Zur gesellschaftlichen Bedeutung des Kartoffelkombinats

Hervorgehoben

– Ein Beitrag unserer Aufsichtsrätin Christa

Auf die Frage des Deutschlandfunks, warum auf den deutschen Straßen trotz der Klimakrise immer mehr SUVs fahren, antwortet ein Professor für Design und Mobilität von der Fachhochschule Hof, dass mit dem Verkauf eines großen, schweren Automobils sehr viel mehr Gewinn realisiert werden kann als mit dem von vielen kleinen Autos. Und – so schlussfolgert er: „Ein Automobilunternehmen baut Autos, um damit Profit zu erwirtschaften. Das kann man ihm auch nicht übel nehmen.“

Gegenblende. Daniel Überall wird nicht müde, in Interviews und Podcasts den Sinn des genossenschaftlichen Tuns so zu erklären (ungefährer Wortlaut): 

„Wir wollen kein Gemüse verkaufen. Wir wollen in der Genossenschaft keine Kunden, die Gemüse kaufen. Sondern wir wollen den Gemüseanbau als Gemeinschaft organisieren, gemeinsam ernten und verbrauchen. Und am Ende sind wir froh, wenn wir alles aufgegessen haben.“

Der Unterschied zwischen diesen beiden Wirtschaftsansätzen könnte größer nicht sein, der eine toxisch, naturvergessen, profitorientiert; der andere transformativ, experimentell, kleinteilig, genügsam, am Gemeinwohl orientiert. Ähnlich wie die nicht zeitgemäße Dominanz von SUVs auf den Straßen erscheint uns die Durchsetzungskraft des profitorientierten Wirtschaftens als ungleich größer – zumal sie im globalen Maßstab so ungeheuer wirkmächtig ist. 

Und dennoch ist das, was das Kombinat und viele andere Projekte vergleichbarer Orientierung tun, keineswegs sinnlos und verpufft einfach nur angesichts der sich zunehmend überlappenden globalen Krisen.

Vielmehr könnte man das Kombinat mitsamt seinen Vernetzungen, Räumen und Ideen auch – mit dem amerikanischen Soziologen Erik Olin Wright – als „Reale Utopie“ verstehen. Wright schlägt eine spezielle Form der Transformation des Kapitalismus vor: eine Erodierung desselben dadurch, „dass in den Räumen und Rissen innerhalb kapitalistischer Wirtschaften emanzipatorische Alternativen aufgebaut werden“ (aus Wright „Reale Utopie“, 2017), die es weiter zu erproben, auszuweiten und zu verteidigen gilt.

Und wenn diese Annahme zutrifft, dann hat jede Orientierung auf regionales-saisonales Gemüse nicht nur die Neugier auf deren Vielfalt und Geschmacksvarianten im Visier, sondern zugleich immer auch die toxischen globalen Produktions- und Konsumbedingungen, die in unserem Betrieb ein ganz klein wenig korrigiert werden – mit all den Widersprüchen und Wechselwirkungen, die ein solches Tun mitliefert.

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Christa Müller ist Soziologin und seit 1999 im Forschungsteam der anstiftung. Zuvor absolvierte sie Feldforschungsaufenthalte in Costa Rica, Spanien, Mexiko und Westfalen zu Bauernbewegungen und Modernisierungsprozessen.

1997 promovierte sie an der Universität Bielefeld zum Dr. rer. soc. über die Transformation eines westfälischen Dorfes in globalisierte Lebens- und Arbeitsverhältnisse. Für ihre Dissertation „Von der lokalen Ökonomie zum globalisierten Dorf“ erhielt sie 1998 den Forschungspreis für Ökologische Ökonomie.

Kartoffelfahrt 2022

Wir freuen uns sehr, dieses Jahr wieder die #Kartoffelfahrt unterstützen zu dürfen. Vielen Dank an alle, die sich für dieses Projekt einsetzen!

„Biokartoffeln für Bedürftige, per Rad vom Land in die Stadt.“ – Mit der Kartoffelfahrt werden mehrere Aspekte verknüpft:
  • gesunde, nahrhafte Lebensmittel für Bedürftige 
  • Klimaschutz durch postfossile Mobilität
  • Naturschutz durch regionale und biologische Lebensmittelerzeugung
Ziel 2022: Die Kartoffelkombinat eG erzeugt 30 km westlich von München exklusiv für dieses Projekt auf 0,5 Hektar Fläche Kartoffeln. Das bedeutet für die Ernte je nach Saisonverlauf ca. 8-10 Tonnen Kartoffeln. Diese werden dann nach der Ernte per Fahrrad nach München gefahren und kostenfrei an Bedürftige abgegeben.

Weitere Infos unter www.kartoffelfahrt.de
 

Nachhaltig Grillen

Sommerzeit ist Grillzeit. Ob mit der Familie, mit Freunden oder Kollegen  – Grillen verbindet. Sei es durch die „jede/r trägt was bei“ Mentalität oder das archaische Ritual des gemeinsamen Essens am Feuer.

Grillen ist eine jahrhundertealte Tradition, die in sämtlichen Kulturen zu finden ist. In den „Asados„, im „Kebab„, im „Barbecue“ oder im „Schaschlik„. Meist wird Fleisch gegrillt, in den letzten Jahren haben sich aber auch viele Gemüseklassiker etabliert. Bei diesen ist kulinarisches Feingefühl geboten. Wird Gemüse mit zu hohen Temperaturen und über direkter Hitze gegrillt, verliert es wertvolle Nährstoffe und verbrennt zu schnell.

Manch eine/r greift darum zu Alufolie, doch auf diese solltet Ihr beim Grillen komplett verzichten, und zwar besonders, wenn säurehaltige Marinaden oder salziger Käse mit dabei sind, da das Aluminium sich durch diese löst und in die Lebensmittel übergehen kann. Wiederverwendbare Edelstahlschalen oder -körbe sind eine praktische Alternative, um das kostbare Grillgut vor dem Verbrennen zu schützen. Aber es gibt noch mehr Möglichkeiten:

a) Gemüseblätter – egal, ob von Kohl, Mangold oder Roter Bete – lassen sich hervorragend nutzen, um etwa Käse und Gemüse darin zu grillen. Zum Beispiel Feta im Kohlrabiblatt – einfach ein bisschen Thymian dazu, ein paar Pinienkerne, dann ab ins Kohlrabiblatt, das mit Zahnstochern zugesteckt wird. Achtung: Ohne Öl geht nichts. Die Blätter müssen damit von außen eingepinselt werden, sonst verbrennen sie zu schnell.

b) Backpapier oder Butterbrotpapier lassen sich ebenfalls gut nutzen, wenn sie eingeölt und nicht in die heiße Rostmitte gelegt werden. Mit Küchengarn können die Papiere zu kleinen Päckchen geschnürt werden, damit nichts ausläuft und in die Grillkohle tropft.

Ein besonderes Augenmerk solltet Ihr auf die Herkunft Eurer Kohle richten und möglichst heimische Holzkohle (z.B. aus Buchen) nutzen. Andernfalls kommt sie aus fernen Ländern in Afrika und Südamerika, oft aus illegaler Abholzung. Mit Hilfe von Holz-Siegeln wie FSC, PEFC oder Naturland, könnt Ihr sicherstellen, dass die Kohle aus nachhaltiger Holzwirtschaft stammt. Allerdings ist das auch hier nur sinnvoll, wenn die Grillkohle wenigstens aus europäischen Laubwäldern kommt.

Zusätzlich verspricht das DIN-Prüfzeichen DIN EN 1860-2 weniger Giftstoffe und weist darauf hin, dass ein gewisser Mindeststandard bei Qualität und Umweltbelastung eingehalten wurde: Kohle mit Hinweis DIN EN 1860-2 darf nicht aus alten Möbeln oder Ähnlichem hergestellt werden und keine Rückstände von Holzschutzmitteln, Lacken oder sonstigen Fremdstoffen enthalten.

Auch beim Anfeuern solltet Ihr fürs nachhaltige Grillen auf natürliche Anzünder setzen (z.B. aus Holz mit Wachs) und FSC-zertifizierte Produkte vorziehen. Diese setzen im Gegensatz zu Produkten aus mineralölbasierten Bestandteilen keine unerwünschten Gerüche frei und Euer Essen wird nicht mit Giftstoffen gewürzt.

Es dauert beim Kohlegrill rund eine Dreiviertelstunde, bis eine gute Glut mit der richtigen Temperatur entsteht. Erst wenn ein weißgrauer Aschefilm die glühenden Kohlestücke bedeckt, ist die richtige Hitze erreicht. Dann erfordert es immer noch sehr viel Talent oder Erfahrung, um alle Hungrigen gleichzeitig zu bedienen. Daher lautet ein Grundsatz jedes Grillmeisters: Viel Salat und Brot bereitstellen.

Ob bunte Gemüsespieße, Hasselback Kartoffeln, Bulgur mit Tomate und Gurke, Auberginen-Dip oder fruchtiger Chinakohl Salat – der Fantasie sind bei der Veggie-Grillparty keine Grenzen gesetzt. Tipp: Beim vegetarischen Grillen machen erst Marinaden das trockene, weil fettfreie, Gemüse zum Genuss. Eine gegrillte Zucchinischeibe ohne alles schmeckt eher fad. Eine mediterrane Marinade enthält neben Öl zum Beispiel Salz, Pfeffer, Rosmarin, Thymian oder andere typische Mittelmeerkräuter. In diesem Sinne, lasst es Euch schmecken!

Wasser – entscheidende Ressource

Wir Menschen sind schon seltsame Wesen. Wir leben auf diesem Planeten mit einer Selbstverständlichkeit, als ob uns alles gehört. Die Pflanzen, die Tiere, die Erde, das Wasser. 

Doch Wasser war schon lange hier, bevor es uns gab. Im Grunde gibt es uns nur, weil Wasser da war, um die ersten Lebewesen hervorzubringen. Unsere Körper bestehen im Erwachsenenalter zu ca. 65 % aus Wasser. Bei der Geburt sind’s noch 90 % und damit sind wir nah dran an Gurken. 😉 

Und dennoch verstehen wir in unserem Alltag meist nicht, was für ein wertvolles und wunderbares Lebenselixier Wasser ist. Im Raum München gehen wir morgens zum Wasserhahn und drehen ihn auf, mit der Gewissheit, dass dort frisches und trinkbares Wasser herauskommt. Doch woher kommt dieses Wasser eigentlich? Diese Frage stellen wir uns so gut wie nie.

Erst, wenn das Thermometer in die Höhe schnellt und der Regen ausbleibt, steigt das Bewusstsein für unsere Abhängigkeit vom Wasser. Die Medien bringen Berichte über nie da gewesene Trockenheit wie z.B. derzeit in Italiens Po-Ebene oder kaum einzudämmende Waldbrände. Die Landwirtschaft ächzt unter dem Verteilungskampf, muss immer neue Wege finden, um ihre Kulturen bewässern zu können und fährt trotzdem weiterhin damit fort, durch Düngemittel und Viehhaltung das Grundwasser mit Nitrat zu verseuchen. In Fernsehsendungen wird die Bevölkerung dazu aufgerufen, im Privatverbrauch Wasser einzusparen, obwohl ein Großteil des Verbrauches in Deutschland auf die industrielle und die landwirtschaftliche Nutzung zurückzuführen sind.

Unter dem Themen-Schwerpunkt #UnserWasser sammelt die ARD interessante Beiträge sowie Mitmachaktionen zum Thema. Unter anderem zeigt uns die Doku „Bis zum letzten Tropfen“ einen Blick auf das Thema Wasser als Lebensmittel und Handelsgut. In einer Crowd-Science Aktion könnt Ihr Eure Beobachtungen zur derzeitigen Trockenheit in Eurer Region melden. Mithilfe dieser Daten erstellt die Universität Koblenz-Landau ein Gewässer-Gesamtbild für Deutschland. Alle Infos findet Ihr unter www.daserste.de/unserwasser

Neueste Erkenntnisse bestätigen, dass wir uns in Zukunft auch in unserem von Wasser gesegneten Deutschland vermehrt über unseren Wasserverbrauch, die Wasserverschmutzung und die Wasserverfügbarkeit sorgen müssen. Vor allem nach der Trockenperiode (2018 – 2021) hat sich der Grundwasserpegel nicht erholt und die Prognosen für dieses Jahr sehen diesbezüglich auch nicht rosig aus. Ein Blick auf die Messstelle in Mammendorf, 3 km von der Gärtnerei entfernt, ist erschreckend. Sie unterteilt den Grundwasserpegel in 5 Zonen von sehr hoch bis sehr niedrig. Seit 2019 ist der Wert (mit Ausnahme 2021) „sehr niedrig“.

Ganz konkret können wir davon berichten, dass die Trockenheit der vergangenen Jahre großen Einfluss auf unsere Arbeit, Ernte und Erträge hat. 2019 erhielten wir ein Schreiben des Landwirtschaftsamtes Fürstenfeldbruck. Darin die Information, dass die Grundwasserstände in Bayern seit 15 Jahren fallen und die dringende Bitte, für die mittel- und langfristige Planung in unserem Betrieb für eine „besonders sorgsame und sparsame Durchführung der Bewässerung zu sorgen“ und „eine Investition in wassersparende oder wasserspeichernde Technik in Betracht zu ziehen“. 

Wir im Kartoffelkombinat sind zu einem großen Teil auf Wasser angewiesen, wenn es um die Erzeugung unseres Gemüses geht. Uns ist bewusst, dass wir in Zukunft (vielleicht auch schmerzlich) erfahren werden, dass Wasser eben keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein kostbares Gut, mit dem besonnen gehaushaltet werden muss.

Derzeit finalisieren wir die Unterlagen und leiten diverse Schritte ein, um im nächsten Jahr mit dem Bau eines Regenwasserauffangbeckens zu beginnen. Das ist eine absolut notwendige Investition auch im Hinblick auf den Klimawandel und die damit einhergehenden Extremwetterereignisse. Mehr über unser Auffangbecken konntet Ihr bereits auf unseren letzten beiden Generalversammlungen erfahren. Sobald es los geht, werden wir euch ein Update geben.

Hermines Familienküche

Wer schon öfter mit Kindern am Esstisch saß, könnte die folgenden Szenen kennen: Lustloses Herumgestochere, Aussortieren von Zutaten, Nörgeln über Konsistenz bis hin zur vollständigen Verweigerung. Hinzu kommt, dass Gemüse, das Kinder mögen, in der Regel eher einen neutralen bis süßlichen Geschmack hat, bei bitter oder erdig wird es oftmals schwierig.

Das kennt auch unser Mitglied Hermine, die zwei kleine Kinder hat (6 und 2 Jahre). Anfangs war es für sie sehr aufwendig, zum Ernteanteil passende Rezepte zu finden, die allen schmeckten. Das lag teilweise am gänzlich unbekannten Gemüse in der Kiste (Schwarzwurzel, Agretti, Postelein…), aber auch an den in saisonalem Gemüse enthaltenen Geschmacksnoten. Ihr war es besonders wichtig, dass das Gemüse aus den Ernteanteilen von Groß und Klein gegessen wird – schließlich sollten auch die Kinder von den gesunden Nähr-/ und Pflanzenstoffen profitieren. Außerdem wollte sie keine (vegetarische) Extrawurst für Einzelne zubereiten, sondern eben nur ein Gericht kochen für alle, die mitessen.

Hermines Anspruch war dabei, dass die Gerichte ihrer Familie nicht nur „okay“ schmeckten, sondern allen am Tisch wirklich „gut“. Dieser Umstand führte dazu, dass immer mehr (Kinder-)Freund*innen und deren Eltern begeistert an ihrem Esstisch saßen und nach ihren Rezepten fragten. Nach einiger Zeit entstand dann die Idee, ein Kochbuch zu erstellen, mit familien- und kindergerechten, saisonalen und einfachen Rezepten. Denn als berufstätige Mama ist es ihr wichtig, den Aufwand beim Kochen und Abspülen 🙂, so gering wie möglich halten und die Kinder ohne Druck altersgerecht miteinzubeziehen. Dazu gehört z.B. die Begegnung mit dem „Rohstoff“ Gemüse, aber auch das Anrichten der Speisen für Kinder.

Natürlich gibt es bereits saisonale Kochbücher, doch Hermine findet nur wenige, in denen der Großteil der Rezepte wirklich lecker und kindergerecht ist. Ihre Rezepte hingegen sind praxiserprobt, einfach zu machen und benötigen keine exotischen Zutaten.

Fast alle Gerichte basieren auf den Kartoffelkombinat-Ernteanteilen und werden durch einige wenige Zutaten, die es in jedem (Bio-)Supermarkt gibt, ergänzt. Um das Kochbuch Realität werden zu lassen, hat Hermine ein Crowdfunding auf Startnext gestartet. Ihr könnt dort durch eine Vorbestellung ihres Kochbuchs dafür sorgen, dass die Finanzierung ermöglicht wird:
https://www.startnext.com/saisonale-familienkueche

Happy Birthday to us

Diese Woche haben wir alle Geburtstag und werden 10 Jahre alt! Und als hätten wir’s geplant, zeigt die Übersicht  der Packlogistik für die KW 17 genau 2.222 Ernteanteile.

Wir hatten überlegt, eine edle Gala in Abendgarderobe zu veranstalten und eine aufwändige Jubiläumsschrift (mit Goldkante) rauszugeben … uns dann aber doch dagegen entschieden. 😉

Gründungsversammlung, 30.4.2012
Gründungsversammlung, 30.4.2012

Hach Leute, wir sind einfach unglaublich dankbar für den Weg, den wir zusammen gehen und damit ein kleines Mosaiksteinchen der Ernährungswende sein zu dürfen:

  • Rund 5.000 Menschen profitieren mittlerweile vom Kartoffelkombinat-Gemüse.
  • 2017 konnten wir gemeinsam eine westlich von München gelegene, ehemalige Baumschule kaufen, daraus eine eigene Naturland-Gemüsegärtnerei machen und damit von der „Zukaufs-SoLawi“ letztlich zu genossenschaftlichen Landwirt*innen werden.
  • Wir haben 40 sinnhafte Arbeitsplätze geschaffen …
  • … und bewirtschaften jetzt 30 ha Fläche extensiv biologisch, die zuvor konventionell  – teilweise in Monokultur – genutzt wurde.
  • Aber am wichtigsten: Gemeinsam erproben wir ein alternatives Modell zum vorherrschenden ausbeuterischen und Lebensgrundlagen vernichtenden aktuellen Wirtschaftssystem. Wir sind gemeinwohl- statt profitorientiert. Geld ist für uns dabei ein Werkzeug, kein Ziel (oder neudeutsch „Purpose“).

Was wir seit 10 Jahren mit dem genossenschaftlich organisiertem Kartoffelkombinat konkret machen und warum, hat Mitgründer & Vorstand Daniel in aller Kürze hier vorgestellt:

Und im Podcast der Solawi-Genossenschaften „etwas“ ausführlicher:

Auf die nächsten 10!

Zur Generalversammlung 2021 hatten wir unsere Mission als Statement verschriftlicht: 

Gemeinsam sorgen wir für Strukturen, die es ermöglichen, dass wir uns im Großraum München unserer Vision entsprechend versorgen können.
Hierfür schaffen wir in vergemeinschafteten Organisationen und durch ausgewählte Kooperationen notwendige Produkte und Dienstleistungsangebote des täglichen Bedarfs.
Dabei wollen wir kein Nischendasein führen indem wir „Szene“-Projekt sind, sondern wollen attraktiv für alle Menschen sein.

Damit wir unsere hehren Ziele in den nächsten Jahren weiter mit unverminderter Energie und Leidenschaft verfolgen können, haben wir eine Bitte an Euch: Helft mit, das Kartoffelkombinat weiter aufzubauen!

Denn wir haben noch viel vor:

  • Wir werden den bestehenden Betrieb und unsere Strukturen weiter optimieren.
  • Wir wollen die AG Bier verstetigen.
  • Wir sollten ein Regenwasserbecken bauen, um die Klimawandelfolgen (teilweise) kompensieren zu können, dafür brauchen wir zusätzliche Geno-Einlagen.
  • Wir wollen neue Ideen (z.B. Agroforst, Agri-PV) ausprobieren/testen, brauchen dafür weitere Eigentumsflächen, auf Pachtflächen können wir das leider nicht machen.
  • Wir wollen weitere Solidarmodelle entwickeln, sowohl im Rahmen der bestehenden Gemüseversorgung, aber gerne auch mit anderen Erzeugnissen und/oder in Kooperationen.

Ihr seht – das schönste Geschenk, das Ihr uns allen machen könnt, sind weitere Mitglieder und damit neue Möglichkeiten für das Kartoffelkombinat. Erzählt Euren Freund*innen, Arbeitskolleg*innen und am besten allen, die Ihr kennt, vom Kartoffelkombinat. 🙂

Lasst uns gemeinsam noch ein Stück wachsen – weil wir ein anderes (Land)Wirtschaftssystem brauchen.

Mitglieder beim freiwilligen Helfen auf einem unserer Äcker.
Mitglieder beim freiwilligen Helfen auf einem unserer Äcker.

Schon gewusst? Uns findet Ihr auch hier:
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Hilfsgüter für die Ukraine

Weil sich die Ereignisse überschlagen, haben wir uns entschlossen, ergänzend zu den allgemeinen Infos gestern, auch ganz konkret mit unserer Logistik die humanitäre Hilfe für Geflüchtete aus der Ukraine durch den Heimatstern e.V. zu unterstützen.
 
Das bedeutet …
  • wer sich beteiligen will, kann uns Sachspenden bringen.
  • bitte besorgt z.B. bei dm oder Rossman ausschließlich Dinge, die auf dieser Liste stehen oder vergleichbare Produkte, individuelle Kreativität ist in diesem Fall nicht gefragt (auch keine Kleidung, ja, wirklich nicht), außerdem gerne Schwarztee und/oder Zucker (den bekommen die Menschen, die v.a. auf der ukrainischen Seite tagelang warten und frieren).
  • bringt diese Hilfsgüter am Freitag bis 18 Uhr in unserem Büro (Daiserstraße 15, Rückgebäude) oder im Laufe der Woche in der Gärtnerei vorbei.
  • in Kooperation mit Heimatstern und Organisationen vor Ort (z.B. der Ukrainischen Kirche) sorgen wir dafür, dass die Hilfsgüter an lokale Hotspots in Polen, der Slowakei und auch direkt in die Ukraine gebracht werden.
Wir wissen, dass das jetzt alles sehr kurzfristig ist und bedanken uns schon jetzt bei allen, die sich beteiligen!
 

2015 an der EU-Außengrenze in Ungarn.

Solidarität mit den Menschen aus der Ukraine

Als 2015 die Not entlang der „Balkanroute“ groß war, haben wir gezeigt, was wir als Gesellschaft leisten können. Jetzt ist es wieder an der Zeit.

Damals sammelten wir Sachspenden und sind mit unseren Transportern kurzer Hand über Wien und Budapest mehrfach an die EU-Außengrenze zwischen Ungarn und Serbien gefahren. Um diese Spontanhilfe zu verstetigen, gründeten wir mehr oder weniger noch auf der Autobahn die IHA, die Intereuropean Human Aid Association. Hier ein SZ-Artikel von „damals“.

Heute ist der Verein primär in Nordgriechenland aktiv, wo er Hilfsprojekte für Geflüchtete umsetzt und betreibt. Mehr Infos dazu unter www.iha.help.

Viele private und kommunale Hilfsstrukturen von damals gibt es immer noch, die freiwilligen Helfer*innen sind weiterhin vernetzt und die Lernkurven waren steil. So können jetzt (fast) aus dem Stand konkrete Hilfen für Geflüchtete aus der Ukraine organisiert und angeboten werden. In München z.B. von dem sehr(!) unterstützenswerten Verein Heimatstern, mit dem auch die IHA mehrfach kooperiert hat. Dessen Herausforderung ist es, dass sie aktuell keine Halle haben, um wirklich nennenswert Sachspenden zu sammeln. Vielleicht haben wir in der Genossenschaft ja wen, der/die eine Location vermitteln kann? Und es werden jetzt auch viele helfende Hände gesucht – unter ukraine@heimatstern.org werden die Hilfsangebote gezielt gesammelt und dann entsprechend des Bedarfs eingesetzt.

Und deutschlandweit wurden innerhalb von Stunden nach dem russischen Einmarsch seitens der Zivilgesellschaft wieder Sachspenden gesammelt, Busse für den Transport geflüchteter Menschen an die ukrainische Westgrenze geschickt und eine große Initiative ins Leben gerufen, auf die wir sehr gerne hinweisen: eine Börse für Privatunterkünfte.

Elinor, ein Projekt für gemeinschaftliche Finanzen (benannt nach der Commonsforscherin und Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom), hat ein simples Onlineformular erstellt, über das man melden kann, wenn man Unterkunft anbieten will und kann 

Inzwischen sind auch die GLS Bank, ecosia (die nachhaltige Alternative zu Google) und Betterplace (eine öko-soziale Crowdfunding-Plattform) mit eingestiegen und über 70.000 Betten wurden bereits gemeldet.

Klar ist, dass das bei prognostizierten 7 Millionen Menschen, die vermutlich flüchten werden, ein Tropfen auf den heißen Stein ist, aber jede*r der/die nicht an der Grenze, auf der Landstraße oder in Sammelunterkünften bleiben muss, ist ein Erfolg.

Wer selbst beherbergen möchte (mindestens 2 Wochen), kann sich hier eintragen

Anmerkung: Wir wissen, dass es auch andere Krisen gibt, dass viele weitere Menschen Not leiden und dass es ein rechtswidriger Skandal ist, die vielen afrikanischen Student*innen schlechter zu behandeln, die ebenfalls flüchten müssen, aber keine ukrainische Staatsbürger sind. All das darf uns aber nicht davon abhalten, dort zu helfen, wo wir es können.

Wir können die Abhängigkeit von Öl und Gas am schnellsten beenden, indem wir

  1. den Verbrauch reduzieren (akute, auch individuelle Einsparungen würden außerdem die Marktlage kurzfristig entspannen, was speziell für Haushalte mit geringeren Einkommen wichtig wäre)
  2. die regenerativen Energien massiv ausbauen

Noch mehr Möglichkeiten zum Engagement findet Ihr hier beim Katapult-Magazin.


Nachtrag: Speziell für München kann man sich bzgl. Spenden, Mithilfe und/oder Unterkunft auch hier bei Münchner Freiwillige – Wir helfen e.V. melden.

Unterstützung für Mertola, Portugal

Vor gut zwei Jahren haben wir eine beeindruckende Initiative in Portugal kennengelernt (Info hier), die wir seitdem im Auge behalten, weil das Team vor Ort spannende Pionierleistungen gegen die voranschreitende Verwüstung Südeuropas entwickelt. Das Kernprojekt „regenerative nursery“  (regnerative Pflanzenschule) hat jetzt wieder eine Spendenkampagne, die noch eine Woche läuft und auf die wir Euch gerne hinweisen möchten.
> zur Spendenkampagne 

regenerative nursery, Mertola

regenerative nursery, Mertola


Für alle, die mehr zu diesem sehr interessanten Ansatz erfahren wollen, veranstalten wir am Montag um 20:30 Uhr mit Katharina, einer der Initiator*innen aus Portugal, eine ca. einstündige Zoom-Veranstaltung. 
> Bitte meldet Euch bei Interesse hier an, wir schicken den Zugangslink dann kurz vorher in die Runde.

Forderung nach internationaler Konferenz gegen Patente auf Saatgut wächst

Die Petition für die Einberufung einer europäischen Patentkonferenz erhält immer mehr Unterstützung. Ziel ist es, Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere zu stoppen. Betroffen von derartigen Patenten sind unter anderem Braugerste, Buschmelonen, Salat und Tomaten. Viele der Patente erstrecken sich auch auf Lebensmittel, bis hin zum Bier. Jetzt haben auch Die Freien Brauer, dem Brauereien in Deutschland, Österreich und Luxemburg angehören, eine Kampagne zur Unterstützung der Petition gestartet. Bereits zuvor hatte auch der europäische Dachverband landwirtschaftlicher Organisationen, COPA / COGECA seine Unterstützung für die Petition erklärt.

 

„In unseren Augen sind diese Patente ein Missbrauch des Patentrechts, eine Schwächung des Sortenrechts, eine drastische Einschränkung der unternehmerischen Freiheit von Brauereien und wir befürchten daher in naher Zukunft negative Folgen für unsere gesamte Branche“, erklärt Jürgen Keipp, Geschäftsführer von Die Freien Brauer.

Bereits rund 50 Organisationen aus 14 Ländern unterstützen > die Petition, die auch von einzelnen Personen unterschrieben werden kann. Entsprechende Möglichkeiten bieten u.a. Arche Noah, das Gen-ethische Netzwerk, Keine Patente auf Saatgut! und jetzt auch Die Freien Brauer.

Gefordert wird, dass die MinisterInnen der Vertragsstaaten des Europäischen Patentamtes (EPA) sich binnen eines Jahres zu einer Konferenz treffen und wirksame Maßnahmen gegen Patente auf die konventionelle Zucht von Pflanzen und Tieren ergreifen. Patente auf Verfahren, die auf Kreuzung, Selektion oder zufälligen Mutationen beruhen, müssen ebenso ausgeschlossen werden wie die Ausweitung von Ansprüchen von Gentechnik-Patenten auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere.

„Wir wollen die Unabhängigkeit von ZüchterInnen, GärtnerInnen und LandwirtInnen erhalten, die Züchtung, Anbau oder Vermehrung konventioneller Pflanzen und Tiere betreiben. Der Zugang zur biologischen Vielfalt, die für die weitere Züchtung benötigt wird, darf durch Patente nicht kontrolliert, behindert oder blockiert werden“, sagt Johanna Eckhardt von der Organisation Keine Patente auf Saatgut!, die die Petition gestartet hat.

Auch der Deutsche Bundesjustizminister Marco Buschmann wurde von den Organisatoren der Petition bereits angeschrieben. Seine Vorgängerin Christine Lambrecht hatte sich des Themas angenommen und ein internationales Symposium zum Thema organisiert, allerdings fehlen bis jetzt politisch wirksame Maßnahmen um die aktuelle Fehlentwicklung im Patentrecht zu korrigieren.

Das Problem hat sich in den letzten Jahren immer weiter verschärft: Durch die Verfahren der ‚Neuen Gentechnik‘ und Werkzeugen wie CRISPR/Cas lassen sich auch Ergebnisse der herkömmlichen Züchtung imitieren. Viele Firmen verwischen in ihren Patentanträgen absichtlich die Grenze zwischen Gentechnik und konventioneller Züchtung. Werden die Patente erteilt, können sie auch Pflanzen (oder Tiere) aus konventioneller Züchtung und mit zufälligen Mutationen betreffen. So erlangen Konzerne wie Bayer, Corteva (früher DowDuPont), BASF und Syngenta immer mehr Kontrolle über die herkömmliche Zucht.

„Werden die Patente nicht klar auf ggf. tatsächlich eingesetzte gentechnische Verfahren begrenzt, kann das schwerwiegende Auswirkungen auf Züchtung, Landwirtschaft und VerbraucherInnen haben. Diese geraten mehr und mehr in die Abhängigkeit von großen Konzernen, die den Zugang zu den biologischen Ressourcen kontrollieren, die für die weitere Züchtung benötigt werden“, sagt Christoph Then von Keine Patente auf Saatgut!.

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