Vor zehn Jahren haben wir als Genossenschaft den mutigen Schritt gewagt, unsere eigene Gärtnerei in Spielberg zu kaufen.
Damit schufen wir das Fundament für regionale Ernährungssouveränität und ein krisenfestes Standbein im Münchner Umland. Den Auftakt unserer vierteiligen Jubiläums-Reihe machen unser Vorstand Daniel gemeinsam mit Vorständin Jana: Sie berichten über bauliche Meilensteine und die Herausforderung, das Kartoffelkombinat organisatorisch für die Zukunft aufzustellen.
Wie lange seid ihr schon beim Kartoffelkombinat und in welcher Funktion?
Jana: „Ich bin seit 11 Jahren dabei, mittlerweile als Vorständin. Ich verantworte die Finanzen, die Verwaltung und „das Personal“. Außerdem plane ich interimsweise den wöchentlichen Ernteanteil und koordiniere das Packteam.“
Daniel: „Seit Tag 1 und ich kümmere mich um die Kommunikation innerhalb der Genossenschaft, aber auch nach außen u.a. Repräsentanz des Kartoffelkombinats. Gemeinsam kümmern wir uns zusammen mit Anna & Almut um die Mitgliederbetreuung und Logistikstrukturen und mit Benny um die betrieblichen (Infra)Strukturen in der Gärtnerei.“
Was war für euch die einschneidendste Veränderung in den letzten 10 Jahren, seitdem wir unsere eigene Gärtnerei in Spielberg haben?
„Dass aus einer Idee ein konkretes, vergemeinschaftetes Unternehmen, ein Arbeitgeber und noch so viel mehr geworden ist. Wir haben damit handfeste Realität geschaffen. Es gibt immer wieder diese Momente, in denen wir uns die Augen reiben und darüber staunen, dass es das heute alles gibt, weil wir es uns irgendwann einfach ausgedacht und vorgenommen haben.
Seit wir selbst im eigenen Betrieb anbauen, können wir uns nicht mehr nur über ein abstraktes Ziel verständigen. Wir müssen jeden Tag mit Wetter, Wasser, Böden, Krankheiten, Arbeitsorganisation, Maschinen und Kosten umgehen. Und zwar mit einem Team von mittlerweile rund 40 Mitarbeitenden. Das hat das Kartoffelkombinat erwachsener gemacht. Wir haben gelernt, dass Solidarität, eine gewisse Größe und Professionalität kein Gegensatz sind, sondern sich gegenseitig brauchen.“
Wie kam es 2016 eigentlich genau zum Kauf der Gärtnerei in Spielberg?
„Der entscheidende Punkt war, dass wir irgendwann vor der Frage standen, ob wir dauerhaft von externen Betrieben abhängig bleiben oder selbst die Verantwortung für unseren Anbau übernehmen wollen. Die Möglichkeit, die ehem. Baumschule in Spielberg zu kaufen, hat dann aus dieser strategischen Überlegung eine konkrete Chance gemacht.
Die zehn Jahre seitdem zeigen, wie weitreichend diese Entscheidung war: Aus dem Kauf ist ein eigener landwirtschaftlicher Hof geworden, der heute einen großen Teil unseres Gemüsebedarfs produziert und gleichzeitig unser wichtigster Lern- und Entwicklungsort ist.“
Welche bürokratischen und finanziellen Hürden musstet Ihr damals meistern, um Kauf und Aufbau der Gärtnerei zu stemmen?
„Das war für uns eine ziemliche Herausforderung. Zum einen hatten wir natürlich nicht einfach das nötige Eigenkapital auf dem Konto, aber tolle Mitglieder, die den Schritt verstanden und mitgetragen haben. Und zum anderen war die Infrastruktur auf dem Betrieb sehr marode – aber hey, immerhin gab es Infrastruktur. Die Punkte rund um Genehmigungen und Bürokratie würden hier den Rahmen sprengen.
Rückblickend war das vielleicht sogar eine der wichtigsten Erfahrungen: Wir lernen seitdem, dass eine Idee allein noch gar nichts bedeutet. Das Entscheidende ist die Umsetzung: Man braucht belastbare Zahlen, um stabil zu sein. Engagierte Menschen, die bereit sind, das Projekt gemeinsam zu tragen, ohne auszubrennen. Und eine unendliche Frustrationstoleranz, um einfach immer weiterzumachen.“
Wo seht Ihr die bauliche und organisatorische Zukunft des Kartoffelkombinats in den nächsten 10 Jahren?
„Mit dem Abschluss der großen (Um)Baumaßnahmen, können wir uns jetzt u.a. damit beschäftigen, die Gärtnerei auch zum gemeinsamen Ort zu machen. Gleichzeitig gibt es schon noch ein paar Themen auf unserer langen Wunschliste: mehr Gewächshäuser, eine Pilzzucht, Jätroboter, weitere Logistikoptimierungen, Bildungsformate in Koop mit dem Kartoffelkombinat-Verein …“