Fragen, die fehlten

Das TV-Duell zwischen Merkel und Schulz war im wahrsten Sinne des Wortes gestrig. Energiewende, Verkehrswende, Agrarwende, Postwachstum, Entwicklungszusammenarbeit, Dekarbonisierung, Bildung, Fluchtursachen … wie gut, dass alle Zukunftsthemen besprochen wurden. (Achtung, Ironie!)

Auf Twitter fasste es @das_janchen passend zusammen: „Okay. Ich lebe in einem Land, in dem terrorverängstigte Menschen ihren armen, alten Diesel vor Migranten schützen wollen.“

Im Vorfeld gab es sogar extra noch einen offenen Brief für die Zukunft der Landwirtschaft an die vier Moderatoren, der von zahlreichen AkteurInnen der Szene unterzeichnet wurde. Die Fragen der Moderatoren bedienten den Populismus und bereits während der Sendung gab es unter dem Hashtag #fragendiefehlen ein durchaus facettenreiches  Sammelsurium an eben … Fragen, die fehlten. 

Hier ein paar Beispiele, die dem Duell dramaturgisch und inhaltlich sicherlich gut getan hätten und dem Erkenntnisgewinn zuträglich gewesen wären:

 

  • „Wie kann Chancengleichheit für alle Menschen gewährleistet werden?“ (@torrent_ten)
  • „Herr Schulz, wie wollen Sie eine weitere Fluchtursache, die Klimakrise, bekämpfen?“ (@Reis_Theresa)
  • „Frau Merkel, Sie haben höhere Abgasgrenzwerte für die Autoindustrie persönlich verhindert. Warum?“ (@gri_mm)
  • „Wie sieht eine nachhaltige Verkehrspolitik aus?“ (@La_Mut)
  • „Frau Merkel, werden Sie in der nächsten Legislaturperiode endlich das Ende der Kohle einleiten?“ (@Reis_Theresa)
  • „Müssen wir Landwirtschaft & Industrie nicht dringend umweltfreundlich gestalten, um das Artensterben zu stoppen?“ (@mw238)
  • „Wann wird die Massentierhaltung beendet?“ (@sven_kindler)
  • „Wann werden die jährl. Einnahmen der Mineralölst. i.H.v. 45 Mrd. € endlich vollständig in erneuerbare Energien investiert?“ (@timpeter)

OFFENER BRIEF FÜR DIE ZUKUNFT DER LANDWIRTSCHAFT

An:
Frau Maybrit Illner, Frau Sandra Maischberger, Herrn Peter Kloeppel, Herrn Claus Strunz

29. August 2017

 

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,
liebe Journalistinnen und Journalisten,

 

in wenigen Tagen werden Sie Angela Merkel und Martin Schulz in der Debatte der Spitzenkandidaten mit den drängendsten Fragen konfrontieren, die sich stellen, wenn man politische Verantwortung für eine der größten Volkswirtschaften der Welt übernimmt.

 

Die unterzeichnenden Personen und Organisationen fordern Sie mit diesem Brief dazu auf, dabei ein Thema aufzugreifen, das für die Zukunft unseres Landes und die aller Menschen weltweit zentrale Bedeutung besitzt: der Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen, insbesondere mit der Ressource Boden.

 

Weltweit gehen fruchtbare Böden im Umfang von ca. 10 Millionen Hektar jährlich durch eine falsche landwirtschaftliche Nutzung und durch die Folgen des Klimawandels verloren. Das entspricht fast der gesamten Fläche, die in Deutschland als Ackerland genutzt wird. Nicht nur für die unmittelbar betroffenen Menschen ist dies katastrophal. Zugleich ist dieser Verlust Ausgangspunkt für politische Spannungen und Migrationsbewegungen, die längst begonnen haben, auch uns einzuholen.

 

Auch hier in Deutschland wird die Fruchtbarkeit der Böden durch eine nach industriellen Prinzipien organisierte Landbewirtschaftung abgebaut. Dies geschieht durch einseitige Fruchtfolgen mit hohen Anteilen derselben Anbaukulturen, sowie durch die Anwendung chemisch-synthetischer Stoffe zur Düngung, durch Biozide, wie Insektizide und Herbizide, die die biologische Vielfalt, und damit die unersetzbaren Funktionen des Bodenlebens, beeinträchtigen. Auf diese Weise werden die natürliche ökologische Widerstandsfähigkeit unserer Agrarlandschaften und ihre Ertragsfähigkeit gravierend geschwächt. Zusammen mit der weiter fortschreitenden Flächenversiegelung durch Überbauung gefährden wir so langfristig unsere Fähigkeit, ausreichend Agrarprodukte und Nahrungsmittel zu erzeugen.

 

Dagegen könnte eine regenerative, Humus und biologische Vielfalt aufbauende Landwirtschaft enorme positive Wirkung entfalten. Sie erhöht nicht nur die Fruchtbarkeit und Produktivität der Böden, sowie ihre Widerstandskraft gegen extremer werdende Umweltereignisse. Mittels des Aufbaus biologischer Vielfalt und organischer Masse können Böden in erheblichem Maß Kohlenstoff binden und für die landwirtschaftliche Produktivität nutzbar machen. Eine zukunftsfähige Bodenbewirtschaftung kann der Atmosphäre große Mengen CO2 entziehen – was angesichts der bereits deutlich sichtbar werdenden Folgen des Klimawandels von zentraler Bedeutung ist.

 

Um die Bedingungen für eine zukunftsorientierte Wirtschaft zu schaffen, benötigt es politische Unterstützung und einen förderlichen wirtschaftspolitischen Ordnungsrahmen. Die politischen und regulativen Rahmenbedingungen beeinflussen maßgeblich die unternehmerischen Erfolgsfaktoren und gestalten so Wirtschaftspraxis und die marktliche Entwicklung. Bislang befördert die Politik ein Wirtschaftshandeln, das unsere gesellschaftliche und ökonomische Zukunftsfähigkeit gefährdet und die natürlichen Lebensgrundlagen schädigt. Nicht nachhaltige Wirtschaftsweisen, die Lebensgrundlagen abbauen und die Kosten auf die Allgemeinheit abwälzen, sind bislang profitabler und somit wettbewerbsstärker. Dabei werden jedoch langfristig und global Ressourcen vernichtet, die zukünftig weder den Menschen, noch für Wirtschaftsaktivitäten und -unternehmen zur Verfügung stehen. Die Folgen davon tragen alle.

 

Unsere KanzlerkandidatInnen müssen Antwort auf die Fragen danach geben, wie sie die politischen Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Marktwirtschaft gestalten wollen, damit regenerative Landwirtschaft und ein weltweiter Schutz von Böden und ihrer Fruchtbarkeit stattfinden.

 

Sie werden am 3. September 2017 diese Antwort aber nur geben, wenn Sie Ihnen dazu die erforderlichen Fragen stellen!

 

Wir, die wir in großer Sorge um die Wichtigste unserer natürlichen Lebensgrundlagen sind, wollen Sie dazu ermutigen. Denn hier geht es nicht um ein idealistisches „nice to have“- Thema, sondern um ein Überlebensthema für die Menschheit.

 

Die Böden und Landschaften, die wir nutzen, bilden das Fundament unserer Wirtschaft, sie sind Lebensgrundlagen als auch Produktionsgrundlagen in einem. Ihr Erhalt und ihr Aufbau ist eine Bedingung für unsere gemeinsame Zukunft – das ist unser aller Angelegenheit.

 

Mit besten Wünschen

 

Dr. J. Daniel Dahm
Vize Direktor, European Centre for Sustainability Research ECS, Zeppelin Universität Deutsche Gesellschaft Club of Rome DCoR
Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. VDW

 

Dr. Felix Prinz zu Löwenstein
Vorstandvorsitzender, Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW e.V.)

 

Alexandra Wandel
Direktorin und Stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Stiftung World Future Council

 

anstiftung
Daniel Überall, Vorstand

 

Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller e.V.
Dr. Alexander Beck, Geschäftsführender Vorstand

 

Biokreis e.V. – Verband für ökologischen Landbau und gesunde Ernährung
Franz Strobl, Vorstandsvorsitzender

 

Bioland e.V.
Jan Plagge, Präsident

 

Biopark e.V.
Jens Rasim, Vorstandsvorsitzender

 

Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V.
Elke Röder, Geschäftsführerin

 

ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau e.V.
Andreas Hattemer, Vorsitzender

 

European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility (ENSSER) e.V.
Dr. Hartmut Meyer, Vorsitzender des Vorstandes
Dr. Angelika Hilbeck, Mitglied des Vorstandes

 

Demeter e.V.
Dr. Alexander Gerber, Vorstandssprecher

 

Gäa e.V. – Vereinigung ökologischer Landbau
Kornelie Blumenschein, 1. Vorsitzende

 

Germanwatch e.V.
Klaus Milke, Vorsitzender

 

Kartoffelkombinat eG
Daniel Überall, Vorstand

 

Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e.V.
Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e.V.

 

Naturland e.V.
Hubert Heigl, Präsident

 

Naturschutzbund Deutschland (NABU)
Olaf Tschimpke, Präsident

 

Verbund Ökohöfe e.V.
Jürgen Hartmann, Vorstand

 

Josef Braun
Biolandbauer
Präsidium, Bioland e.V.

 

Nikolai Fuchs
Vorstand, GLS Treuhand
Stiftungsrat Zukunftsstiftung Landwirtschaft

 

Prof. Dr. Klaus Gabriel
Geschäftsführer des Corporate Responsibility Interface Center (CRIC) e.V.
Gastprofessor für Wirtschafts- und Unternehmensehtik an der Universität Kassel

 

Prof. Dr. Maximilian Gege
Vorsitzender, B.A.U.M. e.V.

 

Dr. Jörg Geistlinger
Hochschule Anhalt
Fachbereich 1: Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung Institut für Bioanalytische Wissenschaften
Leiter der Arbeitsgruppe „Nachhaltige Düngung und alternativer Pflanzenschutz“

 

Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald
Vorstand, Schweisfurth Stiftung

 

Prof. Dr.-Ing. Susanne Hartard
Umwelt-Campus Birkenfeld/Hochschule Trier Industrial Ecology

 

Hermann Graf Hatzfeldt

 

Prof. Dr.em. Eva Lang
Vorstand der Vereinigung für Ökologische Ökonomie
Mitglied und ehem. Vorstand des Netzwerks Vorsorgendes Wirtschaften

 

Prof. Dr. Rudolf Prinz zur Lippe
Präsident, Forum der Kulturen zu Fragen der Zeit

 

Prof. Dr. Dirk Löhr
Professor für Steuerlehre und Ökologische Ökonomik

 

Prof. Dr. Konrad Ott
Philosophisches Seminar der CAU zu Kiel

 

Dr. Manuel Schneider
Redaktionsleitung „Der kritische Agrarbericht“ Geschäftsführer oekom e.V.

 

Karl Ludwig Schweisfurth
Schweisfurth Stiftung

 

Prof. Dr. Irmi Seidl
Eidg. Forschungsanstalt WSL

 

Prof. em. Dr. Michael Succow
Vorstandsvorsitzender der Michael Succow Stiftung Träger des alternativen Nobelpreises

 

Beate Weber-Schuerholz
Oberbürgermeisterin a.D. MdEP a.D.

 

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker
Ko-Präsident des Club of Rome

 

Prof. Dr. Hubert Wiggering
Institut für Erd- und Umweltwissensschaften der Universität Potsdam
Vorstandsmitglied der Deutschen AgrarForschungsallianz (DAFA)
Mitglied der Kommissionen Landwirtschaft (KLU) sowie Bodenschutz (KBU) beim Umweltbundesamt

29.08. Kino, Mond und Sterne: Tomorrow & Kartoffelkombinat

TOMORROW – Ein großartiger& ausgezeichneter Dokumentarfilm, den jeder gesehen haben sollte. Oder wie es David Nabarro (UN Beauftragter für Klimapolitik und nachhaltige Entwicklung) sagt: „Dieser Film sollte Teil der Ausbildung aller politischen Verantwortlichen weltweit sein!”

Und genau deshalb zeigt ihn  „Kino, Mond und Sterne“ auch in diesem Jahr noch einmal auf der Seebühne im Westpark. Das Kartoffelkombinat wird mit einem Informationsstand ebenfalls vor Ort sein. Denn wenn man etwas verändern möchte, dann fängt man am besten genau da an, wo man gerade ist. Also in München, also im Westpark, beim Gemüse zum Beispiel. Wer uns noch nicht kennt, kann sich hier über unser alternatives und zukunftsfähiges (Land)Wirtschaftssystem informieren!

Überzeugt Eure Familie, Eure Freunde und Eure Bekannten und kommt am 29. August auf die Seebühne im Westpark. Schaut gemeinsam diesen inspirierenden Film an, der neue Perspektiven aufzeigt! … Ob er die Welt komplett verändern kann ist offen, aber auf alle Fälle setzt er tolle neue Impulse!


Was ist TOMORROW?

Ein Film über die Lösungen die wir brauchen, um den globalen ökologischen Kollaps aufzuhalten. Von dem Aktivisten Cyril Dion und der Schauspielerin Mélanie Laurent. Mit einer Million Zuschauern in Frankreich. Und einem César als Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Was, wenn es die Formel gäbe, die Welt zu retten? Was, wenn jeder von uns dazu beitragen könnte?
Als die Schauspielerin Mélanie Laurent und der französische Aktivist Cyril Dion in der Zeitschrift „Nature“ eine Studie lesen, die den wahrscheinlichen Zusammenbruch unserer Zivilisation in den nächsten 40 Jahren voraussagt, wollen sie sich mit diesem Horror-Szenario nicht abfinden. Schnell ist ihnen jedoch klar, dass die bestehenden Ansätze nicht ausreichen, um einen breiten Teil der Bevölkerung zu inspirieren und zum Handeln zu bewegen. Also machen sich die beiden auf den Weg. Sie sprechen mit Experten und besuchen weltweit Projekte und Initiativen, die alternative ökologische, wirtschaftliche und demokratische Ideen verfolgen. Was sie finden, sind Antworten auf die dringendsten Fragen unserer Zeit. Und die Gewissheit, dass es eine andere Geschichte für unsere Zukunft geben kann.

Abendkasse& Einlass 19.30 Uhr | Programmstart 21.00 Uhr | Eintritt 7 Euro

> zur Kinoseite & Tickets

13.08. Hofführung durch die Kartoffelkombinat-Gärtnerei

Was ist das Kartoffelkombinat? Was sind die Herausforderungen, wenn man eine ehemalige Baumschule zur Gemüsegärtnerei umbaut? Und warum glauben wir, Modell für ein anderes (Land)Wirtschaftssystem sein zu können? U.a. diese Fragen beantworten wir bei unserer nächsten Hofführung – die zweite öffentliche, bei der wir diesen wunderschönen Ort unser Eigen nennen dürfen.

 

Sonntag, 13.08., 10:30-12:00 Uhr
Treffpunkt: Baumstraße, 82294 Oberschweinbach (Karte)

 

Wer unseren neuen „Kartoffelkombinatsgemüsebaubetrieb“ noch nicht kennt, ist herzlich dazu eingeladen, sich bei dieser Gelegenheit selbst ein Bild zu machen. Die gilt natürlich auch für diejenigen, die im letzten Jahr bereits das Vergnügen hatten: Ihr könnt gespannt sein, was sich da schon alles getan hat.

> Hier geht’s zum Termin auf Facebook

Auf geht’s in die zweite Jahreshälfte

Der längste Tag des Jahres ist vorbei und wir sind gut gelaunt in die zweite Jahreshälfte gestartet.*

Kartoffelkombinat-Team

Danke an Sigrid Reinichs © für dieses tolle Teamfoto anlässlich unsere Hoffests!

Während für uns Menschen (und speziell für schulpflichtige BayerInnen) der Sommer gefühlt erst noch anfängt, beginnen Flora & Fauna bereits, Vorbereitung für den Winter zu treffen. Die Bienen z.B. hören auf Waben zu bauen und die Königin legt die Eier, aus denen sich die Winterbienen entwickeln. Bei den Pflanzen geht es jetzt in die Fruchtreife und auch wir im Kartoffelkombinat-Team bereiten uns auf das Saisonende vor.

Unter anderem damit, dass wir die letzten Mengenplanungen vornehmen und den restlichen Anbau für 2017 vorbereiten. In diesem Zusammenhang möchten wir kurz anmerken, dass im Laufe des zweiten Halbjahres noch knapp über 100 Haushalte aufgenommen werden können. 

Wer also Bekannte hat, die mit dem Gedanken spielen, ins Kartoffelkombinat einzusteigen, der kann gerne einen lieben Gruß ausrichten: „Jetzt wird‘s dann langsam Zeit. Weitere Plätze / Ernteanteile gibt es dann erst wieder in 2018.“

 

>> Jetzt mitmachen!<< 

 

Hier (als Flyer) und hier (als Einzelseiten) könnt Ihr Euch unseren Flyer über das Kartoffelkombinat ansehen und auch gerne mit interessierten Leuten teilen.

 

*) Ja, wir vernachlässigen die Website derzeit etwas, aber es ist einfach so viel los, dass wir nicht dazukommen regelmäßig zu bloggen.

Generalversammlung im Kombinat ist …

… wenn aus einem gesetzlichen Pflichttermin jedes Jahr wieder ein Highlight wird.

Generalversammlung 2017

Generalversammlung 2017

Das Beste an unserer Versammlung am vergangenen Sonntag war die entspannte, freundschaftliche und engagierte Atmosphäre: eine Veranstaltung von GenossInnen für GenossInnen – Vielen Dank an alle, die sich reingehängt haben!

Weitere Bilder gibt’s hier bei Facebook.

Frühling

Am 16.3. konnten wir bei bestem Wetter endlich wieder einen Blick auf unseren Bienenstand in Schönbrunn werfen. Wie ihr vielleicht gelesen habt, hat die Einwinterung unserer Völker bereits einiges an Nerven gekostet. Als wir dieses Jahr zum ersten mal wieder einen Blick auf die Beuten geworfen haben war die Freude groß: An allen Fluglöchern reger Betrieb!

Bei der ersten Durchsicht im März dann aber doch die traurige Nachricht: Volk 4, das eigentlich den ganzen Sommer des letzten Jahres am stärksten war und keine Probleme hatte, hat seine Königin über den Winter verloren. Der Versuch, eine neue Regentin zu ziehen ist daran gescheitert, dass im Winter kein Hochzeitsflug gestartet werden kann. Eine neue Königin, die man sich tatsächlich zukaufen kann, würde jetzt nicht mehr akzeptiert werden. Deswegen musste dieses Volk aufgelöst werden. Dabei werden einige Meter vom Bienenstand entfernt alle Bienen auf den Boden gekehrt. Alle, die noch fliegen können, versuchen sofort in ihre Beute zurück zu kehren. Da sie diese nicht mehr finden, bleibt den Damen nichts anderes übrig, als bei den anderen Völkern um Einlass zu betteln.

Unsere Imkerin Franzi trägt zwei Teile der Bienenhäuser zum Bienenstand

Die letzten Tage in Schönbrunn

Leider hat mir dann das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht und wir mussten abwarten.

Am 9. April sind wir dann erst mal mit unseren Völkern in einer traumhaft schönen Vollmondnacht nach Spielberg umgezogen. Der Umzug musste nachts stattfinden, denn nur so können wir sicher sein, dass wir alle Arbeiterinnen dabei haben und sich unsere wertvollen Flugbienen nicht noch in den Apfelbäumen die Bäuche voll schlagen.

Nach dem Umzug um Mitternacht in Spielberg

Nach dem Umzug um Mitternacht in Spielberg

Als wir dann am neuen Bienenstand das herrscherlose Volk auflösen wollten kam der nächste Schreck: Die Königin von Volk 1 hat ebenfalls den Winter nicht überlebt, dafür fanden wir eine Eier legende Arbeiterin. Also mussten wir auch dieses Volk auflösen. Ein so hoher Verlust ist natürlich bitter, aber leider seit vielen Jahren Realität bei so ziemlich allen Imkern in Europa.

Das einzige Trostpflaster ist, dass die einzelnen Bienen nicht sterben, sondern sich in die anderen Völker einfügen und diese dadurch stärken.
Das verbleibende Volk war dagegen so stark, dass wir den Verlust zum Teil kompensieren konnten und nun wieder zwei Völker auf unserer Gärtnerei beherbergen können.

Unsere zwei Völker in der Spielberger Mittagssonne beim Hoffest

Unsere zwei Völker in der Spielberger Mittagssonne beim Hoffest

Unterstützung gab es an diesem Tag von einer interessierten Tierärztin, die sich über wesensgerechte Bienenhaltung informieren wollte . Im regulären Lehrplan der Veterinärmedizin werden zum Thema Bienen und Imkerei nur Honigqualität und Tierseuchen besprochen. Besonders biologische oder wesensgerechte Aspekte werden nicht thematisiert.

Hofführung durch unsere neue Gärtnerei

Was ist das Kartoffelkombinat? Was sind die Herausforderungen, wenn man eine ehemalige Baumschule zur Gemüsegärtnerei umbaut? Und warum glauben wir, Modell für ein anderes (Land)Wirtschaftssystem sein zu können? U.a. diese Fragen beantworten wir bei unserer nächsten Hofführung – die erste, bei der wir diesen wunderschönen Ort unser Eigen nennen dürfen.

 

 

Wer unseren neuen „Kartoffelkombinatsgemüsebaubetrieb“ noch nicht kennt, ist herzlich dazu eingeladen, sich bei dieser Gelegenheit selbst ein Bild zu machen. Die gilt natürlich auch für diejenigen, die im letzten Jahr bereits das Vergnügen hatten: Ihr könnt gespannt sein, was sich da schon alles getan hat.

 

Wann: Sonntag, den 26. März 2017 von 14.00 – 16.00 Uhr

Wo: Spielberg 3, 82281 Egenhofen (Adresse für’s Navi: Baumstraße, 82294 Oberschweinbach)