2018 – was steht an?

Nach dem Gartenjahr ist ja bekanntlich vor dem Gartenjahr. Nachdem wir letztes Jahr mit Vollgas unsere neue Gärtnerei in Spielberg zum Laufen gebracht haben, geht es nun in die zweite Runde und wir freuen uns wie Bolle auf alles was ansteht (naja, zumindest auf das Meiste davon 😉 ).

 

Investitionen, faire Arbeitsbedingungen & Co … was uns 2018 so alles erwartet/beschäftigt:

 

  • Inklusive des Gärtnereikaufs haben wir für die Infrastruktur in Spielberg bislang knapp 1,1 Mio. Euro investiert. In diesem Jahr kommen nochmals rund 180.000 Euro dazu. Diese Investitionen finanzieren sich aus unserem Eigenkapital (= Geno-Anteile) und einem Darlehen der GLS-Bank.
  • Durch die vielen laufenden Kosten, die an so einem landwirtschaftlichen Betrieb hängen und mit unserem Anspruch, allen Mitarbeitern faire Gehälter zu zahlen (was wir noch nicht so gut schaffen, wie wir es gerne täten), müssen jährlich Ausgaben von mittlerweile über einer Million Euro gedeckt werden. Diese Kosten finanzieren sich über die monatlichen/halbjährlichen Einzüge für Ernteanteil und Aufbauumlage.
  • Gleichzeitig folgen wir dem im Leitbild festgelegten Prinzip, dass die Ernteanteile des Kartoffelkombinats von der Breite der Bevölkerung bezahlbar sein sollen. Das funktioniert auf dem Niveau der derzeitigen Ernteanteilskosten, wenn wir bis 2020 auf ca. 1.600 Haushalte wachsen und die Gesamtkosten dann auf diese vielen Schultern verteilen können. Somit ist es auch in 2018 das A und O, uns wieder um 200 Mitglieder zu vergrößern.
  • In 2017 lag unsere Eigenversorgungsquote (d.h. die Menge des Gemüses, das wir aufs gesamte Jahr gerechnet in Spielberg angebaut haben) bei 50 Prozent und in 2018 planen wir mit fast 70 Prozent.
  • Einen weiteren Schwerpunkt sollen gemeinsame Aktionen und Veranstaltungen bilden. 
  • Unser extensives Anbaukonzept (z.B. ein Drittel der Fläche in Regeneration, siebenjährige Fruchtfolge, …) muss sich zwar noch bewähren, aber wenn die Erträge weiter so gut ausfallen, müssen wir uns keine Sorgen machen. Aber wir müssen noch besser kommunizieren, wenn es auf den ersten Blick Ungewöhnliches in den Ernteanteilen gibt. Z.B. Grünkohl im Sommer. Den Gärtnern war es ein Anliegen, die unteren Blätter (der Pflanzen, die es dann klassisch im Winter gibt) nicht verwelken zu lassen, sondern auch diese mit in die Kisten zu packen. Dies sorgte wohl bei einigen GenossInnen für Unmut und wir bekamen leider deren Austrittsschreiben. Davon lassen wir uns aber nicht abhalten, auch weiterhin danach zu streben, so wenig wie möglich zu verschwenden (zum Vergleich: in normalen Betrieben bleiben bis zu 40 % der verwendbaren Ernte auf dem Feld oder landet auf dem Kompost). Wichtig ist nur, dies ordentlich weiterzukommunizieren.
  • Tierpark-Koop: Im neuen Europateil des Tierparks wird es einen Bauerngarten geben, der vom Kartoffelkombinat e.V. errichtet und betreut wird. Im dazugehörigen Bildungs-Konzept wollen wir zeigen „was die Ernährung in München mit der Erhaltung der Biodiversität weltweit zu tun hat“. Der Tierpark bietet mit seinen zwei Millionen Besuchern pro Jahr eine neue Plattform, über die wir „unsere Ziele“ auch an diejenigen vermitteln können, die wir sonst nicht so gut erreichen. Der Tierpark hat bereits jetzt ehrenamtliche Mitarbeiter, die Artenschutzbotschafter, die die Besucher für den Artenschutz und für die Erhaltung der Biodiversität begeistern sollen. Mehr Infos zum Thema im Forum.

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Weitere Informationen findet ihr Hier (als Flyer) und hier (als Einzelseiten).

Warum die deutsche Landwirtschaftspolitik die Welt ruiniert

In Berlin lädt die deutsche Agrarindustrie aktuell wieder zur Grünen Woche. Was so schön und nett klingt, bedeutet in Wahrheit das Schaulaufen einfamilienhausgroßer Erntemaschinen, glänzende Hightech-Massenställe und Glyphosat-Jünger-Klassentreffen. Warum das jeden Einzelnen was angeht, zeigt Kathrin Hartmann in ihrem Kommentar zur Situation der deutschen Landwirtschaft sehr eindringlich und prägnant auf.
> Unbedingte Leseempfehlung!

 

Ausweg: extensiver Biolandbau statt agrarindustrielle Monokulturen

Rückblick 2017: Unser erstes Jahr im eigenen Betrieb

Für uns im Kartoffelkombinat ging 2017 ein ganz besonderes Jahr zu Ende: Fünf Jahre nach Gründung bewirtschaften wir nun endlich eigenen Grund und Boden. Im schönen Spielberg bei Mammendorf im Landkreis Fürstenfeldbruck. Es war das erwartet turbulente und ereignisreiche erste Jahr, aber unterm Strich sind wir arbeitsfähig und selbst ein wenig überrascht, wie gut wir letztendlich alles hinbekommen haben. Hier ein kleiner Rückblick in Bildern.

 

Ein neues Kapitel beginnt…

Vertragsunterzeichnung

Unterzeichnung des Kaufvertrags: Simon Scholl, Horst Bokelmann, Herr und Frau Würstle, Daniel Überall (v.l.n.r.)

 

Die Genossenschaft erwirbt zum Jahreswechsel 2016/17 den neuen Betrieb – eine ehemalige Baumschule in Spielberg. 7 ha Eigentum (5,3 ha mit Betriebswohnung, Gebäuden und Gewächshäusern sowie 1,7 ha reine Ackerfläche) dazu kommen noch 11 ha angrenzende Pachtflächen vom Partnerbetrieb Auracher. Endlich hat das Kartoffelkombinat eine Heimat und das Konzept “gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft – genossenschaftlich organisiert” kann ohne Kompromisse und konsequent umgesetzt werden!

 

 

Die ruhige Winter-Idylle im Januar 2017 trügt. Vom ersten Tag an gibt das Team Vollgas. Denn die neu angeschaffte Baumschule ist kein Gemüsebaubetrieb und eine entsprechende Infrastruktur muss erst geschaffen werden. Sehenden Auges steuert das Kartoffelkombinat in seine bislang größte Herausforderung. Das Jahresziel lautet: ein Wachstum von 850 auf 1.100 Ernteanteile bei einer Gemüse-Eigenversorgungsquote von 50%. Das bedeutet, dass die Hälfte des gesamten Jahresbedarfs (immerhin 45.000 Gemüsekisten) 2017 bereits in der eigenen Gärtnerei auf unbekannten Böden angebaut werden muss. „Wieso solch ein Stress?“ mag man sich da fragen. Das Kartoffelkombinat möchte möglichst schnell seine optimale Größe erreichen. Sowohl die wirtschaftliche Betrachtung, als auch der gärtnerische Blick auf die zur Verfügung stehenden Anbauflächen zeigt, dass das Kartoffelkombinat bis 2020 auf etwa 1.600 Ernteanteile anwachsen muss, um eine optimal ausgelastete, ökologisch extensiv anbauende Gärtnerei betreiben zu können.

 

 

Die Böden der Gewächshäuser sind im Frühjahr 2017 noch total verdichtet. Dort standen jahrzehntelang schwere Pflanzkübel. Während der ersten Mitgärtner-Aktion des Jahres wird der Boden auf 40 cm Tiefe umgegraben und gelockert.

 

 

Auf der ehemaligen Baumschule entsteht innerhalb kurzer Zeit eine komplett neue Infrastruktur: von einem Bewässerungssystem mit neu gebohrtem Grundwasser-Brunnen, 100.000-Liter-Tank als Gießwasser-Zwischenspeicher und hunderten von Metern neu verlegter Bewässerungsrohren, über einen Gemüsekisten-Packraum mit neuer Kühlzelle, bis hin zur Automatisierung der seitlichen Belüftungsfenster in den alten Gewächshäusern.

 

 

Am 30. April 2017 feiert das Kartoffelkombinat sein Hofeinweihungsfest und den fünften Geburtstag der Genossenschaft. Zum Fest kamen ca. 600 Menschen (!). Dieser Tag markiert gleichzeitig den sog. “Logistik-Switch”. Nach dem endgültigen Aus- und Umzug aus der Gärtnerei Schönbrunn, die 2,5 Jahre Heimat des Kartoffelkombinat war, laufen ab sofort der gesamte Anbau und die Logistik über die eigene Gärtnerei in Spielberg. Ein waschechter Meilenstein!

 

Doch nicht alles läuft rund…

 

Das Wetter im Frühjahr 2017 zeigt sich in Spielberg von seiner extremen Seite. Das Kartoffelkombinat erlebt zunächst ein sehr trockenes Frühjahr, dann kommen Spätfröste dazu und schließlich heftige Regenfälle. Die Gärtner müssen improvisieren und spontan Gräben buddeln um das Regenwasser abzuleiten …

 

 

Dann folgen Hitze und Trockenheit, doch das Bewässerungssystem ist noch nicht einsatzfähig, so dass ein Bypass zum Trinkwasseranschluss gelegt werden muss, um zumindest mit Leitungswasser statt mit Brunnenwasser bewässern zu können.

 

 

Der Lieferant für unsere sehnlichst erwarteten Jungpflanzen (Tomaten, Auberginen, Brokkoli und Kräuter) rutscht an einem regnerischen Tag samt Palette von der Hebebühne seines LKW. Glück im Unglück: dem Fahrer ist nichts Schlimmes passiert und die kaputten Tomaten und Auberginen können teilweise noch nachbestellt werden.

 

Aber die Erfolge überwiegen deutlich…

 

 

Insgesamt baut das Kartoffelkombinat über 50 verschiedene Gemüsekulturen an, diese teilweise sogar in mehreren Sorten. Im ersten Jahr sind es 51% eigenes Gemüse und 49% von ausgewählten Partnerbetrieben. 2018 soll der Anteil der Eigenproduktion auf voraussichtlich 67% ansteigen. Geplant sind nicht weniger als 57.000 Ernteanteile, in denen sich 120.000 kg Kartoffeln, Tomaten, Grünkohl, Feldsalat, Äpfel, Zucchini, Rote Bete, Spinat, Lauch, Pastinaken, … und 200.000 Stück Salatköpfe, Minigurken, Auberginen, Kresseschalen, Knoblauch, Blumenkohl, Brokkoli, Fenchel, Rettich befinden werden. Und nicht zu vergessen: 32.000 Bund Kräuter, Agretti, Mairübchen und Frühlingszwiebeln.

 

 

Kaum zu glauben aber wahr: 2017 werden im Kartoffelkombinat die ersten eigenen Kartoffeln geerntet! Die Lernkurve ist phänomenal, denn der Anbau von Kartoffeln ist eine Wissenschaft für sich. Es braucht mehrere Anläufe bis schließlich alle Kartoffeln geerntet sind. Der Vollernter kommt nur schlecht mit den verhältnismäßig schweren Böden zurecht und lässt die Ernte-Crew leider immer wieder im Stich.

 

 

Jeden Sommer das gleiche Problem: die Tomaten werden reif und alle fahren in den Urlaub. Und wie jedes Jahr werden dann die überschüssigen Tomaten in einer Profiküche unter professioneller Anleitung und unter tatkräftiger Unterstützung dutzender Kartoffelkombinat-Mitglieder eingekocht und so für die Wintermonate haltbar gemacht.

 

 

Erfolgsfaktor Mitgärtnern: Bei den großen Ernteaktionen im Oktober baut das Gärtnerteam abermals auf die Unterstützung aus der Genossenschaft.  Generell sind die zweiwöchentlichen Mitgärtner-Aktionen in 2017 ein echter Erfolg und die Nachfrage danach ist mittlerweile ungebrochen, so dass das Team plant, während der Saison 2018 jede Woche Mitgärtner-Aktionen anzubieten.

 

Wir sagen DANKE für dieses großartige Jahr, die enorme Unterstützung die wir erfahren durften und das große Vertrauen unserer Mitglieder.

 

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Hier (als Flyer) und hier (als Einzelseiten) könnt Ihr Euch unseren Flyer über das Kartoffelkombinat ansehen und auch gerne mit interessierten Leuten teilen.

Stellenausschreibung Fahrer, Vollzeit (m/w)

Wir sind eine Genossenschaft von über 1000 Haushalten, die ihr eigenes Gemüse anbaut. Gemeinschaftlich, ökologisch, regional und gemeinwohlorientiert. Das bedeutet, dass wir jede Woche mehr als 1000 Ernteanteile/Gemüsekisten in unserer Gärtnerei in Mammendorf bei Fürstenfeldbruck packen, um sie dann in und um München auszuliefern.

 

Bist Du ein versierter Fahrer, der auch dann die Ruhe bewahrt, wenn es im Münchner Stadtverkehr mal wieder eng und stressig wird? Bist Du körperlich fit? Kannst Du ein Team koordinieren und behältst dabei immer den Überblick? Findest Du auch für unvorhergesehene Situationen schnelle und gute Lösungen?

 

Dann bist Du bei uns genau richtig. Das Kartoffelkombinat sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen motivierten Fahrer in Vollzeit zur Verstärkung des engagierten Teams. Das Aufgabengebiet umfasst, neben den wöchentlichen Touren mit unseren Transportern, auch die Koordination und Logistik der Fahrzeuge und des Fahrerteams.

 


Das erwarten wir von Dir:

  • unbedingt: Fahrerlaubnis der Klasse B (Transporter bis 3,5 t) und mehrere Jahre
    Fahrpraxis
  • optional: Fahrerlaubnis der Klasse C1 (LKW bis 7,5 t) 
  • Interesse am ökologischen Landbau und Freude am Umgang mit Menschen
  • freundliches Auftreten und gepflegtes Erscheinungsbild
  • Einsatzbereitschaft, Gewissenhaftigkeit sowie Verantwortungsbewusstsein
  • Bereitschaft zur Wochenend- und Feiertagsarbeit im Ausnahmefall
  • gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift

Die Aufgaben sind im einzelnen:

  • Ernteanteile abwiegen, verladen und mit unseren Transportern in und um München ausliefern
  • Koordination des Fahrerteams und Abstimmung mit dem Packteam
  • Liefertouren und Prozesse bei Bedarf optimieren
  • Einarbeitung neuer Mitarbeiter sowie Ansprechpartner für das Fahrerteam
  • Dokumentation von Schäden, Wartung der Fahrzeuge und gegebenenfalls Koordination von Werkstatt-Terminen
  • die regelmäßige Arbeitszeit ist Dienstag bis Freitag von ca. 7 bis 17 Uhr

Wir bieten:

  • eine abwechslungsreiche Tätigkeit mit tollen Kollegen 
  • einen Job mit Verantwortung in einem nachhaltig arbeitenden Unternehmen
  • leckeres Gemüse 🙂

 

Wenn Du Dich darüber hinaus mit den Zielen unserer Genossenschaft identifizieren kannst, dann schicke uns Deine aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen (unter Angabe Deiner Gehaltsvorstellung) an: jana@kartoffelkombinat.de

 

Fragen, die fehlten

Das TV-Duell zwischen Merkel und Schulz war im wahrsten Sinne des Wortes gestrig. Energiewende, Verkehrswende, Agrarwende, Postwachstum, Entwicklungszusammenarbeit, Dekarbonisierung, Bildung, Fluchtursachen … wie gut, dass alle Zukunftsthemen besprochen wurden. (Achtung, Ironie!)

Auf Twitter fasste es @das_janchen passend zusammen: „Okay. Ich lebe in einem Land, in dem terrorverängstigte Menschen ihren armen, alten Diesel vor Migranten schützen wollen.“

Im Vorfeld gab es sogar extra noch einen offenen Brief für die Zukunft der Landwirtschaft an die vier Moderatoren, der von zahlreichen AkteurInnen der Szene unterzeichnet wurde. Die Fragen der Moderatoren bedienten den Populismus und bereits während der Sendung gab es unter dem Hashtag #fragendiefehlen ein durchaus facettenreiches  Sammelsurium an eben … Fragen, die fehlten. 

Hier ein paar Beispiele, die dem Duell dramaturgisch und inhaltlich sicherlich gut getan hätten und dem Erkenntnisgewinn zuträglich gewesen wären:

 

  • „Wie kann Chancengleichheit für alle Menschen gewährleistet werden?“ (@torrent_ten)
  • „Herr Schulz, wie wollen Sie eine weitere Fluchtursache, die Klimakrise, bekämpfen?“ (@Reis_Theresa)
  • „Frau Merkel, Sie haben höhere Abgasgrenzwerte für die Autoindustrie persönlich verhindert. Warum?“ (@gri_mm)
  • „Wie sieht eine nachhaltige Verkehrspolitik aus?“ (@La_Mut)
  • „Frau Merkel, werden Sie in der nächsten Legislaturperiode endlich das Ende der Kohle einleiten?“ (@Reis_Theresa)
  • „Müssen wir Landwirtschaft & Industrie nicht dringend umweltfreundlich gestalten, um das Artensterben zu stoppen?“ (@mw238)
  • „Wann wird die Massentierhaltung beendet?“ (@sven_kindler)
  • „Wann werden die jährl. Einnahmen der Mineralölst. i.H.v. 45 Mrd. € endlich vollständig in erneuerbare Energien investiert?“ (@timpeter)

OFFENER BRIEF FÜR DIE ZUKUNFT DER LANDWIRTSCHAFT

An:
Frau Maybrit Illner, Frau Sandra Maischberger, Herrn Peter Kloeppel, Herrn Claus Strunz

29. August 2017

 

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,
liebe Journalistinnen und Journalisten,

 

in wenigen Tagen werden Sie Angela Merkel und Martin Schulz in der Debatte der Spitzenkandidaten mit den drängendsten Fragen konfrontieren, die sich stellen, wenn man politische Verantwortung für eine der größten Volkswirtschaften der Welt übernimmt.

 

Die unterzeichnenden Personen und Organisationen fordern Sie mit diesem Brief dazu auf, dabei ein Thema aufzugreifen, das für die Zukunft unseres Landes und die aller Menschen weltweit zentrale Bedeutung besitzt: der Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen, insbesondere mit der Ressource Boden.

 

Weltweit gehen fruchtbare Böden im Umfang von ca. 10 Millionen Hektar jährlich durch eine falsche landwirtschaftliche Nutzung und durch die Folgen des Klimawandels verloren. Das entspricht fast der gesamten Fläche, die in Deutschland als Ackerland genutzt wird. Nicht nur für die unmittelbar betroffenen Menschen ist dies katastrophal. Zugleich ist dieser Verlust Ausgangspunkt für politische Spannungen und Migrationsbewegungen, die längst begonnen haben, auch uns einzuholen.

 

Auch hier in Deutschland wird die Fruchtbarkeit der Böden durch eine nach industriellen Prinzipien organisierte Landbewirtschaftung abgebaut. Dies geschieht durch einseitige Fruchtfolgen mit hohen Anteilen derselben Anbaukulturen, sowie durch die Anwendung chemisch-synthetischer Stoffe zur Düngung, durch Biozide, wie Insektizide und Herbizide, die die biologische Vielfalt, und damit die unersetzbaren Funktionen des Bodenlebens, beeinträchtigen. Auf diese Weise werden die natürliche ökologische Widerstandsfähigkeit unserer Agrarlandschaften und ihre Ertragsfähigkeit gravierend geschwächt. Zusammen mit der weiter fortschreitenden Flächenversiegelung durch Überbauung gefährden wir so langfristig unsere Fähigkeit, ausreichend Agrarprodukte und Nahrungsmittel zu erzeugen.

 

Dagegen könnte eine regenerative, Humus und biologische Vielfalt aufbauende Landwirtschaft enorme positive Wirkung entfalten. Sie erhöht nicht nur die Fruchtbarkeit und Produktivität der Böden, sowie ihre Widerstandskraft gegen extremer werdende Umweltereignisse. Mittels des Aufbaus biologischer Vielfalt und organischer Masse können Böden in erheblichem Maß Kohlenstoff binden und für die landwirtschaftliche Produktivität nutzbar machen. Eine zukunftsfähige Bodenbewirtschaftung kann der Atmosphäre große Mengen CO2 entziehen – was angesichts der bereits deutlich sichtbar werdenden Folgen des Klimawandels von zentraler Bedeutung ist.

 

Um die Bedingungen für eine zukunftsorientierte Wirtschaft zu schaffen, benötigt es politische Unterstützung und einen förderlichen wirtschaftspolitischen Ordnungsrahmen. Die politischen und regulativen Rahmenbedingungen beeinflussen maßgeblich die unternehmerischen Erfolgsfaktoren und gestalten so Wirtschaftspraxis und die marktliche Entwicklung. Bislang befördert die Politik ein Wirtschaftshandeln, das unsere gesellschaftliche und ökonomische Zukunftsfähigkeit gefährdet und die natürlichen Lebensgrundlagen schädigt. Nicht nachhaltige Wirtschaftsweisen, die Lebensgrundlagen abbauen und die Kosten auf die Allgemeinheit abwälzen, sind bislang profitabler und somit wettbewerbsstärker. Dabei werden jedoch langfristig und global Ressourcen vernichtet, die zukünftig weder den Menschen, noch für Wirtschaftsaktivitäten und -unternehmen zur Verfügung stehen. Die Folgen davon tragen alle.

 

Unsere KanzlerkandidatInnen müssen Antwort auf die Fragen danach geben, wie sie die politischen Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Marktwirtschaft gestalten wollen, damit regenerative Landwirtschaft und ein weltweiter Schutz von Böden und ihrer Fruchtbarkeit stattfinden.

 

Sie werden am 3. September 2017 diese Antwort aber nur geben, wenn Sie Ihnen dazu die erforderlichen Fragen stellen!

 

Wir, die wir in großer Sorge um die Wichtigste unserer natürlichen Lebensgrundlagen sind, wollen Sie dazu ermutigen. Denn hier geht es nicht um ein idealistisches „nice to have“- Thema, sondern um ein Überlebensthema für die Menschheit.

 

Die Böden und Landschaften, die wir nutzen, bilden das Fundament unserer Wirtschaft, sie sind Lebensgrundlagen als auch Produktionsgrundlagen in einem. Ihr Erhalt und ihr Aufbau ist eine Bedingung für unsere gemeinsame Zukunft – das ist unser aller Angelegenheit.

 

Mit besten Wünschen

 

Dr. J. Daniel Dahm
Vize Direktor, European Centre for Sustainability Research ECS, Zeppelin Universität Deutsche Gesellschaft Club of Rome DCoR
Vereinigung Deutscher Wissenschaftler e.V. VDW

 

Dr. Felix Prinz zu Löwenstein
Vorstandvorsitzender, Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW e.V.)

 

Alexandra Wandel
Direktorin und Stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Stiftung World Future Council

 

anstiftung
Daniel Überall, Vorstand

 

Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller e.V.
Dr. Alexander Beck, Geschäftsführender Vorstand

 

Biokreis e.V. – Verband für ökologischen Landbau und gesunde Ernährung
Franz Strobl, Vorstandsvorsitzender

 

Bioland e.V.
Jan Plagge, Präsident

 

Biopark e.V.
Jens Rasim, Vorstandsvorsitzender

 

Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V.
Elke Röder, Geschäftsführerin

 

ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau e.V.
Andreas Hattemer, Vorsitzender

 

European Network of Scientists for Social and Environmental Responsibility (ENSSER) e.V.
Dr. Hartmut Meyer, Vorsitzender des Vorstandes
Dr. Angelika Hilbeck, Mitglied des Vorstandes

 

Demeter e.V.
Dr. Alexander Gerber, Vorstandssprecher

 

Gäa e.V. – Vereinigung ökologischer Landbau
Kornelie Blumenschein, 1. Vorsitzende

 

Germanwatch e.V.
Klaus Milke, Vorsitzender

 

Kartoffelkombinat eG
Daniel Überall, Vorstand

 

Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e.V.
Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR e.V.

 

Naturland e.V.
Hubert Heigl, Präsident

 

Naturschutzbund Deutschland (NABU)
Olaf Tschimpke, Präsident

 

Verbund Ökohöfe e.V.
Jürgen Hartmann, Vorstand

 

Josef Braun
Biolandbauer
Präsidium, Bioland e.V.

 

Nikolai Fuchs
Vorstand, GLS Treuhand
Stiftungsrat Zukunftsstiftung Landwirtschaft

 

Prof. Dr. Klaus Gabriel
Geschäftsführer des Corporate Responsibility Interface Center (CRIC) e.V.
Gastprofessor für Wirtschafts- und Unternehmensehtik an der Universität Kassel

 

Prof. Dr. Maximilian Gege
Vorsitzender, B.A.U.M. e.V.

 

Dr. Jörg Geistlinger
Hochschule Anhalt
Fachbereich 1: Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung Institut für Bioanalytische Wissenschaften
Leiter der Arbeitsgruppe „Nachhaltige Düngung und alternativer Pflanzenschutz“

 

Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald
Vorstand, Schweisfurth Stiftung

 

Prof. Dr.-Ing. Susanne Hartard
Umwelt-Campus Birkenfeld/Hochschule Trier Industrial Ecology

 

Hermann Graf Hatzfeldt

 

Prof. Dr.em. Eva Lang
Vorstand der Vereinigung für Ökologische Ökonomie
Mitglied und ehem. Vorstand des Netzwerks Vorsorgendes Wirtschaften

 

Prof. Dr. Rudolf Prinz zur Lippe
Präsident, Forum der Kulturen zu Fragen der Zeit

 

Prof. Dr. Dirk Löhr
Professor für Steuerlehre und Ökologische Ökonomik

 

Prof. Dr. Konrad Ott
Philosophisches Seminar der CAU zu Kiel

 

Dr. Manuel Schneider
Redaktionsleitung „Der kritische Agrarbericht“ Geschäftsführer oekom e.V.

 

Karl Ludwig Schweisfurth
Schweisfurth Stiftung

 

Prof. Dr. Irmi Seidl
Eidg. Forschungsanstalt WSL

 

Prof. em. Dr. Michael Succow
Vorstandsvorsitzender der Michael Succow Stiftung Träger des alternativen Nobelpreises

 

Beate Weber-Schuerholz
Oberbürgermeisterin a.D. MdEP a.D.

 

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker
Ko-Präsident des Club of Rome

 

Prof. Dr. Hubert Wiggering
Institut für Erd- und Umweltwissensschaften der Universität Potsdam
Vorstandsmitglied der Deutschen AgrarForschungsallianz (DAFA)
Mitglied der Kommissionen Landwirtschaft (KLU) sowie Bodenschutz (KBU) beim Umweltbundesamt

29.08. Kino, Mond und Sterne: Tomorrow & Kartoffelkombinat

TOMORROW – Ein großartiger& ausgezeichneter Dokumentarfilm, den jeder gesehen haben sollte. Oder wie es David Nabarro (UN Beauftragter für Klimapolitik und nachhaltige Entwicklung) sagt: „Dieser Film sollte Teil der Ausbildung aller politischen Verantwortlichen weltweit sein!”

Und genau deshalb zeigt ihn  „Kino, Mond und Sterne“ auch in diesem Jahr noch einmal auf der Seebühne im Westpark. Das Kartoffelkombinat wird mit einem Informationsstand ebenfalls vor Ort sein. Denn wenn man etwas verändern möchte, dann fängt man am besten genau da an, wo man gerade ist. Also in München, also im Westpark, beim Gemüse zum Beispiel. Wer uns noch nicht kennt, kann sich hier über unser alternatives und zukunftsfähiges (Land)Wirtschaftssystem informieren!

Überzeugt Eure Familie, Eure Freunde und Eure Bekannten und kommt am 29. August auf die Seebühne im Westpark. Schaut gemeinsam diesen inspirierenden Film an, der neue Perspektiven aufzeigt! … Ob er die Welt komplett verändern kann ist offen, aber auf alle Fälle setzt er tolle neue Impulse!


Was ist TOMORROW?

Ein Film über die Lösungen die wir brauchen, um den globalen ökologischen Kollaps aufzuhalten. Von dem Aktivisten Cyril Dion und der Schauspielerin Mélanie Laurent. Mit einer Million Zuschauern in Frankreich. Und einem César als Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Was, wenn es die Formel gäbe, die Welt zu retten? Was, wenn jeder von uns dazu beitragen könnte?
Als die Schauspielerin Mélanie Laurent und der französische Aktivist Cyril Dion in der Zeitschrift „Nature“ eine Studie lesen, die den wahrscheinlichen Zusammenbruch unserer Zivilisation in den nächsten 40 Jahren voraussagt, wollen sie sich mit diesem Horror-Szenario nicht abfinden. Schnell ist ihnen jedoch klar, dass die bestehenden Ansätze nicht ausreichen, um einen breiten Teil der Bevölkerung zu inspirieren und zum Handeln zu bewegen. Also machen sich die beiden auf den Weg. Sie sprechen mit Experten und besuchen weltweit Projekte und Initiativen, die alternative ökologische, wirtschaftliche und demokratische Ideen verfolgen. Was sie finden, sind Antworten auf die dringendsten Fragen unserer Zeit. Und die Gewissheit, dass es eine andere Geschichte für unsere Zukunft geben kann.

Abendkasse& Einlass 19.30 Uhr | Programmstart 21.00 Uhr | Eintritt 7 Euro

> zur Kinoseite & Tickets

13.08. Hofführung durch die Kartoffelkombinat-Gärtnerei

Was ist das Kartoffelkombinat? Was sind die Herausforderungen, wenn man eine ehemalige Baumschule zur Gemüsegärtnerei umbaut? Und warum glauben wir, Modell für ein anderes (Land)Wirtschaftssystem sein zu können? U.a. diese Fragen beantworten wir bei unserer nächsten Hofführung – die zweite öffentliche, bei der wir diesen wunderschönen Ort unser Eigen nennen dürfen.

 

Sonntag, 13.08., 10:30-12:00 Uhr
Treffpunkt: Baumstraße, 82294 Oberschweinbach (Karte)

 

Wer unseren neuen „Kartoffelkombinatsgemüsebaubetrieb“ noch nicht kennt, ist herzlich dazu eingeladen, sich bei dieser Gelegenheit selbst ein Bild zu machen. Die gilt natürlich auch für diejenigen, die im letzten Jahr bereits das Vergnügen hatten: Ihr könnt gespannt sein, was sich da schon alles getan hat.

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