Schulgarten in Portugal – Ein Update

Im Herbst 2019 haben Sophie und Daniel in Mértola, Portugal, an einer Regionalkonferenz teilgenommen, um am Beispiel des Kartoffelkombinats Alternativen aufzuzeigen.

Die Region im Südwesten Portugals leidet unter Jahrzehnten der Misswirtschaft, verbrauchten Böden, zusammengebrochenen Infrastrukturen, akuter Wasserknappheit und Landflucht der jungen Bevölkerung.

Bei unserem Besuch haben wir u.a. die Schulkrankenschwester Maria Joao Silva und ihre ambitionierte Projektidee kennengelernt, im Rahmen eines Schulgartens den Kindern Wissen über Gemüseanbau ohne Bewässerung (sog. syntropische Anbaumethode: siehe kartoffelkombinat.de/wasser-pflanzen) und die Wiederbelebung degradierter Böden zu vermitteln und nebenbei die Selbstversorgung der Familien der beteiligten Schulkinder durch den Garten zu ermöglichen.

Die Berichterstattung über unseren Besuch (kartoffelkombinat.de/mertola) und unser Spendenaufruf für Marias Schulgartenprojekt im Kartoffeldruck blieben nicht ungehört. Es war aus unserer Sicht „nicht viel” Geld nötig, um Marias Vision zu ermöglichen, doch für Maria unmöglich allein zu finanzieren. Durch Eure Spenden rückt die Realisierung Ihrer Vision nun in greifbare Nähe: Insgesamt sind 3.500 € zusammengekommen. Herzlichen Dank an Eure Bereitschaft und spontane Unterstützung!

Wir haben Maria zum Jahreswechsel 2.400 € für Ihr Projekt überwiesen, um Jungpflanzen und Werkzeuge zu kaufen. Die Summe wird ausreichen, Marias Schulgarten zwei Jahre lang komplett zu finanzieren! (Das restliche Geld werden wir entweder bei Bedarf fürs dritte Jahr zuschießen oder an ein gleichartiges Projekt in der Region geben.)

Bis dato hatte sie bereits zwei Lehrkräfte im bestehenden Erprobungsgarten in Mértola ausbilden lassen. Marias Dankbarkeit war sehr groß und auch wir freuten uns, dass wir so schnell und so konkret aus unserer Solidargemeinschaft heraus helfen konnten. Alle Involvierten – Schüler*innen, Lehrer*innen, Schulmitarbeiter*innen und Eltern – haben sich sogleich motiviert und voller Engagement in die Gartenplanung gestürzt. Neben organisatorischen Hürden hat die Coronapandemie der weiteren Realisierung erst mal eine Vollbremsung verpasst und die Planung seit März deutlich erschwert – z.B. da die Schulen geschlossen wurden. Doch Hoffnung ist in Sicht, denn die Organisation des Teams fährt langsam wieder hoch und es ist ein Treffen mit der Stadtverwaltung zur Vorstellung des Projekts geplant.

Wir drücken fest die Daumen, dass sich die Schulsituation trotz Corona normalisiert und der Schulgarten endlich Realität wird.

Andere Schulgartenprojekte stehen übrigens mit Marias Initiative im engen Austausch und steuern engagiert Fachwissen und inhaltliche Hilfestellung bei.

Vielen Dank für Eure Unterstützung, wir halten Euch auf dem Laufenden!
Sophie und Daniel

Dürre? Doch nicht bei uns!

Dürre ist ein komplexes Thema. Und eines, das wir kaum mit unseren Breitengraden in Verbindung bringen. Doch Dürre ist kein Schreckgespenst am fernen Horizont. Der Wassermangel – trotz des derzeitigen Regens – ist ganz real. Vor unserer Haustür.

Wir berichten in regelmäßigen Abständen über den aktuellen Stand, wie wir im Kartoffelkombinat unseren Wasserbedarf decken, welche Herausforderungen es dabei gilt zu meistern und wie unsere Prognose der kommenden Wochen und Monate aussieht.

Wasser ist zwar das Element, das gefühlt überall auf unserem Planeten vorhanden ist, doch nur 40 % davon ist Süßwasser, und davon wiederum stehen uns weltweit nur 0,3 % als Trinkwasser und zur Bewässerung unserer landwirtschaftlichen Flächen zur Verfügung. Schluck!

Laut Expert*innen haben wir derzeit noch ca. 10 Jahre Zeit, um die Wasserkrise in Deutschland zu „lösen“. Danach wird ein sog. Kipppunkt erreicht, nach dem sich der negative Dominoeffekt auf die Menschen und Artenvielfalt kaum mehr aufhalten lässt. Die dystopischen Annahmen antizipieren dann u.a. massenhafte Umsiedlungen aus zu trockenen in wasserreichen Regionen (sog. Wasserflucht) und einen irren logistischen Aufwand lebensnotwendiges Nass zu Mensch, Tier und Feld zu transportieren, wenn der Regen ausbleibt.

9 der 10 wärmsten Jahre seit der Wetteraufzeichnung haben sich in den letzten 20 Jahren ereignet. Und wenn sich die meisten von uns über herrliches Badewetter freuen, wird auch hitzig diskutiert. „Hitze ist nicht gleich Dürre!“, sagen manche. Doch das ist ein Trugschluss. Denn Dürre und Hitze verstärken sich gegenseitig: Wenn es heiß ist, trocknen Böden schneller aus. Ausgedörrte Böden wiederum nehmen Wasser schlechter auf – Niederschlag läuft oberflächlich ab, ehe er einsickern kann. Bei Trockenheit fehlt auch eine natürliche Kühlung unseres Bodens: Normalerweise verdunstet unter Sonneneinstrahlung Wasser – bei Dürre wird deshalb die untere Atmosphäre heißer und trockener. Das heißt unser Leben wird sich verändern: Bruthitze in unseren Städten wird jährlich tausende Leben kosten (kartoffelkombinat.de/hitze), Futtermangel für das Vieh aufgrund vertrockneter Wiesen wird ganze Produktionszweige in Bedrängnis bringen und Auswirkung auf Produktion und Preise haben. Ausgetrocknete Flüsse und Seen werden zum massiven Rückgang der Artenvielfalt führen. Eine Entwicklung, die dann außerhalb unseres Einflusses liegt, wenn wir uns nicht jetzt mit aller Kraft dem Aufhalten des Klimawandels widmen. Und ganz regional betrachtet: Hitze, Dürre, Artensterben – alles weit weg von uns?

Leider nein. Ganz konkret können auch wir im Kartoffelkombinat davon berichten, dass die Trockenheit der vergangenen Jahre mittlerweile großen Einfluss auf unsere Arbeit, Ernte und Erträge hat.

2019 erhielten wir ein Schreiben des Landwirtschaftsamtes Fürstenfeldbruck. Darin die Information, dass die Grundwasserstände in Bayern seit 15 Jahren fallen und die dringende Bitte, für die mittel- und langfristige Planung in unserem Betrieb für eine „besonders sorgsame und sparsame Durchführung der Bewässerung zu sorgen“ und „eine Investition in wassersparende oder wasserspeichernde Technik in Betracht zu ziehen“.

Denn ein Blick auf den Grundwasserspiegel in Mammendorf, 3 km von der Gärtnerei entfernt, ist erschreckend. Die Messstelle unterteilt den Grundwasserpegel in 5 Zonen von sehr hoch bis sehr niedrig. Seit letztem Jahr August bleibt der Wert konstant unter „sehr niedrig“. 


Das haben wir auch direkt gespürt: Unser in 2017 gebohrter Brunnen in der Gärtnerei hat eine Saison für die Bewässerung gereicht. Dann ist er aufgrund der Trockenheit und fehlender Niederschläge leergefallen und seitdem nicht mehr benutzbar. Das Wasser steigt nicht mehr weit genug hinauf.

Folgend der Link zur Mammendorfer-Messstelle: www.kartoffelkombinat.de/grundwasser.

Unsere Lebensmittel sind im Wachstum und der Erzeugung genauso auf Wasser angewiesen wie alles Leben. Verschiedene Lebensmittel benötigen dabei unterschiedliche Mengen Wasser. Wie dringend es ist, den indirekten Wasserverbrauch durch den Konsum von Produkten, die wenig Wasser benötigen, zu senken, wird immer deutlicher. Fleisch, Kaffee, Kakao sind die durstigsten Lebensmittel in der Erzeugung. Gemüse und Obst fallen sehr viel weniger ins nasse Gewicht. Vor allem saisonal erzeugte Produkte sind immer die bessere Wahl, was den ökologischen und den H2O-Fußabdruck angeht. Hier eine gute Reportage über die Dürre in Deutschland in der ARD Mediathek: www.kartoffelkombinat.de/duerre

Und wie sieht es zum Thema Wasser bei uns ganz konkret aus?
In den letzten Wochen hat es ziemlich viel Nass vom Himmel geregnet. In der zuvor trockenen und recht heißen Periode haben wir in unserer genossenschaftlichen Gärtnerei viel maschinelle und manuelle Beikrautregulierung, das sog. „Hacken“ durchgeführt, um unsere Pflanzen vom Unkraut zu befreien.

Gleichzeitig fördert diese Arbeitsmethode die Qualität des Wasserhaushalts im Boden. Denn durch das Hacken wird die Bodenoberfläche aufgebrochen und damit die Kapillarität unterbrochen. Mit Kapillarität bezeichnet man das Verhalten von Flüssigkeiten bei Kontakt mit engen Röhren, Spalten oder Hohlräumen in Feststoffen. Dabei entsteht der sog. Kapillareffekt, der auf einer Wechselwirkung zwischen der Oberflächenspannung der Flüssigkeit (Kohäsion) und der Grenzflächenspannung zwischen der Flüssigkeit und der festen Oberfläche hervorgerufen (Adhäsion) wird.

Das Gewicht von Wasser ist in engen Hohlräumen – also den Kapillaren des Bodens – gering, und die Kapillarkraft somit stärker als Schwerkraft. Wasser steigt deshalb vertikal nach oben. Das hat einerseits viel Sinn z.B. bei der Wasserversorgung von Bäumen, die Wasser aus ihren Wurzeln viele Meter in die Höhe steigen lassen können, um ihren Wasserbedarf zu decken.

Damit im Gemüseanbau das Wasser im Boden und damit für die Pflanzen längerfristig verfügbar bleibt, ist das Aufbrechen der Bodenoberfläche durch das Hacken eine gute Methode, um die Wasserqualität im Boden zu begünstigen und die Verdunstung zu verringern. So kann mehr Regenwasser an Ort und Stelle versickern, anstatt oberflächlich abzufließen und mitunter Mutterboden abzutragen.

Im Kartoffelkombinat sind die Gemüsekulturen im Freiland durch den letzten Regen gut mit Wasservorräten versorgt, sie können derzeit munter weiterwachsen – und wir müssen erst mal nicht gießen ;-).



Ernährungswende: Jetzt!

Podiumsdiskussion zur Ernährungswende im Import-Export
Das Kartoffelkombinat, die Hermannsdorfer Landwerkstätten, das FoodHub München und der Münchner Ernährungsrat sprechen am 07.09. im Import-Export Open im Rahmen des Münchner Klimaherbstes über die dringend notwendige Ernährungswende, geben einen tiefen Einblick in unsere Versorgungssysteme, deren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt und zeigen Lösungswege und gute Alternativen in der Stadt auf. Seid dabei!

Wann: Mo, 07.09.
Einlass: 18:00 Uhr
Start: 19:30 Uhr
Wo: Import-Export Open (outddor), inkl. Musik & Drinks, Dachauerstrasse 114
Info: import-export.cc

Die Ernährungswende ist in aller Munde. Doch wie kann eine Wende gelingen und welche Akteur*innen versuchen diese zu gestalten?

Heute stellen wir Euch eine engagierte Institution aus München vor, deren Agenda die Ernährungswende darstellt: Der Ernährungsrat München e.V. – denn, die Wende beginnt vor Ort!

Wer weiß eigentlich noch wo seine Lebensmittel herkommen? Wer kann am Supermarktregal einschätzen, welche Lebensmittel besser oder nachhaltiger sind? So geht es nicht nur uns Verbraucher*innen – so geht es auch den Städten und Kommunen.
 Die kommunale Lebensmittelversorgung gestaltet das Wohlergehen der Bürger*innen, den Lebenswert einer Stadt und ihre Umweltauswirkungen wesentlich mit.

Doch den Städten mangelt es hier meist an Einfluss, um eine ökologisch und faire Versorgung zu ermöglichen. Ernährungsräte in ganz Deutschland wollen dies ändern. Seit 2016 schließen sich in Ihnen Bürger*innen, Aktivist*innen, die lokale Politik sowie die regionale (Land-)Wirtschaft zusammen und arbeiten gemeinsam an einem besseren Er- nährungssystem.

2018 wurde der Münchner Ernährungsrat e.V. (MER) gegründet. Mit inzwischen über 80 Mitgliedern, vorwiegend Unternehmen und Organisationen, – u.a. das Kartoffelkombinat mit der Genossenschaft und dem Verein – steht er als unabhängiges Bündnis für ein resilientes, gerechtes und gemeinwohlorientiertes Ernährungssystem für München ein. Im Hinblick auf die Herausforderungen der Zukunft (Klimawandel, Verlust an Biodiversität, Ressourcenschwund, Flächenversiegelung, finanzielle Benachteiligung, etc.) sieht sich der MER als Forderer aber auch Unterstützer politischer Entscheidungen und als Institution, die den Rückhalt für die notwendige Ernährungswende in München in der Zivilgesellschaft fördert. Für eine gelingende Ernährungswende braucht es ganz konkret eine konsequente Versorgung mit saisonalen und regionalen Lebensmitteln aus fairer und ökologischer/nachhaltiger Herstellung sowie artgerechter Tierhaltung.

In Zusammenarbeit mit dem Klimaschutz-Bündnis “München muss handeln” ist es dem MER in den letzten Monaten gelungen, dieses Thema im Münchner Stadtrat und im Koalitionsvertrag der Stadtregierung zu verankern.


Ernährung muss nun zum Thema einer neuen Bewegung werden. Nach immer mehr Skandalen der Liefer-, Produktions- und Versorgungsketten, die uns immer wieder zeigen, was schiefläuft, ist es Zeit zu handeln. Denn unsere Ernährung macht bis zu 25 % des individuellen CO2-Fußabdrucks aus! Und die Aufgabe der Stadtgesellschaft ist es nun, dazu beizutragen, dass wir alle an einem Strang ziehen: Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.

Infos: www.ernaehrungsrat-muenchen.de und www.ernaehrungsraete.de

Ein Tag in Spielberg: 19.08.2020

Mitgärtnern ganz digital – unsere rasende Reporterin Rajka berichtet in dieser Saison immer mal wieder, was sich in der Gärtnerei so tut. Mit Infos rund ums Gärtnern, Pflanzenwachstum und den Menschen, die unser Gemüse pflanzen, pflegen und ernten und die auch hinter den Kulissen fleißig daran arbeiten, unsere Vision der alternativen Versorgungsstruktur für München weiter auszubauen.

Diese Woche stand ganz im Zeichen überbordendem Unkrauts. Als Erstes laufe ich Stefan über den Weg, der um unsere Gewächshäuser und vor unseren Folientunneln die Wiese gemäht hat – da war fast kein Durchkommen mehr ;-). Gerade um die Gewächshäuser herum ist das Mähen und Unkraut beseitigen wichtig, da die Samen und Pollen der Unkräuter schnell den Weg ins Gewächshaus finden und sich dort breit machen.

Und mit Schubkarre und Spaten gings bei Stefan gleich weiter. Eine ehemalige Bodenaushebung zur Verlegung einiger Wasserleitungen wurde wieder zugeschüttet, damit die Knöchel ganz und der Boden überschaubar bleibt ;-).

 

Weiter gehts zu unseren Gewächshäusern: In unserem ersten Gewächshaus machen sich die Tomaten erstklassig und der Ertrag ist richtig gut – beste Voraussetzungen also, um wieder das feine KK-Tomatensugo einzukochen – doch daraus wird in diesem Jahr voraussichtlich leider nichts. Zum einen wäre es als gemeinschaftliche Aktion mit den Beschränkungen durch Corona ein recht kompliziertes Unterfangen, und zu guter Letzt ist die Gastroküche, die wir normalerweise nutzen, durch die Corona-Umstände für uns leider nicht verfügbar. So freuen wir uns aktuell über die Tomaten-Direktlieferungen in unseren Kisten… 

Im zweiten Gewächshaus gibt’s ebenfalls genug Ertrag, auch wenn unsere Tomaten dort gerade von der Krautfäule gestresst werden. Die Krautfäule lässt die Blätter der Pflanze vertrocknen, nach und nach geht dann die ganze Pflanze ein. Deshalb hat das Gewächshausteam die Tomatenpflanzen großzügig entblattet, um dem Pilz die Ausbreitungsflächen zu nehmen. 

Falls einige von Euch neugierig sind, hier mal unsere köstlichen Sugorezepte zum Nachmachen und Ausprobieren. Unser Basissugo bildet für alle Sugos die Grundlage. So geht’s:

Für ein 450 ml-Glas ca. 350 g klein gewürfelte Tomaten rot und/ oder gelb, eine Prise Salz und etwas Stärke zusammen vermengen, aufkochen und mit einem Mixer oder Zauberstab pürieren.

Dieses Basissugo wird (muss aber nicht ;-)) mit weiteren Zutaten und mit viel Liebe in drei weiteren Varianten verfeinert:

Aubercchini:

In 1–2 EL Olivenöl zusätzlich ca. 150 g Zucchini und 200 g Auberginen – beides klein gewürfelt – sowie 100 g kleingehackte Zwiebel anbraten. Mit dem Basissugo vermengen, aufkochen – fertig.

Raving Carrots:

Statt Aubergine und Zucchini hierfür 200 g geriebene Karotten, 20 g Selleriewürfelchen mit 100 g fein gehackter Zwiebel in Öl anbraten, mit Basissugo aufkochen, fertig.

Kräuter-Knofi Jazz:

1–2 Knoblauchzehen und ca. 20 g Kräuter Eurer Wahl (z.B. Basilikum, Oregano oder Thymian…) grob hacken, mit Basissugo aufkochen, fertig.

Falls Ihr das Sugo auf Vorrat „produziert“ achtet darauf, es mind. 10 Minuten köcheln zu lassen. Danach in frisch ausgekochte Schraubgläser abfüllen und fest zuschrauben. Dabei sicherstellen, dass die Glasränder sugofrei sind. Zum Abkühlen auf den Kopf stellen. Das eingekochte Sugo ist an einem dunklen, kühlen Ort gelagert ca. ein Jahr haltbar. Viel Spaß beim Nachkochen!

Wieder zurück zu meinem Rundgang in Spielberg: Ich mache einen kleinen Abstecher auf den hinteren Acker, auf dem wir vor einigen Wochen unsere Kürbis-Jungpflanzen auf Agrotex gepflanzt haben. Und ich entdecke tatsächliche bereits einige der mehreren Sorten, die wir hier wachsen lassen. Ein paar hübsche Baby-Pattinsons und Hokkaido-Kürbisse. Die Vorfreude ist – zumindest bei mir – sehr groß! Kürbis ist so vielseitig in der Zubereitung, gut zu lagern und einfach sooooo lecker!

Samad zeigt mir bei dieser Gelegenheit gleich noch, welche Randstreifen er mit unserem kleinen Rasenmäher “gesäubert„ hat. Wir lassen es eigentlich gerne für die Artenvielfalt wuchern und wachsen, doch irgendwann müssen wir den Zugang zu den Feldern für die bevorstehenden Ernten wieder besser zugänglich machen. Einen kleinen Blick auf unser fleißiges Team erhasche ich auch noch: sie sind alle mit Jäten beschäftigt, da das Unkraut bei dieser abwechslungsreichen Witterung der letzten Wochen beste Wachstumsbedingungen hatte. Doch das Team kennt keine Gnade 😉 und alles wird per Hand raus gezupft!

Und was hier so unspektakulär struppig vor sich hin ackert, ist unser wunderbarer Kartoffelacker. Das Kraut wurde nun geschnitten, wodurch die Kartoffeln in der Erde das Signal erhalten, ihre Schale fester auszubilden. Bald ist es auch so weit und die große Kartoffelernte steht an. An einem einzigen Tag werden wir voraussichtlich bis zu 50 Tonnen der goldenen Erdknolle herausholen. Dafür ist das ganze Team gefragt und es wird ein langer Tag… wir werden berichten.

Und schon ist mein Rundgang über unsere wunderbare Gärtnerei in Spielberg bei Mammendorf schon wieder “rum„. Stefan zeigt mir noch die Chilis, die er zum Trocknen aufgehängt hat. Dazu hat er sie mit Nadel und Faden kunstvoll zu schönen Bündeln zusammen genäht. Evtl. machen wir daraus Chili-Salz, indem wir die getrockneten Chilis klein mahlen und mit Salz vermengen. Wir werden berichten.

Und die Paprika rechts im Bild haben einen Sonnenbrand. Dort, wo im Folientunnel ein Schlitz in der Folie die direkte Sonneneinstrahlung zulässt, “verbrennen„ sich die Paprika ordentlich die Haut. Lecker sind sie trotzdem, ich freu mich schon drauf ;-). 

       

Bis ganz bald, mit weiteren Eindrücken aus unserem genossenschaftlichen Betrieb!

Virtuelles Wassersparen

Fast jede/r ist hierzulande damit aufgewachsen, das Wasser während des Zähneputzens abzudrehen. Wassersparen hieß und heißt die Devise. Doch wie sieht es mit unserem indirekten Verbrauch des kostbaren Nass aus? Wie sparen wir virtuelles Wasser ein und was ist das eigentlich?

Virtuelles Wasser ist die Gesamtmenge an Wasser, die zur Herstellung eines Produkts oder einer Dienstleistung verwendet wird. Also der Wasserverbrauch der gesamten Produktionskette, vom Anbau und/oder Abbau der Rohstoffe, über die Weiterverarbeitung bis zur Beseitigung von Abfällen usw.

Durch den Konsum von Produkten aus aller Welt, wie z.B. Lebensmittel, Elektrogeräte, Kleidung, Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs verbrauchen wir indirekt große Mengen an Wasser. Je nachdem wo und wie die Produktionsketten ablaufen, verstärken wir durch unseren Konsum Wasserknappheit in anderen Regionen. Viele der Lebensmittel bspw. werden unter einem hohem Wasser- verbrauch in Ländern produziert, in denen bereits hohe Wasserknappheit herrscht und der Bevölkerung deshalb überlebenswichtiges Trinkwasser fehlt.

In der westlichen Wohlstandsgesellschaft verbraucht jede/r ca. 300 Liter Wasser pro Tag. Wenn wir das virtuelle Wasser, das in der Produktion unsere Konsumdinge steckt, dazu addieren, potenziert sich diese Menge schlagartig. Allein eine Tasse Kaffee schlägt mit einem Gesamtwasserverbrauch von 145 Litern zu Buche, ein Liter Milch mit ca. 900

Litern Wasser und unglaubliche 5.000 Liter Wasser werden allein für die „Produktion“ eines einzelnen Steaks benötigt. Unser Wasserfußabdruck – also der gesamte Wasserverbrauch inkl. virtuellem Wasser – liegt für Deutschland bei 117.000.000.000.000 Liter Wasser pro Jahr! Das ist das Zweifache des Bodensees und entspricht einem Gesamtwasserverbrauch von ca. 4.000 Litern – bildlich gesprochen ca. 26 volle Badewannen – pro Person pro Tag.

Mehr als die Hälfte des Wassers für die von uns benötigten Produkte stammt nicht aus Deutschland selbst, sondern wird vor allem über Agrargüter aus anderen Ländern importiert.

Ein Kilo Kartoffeln, in Deutschland erzeugt, verbraucht zum Beispiel um die zehn Liter Wasser. In Ägypten dagegen oft mehrere hundert. Ähnlich verhält es sich mit vielen anderen Gemüse- und Obstsorten.

Regionale und saisonale Lebensmittel zu konsumieren, macht also auch in puncto Wasserverbrauch deutlich Sinn.

Über drei Mrd. Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass unser Konsumverhalten in Sachen Wasserqualität und -verfügbarkeit weit über unsere Region hinaus einen enormen Einfluss auf die Lebensqualität von Millionen Menschen weltweit hat.

Um zu sehen, wie hoch der eigene Wasserverbrauch ist, kann der persönliche Wasser- fußabdruck berechnet werden. Dazu wird – egal ob für einen Haushalt, eine Kommune oder ein ganzes Land – die verbrauchte Wassermenge in drei Kategorien eingeteilt:

„Grünes Wasser“ ist das natürlich vorkommende Boden- und Regenwasser, welches von Pflanzen aufgenommen und verdunstet wird. Es ist relevant für landwirtschaftliche Produkte. „Blaues Wasser“ ist Grund- oder Oberflächenwasser, welches zur Herstellung eines Produktes genutzt wird und nicht mehr in ein Gewässer zurückgeführt wird. In der Landwirtschaft ist es das Wasser für die Bewässerung der Pflanzen. „Graues Wasser“ ist die Wassermenge, die während des Herstellungsprozesses verschmutzt wird.

Vor allem die Landwirtschaft verbraucht sehr viel grünes Wasser: Durch intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen kann deutlich weniger Regenwasser versickern, was im Extremfall zu sinkenden Grundwasserspiegeln, Wasserknappheit und einem Fortschwemmen des Mutterbodens führt.

Einen schnellen Überblick über den individuellen Wasserverbrauch gibt es hier: 
kartoffelkombinat.de/waterfootprint. 
Infos und ein sehenswertes Erklärfilmchen über virtuelles Wasser findet Ihr unter: 
kartoffelkombinat.de/virtuelles-wasser.

Ein Tag in Spielberg: 05.08.2020

Mitgärtnern ganz digital – unsere rasende Reporterin Rajka berichtet in dieser Saison, was sich in der Gärtnerei so tut, mit Infos rund ums Gärtnern und Pflanzenwachstum und den Menschen, die unser Gemüse pflanzen, pflegen und ernten und die auch hinter den Kulissen fleißig daran arbeiten, unsere Vision der alternativen Versorgungsstruktur für München weiter auszubauen.

Letzten Mittwoch habe ich bei bestem Wetter unserem fleißigen Gärtnereiteam über die Schulter schauen dürfen. Es gab mal wieder allerlei zu tun: 

Gerade wechseln sich Sonne und Regen brav ab, und wir haben die trockene Periode genutzt, um maschinelle und manuelle Beikrautregulierung, das sog. „Hacken“ durchführen. Dabei wurde gleichzeitig die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens verbessert. Beim Aufbrechen der Bodenoberfläche beim Hacken wird die Kapillarität im Boden unterbrochen und das Regenwasser bleibt in der Erde, statt nach oben zu verdunsten. So kann mehr Regenwasser an Ort und Stelle versickern, anstatt oberflächlich abzufließen und Mutterboden abzutragen. Die Pflanzen sind vorerst gut mit Wasservorräten versorgt, die Kulturen können munter weiterwachsen – und wir müssen erstmal nicht gießen ;-).

Auch in den Gewächshäusern stehen unsere Kulturen wunderbar da und gedeihen munter vor sich hin. Doch trotz Sommer werden die Tage aktuell schon wieder kürzer. Das merken auch unsere Gewächshauskulturen, die jede Stunde Licht brauchen, um weiterhin Ertrag zu liefern. Deshalb wird kommende Woche die Schattierfarbe, die wir zu Beginn der Saison auf unsere Gewächshausscheiben gepinselt haben, wieder abgewaschen. Sie dient während der Sommermonate zum Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung und Hitzeentwicklung. 

Bei meinem mittwöchlichen Rundgang besichtige ich auch unser Kohlbeet. Hier gedeihen einige Sorten Kohl, von Rot- über Weißkohl zu Chinakohl. Manche werden im Ganzen in die Kiste wandern, wie zum Beispiel der milde Chinakohl. Aus einem Teil des Weißkohl werden wir voraussichtlich im Herbst wieder Sauerkraut bei unserem Partnerbetrieb, dem Biolandhof Pfänder, einmachen. Wir freuen uns schon darauf!

Obwohl unser Kohl so schön da steht, wird er gerade unterwandert. Die Raupe des Kohlweißlings liebt alle Sorten Kohl und hat sich unser Beet ganz oben auf die Speisekarte geschrieben. Trotz Nützlingsstreifen (rechts im Bild) in dem sich viele raupenfressende Insekten wohlfühlen und auf Beutezug gehen, hat es die Raupe geschafft, sich in unseren Beeten einzunisten. Unsere Freilandgärtner*innen werden den kleinen Vielfraßen mit einem speziellen Bakterium zu Leibe rücken. Das sog. Bacillus thuringensis wird auf die Kohlköpfe gesprüht und stört die Darmfunktion der Raupen. So vergeht ihnen wortwörtlich der Appetit auf unser Gemüse. Das Bakterium ist völlig harmlos für Biene und Mensch.

Auf dem Weg zurück treffe ich in der Packhalle unser Gewächshausteam, das sich bezüglich der Schätzung abstimmt, welche Gewächshauskulturen vermutlich nächste Woche erntereif sind und damit in unsere Kisten wandern können. So kontrollieren wir jede Woche, wie der aktuelle Ertragsstand ist und passen die allgemeine jährliche Ernteplanung wochenaktuell an.

Im Büro sitzen Sophie und Andrea. Sophie aktualisiert unsere Pflanzenschutzliste. In diese werden alle Mittel eingetragen, die wir auf unseren Feldern einsetzen, um unsere Pflanzen im Wachstum zu fördern, ihnen Nährstoffe zuzuführen oder aber auch um sie vor Schädlingen zu schützen oder davon zu befreien. Die Liste wird vom Naturland-Fachverband geprüft, da wir uns als naturlandzertifizierter Betrieb an entsprechende Auflagen halten müssen, was wir im biologischen Gemüseanbau an ökologischen Pflanzenschutzmitteln einsetzen dürfen. 

Andrea, unsere Packleitung, bereitet derweil die komplette Kistenzusammenstellung für die Folgewoche vor. Nach einem wöchentlichen Ernterundgang mit den Gärtner*innen bekommt sie so einen guten Überblick, was in die Kiste wandert, welche Kulturen evtl. noch nicht reif sind, und was von unseren Partnerbetrieben an Gemüse zugekauft wird. 

Die beiden haben Gesellschaft von der Nachbarskatze, die – leider  sehr scheu – wohl gerne im kühlen Büro Unterschlupf sucht…

Zu guter Letzt komme ich gerade noch rechtzeitig, als Felix und Sophie unseren kleinen Traktor wieder „nach Hause“ bringen. Der „Kleine“ hat ein paar Tage Werkstattaufenthalt wegen einer defekten Zylinderkopfdichtung hinter sich. Er ist quasi unersetzlich für unsere Freilandarbeit, wenn es ums Hacken geht, und wir freuen uns sehr über diese wieder einsatzbereite maschinelle Unterstützung.

Unsere zweiwöchentliche Teambesprechung fand wieder draußen, an unserem schönen schattigen Plätzchen statt. Dabei ging es diese Woche unter anderem ums Mitgärtnern in Corona-Zeiten, Planungen für die Winterkiste und Praktikant*innen in der Gärtnerei.

Wir wünschen allen eine schöne Ferienzeit!
Wir sehen bzw. lesen uns…

Das geheime Leben der Bäume

Im Mai 2015 veröffentlichte Peter Wohlleben sein Buch „Das geheime Leben der Bäume“ und stürmte damit sofort die Bestsellerlisten. Wie kein anderer, schafft er es, über das Leben der Bäume zu berichten und die geheimnisvollen Kommunikationsfähigkeiten dieser stummen Holztitanen greifbar zu machen.

Peter Wohlleben weiß, wovon er spricht. Als Diplom-Forstingenieur engagiert er sich seit den 90er Jahren für eine nachhaltige Waldwirtschaft, die ökologisch und zugleich auch ökonomisch sinnvoll ist. Der Film „Das geheime Leben der Bäume“ basiert auf dem gleichnamigen Buch Wohllebens und ist seit Januar diesen Jahres in den Kinos zu sehen.

Regisseur Jörg Adolph begleitet Wohlleben auf Streifzügen durch die Wälder, folgt ihm auf verschiedene Kontinente und lässt ihn die eindrucksvollen Naturaufnahmen kommentieren. Die spannende Naturdokumentation führt die Zuschauer*innen nach Vancouver, wo neue Ansätze im Umgang mit Wäldern versucht werden, nach Schweden, wo der älteste Baum unserer Erde steht und zu Demonstrationen für den Erhalt eines inzwischen sehr berühmten Waldes – dem Hambacher Forst.

Wir sagen: Sommerzeit ist Kinozeit!.
In München zeigt Kino, Mond & Sterne am 12. August diese wunderbare Naturdokumentation. Wer dafür zwei Kinotickets gewinnen möchte, hinterlässt bis Sonntag, den 09.08. einen Kommentar unter diesem Artikel zu seinem Lieblingsbaum und beantwortet uns die Frage:
Was ist dein Lieblingsbaum und warum?

Unter allen Kommentator*innen verlosen wir zwei Karten. Wenn Ihr gewonnen habt, erfahrt Ihr dies bis Ende dieser Woche per E-Mail von uns. Viel Glück!

Den Trailer zum Film gibt’s hier:

Film: Das geheime Leben der Bäume
Vorstellung: Mittwoch, 12.08.2020, 21:00 Uhr
Einlass: ab 19.30 Uhr
Wo: Seebühne im Westpark

Alle Infos zu Kino, Mond & Sterne bekommt Ihr hier.

Übrigens: Für jedes verkaufte Kinoticket für „Das geheime Leben der Bäume“, wird ein Baum gepflanzt. Infos dazu findet Ihr hier.

GDO – Gentechnik mit Katastrophenpotential?

Neue Erkenntnisse in der Forschung liefern oft (vermeintliche) Antworten auf aktuelle Probleme. Dabei überschätzen wir häufig unser Verständnis der miteinander verflochtenen Vorgänge des Lebens auf unserem Planeten…

…und entwickeln potenzielle Lösungen, ohne deren Auswirkungen gänzlich zu verstehen.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt dies z.B. an der Entwicklung der Atomenergie. Die wir, wenn es z.B. um die Entsorgung geht, schlicht nicht zu Ende gedacht und die Verantwortung für die Problemlösung nachfolgenden Generationen aufgebürdet haben.
Zu oft sind Entwicklungen alles andere als gut, wenn’s eben nicht durchdacht war, wir uns von aktuellen Problemen unter Handlungsdruck setzen lassen oder der Profit die Maxime ist.
Monokulturen, Pestizide, intensive Landwirtschaft – alles Beispiele für „Lösungen“, die vermeintlich effizienter, besser oder schlichtweg billiger sind. Doch unsere Ökosysteme kollabieren, unsere fruchtbaren Böden verschwinden und das Klima wird menschenfeindlich.
Eine neue Technologie, bei der CRISPR/Cas – bekannt als „Genschere“ – eine zentrale Rolle spielt, schlägt aktuell in Fachkreisen hohe Wellen. Die neu entwickelten sog. „gene drive organisms“ (GDO) haben das Potenzial, ganze Ökosysteme unwiederbringlich zu zerstören und Lebensformen auszurotten.

Die Idee: GDOs könnten beim Kampf gegen Malaria helfen oder z.B. Ernteschädlinge eindämmen. Doch die Betonung liegt auf „könnte“. Denn was danach kommt, wissen wir nicht. GDOs sind Organismen, in deren Zellen sich die Genschere CRISPR/Cas selbst reproduziert, gentechnische Veränderungen vornimmt und an alle Nachkommen weitervererbt. Ist ein Lebewesen, z.B. eine Maus, ein Moskito, eine Alge erstmal damit ausgestattet und in freier Wildbahn unterwegs, ist diese Technologie außer Kontrolle. Sie wird mit absoluter Sicherheit an die nächste Generation weitervererbt und kann sich binnen kürzester Zeit in ganzen Populationen ausbreiten.

„Die von Gene Drive Organismen ausgehenden Umwelt- und Gesundheitsrisiken sind nicht ansatzweise erforscht“, sagt Mareike Imken, Initiatorin der europäischen Kampagne „Stop Gene Drives“. „Schon wenige Gene Drive Organismen, die aus dem Labor entkommen, können eine unkontrollierbare gentechnische Kettenreaktion auslösen“, warnt Imken.
78 europäische Umwelt-, Agrar- und Entwicklungsorganisationen haben die EU-Kommission aufgefordert, die Forschung an Gene Drive Organismen international zu ächten und fordern ein Moratorium. Denn so irreversibel die potenziellen Schäden dieser Technologie sind, so gefährlich und machtvoll ist die-/derjenige, der sie in den Händen hält und in unser Ökosystem entlässt. 


Es ist aktuell dringend erforderlich, rechtlich bindende internationale Regelungen, die die Forschung begrenzt und die Freisetzung verbieten, schnell zu verabschieden. Wir alle müssen im Bilde sein, was unsere Wissenschaft für Früchte trägt und wieso wir eine Anwendung von GDOs verhindern müssen. Save Our Seeds hat dazu ein Erklärvideo erstellt, in dem u.a. auch der Entdecker der Technik seine Sorgen erläutert: www.kartoffelkombinat.de/GDO

Statusbericht von der Gemüsefront:

Ja, der Ernteanteil der letzten Woche war ne traurige Nummer. Weil wir Rückfragen bekommen haben, was da los war, gehen wir hier gerne noch mal auf die Zusammenhänge, die aktuelle Gemüselage und Lösungsansätze ein.

In unserer Gärtnerei bauen wir in unserer derzeitigen Betriebsstruktur über 50 verschiedene Gemüsekulturen im Freiland und geschützten Anbau (= Gewächshaus + Folientunnel) an – und das zeitlich versetzt. D.h. wir bauen zwar zig tausende Salatköpfe über die Saison an, pflanzen und ernten sie aber nach und nach, um die Ernteanteile sukzessive damit zu bestücken. Als vorletzte Woche der Hagelsturm über unsere Bete zog, hatten einige Salate und der Mangold das Nachsehen. Sie wurden buchstäblich „zerschossen“. In der Folge hieß das für uns alle: Den Salat für letzte Woche hat es erwischt, die jüngeren Salate erholen sich hoffentlich wieder.

Der Trockenheit im April und Mai versuchen wir mit Bewässerung zu begegnen, die vergangenen zu kühlen Wochen können wir nur teilweise z.B. durch das Abdecken mit Vliesen ausgleichen. In der Konsequenz der bisher widrigen Witterung wachsen z.B. Rote Bete oder auch die Karotten nicht gut.

Hätte es in der letzten Woche normalgroße Karotten, Rote Bete, Mangold und obendrauf noch den Kopfsalat gegeben, wäre der Ernteanteil ein Traum gewesen. So war er leider eher ein Alptraum.

Intensiv machen wir uns Gedanken darüber, wie wir uns zusätzlich gegen Wetterkapriolen im Anbau wappnen, um die Qualität der Kisten sicherzustellen. Denn das Wetter – soweit ist sich die Wissenschaft einig – wird uns dank Klimawandel in Zukunft häufiger und härter abwatschen. Mehr hierzu auch in den Neuigkeiten von dieser Woche:

Neuigkeiten aus Spielberg:
Aufgrund des Hagelschadens müssen wir beim Salat auch diese Woche noch einiges an schlechten Blättern wegputzen. Deshalb, und auch wegen der zum Teil kühlen Witterung zur Zeit der Pflanzung des aktuellen Salates, fallen einige Salatköpfe in dieser Woche ziemlich klein aus. 

Unsere Auberginen sind derzeit durch Pilz- und Läusebefall im Wachstum verlangsamt – vor allem in einem unserer Folientunnel sehen sie recht müde aus. Der Marienkäfer – der natürliche Feind der Blattlaus, lässt sich kaum blicken und das Läuseproblem versuchen wir mit Brennnenesselsud und Neemeinsatz zu bändigen.

Auch die Bodenbeschaffenheit hat großen Einfluß darauf, wie anfällig Kulturen gegenüber Schädlingen und Krankheiten sind und wie gut sie gedeihen. In einem unserer fünf Folientunnel ist die Oberfläche des Bodens sehr hart, was wohl den Sauerstoffausschluss begünstigt. Durch das Einbringen von Mulchmaterial versuchen wir, nach und nach den Nährstoffgehalt des Bodens zu steigern und eine feinkrümelige Bodenbeschaffenheit herzustellen. Da Auberginen auch verschiedenen Insekten schmecken, müssen wir die Früchte evtl. kleiner ernten, um das “Anknabbern” zu verhindern. Angeknabberte Früchte werden aussortiert – es sei denn die Fraßstelle ist nicht groß und kann einfach weggeschnitten werden.

Auch die Zucchinifreuden lassen derzeit auf sich warten. U.a. dadurch, dass einige Jungpflanzen trotz Vliesabdeckung während der sehr kalten Frühjahrsnächte Kälteschäden erlitten haben. Wir pflanzten nach, was uns jedoch zeitlich zurückgeworfen hat.

Aktuell überdenken wir unsere Mulch-Strategie. Auch wenn einige unserer Kolleg*innen aus der Landwirtschaft sich das sparen, mulchen wir aus mehreren guten Gründen. Der Gemüseanbau entzieht dem Boden Nährstoffe, diese wollen wir dem Boden durch Mulch wieder zuführen und so den Humusaufbau fördern. Denn humushaltige Böden sind gute CO2-Binder und damit ein wichtiger Beitrag für nachhaltige Landwirtschaft. Ausserdem reduziert Mulch die Wasserverdunstung. Leider gibt es recht wenige Informationen und Erfahrungswerte, auf die wir beim Mulchen zurückgreifen können – auch da unser Anbauanspruch selten in so großem Stil umgesetzt wird. So lernen wir jedes Anbaujahr dazu. 


Unser aktuelles Mulchmaterial (Heu von unseren Kleegras-Flächen) z.B. isoliert den Boden zu stark, verlangsamt seine Erwärmung am Tag und reduziert dadurch auch die nächtliche Wärmeabstrahlung an die Pflanzen. Dadurch wird das Wurzelwachstum gebremst.

Die Untersuchung einer Bodenprobe ergab kürzlich eine Unterversorgung mit pflanzenverfügbarem Stickstoff im Zucchinifeld, worauf wir mit Flüssigdünger (der sog. Vinasse) akut nachgedüngt haben. Langfristig sollten jetzt mehr Pflanzen Woche für Woche einen signifikanten Ertrag abwerfen. 
Das in konkreten Zahlen zu bemessen, ist schwierig, da wir nicht genau wissen, wie schnell die Pflanzen auf diese Nachdüngung “anspringen”. Aktuell können wir noch nicht genügend Zucchini für alle Ernteanteile pro Woche ernten, ein paar packen wir dennoch per Zufallsprinzip in die Kisten – einige davon leider hagelbedingt verwundet ;-).

Um unseren Anbau zukünftig vor z.B. Hagel zu schützen, wäre eine Kulturschutznetzab-deckung sinnvoll. Einen Teil der Pflanzen schützen wir bereits auf diese Weise. Der Arbeits- und Investitionsaufwand ist im Verhältnis zum Risiko jedoch zu groß, um alle potenziell hagelgefährdeten Kulturen abzudecken. Somit müssen Salat, Mangold und Co. weiterhin mit dem Risiko von fiesen Wetterevents „aufwachsen”. Unsere Jungpflanzen auf den Anstautischen werden wir zukünftig abdecken – der Arbeitsaufwand ist vergleichsweise gering, da sie eng beieinander stehen.

Beim Hagel hat es teilweise auch die Äpfel der Aurachers erwischt. Wie genau sich das auf die Ernte auswirkt, werden sie uns erst im Herbst sagen können. Doch um genug Äpfel müssen wir uns i.d.R. keine Sorgen machen, da sie – falls nicht als ganze Frucht verwendbar – einfach haltbar gemacht werden können. Die Äpfel wandern dann eben evtl. in Form von Saft, Chips oder Apfelkompott in unsere Kisten.

Viel Geld für wenig Umwelt

Was ist eigentlich die GAP? So unklar wie der Name, so diffus ist auch das Verständnis über die GAP – die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik. Eines ist sie ganz gewiss: Sie ist der größte finanzielle Einzelposten des Europäischen Haushalts und damit ein wesentlicher Hebel für (k)eine Wende in der Landwirtschaft. 

400.000.000.000 Euro umfasst das Haushaltsbudget der GAP. Heruntergebrochen auf jede/n EU-Bürger*in sind das 114 €  Steuergelder pro Nase, mit der wir die Landwirtschaft der Europäischen Union jährlich subventionieren. 

Ein Rückblick: Nach dem 2. Weltkrieg und vorherrschender Lebensmittelknappheit erhielten Landwirt*innen Subventionen als Anreiz, in ihre Betriebsstrukturen zu investieren, intensiver zu wirtschaften und z.B. neue Ställe zu bauen, um die Lebensmittelverfügbarkeit wieder herzustellen. 

Durch die voranschreitende Globalisierung wurden Politik, Konsum und Landwirtschaft mehr und mehr miteinander verwoben und neue Abhängigkeiten geschaffen. Die Subventionen dienten nun dazu europäische Betriebe auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig zu erhalten, um Standards und Regeln einhalten zu können und um Lebensmittel billiger zu machen.

Der Kerngedanke jeder Steuerpolitik ist es, öffentliche Gelder für Leistungen einzusetzen, die der Allgemeinheit – also uns – dienen. Die GAP verfehlt diesen Gedanken jedoch komplett.

Warum ist die GAP in der Kritik?
Die GAP verteilt ihre 400 Mrd. € nach dem sog. Gießkannenprinzip. Rund 80 % der Subventionen werden an landwirtschaftliche Betriebe nach Fläche vergeben.

Im Klartext: Viel Fläche bekommt viel Geld. Nur 20 % der Gelder werden für Umweltleistung, -bildung, ländliche Entwicklungsmaßnahmen sowie Arten- und Klimaschutz vergeben, die vor allem kleinbäuerliche Betriebe mit regionalen Vermarktungswegen durchführen und damit die Lebensqualität ihrer Region, fruchtbare Böden, saubere Luft und sauberes Wasser fördern. 

Wer trägt die Folgekosten?
Wir alle. Denn intensive landwirtschaftliche Nutzung führt zu ausgelaugten Böden, unwiederbringlichen Bodenverlusten, einem Rückgang der Artenvielfalt u.a. durch massiven Pestizideinsatz, Trinkwasserverschmutzung durch zu viel Dünger. Dieser Dünger wird bspw. nicht ausgebracht, weil der Boden ihn dringend braucht. Er wird auf die Felder gespritzt, da die Sch*** der viel zu vielen Tiere, die gehalten werden, um den immensen Bedarf an tierischen Produkten (Stichwort: tägliche Wurstsemmel oder auch Export in alle Welt) zu decken, irgendwo hin muss. Dadurch sind unsere Böden in Deutschland derart mit Nitrat belastet, dass wir von der EU verklagt wurden, da wir „keine ausreichenden Maßnahmen zur Verringerung der durch Nitrate aus landwirtschaftlichen Quellen verursachten Gewässerverschmutzung ergreifen“. Leider halten wir so einige EU-Vorgaben nicht ein, wie ein Blick in die 17 Punkte umfassende Klageschrift der EU-Kommission deutlich macht: kartoffelkombinat.de/eu-klage

Zurück zur GAP:
Die Subventionen fördern also genau jene Betriebe, die sich auf industrialisierte Landwirtschaft spezialisiert haben, umweltzerstörende Monokulturflächen bewirtschaften und so viel Massentierhaltung betreiben, dass sie nicht wissen, wohin mit all der Gülle.

Die Folgekosten von z.B. der Trinkwasseraufbereitung trägt die Allgemeinheit, also der/die Steuerzahler*in in den Kommunen und Gemeinden, die auf den Kosten sitzen bleiben.    

Billigere Lebensmittel für Alle?
Lebensmittel werden durch die GAP keineswegs billiger. Bereits heute kommt uns die Kostenexternalisierung bei der Lebensmittelproduktion für Mensch, Tier und Umwelt teuer zu stehen. Durch den massiven Rückgang der Artenvielfalt, Verödung der Böden, verschmutztes Trinkwasser und massenhafte CO2-Emissionen.

Fazit:
Das Verhältnis der GAP-Geldvergabe (80/20) zerstört das Ökosystem. Der Großteil der Subventionen muss zukünftig in kleinbäuerliche Strukturen fließen, um dort faire Arbeitsplätze und nachhaltige Zukunftschancen für Landwirt*innen zu schaffen. So kann Landwirtschaft und eine Lebensmittelproduktion für die Allgemeinheit in einer öko-sozialen Art und Weise betrieben werden.

Das wiederum erhöht die Lebensqualität von uns allen und hinterlässt fruchtbare Böden und in sich intakte natürliche Kreisläufe für jene, die nach uns kommen. Leider ist die Mutlosigkeit der verantwortlichen EU-Politiker*innen seit Jahren konstant und die Verschränkung mit Berufsständen der Lebensmittelindustrie sehr eng. Es braucht genau jetzt, dringend eine mutige und neue Auseinandersetzung über die Auswirkungen und Ziele für eine lebenswerte Zukunft, um Chancen für eine klimagerechte und umweltschonende Landwirtschaft anzupacken.