In der zehnten Saison bauen wir in Spielberg vielfältiges Bio-Gemüse für München und die Region an. Nachdem letzte Woche unsere Vorstände interviewt wurden, ist heute Benny dran.
Denn dass unsere Beete heute so ertragreich daliegen und wir auf einem extrem hohen gärtnerischen Niveau arbeiten, verdanken wir u.a. unserem Betriebsleiter und Chef-Gärtner Benny. Er ist seit (fast) der Gründung des Kartoffelkombinats dabei und hat die komplette Entwicklung in Spielberg von den allerersten Schritten an mit unermüdlichem Einsatz, Herzblut und Fachwissen begleitet. Zeit für ein riesiges Dankeschön – und für ein Gespräch über Anbauerfahrungen, gärtnerische Erfolge und das Wirken im „eigenen Betrieb“.
Wie lange bist du schon beim Kartoffelkombinat und in welcher Funktion?
„Ich bin seit 2013 beim Kartoffelkombinat beschäftigt und aktuell in der Funktion des Betriebsleiters tätig. Ich kümmere mich um alle Belange des Betriebs in Spielberg, stelle sicher, dass alle gewissenhaft arbeiten können und alles haben, was sie dafür brauchen, bin Ansprechpartner für und Schnittstelle zwischen verschiedenen Teams und habe den Gemüseanbau im Blick.“
Was gefällt dir an unserer Genossenschaft und unserer solidarischen Arbeitsweise persönlich am besten?
„Dass wir nicht profitorientiert arbeiten, sondern Dinge wie Arbeitsbedingungen, Natur und Umwelt in den Fokus nehmen können. Außerdem finde ich es sehr befriedigend, an der direkten Versorgung von Menschen arbeiten zu können, die dankbar sind für das, was wir tun, und die ich zum Teil sogar persönlich kenne.“
Was war für dich die einschneidendste Veränderung in den letzten 10 Jahren, seitdem wir unsere eigene Gärtnerei in Spielberg haben?
„Der Wechsel von ‚Wir sind ein Projekt und probieren mal aus, ob eine solidarische Versorgungsstruktur in München funktionieren kann‘ hin zu einem professionellen Betrieb mit guten Strukturen, guter Ausstattung und sinkendem Arbeitsdruck. Da haben wir die letzten Jahre viel Kraft rein investiert, das zahlt sich jetzt aus. Die positiven Effekte sind an vielen Stellen deutlich zu spüren.“
Du bist schon lange dabei: Auf welchen gärtnerischen Erfolg auf unseren Feldern blickst du besonders stolz zurück?
„Stolz macht mich, dass wir im ersten Jahr, als wir die Gärtnerei gerade gekauft hatten, es direkt geschafft haben, das komplette Sortiment Gemüse zu produzieren, obwohl die Umstände nicht gerade leicht waren. Zum Beispiel hatten wir am Anfang der Saison noch keine funktionierende Bewässerung. Wir mussten die komplette Infrastruktur aufbauen und nebenbei Gemüse produzieren. Aktuell macht mich stolz, dass wir ein superkompetentes Team haben und wir deshalb auf einem hohen Niveau arbeiten können. Wir haben z. B. kaum mehr große Probleme mit dem Unkrautmanagement, wofür wir von Kolleg*innen immer wieder Lob zu hören bekommen.“
Welcher Anbau-Fail hat dich in all den Jahren die meisten Nerven gekostet?
„Die meisten Nerven verliere ich nicht im Anbau, sondern im Drumherum. 🙂 Einen richtig großen Fail hatten wir aber tatsächlich noch nicht und wenn, dann habe ich ihn schon verdrängt.“
Wir bilden im Kartoffelkombinat eigene Gärtner*innen aus. Was hat uns dazu bewogen, Verantwortung als Ausbildungsbetrieb zu übernehmen?
„Zuallererst lieben wir den Beruf der Gärtner*innen, trotz aller Herausforderungen, die er so mit sich bringt, und möchten deshalb anderen Menschen ermöglichen, diesen Weg einzuschlagen. Ein weiterer Faktor ist der Mangel an gut ausgebildeten Gärtner *innen. Ohne auszubilden ist es wahnsinnig schwer, offene Stellen zu besetzen. Man muss wissen, dass alle Menschen im Kartoffelkombinat, die im gärtnerischen Bereich eine Verantwortungsposition innehaben, selbst von uns ausgebildet worden sind. Ohne die Ausbildung könnten wir nicht auf diesem Niveau arbeiten.“
Wie sieht für dich die Gärtnerei des Kartoffelkombinats in 10 Jahren aus?
„So, dass alle Mitarbeitenden glücklich und zufrieden sind und jeder, der auf den Hof kommt, denkt: ‚Wow, ist das schön hier!‘“
Wenn du nach einem langen Arbeitstag über den Hof blickst: Was bedeutet dir die Arbeit für unsere Genossenschaft?
„Da ich selbst Genosse bin, arbeite ich ja sozusagen im ‚eigenen Betrieb‘. Entsprechend Herzblut, Kraft und Nerven habe ich all die Jahre investiert und so macht es mich schon glücklich, über den Hof zu blicken und zu sehen, wie weit wir gekommen sind.“