UnSeRe kLeInE FaRm

Die Haupterntezeit ist da. Und damit geben wir Euch einen kleinen Einblick in den Status quo unseres Anbaus und was es mit der erneuten Lieferung Spinat auf sich hat …

Keine Saison gleicht der anderen (Licht, Regen, Wärme, Schädlinge, … Ihr wisst schon.) – darum geben wir viel Herzblut, um unsere Gemüsekulturen durch alle Untiefen zu steuern.

20 Prozent aus alles!*

Damit wir auch in schlechteren Jahren gut gerüstet sind, kalkulieren wir in unserer jährlichen Anbauplanung immer einen Puffer von 20 % für Ernteausfall ein.
In Jahren, in denen der Wetterfrosch (und/oder die Schädlinge) gute Laune hat, steht uns dann auch mehr Ernte zur Verfügung. Dabei kann es vorkommen, dass wir Kulturen wöchentlich direkt nacheinander ernten (müssen), um z.B. Erntefenster nicht zu verpassen oder Krankheitsbefall zu verhindern. So geschehen in dieser Woche beim Spinat. 


Dieser Überschuss kann dann, muss aber nicht, für alle Ernteanteile reichen. In letzterem Fall füllen wir die Kisten mit anderem Gemüse auf, sodass alle gleich viel zusätzlich bekommen.
Der Spinat bspw. ist in den letzten Jahren eher problematisch gewachsen. Das lag zum einen an der Witterung, zum anderen an der Sorte und viel Pilzbefall. Dieses Jahr haben wir eine neue Sorte getestet, die sich offensichtlich richtig wohlfühlt und für unseren Standort gut geeignet ist. Der Spinat wächst momentan, als gäbe es kein Morgen und der 20-Prozent-Puffer + Wohlfühlwachstum landet deshalb diese Woche in unseren Kisten.

Wer den Spinat so schnell nicht verarbeiten kann, hier unser Tipp: Spinatblätter kurz in kochendem Wasser blanchieren, gut abtropfen und direkt einfrieren. So bleibt er knackfrisch bis zur nächsten Verwendung.

*) Ausser auf Kohl
Doch so sehr wir uns über den Spinat freuen, beim Kohl sieht es mau aus. Vor allem Wirsing, Rotkohl und Rosenkohl litten in dieser Saison an den Raubzügen der weißen Fliege, hungriger Raupen und durstiger Läuse. Dadurch hat sich die Blattmasse der Kulturen nur mittelprächtig entwickelt, die eine entscheidende Rolle bei der Fotosynthese – also Zuckerbildung hat, wovon wiederum die Wachstumsqualität abhängt. Wir stellen uns daher auf eine eher nüchterne Kohlernte ein.

Der Sellerie allerdings steht grandios auf dem Acker und wandert derzeit peu à peu ins Lager

Ausserdem haben wir unsere Kürbisse heimgeholt. An vier Tagen haben wir mit ausgefeilter Wurftechnik 3 Sorten Kürbisse – insgesamt 12.500 Stück – ins Lager gebracht. Für Euch dazu ein paar Impressionen direkt aus Spielberg:

Glyphosat & co auf Fernreise

Die größte deutschlandweite Studie zur Messung von Pestizidrückständen in unserer Luft wurde veröffentlicht und die Ergebnisse sind eindeutig: 

Pestizide sind überall!

Ob im Naturschutzgebiet, in der Stadt, auf dem Bio-Acker oder auf hohen Berggipfeln – durch die vom Umweltinstitut München e.V. und dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft in Auftrag gegebenen Studie konnten deutschlandweit an 163 Standorten über 138 Pestizide nachgewiesen werden. 

Eines davon war immer und überall mit von der Partie: Glyphosat. Doch auch andere Pflanzenschutzmittel sowie teilweise seit den 70er-Jahren verbotene Mittel sind auch jetzt noch – fast 50 Jahre später – in unserer Luft. 

Die Rückstände von aktuell in Deutschland verbotenen, jedoch in anderen EU-Mitgliedstaaten zugelassenen Pestiziden wurden ebenfalls mehrfach nachgewiesen – dies beweist, dass Pestizide gerne in die Ferne reisen, und ganz und gar nicht dort bleiben, wo sie ursprünglich eingesetzt wurden. Sie haften sich an kleinste Staubpartikel und wehen kilometerweit durch die Luft. So landen sie z.B. auf Bio-Äckern. Und da Biolandwirt*innen schwerlich unter einer Käseglocke wirtschaften können, sind sie und wir alle als Verbraucher*innen machtlos gegenüber der gefährlichen Fracht, die der Wind auf unsere Felder weht.

Dieser nun erstmals durch die 1,5 Jahre angelegte Studie nachgewiesene Fernstransport von Glyphosat & Co wird weder bei der Zulassung noch Gefährdungsbeurteilung von Pestiziden ausreichend berücksichtigt. Die Untersuchung zeigt, dass sich Pestizide trotz aller Kontrollen und Vorschriften nahezu überallhin verbreiten – in Schutzgebiete, auf Bio-Äcker und in unsere Wohnräume. Welche Auswirkungen das für uns, unsere Gesundheit und die unserer Kinder hat, bleibt weiterhin ein großes Fragezeichen.

Doch in Sachen Einsatz für die Umwelt geht was voran: Das Umweltinstitut München (übrigens Mitglied der Kartoffelkombinat eG) nimmt sich wissenschaftlich fundiert der Fehlstellungen in der Agrarindustrie an und bringt Veränderung auf den Weg. Gemeinsam mit dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft fordert es ab sofort:

  • Sofortiges Verbot der am stärksten verbreiteten Pestizid-Wirkstoffe.
    Das betrifft Glyphosat, Prosulfocarb, Pendimethalin, Terbuthylazin und S-Metolachlor.
  • Entschädigung von Bio-Betrieben durch Pestizideinträge.
    Bisher müssen Bio-Landwirt*innen oder Verarbeitungsbetriebe die Kosten für die Abgrenzung und Schäden durch Pestizid-Verunreinigungen selbst tragen. Das schlägt sich auch auf die Preise für Bio-Produkte nieder. Ein Entschädigungsfonds, in den die Chemieindustrie einzahlt, wäre gerechter und würde in die richtige Richtung steuern: Hin zu mehr Bio.
  • Reform der Zulassungsverfahren für Pestizide.
    Die Verbreitung von Wirkstoffen durch die Luft muss vor der Zulassung in realistischen Experimenten gemessen und danach kontinuierlich beobachtet werden.

Unsere Atemluft geht uns alle etwas an, und eine grundlegende Wende in Sachen Pestizide muss her. Die Akteur*innen der Studie sind sich einig:
Mit Hilfe einer Mischung aus Verboten, der Forschung an Alternativen und ökonomischen Anreizen ist ein Ausstieg aus dem Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide in der Landwirtschaft möglich.

Das fordert auch die europäische Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten!“. Wir haben bereits unterzeichnet: kartoffelkombinat.de/bienenundbauern.

Ein gute Zusammenfassung der Studie und Einblicke in die Arbeit der Forscher*innen findet Ihr in diesem Video. Weitere Infos zur Studie und weiterführende Links gibt’s hier

 

CoNnY’s KoChStUdIo: Chutney aus grünen Tomaten

Der Herbst ist da – und damit die Tomatensaison leider vorbei. Die restlich verbliebenen Tomaten werden bei den kühlen Temperaturen und der früher einsetzenden Dunkelheit leider nicht mehr reif. Doch bevor die grünen Tomaten auf den Kompost wandern, packen wir sie kurzerhand in die Ernteanteile – denn Conny hat ein köstliches Rezept parat, wie aus den recht bitteren Früchten ein ganz feines Chutney entsteht und Ihr Euch so den Tomatensommer auch im Winter schmecken lassen könnt.

Doch Obacht: bei unreifen Tomaten ist generell Vorsicht geboten. Sie enthalten den giftigen Stoff Solanin. Das ist ganz typisch und kommt in den grünen Teilen von Nachtschattengewächsen vor. Solanin findet sich sowohl bei grünschaligen Kartoffeln, als auch im grünen, holzigen Stielansatz bei reifen Tomaten. Deshalb schneidet man den auch weg. 

Ab einem Verzehr von 2 bis 3 unreifen Tomaten kann es bei empfindlichen Menschen bereits zu Beschwerden, wie z.B. Kopf- und Magenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen kommen. Doch da unreife Tomaten recht bitter schmecken, kommt kaum jemand auf die Idee, soviel davon zu verputzen. 

Das Chutney aus grünen Tomaten wird deshalb auch nur in kleinen Mengen als kulinarisches i-Tüpfelchen zu Curry oder bspw. Weichkäse gereicht. Ein richtiges Schmankerl also. Denn auch durch die lange Kochzeit der grünen Tomaten wird das hitzestabile Solanin nicht abgebaut.

Wie Ihr das feine Chutney aus unseren grünen Tomaten herstellt, zeigen wir Euch in unserem kleinen Film – direkt aus Conny’s Kochstudio mit Daniel als Küchenassistenz inkl. Rezept. Klickt Euch rein unter: www.kartoffelkombinat.de/tomatenchutney.

Viel Spaß beim Gucken und vor allem beim Nachkochen – es lohnt sich!

Für alle zum Nachlesen hier das Rezept inkl. Zubereitung

  • 1 kg grüne Tomaten, grob geschnitten
  • 200 g Zwiebeln, fein geschnitten
  • 12 g Salz
  • 400 ml Apfelessig
  • 200 g brauner Zucker 100 g Rosinen
  • 10 g Pfeffer, gemahlen

Vorbereitung am Vortag: Zwiebeln in dünne Scheiben und Tomaten in grobe Stücke schneiden. In einer Schüssel mit Salz vermengen und über Nacht zugedeckt stehen lassen. Dieser Schritt wird einiges an Tomatensaft herausziehen, die Kochzeit verkür- zen und den Geschmack verbessern.

Step 2: Am nächsten Tag Essig und Zucker bei mittlerer Hitze in einem großen Topf erwärmen, bis der Zucker aufgelöst ist. Dann zum Kochen bringen.

Step 3: Die Rosinen/Sultaninen grob schneiden und in den Topf dazu geben – das Ganze leicht aufkochen.

Step 4: Den Tomaten-Zwiebel-Mix vom Vortag sanft mit den Händen auspressen, um den Saft herauszudrücken und dann ab damit in den Topf (ohne Saft). Pfeffer dazu ge- ben, alles gut vermengen und die ganze Masse leicht aufkochen lassen.

Step 5: Nun nur noch hin und wieder umrühren. Das Chutney sollte dickflüssig sein – am besten macht Ihr den Löffeltest: Kochlöffel über den Boden des Topfes ziehen – wenn das Chutney nicht sofort wieder zusammen rinnt, ist es fertig. Das dauert ca. 1-1,5 Std. Nun das Chutney in heiß ausgespülte Gläser füllen, fest zuschrauben und auf dem Kopf gestellt auskühlen lassen.

Wir freuen uns über Feedback und weitere köstliche Rezeptideen. Wie immer könnt Ihr diese gerne im Forum unter www.kartoffelkombinat.de/rezepte teilen.

Schulgarten in Portugal – Ein Update

Im Herbst 2019 haben Sophie und Daniel in Mértola, Portugal, an einer Regionalkonferenz teilgenommen, um am Beispiel des Kartoffelkombinats Alternativen aufzuzeigen.

Die Region im Südwesten Portugals leidet unter Jahrzehnten der Misswirtschaft, verbrauchten Böden, zusammengebrochenen Infrastrukturen, akuter Wasserknappheit und Landflucht der jungen Bevölkerung.

Bei unserem Besuch haben wir u.a. die Schulkrankenschwester Maria Joao Silva und ihre ambitionierte Projektidee kennengelernt, im Rahmen eines Schulgartens den Kindern Wissen über Gemüseanbau ohne Bewässerung (sog. syntropische Anbaumethode: siehe kartoffelkombinat.de/wasser-pflanzen) und die Wiederbelebung degradierter Böden zu vermitteln und nebenbei die Selbstversorgung der Familien der beteiligten Schulkinder durch den Garten zu ermöglichen.

Die Berichterstattung über unseren Besuch (kartoffelkombinat.de/mertola) und unser Spendenaufruf für Marias Schulgartenprojekt im Kartoffeldruck blieben nicht ungehört. Es war aus unserer Sicht „nicht viel” Geld nötig, um Marias Vision zu ermöglichen, doch für Maria unmöglich allein zu finanzieren. Durch Eure Spenden rückt die Realisierung Ihrer Vision nun in greifbare Nähe: Insgesamt sind 3.500 € zusammengekommen. Herzlichen Dank an Eure Bereitschaft und spontane Unterstützung!

Wir haben Maria zum Jahreswechsel 2.400 € für Ihr Projekt überwiesen, um Jungpflanzen und Werkzeuge zu kaufen. Die Summe wird ausreichen, Marias Schulgarten zwei Jahre lang komplett zu finanzieren! (Das restliche Geld werden wir entweder bei Bedarf fürs dritte Jahr zuschießen oder an ein gleichartiges Projekt in der Region geben.)

Bis dato hatte sie bereits zwei Lehrkräfte im bestehenden Erprobungsgarten in Mértola ausbilden lassen. Marias Dankbarkeit war sehr groß und auch wir freuten uns, dass wir so schnell und so konkret aus unserer Solidargemeinschaft heraus helfen konnten. Alle Involvierten – Schüler*innen, Lehrer*innen, Schulmitarbeiter*innen und Eltern – haben sich sogleich motiviert und voller Engagement in die Gartenplanung gestürzt. Neben organisatorischen Hürden hat die Coronapandemie der weiteren Realisierung erst mal eine Vollbremsung verpasst und die Planung seit März deutlich erschwert – z.B. da die Schulen geschlossen wurden. Doch Hoffnung ist in Sicht, denn die Organisation des Teams fährt langsam wieder hoch und es ist ein Treffen mit der Stadtverwaltung zur Vorstellung des Projekts geplant.

Wir drücken fest die Daumen, dass sich die Schulsituation trotz Corona normalisiert und der Schulgarten endlich Realität wird.

Andere Schulgartenprojekte stehen übrigens mit Marias Initiative im engen Austausch und steuern engagiert Fachwissen und inhaltliche Hilfestellung bei.

Vielen Dank für Eure Unterstützung, wir halten Euch auf dem Laufenden!
Sophie und Daniel

Dürre? Doch nicht bei uns!

Dürre ist ein komplexes Thema. Und eines, das wir kaum mit unseren Breitengraden in Verbindung bringen. Doch Dürre ist kein Schreckgespenst am fernen Horizont. Der Wassermangel – trotz des derzeitigen Regens – ist ganz real. Vor unserer Haustür.

Wir berichten in regelmäßigen Abständen über den aktuellen Stand, wie wir im Kartoffelkombinat unseren Wasserbedarf decken, welche Herausforderungen es dabei gilt zu meistern und wie unsere Prognose der kommenden Wochen und Monate aussieht.

Wasser ist zwar das Element, das gefühlt überall auf unserem Planeten vorhanden ist, doch nur 40 % davon ist Süßwasser, und davon wiederum stehen uns weltweit nur 0,3 % als Trinkwasser und zur Bewässerung unserer landwirtschaftlichen Flächen zur Verfügung. Schluck!

Laut Expert*innen haben wir derzeit noch ca. 10 Jahre Zeit, um die Wasserkrise in Deutschland zu „lösen“. Danach wird ein sog. Kipppunkt erreicht, nach dem sich der negative Dominoeffekt auf die Menschen und Artenvielfalt kaum mehr aufhalten lässt. Die dystopischen Annahmen antizipieren dann u.a. massenhafte Umsiedlungen aus zu trockenen in wasserreichen Regionen (sog. Wasserflucht) und einen irren logistischen Aufwand lebensnotwendiges Nass zu Mensch, Tier und Feld zu transportieren, wenn der Regen ausbleibt.

9 der 10 wärmsten Jahre seit der Wetteraufzeichnung haben sich in den letzten 20 Jahren ereignet. Und wenn sich die meisten von uns über herrliches Badewetter freuen, wird auch hitzig diskutiert. „Hitze ist nicht gleich Dürre!“, sagen manche. Doch das ist ein Trugschluss. Denn Dürre und Hitze verstärken sich gegenseitig: Wenn es heiß ist, trocknen Böden schneller aus. Ausgedörrte Böden wiederum nehmen Wasser schlechter auf – Niederschlag läuft oberflächlich ab, ehe er einsickern kann. Bei Trockenheit fehlt auch eine natürliche Kühlung unseres Bodens: Normalerweise verdunstet unter Sonneneinstrahlung Wasser – bei Dürre wird deshalb die untere Atmosphäre heißer und trockener. Das heißt unser Leben wird sich verändern: Bruthitze in unseren Städten wird jährlich tausende Leben kosten (kartoffelkombinat.de/hitze), Futtermangel für das Vieh aufgrund vertrockneter Wiesen wird ganze Produktionszweige in Bedrängnis bringen und Auswirkung auf Produktion und Preise haben. Ausgetrocknete Flüsse und Seen werden zum massiven Rückgang der Artenvielfalt führen. Eine Entwicklung, die dann außerhalb unseres Einflusses liegt, wenn wir uns nicht jetzt mit aller Kraft dem Aufhalten des Klimawandels widmen. Und ganz regional betrachtet: Hitze, Dürre, Artensterben – alles weit weg von uns?

Leider nein. Ganz konkret können auch wir im Kartoffelkombinat davon berichten, dass die Trockenheit der vergangenen Jahre mittlerweile großen Einfluss auf unsere Arbeit, Ernte und Erträge hat.

2019 erhielten wir ein Schreiben des Landwirtschaftsamtes Fürstenfeldbruck. Darin die Information, dass die Grundwasserstände in Bayern seit 15 Jahren fallen und die dringende Bitte, für die mittel- und langfristige Planung in unserem Betrieb für eine „besonders sorgsame und sparsame Durchführung der Bewässerung zu sorgen“ und „eine Investition in wassersparende oder wasserspeichernde Technik in Betracht zu ziehen“.

Denn ein Blick auf den Grundwasserspiegel in Mammendorf, 3 km von der Gärtnerei entfernt, ist erschreckend. Die Messstelle unterteilt den Grundwasserpegel in 5 Zonen von sehr hoch bis sehr niedrig. Seit letztem Jahr August bleibt der Wert konstant unter „sehr niedrig“. 


Das haben wir auch direkt gespürt: Unser in 2017 gebohrter Brunnen in der Gärtnerei hat eine Saison für die Bewässerung gereicht. Dann ist er aufgrund der Trockenheit und fehlender Niederschläge leergefallen und seitdem nicht mehr benutzbar. Das Wasser steigt nicht mehr weit genug hinauf.

Folgend der Link zur Mammendorfer-Messstelle: www.kartoffelkombinat.de/grundwasser.

Unsere Lebensmittel sind im Wachstum und der Erzeugung genauso auf Wasser angewiesen wie alles Leben. Verschiedene Lebensmittel benötigen dabei unterschiedliche Mengen Wasser. Wie dringend es ist, den indirekten Wasserverbrauch durch den Konsum von Produkten, die wenig Wasser benötigen, zu senken, wird immer deutlicher. Fleisch, Kaffee, Kakao sind die durstigsten Lebensmittel in der Erzeugung. Gemüse und Obst fallen sehr viel weniger ins nasse Gewicht. Vor allem saisonal erzeugte Produkte sind immer die bessere Wahl, was den ökologischen und den H2O-Fußabdruck angeht. Hier eine gute Reportage über die Dürre in Deutschland in der ARD Mediathek: www.kartoffelkombinat.de/duerre

Und wie sieht es zum Thema Wasser bei uns ganz konkret aus?
In den letzten Wochen hat es ziemlich viel Nass vom Himmel geregnet. In der zuvor trockenen und recht heißen Periode haben wir in unserer genossenschaftlichen Gärtnerei viel maschinelle und manuelle Beikrautregulierung, das sog. „Hacken“ durchgeführt, um unsere Pflanzen vom Unkraut zu befreien.

Gleichzeitig fördert diese Arbeitsmethode die Qualität des Wasserhaushalts im Boden. Denn durch das Hacken wird die Bodenoberfläche aufgebrochen und damit die Kapillarität unterbrochen. Mit Kapillarität bezeichnet man das Verhalten von Flüssigkeiten bei Kontakt mit engen Röhren, Spalten oder Hohlräumen in Feststoffen. Dabei entsteht der sog. Kapillareffekt, der auf einer Wechselwirkung zwischen der Oberflächenspannung der Flüssigkeit (Kohäsion) und der Grenzflächenspannung zwischen der Flüssigkeit und der festen Oberfläche hervorgerufen (Adhäsion) wird.

Das Gewicht von Wasser ist in engen Hohlräumen – also den Kapillaren des Bodens – gering, und die Kapillarkraft somit stärker als Schwerkraft. Wasser steigt deshalb vertikal nach oben. Das hat einerseits viel Sinn z.B. bei der Wasserversorgung von Bäumen, die Wasser aus ihren Wurzeln viele Meter in die Höhe steigen lassen können, um ihren Wasserbedarf zu decken.

Damit im Gemüseanbau das Wasser im Boden und damit für die Pflanzen längerfristig verfügbar bleibt, ist das Aufbrechen der Bodenoberfläche durch das Hacken eine gute Methode, um die Wasserqualität im Boden zu begünstigen und die Verdunstung zu verringern. So kann mehr Regenwasser an Ort und Stelle versickern, anstatt oberflächlich abzufließen und mitunter Mutterboden abzutragen.

Im Kartoffelkombinat sind die Gemüsekulturen im Freiland durch den letzten Regen gut mit Wasservorräten versorgt, sie können derzeit munter weiterwachsen – und wir müssen erst mal nicht gießen ;-).



Ernährungswende: Jetzt!

Podiumsdiskussion zur Ernährungswende im Import-Export
Das Kartoffelkombinat, die Hermannsdorfer Landwerkstätten, das FoodHub München und der Münchner Ernährungsrat sprechen am 07.09. im Import-Export Open im Rahmen des Münchner Klimaherbstes über die dringend notwendige Ernährungswende, geben einen tiefen Einblick in unsere Versorgungssysteme, deren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt und zeigen Lösungswege und gute Alternativen in der Stadt auf. Seid dabei!

Wann: Mo, 07.09.
Einlass: 18:00 Uhr
Start: 19:30 Uhr
Wo: Import-Export Open (outddor), inkl. Musik & Drinks, Dachauerstrasse 114
Info: import-export.cc

Die Ernährungswende ist in aller Munde. Doch wie kann eine Wende gelingen und welche Akteur*innen versuchen diese zu gestalten?

Heute stellen wir Euch eine engagierte Institution aus München vor, deren Agenda die Ernährungswende darstellt: Der Ernährungsrat München e.V. – denn, die Wende beginnt vor Ort!

Wer weiß eigentlich noch wo seine Lebensmittel herkommen? Wer kann am Supermarktregal einschätzen, welche Lebensmittel besser oder nachhaltiger sind? So geht es nicht nur uns Verbraucher*innen – so geht es auch den Städten und Kommunen.
 Die kommunale Lebensmittelversorgung gestaltet das Wohlergehen der Bürger*innen, den Lebenswert einer Stadt und ihre Umweltauswirkungen wesentlich mit.

Doch den Städten mangelt es hier meist an Einfluss, um eine ökologisch und faire Versorgung zu ermöglichen. Ernährungsräte in ganz Deutschland wollen dies ändern. Seit 2016 schließen sich in Ihnen Bürger*innen, Aktivist*innen, die lokale Politik sowie die regionale (Land-)Wirtschaft zusammen und arbeiten gemeinsam an einem besseren Er- nährungssystem.

2018 wurde der Münchner Ernährungsrat e.V. (MER) gegründet. Mit inzwischen über 80 Mitgliedern, vorwiegend Unternehmen und Organisationen, – u.a. das Kartoffelkombinat mit der Genossenschaft und dem Verein – steht er als unabhängiges Bündnis für ein resilientes, gerechtes und gemeinwohlorientiertes Ernährungssystem für München ein. Im Hinblick auf die Herausforderungen der Zukunft (Klimawandel, Verlust an Biodiversität, Ressourcenschwund, Flächenversiegelung, finanzielle Benachteiligung, etc.) sieht sich der MER als Forderer aber auch Unterstützer politischer Entscheidungen und als Institution, die den Rückhalt für die notwendige Ernährungswende in München in der Zivilgesellschaft fördert. Für eine gelingende Ernährungswende braucht es ganz konkret eine konsequente Versorgung mit saisonalen und regionalen Lebensmitteln aus fairer und ökologischer/nachhaltiger Herstellung sowie artgerechter Tierhaltung.

In Zusammenarbeit mit dem Klimaschutz-Bündnis “München muss handeln” ist es dem MER in den letzten Monaten gelungen, dieses Thema im Münchner Stadtrat und im Koalitionsvertrag der Stadtregierung zu verankern.


Ernährung muss nun zum Thema einer neuen Bewegung werden. Nach immer mehr Skandalen der Liefer-, Produktions- und Versorgungsketten, die uns immer wieder zeigen, was schiefläuft, ist es Zeit zu handeln. Denn unsere Ernährung macht bis zu 25 % des individuellen CO2-Fußabdrucks aus! Und die Aufgabe der Stadtgesellschaft ist es nun, dazu beizutragen, dass wir alle an einem Strang ziehen: Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.

Infos: www.ernaehrungsrat-muenchen.de und www.ernaehrungsraete.de

Ein Tag in Spielberg: 19.08.2020

Mitgärtnern ganz digital – unsere rasende Reporterin Rajka berichtet in dieser Saison immer mal wieder, was sich in der Gärtnerei so tut. Mit Infos rund ums Gärtnern, Pflanzenwachstum und den Menschen, die unser Gemüse pflanzen, pflegen und ernten und die auch hinter den Kulissen fleißig daran arbeiten, unsere Vision der alternativen Versorgungsstruktur für München weiter auszubauen.

Diese Woche stand ganz im Zeichen überbordendem Unkrauts. Als Erstes laufe ich Stefan über den Weg, der um unsere Gewächshäuser und vor unseren Folientunneln die Wiese gemäht hat – da war fast kein Durchkommen mehr ;-). Gerade um die Gewächshäuser herum ist das Mähen und Unkraut beseitigen wichtig, da die Samen und Pollen der Unkräuter schnell den Weg ins Gewächshaus finden und sich dort breit machen.

Und mit Schubkarre und Spaten gings bei Stefan gleich weiter. Eine ehemalige Bodenaushebung zur Verlegung einiger Wasserleitungen wurde wieder zugeschüttet, damit die Knöchel ganz und der Boden überschaubar bleibt ;-).

 

Weiter gehts zu unseren Gewächshäusern: In unserem ersten Gewächshaus machen sich die Tomaten erstklassig und der Ertrag ist richtig gut – beste Voraussetzungen also, um wieder das feine KK-Tomatensugo einzukochen – doch daraus wird in diesem Jahr voraussichtlich leider nichts. Zum einen wäre es als gemeinschaftliche Aktion mit den Beschränkungen durch Corona ein recht kompliziertes Unterfangen, und zu guter Letzt ist die Gastroküche, die wir normalerweise nutzen, durch die Corona-Umstände für uns leider nicht verfügbar. So freuen wir uns aktuell über die Tomaten-Direktlieferungen in unseren Kisten… 

Im zweiten Gewächshaus gibt’s ebenfalls genug Ertrag, auch wenn unsere Tomaten dort gerade von der Krautfäule gestresst werden. Die Krautfäule lässt die Blätter der Pflanze vertrocknen, nach und nach geht dann die ganze Pflanze ein. Deshalb hat das Gewächshausteam die Tomatenpflanzen großzügig entblattet, um dem Pilz die Ausbreitungsflächen zu nehmen. 

Falls einige von Euch neugierig sind, hier mal unsere köstlichen Sugorezepte zum Nachmachen und Ausprobieren. Unser Basissugo bildet für alle Sugos die Grundlage. So geht’s:

Für ein 450 ml-Glas ca. 350 g klein gewürfelte Tomaten rot und/ oder gelb, eine Prise Salz und etwas Stärke zusammen vermengen, aufkochen und mit einem Mixer oder Zauberstab pürieren.

Dieses Basissugo wird (muss aber nicht ;-)) mit weiteren Zutaten und mit viel Liebe in drei weiteren Varianten verfeinert:

Aubercchini:

In 1–2 EL Olivenöl zusätzlich ca. 150 g Zucchini und 200 g Auberginen – beides klein gewürfelt – sowie 100 g kleingehackte Zwiebel anbraten. Mit dem Basissugo vermengen, aufkochen – fertig.

Raving Carrots:

Statt Aubergine und Zucchini hierfür 200 g geriebene Karotten, 20 g Selleriewürfelchen mit 100 g fein gehackter Zwiebel in Öl anbraten, mit Basissugo aufkochen, fertig.

Kräuter-Knofi Jazz:

1–2 Knoblauchzehen und ca. 20 g Kräuter Eurer Wahl (z.B. Basilikum, Oregano oder Thymian…) grob hacken, mit Basissugo aufkochen, fertig.

Falls Ihr das Sugo auf Vorrat „produziert“ achtet darauf, es mind. 10 Minuten köcheln zu lassen. Danach in frisch ausgekochte Schraubgläser abfüllen und fest zuschrauben. Dabei sicherstellen, dass die Glasränder sugofrei sind. Zum Abkühlen auf den Kopf stellen. Das eingekochte Sugo ist an einem dunklen, kühlen Ort gelagert ca. ein Jahr haltbar. Viel Spaß beim Nachkochen!

Wieder zurück zu meinem Rundgang in Spielberg: Ich mache einen kleinen Abstecher auf den hinteren Acker, auf dem wir vor einigen Wochen unsere Kürbis-Jungpflanzen auf Agrotex gepflanzt haben. Und ich entdecke tatsächliche bereits einige der mehreren Sorten, die wir hier wachsen lassen. Ein paar hübsche Baby-Pattinsons und Hokkaido-Kürbisse. Die Vorfreude ist – zumindest bei mir – sehr groß! Kürbis ist so vielseitig in der Zubereitung, gut zu lagern und einfach sooooo lecker!

Samad zeigt mir bei dieser Gelegenheit gleich noch, welche Randstreifen er mit unserem kleinen Rasenmäher “gesäubert„ hat. Wir lassen es eigentlich gerne für die Artenvielfalt wuchern und wachsen, doch irgendwann müssen wir den Zugang zu den Feldern für die bevorstehenden Ernten wieder besser zugänglich machen. Einen kleinen Blick auf unser fleißiges Team erhasche ich auch noch: sie sind alle mit Jäten beschäftigt, da das Unkraut bei dieser abwechslungsreichen Witterung der letzten Wochen beste Wachstumsbedingungen hatte. Doch das Team kennt keine Gnade 😉 und alles wird per Hand raus gezupft!

Und was hier so unspektakulär struppig vor sich hin ackert, ist unser wunderbarer Kartoffelacker. Das Kraut wurde nun geschnitten, wodurch die Kartoffeln in der Erde das Signal erhalten, ihre Schale fester auszubilden. Bald ist es auch so weit und die große Kartoffelernte steht an. An einem einzigen Tag werden wir voraussichtlich bis zu 50 Tonnen der goldenen Erdknolle herausholen. Dafür ist das ganze Team gefragt und es wird ein langer Tag… wir werden berichten.

Und schon ist mein Rundgang über unsere wunderbare Gärtnerei in Spielberg bei Mammendorf schon wieder “rum„. Stefan zeigt mir noch die Chilis, die er zum Trocknen aufgehängt hat. Dazu hat er sie mit Nadel und Faden kunstvoll zu schönen Bündeln zusammen genäht. Evtl. machen wir daraus Chili-Salz, indem wir die getrockneten Chilis klein mahlen und mit Salz vermengen. Wir werden berichten.

Und die Paprika rechts im Bild haben einen Sonnenbrand. Dort, wo im Folientunnel ein Schlitz in der Folie die direkte Sonneneinstrahlung zulässt, “verbrennen„ sich die Paprika ordentlich die Haut. Lecker sind sie trotzdem, ich freu mich schon drauf ;-). 

       

Bis ganz bald, mit weiteren Eindrücken aus unserem genossenschaftlichen Betrieb!

Virtuelles Wassersparen

Fast jede/r ist hierzulande damit aufgewachsen, das Wasser während des Zähneputzens abzudrehen. Wassersparen hieß und heißt die Devise. Doch wie sieht es mit unserem indirekten Verbrauch des kostbaren Nass aus? Wie sparen wir virtuelles Wasser ein und was ist das eigentlich?

Virtuelles Wasser ist die Gesamtmenge an Wasser, die zur Herstellung eines Produkts oder einer Dienstleistung verwendet wird. Also der Wasserverbrauch der gesamten Produktionskette, vom Anbau und/oder Abbau der Rohstoffe, über die Weiterverarbeitung bis zur Beseitigung von Abfällen usw.

Durch den Konsum von Produkten aus aller Welt, wie z.B. Lebensmittel, Elektrogeräte, Kleidung, Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs verbrauchen wir indirekt große Mengen an Wasser. Je nachdem wo und wie die Produktionsketten ablaufen, verstärken wir durch unseren Konsum Wasserknappheit in anderen Regionen. Viele der Lebensmittel bspw. werden unter einem hohem Wasser- verbrauch in Ländern produziert, in denen bereits hohe Wasserknappheit herrscht und der Bevölkerung deshalb überlebenswichtiges Trinkwasser fehlt.

In der westlichen Wohlstandsgesellschaft verbraucht jede/r ca. 300 Liter Wasser pro Tag. Wenn wir das virtuelle Wasser, das in der Produktion unsere Konsumdinge steckt, dazu addieren, potenziert sich diese Menge schlagartig. Allein eine Tasse Kaffee schlägt mit einem Gesamtwasserverbrauch von 145 Litern zu Buche, ein Liter Milch mit ca. 900

Litern Wasser und unglaubliche 5.000 Liter Wasser werden allein für die „Produktion“ eines einzelnen Steaks benötigt. Unser Wasserfußabdruck – also der gesamte Wasserverbrauch inkl. virtuellem Wasser – liegt für Deutschland bei 117.000.000.000.000 Liter Wasser pro Jahr! Das ist das Zweifache des Bodensees und entspricht einem Gesamtwasserverbrauch von ca. 4.000 Litern – bildlich gesprochen ca. 26 volle Badewannen – pro Person pro Tag.

Mehr als die Hälfte des Wassers für die von uns benötigten Produkte stammt nicht aus Deutschland selbst, sondern wird vor allem über Agrargüter aus anderen Ländern importiert.

Ein Kilo Kartoffeln, in Deutschland erzeugt, verbraucht zum Beispiel um die zehn Liter Wasser. In Ägypten dagegen oft mehrere hundert. Ähnlich verhält es sich mit vielen anderen Gemüse- und Obstsorten.

Regionale und saisonale Lebensmittel zu konsumieren, macht also auch in puncto Wasserverbrauch deutlich Sinn.

Über drei Mrd. Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass unser Konsumverhalten in Sachen Wasserqualität und -verfügbarkeit weit über unsere Region hinaus einen enormen Einfluss auf die Lebensqualität von Millionen Menschen weltweit hat.

Um zu sehen, wie hoch der eigene Wasserverbrauch ist, kann der persönliche Wasser- fußabdruck berechnet werden. Dazu wird – egal ob für einen Haushalt, eine Kommune oder ein ganzes Land – die verbrauchte Wassermenge in drei Kategorien eingeteilt:

„Grünes Wasser“ ist das natürlich vorkommende Boden- und Regenwasser, welches von Pflanzen aufgenommen und verdunstet wird. Es ist relevant für landwirtschaftliche Produkte. „Blaues Wasser“ ist Grund- oder Oberflächenwasser, welches zur Herstellung eines Produktes genutzt wird und nicht mehr in ein Gewässer zurückgeführt wird. In der Landwirtschaft ist es das Wasser für die Bewässerung der Pflanzen. „Graues Wasser“ ist die Wassermenge, die während des Herstellungsprozesses verschmutzt wird.

Vor allem die Landwirtschaft verbraucht sehr viel grünes Wasser: Durch intensiv landwirtschaftlich genutzte Flächen kann deutlich weniger Regenwasser versickern, was im Extremfall zu sinkenden Grundwasserspiegeln, Wasserknappheit und einem Fortschwemmen des Mutterbodens führt.

Einen schnellen Überblick über den individuellen Wasserverbrauch gibt es hier: 
kartoffelkombinat.de/waterfootprint. 
Infos und ein sehenswertes Erklärfilmchen über virtuelles Wasser findet Ihr unter: 
kartoffelkombinat.de/virtuelles-wasser.

Ein Tag in Spielberg: 05.08.2020

Mitgärtnern ganz digital – unsere rasende Reporterin Rajka berichtet in dieser Saison, was sich in der Gärtnerei so tut, mit Infos rund ums Gärtnern und Pflanzenwachstum und den Menschen, die unser Gemüse pflanzen, pflegen und ernten und die auch hinter den Kulissen fleißig daran arbeiten, unsere Vision der alternativen Versorgungsstruktur für München weiter auszubauen.

Letzten Mittwoch habe ich bei bestem Wetter unserem fleißigen Gärtnereiteam über die Schulter schauen dürfen. Es gab mal wieder allerlei zu tun: 

Gerade wechseln sich Sonne und Regen brav ab, und wir haben die trockene Periode genutzt, um maschinelle und manuelle Beikrautregulierung, das sog. „Hacken“ durchführen. Dabei wurde gleichzeitig die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens verbessert. Beim Aufbrechen der Bodenoberfläche beim Hacken wird die Kapillarität im Boden unterbrochen und das Regenwasser bleibt in der Erde, statt nach oben zu verdunsten. So kann mehr Regenwasser an Ort und Stelle versickern, anstatt oberflächlich abzufließen und Mutterboden abzutragen. Die Pflanzen sind vorerst gut mit Wasservorräten versorgt, die Kulturen können munter weiterwachsen – und wir müssen erstmal nicht gießen ;-).

Auch in den Gewächshäusern stehen unsere Kulturen wunderbar da und gedeihen munter vor sich hin. Doch trotz Sommer werden die Tage aktuell schon wieder kürzer. Das merken auch unsere Gewächshauskulturen, die jede Stunde Licht brauchen, um weiterhin Ertrag zu liefern. Deshalb wird kommende Woche die Schattierfarbe, die wir zu Beginn der Saison auf unsere Gewächshausscheiben gepinselt haben, wieder abgewaschen. Sie dient während der Sommermonate zum Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung und Hitzeentwicklung. 

Bei meinem mittwöchlichen Rundgang besichtige ich auch unser Kohlbeet. Hier gedeihen einige Sorten Kohl, von Rot- über Weißkohl zu Chinakohl. Manche werden im Ganzen in die Kiste wandern, wie zum Beispiel der milde Chinakohl. Aus einem Teil des Weißkohl werden wir voraussichtlich im Herbst wieder Sauerkraut bei unserem Partnerbetrieb, dem Biolandhof Pfänder, einmachen. Wir freuen uns schon darauf!

Obwohl unser Kohl so schön da steht, wird er gerade unterwandert. Die Raupe des Kohlweißlings liebt alle Sorten Kohl und hat sich unser Beet ganz oben auf die Speisekarte geschrieben. Trotz Nützlingsstreifen (rechts im Bild) in dem sich viele raupenfressende Insekten wohlfühlen und auf Beutezug gehen, hat es die Raupe geschafft, sich in unseren Beeten einzunisten. Unsere Freilandgärtner*innen werden den kleinen Vielfraßen mit einem speziellen Bakterium zu Leibe rücken. Das sog. Bacillus thuringensis wird auf die Kohlköpfe gesprüht und stört die Darmfunktion der Raupen. So vergeht ihnen wortwörtlich der Appetit auf unser Gemüse. Das Bakterium ist völlig harmlos für Biene und Mensch.

Auf dem Weg zurück treffe ich in der Packhalle unser Gewächshausteam, das sich bezüglich der Schätzung abstimmt, welche Gewächshauskulturen vermutlich nächste Woche erntereif sind und damit in unsere Kisten wandern können. So kontrollieren wir jede Woche, wie der aktuelle Ertragsstand ist und passen die allgemeine jährliche Ernteplanung wochenaktuell an.

Im Büro sitzen Sophie und Andrea. Sophie aktualisiert unsere Pflanzenschutzliste. In diese werden alle Mittel eingetragen, die wir auf unseren Feldern einsetzen, um unsere Pflanzen im Wachstum zu fördern, ihnen Nährstoffe zuzuführen oder aber auch um sie vor Schädlingen zu schützen oder davon zu befreien. Die Liste wird vom Naturland-Fachverband geprüft, da wir uns als naturlandzertifizierter Betrieb an entsprechende Auflagen halten müssen, was wir im biologischen Gemüseanbau an ökologischen Pflanzenschutzmitteln einsetzen dürfen. 

Andrea, unsere Packleitung, bereitet derweil die komplette Kistenzusammenstellung für die Folgewoche vor. Nach einem wöchentlichen Ernterundgang mit den Gärtner*innen bekommt sie so einen guten Überblick, was in die Kiste wandert, welche Kulturen evtl. noch nicht reif sind, und was von unseren Partnerbetrieben an Gemüse zugekauft wird. 

Die beiden haben Gesellschaft von der Nachbarskatze, die – leider  sehr scheu – wohl gerne im kühlen Büro Unterschlupf sucht…

Zu guter Letzt komme ich gerade noch rechtzeitig, als Felix und Sophie unseren kleinen Traktor wieder „nach Hause“ bringen. Der „Kleine“ hat ein paar Tage Werkstattaufenthalt wegen einer defekten Zylinderkopfdichtung hinter sich. Er ist quasi unersetzlich für unsere Freilandarbeit, wenn es ums Hacken geht, und wir freuen uns sehr über diese wieder einsatzbereite maschinelle Unterstützung.

Unsere zweiwöchentliche Teambesprechung fand wieder draußen, an unserem schönen schattigen Plätzchen statt. Dabei ging es diese Woche unter anderem ums Mitgärtnern in Corona-Zeiten, Planungen für die Winterkiste und Praktikant*innen in der Gärtnerei.

Wir wünschen allen eine schöne Ferienzeit!
Wir sehen bzw. lesen uns…

Das geheime Leben der Bäume

Im Mai 2015 veröffentlichte Peter Wohlleben sein Buch „Das geheime Leben der Bäume“ und stürmte damit sofort die Bestsellerlisten. Wie kein anderer, schafft er es, über das Leben der Bäume zu berichten und die geheimnisvollen Kommunikationsfähigkeiten dieser stummen Holztitanen greifbar zu machen.

Peter Wohlleben weiß, wovon er spricht. Als Diplom-Forstingenieur engagiert er sich seit den 90er Jahren für eine nachhaltige Waldwirtschaft, die ökologisch und zugleich auch ökonomisch sinnvoll ist. Der Film „Das geheime Leben der Bäume“ basiert auf dem gleichnamigen Buch Wohllebens und ist seit Januar diesen Jahres in den Kinos zu sehen.

Regisseur Jörg Adolph begleitet Wohlleben auf Streifzügen durch die Wälder, folgt ihm auf verschiedene Kontinente und lässt ihn die eindrucksvollen Naturaufnahmen kommentieren. Die spannende Naturdokumentation führt die Zuschauer*innen nach Vancouver, wo neue Ansätze im Umgang mit Wäldern versucht werden, nach Schweden, wo der älteste Baum unserer Erde steht und zu Demonstrationen für den Erhalt eines inzwischen sehr berühmten Waldes – dem Hambacher Forst.

Wir sagen: Sommerzeit ist Kinozeit!.
In München zeigt Kino, Mond & Sterne am 12. August diese wunderbare Naturdokumentation. Wer dafür zwei Kinotickets gewinnen möchte, hinterlässt bis Sonntag, den 09.08. einen Kommentar unter diesem Artikel zu seinem Lieblingsbaum und beantwortet uns die Frage:
Was ist dein Lieblingsbaum und warum?

Unter allen Kommentator*innen verlosen wir zwei Karten. Wenn Ihr gewonnen habt, erfahrt Ihr dies bis Ende dieser Woche per E-Mail von uns. Viel Glück!

Den Trailer zum Film gibt’s hier:

Film: Das geheime Leben der Bäume
Vorstellung: Mittwoch, 12.08.2020, 21:00 Uhr
Einlass: ab 19.30 Uhr
Wo: Seebühne im Westpark

Alle Infos zu Kino, Mond & Sterne bekommt Ihr hier.

Übrigens: Für jedes verkaufte Kinoticket für „Das geheime Leben der Bäume“, wird ein Baum gepflanzt. Infos dazu findet Ihr hier.