürzeren Tage signalisiert den Pflanzen den nahenden Winter. So haben sie Zeit, ihr Wachstum einzustellen, ihre Pflanzensäfte (Wasser, Zucker, Chlorophyll) zurückzuziehen und diese in Wurzeln, Stamm und Knospen einzulagern. Vorratshaltung eben ;-). Bei Bäumen und Sträuchern wird das z.B. am verfärbten, fallenden Laub deutlich. Im Sommer verdunstet ein Baum über seine Blätter jede Menge Wasser – eine hundertjährige Rotbuche etwa 400 l pro Tag! Im Winter können deren Wurzeln jedoch immer schlechter Wasser aus dem Boden aufnehmen. Um nicht auszutrocknen, werden die Blätter daher inkl. giftiger Stoffwechsel-Endprodukte und gespeicherter Umweltgifte abgeworfen. Sozusagen ein Reinemachen vorm Winterschlaf. Und ohne Laub auf den Ästen sind diese auch weniger anfällig für Herbststürme und Schneelast. Zudem ist im Frühjahr der Weg für die ersten warmen Sonnenstrahlen frei, die das Signal für das Austreiben der Knospen geben.

Bei Pflanzen, wie z.B. Stauden, unterscheidet man ein- zwei- oder mehrjährige Arten. Einjährig bedeutet: Die Pflanze keimt im Frühjahr aus einem Samen, wächst heran, blüht, wird befruchtet, es bilden sich Samen aus, diese fallen im Spätsommer / Herbst auf die Erde und die Mutterpflanze stirbt ab. Nach dem Winter treiben die Samen der neuen Generation aus und der Kreislauf beginnt von Neuem. Die Pflanze selbst lebt aber nur ein Jahr. Ringelblume, Lupine, Bockshornklee sind typische einjährige Pflanzen. 

Bei den zweijährigen Pflanzen schaut der Ablauf etwas anders aus. Im ersten Jahr werden nur Wurzeln und Blätter, oft in Form einer grundständigen Rosette ausgebildet. Erst im zweiten Jahr – nach einem Kältereiz im Winter – treibt ein Blütenstand aus. Der bringt wieder Samen hervor und der Kreislauf beginnt von Neuem. Typische Vertreter der zweijährigen Pflanzen sind Wilde Möhre, Königskerze oder Nachtkerze.

Nähert sich die Temperatur dem Gefrierpunkt, schalten winterharte Pflanzen auf Überlebensmodus: Statt Glucose stellen sie Glycerin her und zerlegen Stärke zu Glucose. Das Wasser in ihren Zellen wird dadurch so gebunden, dass es bei Minusgraden nicht mehr gefrieren kann. Die Pflanze bildet also eigenständig ein Frostschutzmittel. Einige Pflanzensamen benötigen eine Kältephase von 0° C bis +5° C über vier bis acht Wochen, um nach der Aussaat auszutreiben – sog. Kaltkeimer, wie z.B. Haselnuss, Buche, Eiche oder Dill. Sie benötigen in ihren Entwicklungsphasen exakt passende Witterungsbedingungen.

Doch der Klimawandel stört die sensiblen Abläufe durch weiter steigende Temperaturen und weniger Niederschläge. So geraten ineinander verzahnte Abläufe immer mehr aus dem Tritt und die Verschiebung von klimatischen Zonen durch die Erderwärmung macht es heimischen Pflanzen und damit unserer gesamten Artenvielfalt schwerer zu überleben.

Beim nächsten Mal gucken wir uns die Insekten an, und welche Überwinterungsstrategien sie anwenden, um den Winter gut zu überstehen.

Europas Natur stirbt

Europas Natur ist auf dem absteigenden Ast. Nicht nur einzelne Arten sind gefährdet. Auch ganze Lebensräume, wie Wälder, Grünland und Moore, die durch ihren Zerfall ganze Populationen dem Untergang weihen.

Details über den desaströsen Zustand der Flora und Fauna wurden im „Bericht zur Lage der Natur in Europa“ der Europäischen Umweltagentur kürzlich veröffentlicht. Das Ergebnis ist alarmierend: Weniger als 20 Prozent der Lebensräume sind demzufolge EU-weit noch einigermaßen intakt.
Mitverantwortlich für das Sterben unserer Natur ist u.a. eine zu intensiv betriebene Landwirtschaft mit z.T. schlimmen Folgen für Mensch und Natur. Siehe zum Beispiel unseren Beitrag zur Pestizidstudie.

Bestrebungen, unser Lebensmittelsystem und dessen Wertschöpfungskette nachhaltiger zu gestalten gibt es z.B. in Form der „Farm to Fork“-Strategie auf EU-Ebene, die den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft und die Reduzierung des Einsatzes von gefährlichen Pestiziden und Düngemitteln vorsieht.

Doch der aktuelle Beschluss zur Ausgestaltung der europäischen Agrarpolitik (GAP) des EU-Parlaments hat solchen Zielen den Riegel vorgeschoben – und zwar für die nächsten sieben Jahre!
Mitverhandlerin: Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), die das Ergebnis als

„Meilenstein“ und „Systemwechsel“ lobt.

Doch Tatsache ist, dass die dringend benötigte Agrarwende erneut in unerreichbare Ferne rückt. Die fast 400.000.000.000 € des europäischen GAP-Haushalts gehen demnach auch in Zukunft ohne nennenswerte Umweltauflagen weiterhin an Betriebe, die die größten Flächen bewirtschaften und damit auch am wirkstärksten Hebel für gute oder schlechte Umweltauswirkungen sitzen.

Mehr zu dieser niederschmetternden politischen Entscheidung und welche Optionen für die Agrarwende verbleiben, gibt es hier.

UnSeRe kLeInE FaRm

Die Haupterntezeit ist da. Und damit geben wir Euch einen kleinen Einblick in den Status quo unseres Anbaus und was es mit der erneuten Lieferung Spinat auf sich hat …

Keine Saison gleicht der anderen (Licht, Regen, Wärme, Schädlinge, … Ihr wisst schon.) – darum geben wir viel Herzblut, um unsere Gemüsekulturen durch alle Untiefen zu steuern.

20 Prozent aus alles!*

Damit wir auch in schlechteren Jahren gut gerüstet sind, kalkulieren wir in unserer jährlichen Anbauplanung immer einen Puffer von 20 % für Ernteausfall ein.
In Jahren, in denen der Wetterfrosch (und/oder die Schädlinge) gute Laune hat, steht uns dann auch mehr Ernte zur Verfügung. Dabei kann es vorkommen, dass wir Kulturen wöchentlich direkt nacheinander ernten (müssen), um z.B. Erntefenster nicht zu verpassen oder Krankheitsbefall zu verhindern. So geschehen in dieser Woche beim Spinat. 


Dieser Überschuss kann dann, muss aber nicht, für alle Ernteanteile reichen. In letzterem Fall füllen wir die Kisten mit anderem Gemüse auf, sodass alle gleich viel zusätzlich bekommen.
Der Spinat bspw. ist in den letzten Jahren eher problematisch gewachsen. Das lag zum einen an der Witterung, zum anderen an der Sorte und viel Pilzbefall. Dieses Jahr haben wir eine neue Sorte getestet, die sich offensichtlich richtig wohlfühlt und für unseren Standort gut geeignet ist. Der Spinat wächst momentan, als gäbe es kein Morgen und der 20-Prozent-Puffer + Wohlfühlwachstum landet deshalb diese Woche in unseren Kisten.

Wer den Spinat so schnell nicht verarbeiten kann, hier unser Tipp: Spinatblätter kurz in kochendem Wasser blanchieren, gut abtropfen und direkt einfrieren. So bleibt er knackfrisch bis zur nächsten Verwendung.

*) Ausser auf Kohl
Doch so sehr wir uns über den Spinat freuen, beim Kohl sieht es mau aus. Vor allem Wirsing, Rotkohl und Rosenkohl litten in dieser Saison an den Raubzügen der weißen Fliege, hungriger Raupen und durstiger Läuse. Dadurch hat sich die Blattmasse der Kulturen nur mittelprächtig entwickelt, die eine entscheidende Rolle bei der Fotosynthese – also Zuckerbildung hat, wovon wiederum die Wachstumsqualität abhängt. Wir stellen uns daher auf eine eher nüchterne Kohlernte ein.

Der Sellerie allerdings steht grandios auf dem Acker und wandert derzeit peu à peu ins Lager

Ausserdem haben wir unsere Kürbisse heimgeholt. An vier Tagen haben wir mit ausgefeilter Wurftechnik 3 Sorten Kürbisse – insgesamt 12.500 Stück – ins Lager gebracht. Für Euch dazu ein paar Impressionen direkt aus Spielberg:

Glyphosat & co auf Fernreise

Die größte deutschlandweite Studie zur Messung von Pestizidrückständen in unserer Luft wurde veröffentlicht und die Ergebnisse sind eindeutig: 

Pestizide sind überall!

Ob im Naturschutzgebiet, in der Stadt, auf dem Bio-Acker oder auf hohen Berggipfeln – durch die vom Umweltinstitut München e.V. und dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft in Auftrag gegebenen Studie konnten deutschlandweit an 163 Standorten über 138 Pestizide nachgewiesen werden. 

Eines davon war immer und überall mit von der Partie: Glyphosat. Doch auch andere Pflanzenschutzmittel sowie teilweise seit den 70er-Jahren verbotene Mittel sind auch jetzt noch – fast 50 Jahre später – in unserer Luft. 

Die Rückstände von aktuell in Deutschland verbotenen, jedoch in anderen EU-Mitgliedstaaten zugelassenen Pestiziden wurden ebenfalls mehrfach nachgewiesen – dies beweist, dass Pestizide gerne in die Ferne reisen, und ganz und gar nicht dort bleiben, wo sie ursprünglich eingesetzt wurden. Sie haften sich an kleinste Staubpartikel und wehen kilometerweit durch die Luft. So landen sie z.B. auf Bio-Äckern. Und da Biolandwirt*innen schwerlich unter einer Käseglocke wirtschaften können, sind sie und wir alle als Verbraucher*innen machtlos gegenüber der gefährlichen Fracht, die der Wind auf unsere Felder weht.

Dieser nun erstmals durch die 1,5 Jahre angelegte Studie nachgewiesene Fernstransport von Glyphosat & Co wird weder bei der Zulassung noch Gefährdungsbeurteilung von Pestiziden ausreichend berücksichtigt. Die Untersuchung zeigt, dass sich Pestizide trotz aller Kontrollen und Vorschriften nahezu überallhin verbreiten – in Schutzgebiete, auf Bio-Äcker und in unsere Wohnräume. Welche Auswirkungen das für uns, unsere Gesundheit und die unserer Kinder hat, bleibt weiterhin ein großes Fragezeichen.

Doch in Sachen Einsatz für die Umwelt geht was voran: Das Umweltinstitut München (übrigens Mitglied der Kartoffelkombinat eG) nimmt sich wissenschaftlich fundiert der Fehlstellungen in der Agrarindustrie an und bringt Veränderung auf den Weg. Gemeinsam mit dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft fordert es ab sofort:

  • Sofortiges Verbot der am stärksten verbreiteten Pestizid-Wirkstoffe.
    Das betrifft Glyphosat, Prosulfocarb, Pendimethalin, Terbuthylazin und S-Metolachlor.
  • Entschädigung von Bio-Betrieben durch Pestizideinträge.
    Bisher müssen Bio-Landwirt*innen oder Verarbeitungsbetriebe die Kosten für die Abgrenzung und Schäden durch Pestizid-Verunreinigungen selbst tragen. Das schlägt sich auch auf die Preise für Bio-Produkte nieder. Ein Entschädigungsfonds, in den die Chemieindustrie einzahlt, wäre gerechter und würde in die richtige Richtung steuern: Hin zu mehr Bio.
  • Reform der Zulassungsverfahren für Pestizide.
    Die Verbreitung von Wirkstoffen durch die Luft muss vor der Zulassung in realistischen Experimenten gemessen und danach kontinuierlich beobachtet werden.

Unsere Atemluft geht uns alle etwas an, und eine grundlegende Wende in Sachen Pestizide muss her. Die Akteur*innen der Studie sind sich einig:
Mit Hilfe einer Mischung aus Verboten, der Forschung an Alternativen und ökonomischen Anreizen ist ein Ausstieg aus dem Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide in der Landwirtschaft möglich.

Das fordert auch die europäische Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten!“. Wir haben bereits unterzeichnet: kartoffelkombinat.de/bienenundbauern.

Ein gute Zusammenfassung der Studie und Einblicke in die Arbeit der Forscher*innen findet Ihr in diesem Video. Weitere Infos zur Studie und weiterführende Links gibt’s hier

 

CoNnY’s KoChStUdIo: Chutney aus grünen Tomaten

Der Herbst ist da – und damit die Tomatensaison leider vorbei. Die restlich verbliebenen Tomaten werden bei den kühlen Temperaturen und der früher einsetzenden Dunkelheit leider nicht mehr reif. Doch bevor die grünen Tomaten auf den Kompost wandern, packen wir sie kurzerhand in die Ernteanteile – denn Conny hat ein köstliches Rezept parat, wie aus den recht bitteren Früchten ein ganz feines Chutney entsteht und Ihr Euch so den Tomatensommer auch im Winter schmecken lassen könnt.

Doch Obacht: bei unreifen Tomaten ist generell Vorsicht geboten. Sie enthalten den giftigen Stoff Solanin. Das ist ganz typisch und kommt in den grünen Teilen von Nachtschattengewächsen vor. Solanin findet sich sowohl bei grünschaligen Kartoffeln, als auch im grünen, holzigen Stielansatz bei reifen Tomaten. Deshalb schneidet man den auch weg. 

Ab einem Verzehr von 2 bis 3 unreifen Tomaten kann es bei empfindlichen Menschen bereits zu Beschwerden, wie z.B. Kopf- und Magenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen kommen. Doch da unreife Tomaten recht bitter schmecken, kommt kaum jemand auf die Idee, soviel davon zu verputzen. 

Das Chutney aus grünen Tomaten wird deshalb auch nur in kleinen Mengen als kulinarisches i-Tüpfelchen zu Curry oder bspw. Weichkäse gereicht. Ein richtiges Schmankerl also. Denn auch durch die lange Kochzeit der grünen Tomaten wird das hitzestabile Solanin nicht abgebaut.

Wie Ihr das feine Chutney aus unseren grünen Tomaten herstellt, zeigen wir Euch in unserem kleinen Film – direkt aus Conny’s Kochstudio mit Daniel als Küchenassistenz inkl. Rezept. Klickt Euch rein unter: www.kartoffelkombinat.de/tomatenchutney.

Viel Spaß beim Gucken und vor allem beim Nachkochen – es lohnt sich!

Für alle zum Nachlesen hier das Rezept inkl. Zubereitung

  • 1 kg grüne Tomaten, grob geschnitten
  • 200 g Zwiebeln, fein geschnitten
  • 12 g Salz
  • 400 ml Apfelessig
  • 200 g brauner Zucker 100 g Rosinen
  • 10 g Pfeffer, gemahlen

Vorbereitung am Vortag: Zwiebeln in dünne Scheiben und Tomaten in grobe Stücke schneiden. In einer Schüssel mit Salz vermengen und über Nacht zugedeckt stehen lassen. Dieser Schritt wird einiges an Tomatensaft herausziehen, die Kochzeit verkür- zen und den Geschmack verbessern.

Step 2: Am nächsten Tag Essig und Zucker bei mittlerer Hitze in einem großen Topf erwärmen, bis der Zucker aufgelöst ist. Dann zum Kochen bringen.

Step 3: Die Rosinen/Sultaninen grob schneiden und in den Topf dazu geben – das Ganze leicht aufkochen.

Step 4: Den Tomaten-Zwiebel-Mix vom Vortag sanft mit den Händen auspressen, um den Saft herauszudrücken und dann ab damit in den Topf (ohne Saft). Pfeffer dazu ge- ben, alles gut vermengen und die ganze Masse leicht aufkochen lassen.

Step 5: Nun nur noch hin und wieder umrühren. Das Chutney sollte dickflüssig sein – am besten macht Ihr den Löffeltest: Kochlöffel über den Boden des Topfes ziehen – wenn das Chutney nicht sofort wieder zusammen rinnt, ist es fertig. Das dauert ca. 1-1,5 Std. Nun das Chutney in heiß ausgespülte Gläser füllen, fest zuschrauben und auf dem Kopf gestellt auskühlen lassen.

Wir freuen uns über Feedback und weitere köstliche Rezeptideen. Wie immer könnt Ihr diese gerne im Forum unter www.kartoffelkombinat.de/rezepte teilen.

Schulgarten in Portugal – Ein Update

Im Herbst 2019 haben Sophie und Daniel in Mértola, Portugal, an einer Regionalkonferenz teilgenommen, um am Beispiel des Kartoffelkombinats Alternativen aufzuzeigen.

Die Region im Südwesten Portugals leidet unter Jahrzehnten der Misswirtschaft, verbrauchten Böden, zusammengebrochenen Infrastrukturen, akuter Wasserknappheit und Landflucht der jungen Bevölkerung.

Bei unserem Besuch haben wir u.a. die Schulkrankenschwester Maria Joao Silva und ihre ambitionierte Projektidee kennengelernt, im Rahmen eines Schulgartens den Kindern Wissen über Gemüseanbau ohne Bewässerung (sog. syntropische Anbaumethode: siehe kartoffelkombinat.de/wasser-pflanzen) und die Wiederbelebung degradierter Böden zu vermitteln und nebenbei die Selbstversorgung der Familien der beteiligten Schulkinder durch den Garten zu ermöglichen.

Die Berichterstattung über unseren Besuch (kartoffelkombinat.de/mertola) und unser Spendenaufruf für Marias Schulgartenprojekt im Kartoffeldruck blieben nicht ungehört. Es war aus unserer Sicht „nicht viel” Geld nötig, um Marias Vision zu ermöglichen, doch für Maria unmöglich allein zu finanzieren. Durch Eure Spenden rückt die Realisierung Ihrer Vision nun in greifbare Nähe: Insgesamt sind 3.500 € zusammengekommen. Herzlichen Dank an Eure Bereitschaft und spontane Unterstützung!

Wir haben Maria zum Jahreswechsel 2.400 € für Ihr Projekt überwiesen, um Jungpflanzen und Werkzeuge zu kaufen. Die Summe wird ausreichen, Marias Schulgarten zwei Jahre lang komplett zu finanzieren! (Das restliche Geld werden wir entweder bei Bedarf fürs dritte Jahr zuschießen oder an ein gleichartiges Projekt in der Region geben.)

Bis dato hatte sie bereits zwei Lehrkräfte im bestehenden Erprobungsgarten in Mértola ausbilden lassen. Marias Dankbarkeit war sehr groß und auch wir freuten uns, dass wir so schnell und so konkret aus unserer Solidargemeinschaft heraus helfen konnten. Alle Involvierten – Schüler*innen, Lehrer*innen, Schulmitarbeiter*innen und Eltern – haben sich sogleich motiviert und voller Engagement in die Gartenplanung gestürzt. Neben organisatorischen Hürden hat die Coronapandemie der weiteren Realisierung erst mal eine Vollbremsung verpasst und die Planung seit März deutlich erschwert – z.B. da die Schulen geschlossen wurden. Doch Hoffnung ist in Sicht, denn die Organisation des Teams fährt langsam wieder hoch und es ist ein Treffen mit der Stadtverwaltung zur Vorstellung des Projekts geplant.

Wir drücken fest die Daumen, dass sich die Schulsituation trotz Corona normalisiert und der Schulgarten endlich Realität wird.

Andere Schulgartenprojekte stehen übrigens mit Marias Initiative im engen Austausch und steuern engagiert Fachwissen und inhaltliche Hilfestellung bei.

Vielen Dank für Eure Unterstützung, wir halten Euch auf dem Laufenden!
Sophie und Daniel

Dürre? Doch nicht bei uns!

Dürre ist ein komplexes Thema. Und eines, das wir kaum mit unseren Breitengraden in Verbindung bringen. Doch Dürre ist kein Schreckgespenst am fernen Horizont. Der Wassermangel – trotz des derzeitigen Regens – ist ganz real. Vor unserer Haustür.

Wir berichten in regelmäßigen Abständen über den aktuellen Stand, wie wir im Kartoffelkombinat unseren Wasserbedarf decken, welche Herausforderungen es dabei gilt zu meistern und wie unsere Prognose der kommenden Wochen und Monate aussieht.

Wasser ist zwar das Element, das gefühlt überall auf unserem Planeten vorhanden ist, doch nur 40 % davon ist Süßwasser, und davon wiederum stehen uns weltweit nur 0,3 % als Trinkwasser und zur Bewässerung unserer landwirtschaftlichen Flächen zur Verfügung. Schluck!

Laut Expert*innen haben wir derzeit noch ca. 10 Jahre Zeit, um die Wasserkrise in Deutschland zu „lösen“. Danach wird ein sog. Kipppunkt erreicht, nach dem sich der negative Dominoeffekt auf die Menschen und Artenvielfalt kaum mehr aufhalten lässt. Die dystopischen Annahmen antizipieren dann u.a. massenhafte Umsiedlungen aus zu trockenen in wasserreichen Regionen (sog. Wasserflucht) und einen irren logistischen Aufwand lebensnotwendiges Nass zu Mensch, Tier und Feld zu transportieren, wenn der Regen ausbleibt.

9 der 10 wärmsten Jahre seit der Wetteraufzeichnung haben sich in den letzten 20 Jahren ereignet. Und wenn sich die meisten von uns über herrliches Badewetter freuen, wird auch hitzig diskutiert. „Hitze ist nicht gleich Dürre!“, sagen manche. Doch das ist ein Trugschluss. Denn Dürre und Hitze verstärken sich gegenseitig: Wenn es heiß ist, trocknen Böden schneller aus. Ausgedörrte Böden wiederum nehmen Wasser schlechter auf – Niederschlag läuft oberflächlich ab, ehe er einsickern kann. Bei Trockenheit fehlt auch eine natürliche Kühlung unseres Bodens: Normalerweise verdunstet unter Sonneneinstrahlung Wasser – bei Dürre wird deshalb die untere Atmosphäre heißer und trockener. Das heißt unser Leben wird sich verändern: Bruthitze in unseren Städten wird jährlich tausende Leben kosten (kartoffelkombinat.de/hitze), Futtermangel für das Vieh aufgrund vertrockneter Wiesen wird ganze Produktionszweige in Bedrängnis bringen und Auswirkung auf Produktion und Preise haben. Ausgetrocknete Flüsse und Seen werden zum massiven Rückgang der Artenvielfalt führen. Eine Entwicklung, die dann außerhalb unseres Einflusses liegt, wenn wir uns nicht jetzt mit aller Kraft dem Aufhalten des Klimawandels widmen. Und ganz regional betrachtet: Hitze, Dürre, Artensterben – alles weit weg von uns?

Leider nein. Ganz konkret können auch wir im Kartoffelkombinat davon berichten, dass die Trockenheit der vergangenen Jahre mittlerweile großen Einfluss auf unsere Arbeit, Ernte und Erträge hat.

2019 erhielten wir ein Schreiben des Landwirtschaftsamtes Fürstenfeldbruck. Darin die Information, dass die Grundwasserstände in Bayern seit 15 Jahren fallen und die dringende Bitte, für die mittel- und langfristige Planung in unserem Betrieb für eine „besonders sorgsame und sparsame Durchführung der Bewässerung zu sorgen“ und „eine Investition in wassersparende oder wasserspeichernde Technik in Betracht zu ziehen“.

Denn ein Blick auf den Grundwasserspiegel in Mammendorf, 3 km von der Gärtnerei entfernt, ist erschreckend. Die Messstelle unterteilt den Grundwasserpegel in 5 Zonen von sehr hoch bis sehr niedrig. Seit letztem Jahr August bleibt der Wert konstant unter „sehr niedrig“. 


Das haben wir auch direkt gespürt: Unser in 2017 gebohrter Brunnen in der Gärtnerei hat eine Saison für die Bewässerung gereicht. Dann ist er aufgrund der Trockenheit und fehlender Niederschläge leergefallen und seitdem nicht mehr benutzbar. Das Wasser steigt nicht mehr weit genug hinauf.

Folgend der Link zur Mammendorfer-Messstelle: www.kartoffelkombinat.de/grundwasser.

Unsere Lebensmittel sind im Wachstum und der Erzeugung genauso auf Wasser angewiesen wie alles Leben. Verschiedene Lebensmittel benötigen dabei unterschiedliche Mengen Wasser. Wie dringend es ist, den indirekten Wasserverbrauch durch den Konsum von Produkten, die wenig Wasser benötigen, zu senken, wird immer deutlicher. Fleisch, Kaffee, Kakao sind die durstigsten Lebensmittel in der Erzeugung. Gemüse und Obst fallen sehr viel weniger ins nasse Gewicht. Vor allem saisonal erzeugte Produkte sind immer die bessere Wahl, was den ökologischen und den H2O-Fußabdruck angeht. Hier eine gute Reportage über die Dürre in Deutschland in der ARD Mediathek: www.kartoffelkombinat.de/duerre

Und wie sieht es zum Thema Wasser bei uns ganz konkret aus?
In den letzten Wochen hat es ziemlich viel Nass vom Himmel geregnet. In der zuvor trockenen und recht heißen Periode haben wir in unserer genossenschaftlichen Gärtnerei viel maschinelle und manuelle Beikrautregulierung, das sog. „Hacken“ durchgeführt, um unsere Pflanzen vom Unkraut zu befreien.

Gleichzeitig fördert diese Arbeitsmethode die Qualität des Wasserhaushalts im Boden. Denn durch das Hacken wird die Bodenoberfläche aufgebrochen und damit die Kapillarität unterbrochen. Mit Kapillarität bezeichnet man das Verhalten von Flüssigkeiten bei Kontakt mit engen Röhren, Spalten oder Hohlräumen in Feststoffen. Dabei entsteht der sog. Kapillareffekt, der auf einer Wechselwirkung zwischen der Oberflächenspannung der Flüssigkeit (Kohäsion) und der Grenzflächenspannung zwischen der Flüssigkeit und der festen Oberfläche hervorgerufen (Adhäsion) wird.

Das Gewicht von Wasser ist in engen Hohlräumen – also den Kapillaren des Bodens – gering, und die Kapillarkraft somit stärker als Schwerkraft. Wasser steigt deshalb vertikal nach oben. Das hat einerseits viel Sinn z.B. bei der Wasserversorgung von Bäumen, die Wasser aus ihren Wurzeln viele Meter in die Höhe steigen lassen können, um ihren Wasserbedarf zu decken.

Damit im Gemüseanbau das Wasser im Boden und damit für die Pflanzen längerfristig verfügbar bleibt, ist das Aufbrechen der Bodenoberfläche durch das Hacken eine gute Methode, um die Wasserqualität im Boden zu begünstigen und die Verdunstung zu verringern. So kann mehr Regenwasser an Ort und Stelle versickern, anstatt oberflächlich abzufließen und mitunter Mutterboden abzutragen.

Im Kartoffelkombinat sind die Gemüsekulturen im Freiland durch den letzten Regen gut mit Wasservorräten versorgt, sie können derzeit munter weiterwachsen – und wir müssen erst mal nicht gießen ;-).



Ernährungswende: Jetzt!

Podiumsdiskussion zur Ernährungswende im Import-Export
Das Kartoffelkombinat, die Hermannsdorfer Landwerkstätten, das FoodHub München und der Münchner Ernährungsrat sprechen am 07.09. im Import-Export Open im Rahmen des Münchner Klimaherbstes über die dringend notwendige Ernährungswende, geben einen tiefen Einblick in unsere Versorgungssysteme, deren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt und zeigen Lösungswege und gute Alternativen in der Stadt auf. Seid dabei!

Wann: Mo, 07.09.
Einlass: 18:00 Uhr
Start: 19:30 Uhr
Wo: Import-Export Open (outddor), inkl. Musik & Drinks, Dachauerstrasse 114
Info: import-export.cc

Die Ernährungswende ist in aller Munde. Doch wie kann eine Wende gelingen und welche Akteur*innen versuchen diese zu gestalten?

Heute stellen wir Euch eine engagierte Institution aus München vor, deren Agenda die Ernährungswende darstellt: Der Ernährungsrat München e.V. – denn, die Wende beginnt vor Ort!

Wer weiß eigentlich noch wo seine Lebensmittel herkommen? Wer kann am Supermarktregal einschätzen, welche Lebensmittel besser oder nachhaltiger sind? So geht es nicht nur uns Verbraucher*innen – so geht es auch den Städten und Kommunen.
 Die kommunale Lebensmittelversorgung gestaltet das Wohlergehen der Bürger*innen, den Lebenswert einer Stadt und ihre Umweltauswirkungen wesentlich mit.

Doch den Städten mangelt es hier meist an Einfluss, um eine ökologisch und faire Versorgung zu ermöglichen. Ernährungsräte in ganz Deutschland wollen dies ändern. Seit 2016 schließen sich in Ihnen Bürger*innen, Aktivist*innen, die lokale Politik sowie die regionale (Land-)Wirtschaft zusammen und arbeiten gemeinsam an einem besseren Er- nährungssystem.

2018 wurde der Münchner Ernährungsrat e.V. (MER) gegründet. Mit inzwischen über 80 Mitgliedern, vorwiegend Unternehmen und Organisationen, – u.a. das Kartoffelkombinat mit der Genossenschaft und dem Verein – steht er als unabhängiges Bündnis für ein resilientes, gerechtes und gemeinwohlorientiertes Ernährungssystem für München ein. Im Hinblick auf die Herausforderungen der Zukunft (Klimawandel, Verlust an Biodiversität, Ressourcenschwund, Flächenversiegelung, finanzielle Benachteiligung, etc.) sieht sich der MER als Forderer aber auch Unterstützer politischer Entscheidungen und als Institution, die den Rückhalt für die notwendige Ernährungswende in München in der Zivilgesellschaft fördert. Für eine gelingende Ernährungswende braucht es ganz konkret eine konsequente Versorgung mit saisonalen und regionalen Lebensmitteln aus fairer und ökologischer/nachhaltiger Herstellung sowie artgerechter Tierhaltung.

In Zusammenarbeit mit dem Klimaschutz-Bündnis “München muss handeln” ist es dem MER in den letzten Monaten gelungen, dieses Thema im Münchner Stadtrat und im Koalitionsvertrag der Stadtregierung zu verankern.


Ernährung muss nun zum Thema einer neuen Bewegung werden. Nach immer mehr Skandalen der Liefer-, Produktions- und Versorgungsketten, die uns immer wieder zeigen, was schiefläuft, ist es Zeit zu handeln. Denn unsere Ernährung macht bis zu 25 % des individuellen CO2-Fußabdrucks aus! Und die Aufgabe der Stadtgesellschaft ist es nun, dazu beizutragen, dass wir alle an einem Strang ziehen: Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.

Infos: www.ernaehrungsrat-muenchen.de und www.ernaehrungsraete.de