Update – Mai 2026: Wir haben es gewuppt!

In den vergangenen drei Jahren hat sich in unserer Gärtnerei massiv viel bewegt. Was 2023 als umfangreiches Investitionspaket auf der Generalversammlung diskutiert wurde, ist heute Realität. Es war ein Hürdenlauf statt eines Sprints – geprägt von bürokratischen Endgegnern, technischem Neuland und schlaflosen Nächten. Doch das Ziel war es wert: Unsere Gärtnerei ökologisch, wirtschaftlich und strukturell zukunftsfähig aufzustellen.

Hier findet ihr den „Deep Dive“ zu unseren drei großen Säulen – inklusive aller Hintergründe.

 

1. Das Wasserbecken: Unsere Antwort auf die neue Wasserrealität

Das dritte große Vorhaben ist unser neues 5.000 m3 Wasserbecken zur Regenwasserspeicherung und Bewässerungssicherung. Es ist eine direkte Reaktion auf die zunehmend spürbaren Veränderungen des Wasserhaushalts.Die Klimamodelle für Oberbayern zeigen dabei keine einfache Verschiebung von „mehr oder weniger Regen“, sondern eine deutliche Veränderung der Verteilung: Die Gesamtniederschläge bleiben im Jahresmittel weitgehend stabil, verschieben sich jedoch über das Jahr hinweg. Die Sommer werden tendenziell trockener, während Winter- und Starkregenereignisse zunehmen. Gleichzeitig fallen Niederschläge häufiger intensiver und ungleichmäßiger, was längere Trockenphasen zwischen den Regenereignissen zur Folge hat.Für unseren Betrieb verschärft sich diese Entwicklung zusätzlich durch unsere konkrete Wassersituation: Unser eigener Brunnen ist seit 2019 trocken. Seitdem müssen wir die gesamte Bewässerung über Leitungswasser sicherstellen. Das ist nicht nur kostenintensiv (mit deutlich steigender Tendenz), sondern führt auch dazu, dass wir in unmittelbare Konkurrenz zur Trinkwasserversorgung der umliegenden Gemeinden treten.Auch wasserpolitisch ist die Lage in Bayern in Bewegung: Mitte 2026 soll ein Wassercent (Wasserentnahmeentgelt) eingeführt werden. Das ist eine Abgabe auf die Entnahme von Grund- und Oberflächenwasser und soll den sparsamen Umgang mit Wasser fördern sowie Maßnahmen zum Wasserschutz finanzieren. Für größere gewerbliche und landwirtschaftliche Entnahmen ist damit künftig mit zusätzlichen laufenden Kosten zu rechnen, auch wenn im Detail noch Ausnahmen und Staffelungen vorgesehen sind. Der grundsätzliche Trend ist jedoch klar: Wasser wird auch in Bayern stärker als knappe Ressource behandelt und entsprechend bepreist.Vor diesem Hintergrund ist das Wasserbecken für uns ein zentrales Zukunftsprojekt. Es ermöglicht uns, Niederschläge zu speichern und in Trockenzeiten gezielt für die Bewässerung zu nutzen. Damit reduzieren wir nicht nur unsere laufenden Kosten und Abhängigkeit von Leitungswasser, sondern schaffen auch eine deutlich resilientere Wasserstrategie für die kommenden Jahre.

Ein Projekt der Gemeinschaft: Das Video

Der Bau des Beckens war ein logistischer und körperlicher Kraftakt, der nur durch die Hilfe vieler Hände möglich war. Das Video dokumentiert die zwei entscheidenden Etappen:

Aktion Vlies: In einer ersten großen Aktion wurde das schützende Vlies unter der Leitung unserer Mitarbeiter*innen verlegt.

Aktion Spezialfolie: Danach folgte der „Endgegner“ – das Einlegen der riesigen Spezialfolie. Hier haben 30 Genoss*innen in über 9 Stunden harter Arbeit die schwere Plane zentimetergenau platziert. Ein unvergesslicher Moment kollektiver Power!

2. Photovoltaik & Speicher: Unabhängigkeit mit Hindernissen

Ein weiteres großes Projekt ist unsere Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher. Die ursprüngliche Planung sah eine deutlich größere Anlage mit bis zu 150 kWp vor. Auf Empfehlung unseres Projektierers wurde diese zunächst auf 100 kWp reduziert, um zu vermeiden, dass die Anlage zur Mittagszeit regelmäßig vom Netz genommen wird. Genehmigt wurden uns jedoch lediglich 30 kWp Einspeiseleistung durch den Netzbetreiber.Realisiert haben wir schließlich eine Anlage mit 50 kWp, die über den Wechselrichter auf 30 kWp begrenzt wird. Diese Lösung hat den Vorteil, dass wir auch bei schwächerer Sonneneinstrahlung stabile Leistungswerte erreichen.Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis eine strukturelle Herausforderung: Sobald der Batteriespeicher – häufig bereits gegen 11:30 Uhr – vollständig geladen war, wurde die Anlage an sonnigen Tagen vom Netzbetreiber Bayernwerk abgeschaltet. Dann wurde trotz theoretisch vorhandener Energie gar kein Strom mehr erzeugt, während wir gleichzeitig Netzstrom für unseren laufenden Betrieb beziehen müssen. Eine wirtschaftlich wie systemische Lose-lose-Situation. In der Konsequenz ist die Anlage aktuell so konfiguriert, dass nichts mehr eingespeist wird, die Anlage nur unseren eigenen Bedarf versorgt (wir je nach Tag also 100-200 kWh nicht erzeugen, die darüber hinaus möglich wären), wir aber im Gegenzug auch nicht mehr abgeschaltet werden.Trotz dieser Einschränkungen ist die Anlage ein wichtiger Schritt: Heute können wir an sonnigen vielen Tagen 70–90 % unseres Strombedarfs direkt vor Ort erzeugen. Dabei ist der Kontext entscheidend: Unsere Gärtnerei benötigte 2025 im Schnitt 220 kWh Strom pro Tag, während ein Zweipersonenhaushalt nur etwa 6–7 kWh/Tag verbraucht. Unser Energiebedarf liegt damit etwa beim 33-Fachen eines Haushalts. In Verbindung mit der Wärmepumpe gehen wir davon aus, durch die Batteriespeichererweiterung auf jetzt 60 kWh im Jahresmittel etwa 50 % unseres Energiebedarfs (Strom und Wärme) selbst decken zu können.

IMG_4523 2

3. Sanierung Wohnhaus: Team-Zentrum & Effizienz

Ein zentrales Vorhaben war die umfassende Sanierung und der Umbau unseres Wohnhauses aus den 1960er Jahren. Nach der bereits erfolgten Dachsanierung wurde das Gebäude grundlegend energetisch modernisiert und zugleich funktional neu gedacht.Ziel ist der Standard eines Effizienzhauses 40. Dieser bezeichnet einen sehr hohen energetischen Gebäudestandard mit nur etwa 40 % des Energiebedarfs eines vergleichbaren Neubaus nach gesetzlichem Mindeststandard. Die Energieverluste über die Gebäudehülle sind dabei stark reduziert – durch hochwertige Dämmung von Wänden, Dach und Boden, sehr gut gedämmte Fenster sowie eine weitgehend luftdichte Bauweise. Der verbleibende Energiebedarf wird überwiegend über erneuerbare Energien gedeckt, in unserem Fall durch Wärmepumpe und Photovoltaik.Damit reduzieren wir den Energieverbrauch deutlich und machen das Gebäude fit für die kommenden Jahrzehnte.Im Erdgeschoss entsteht ein gemeinschaftlich nutzbarer Bereich für das Team mit Küche, Umkleiden, barrierefreien Sanitäranlagen und einem Besprechungsraum – eine wichtige Verbesserung der Arbeitsinfrastruktur. Die Wohnung im Obergeschoss bleibt erhalten und wird perspektivisch vermietet. Gleichzeitig wurden bauliche Anpassungen vorgenommen, um die Energieeffizienz zu erhöhen und die Räume langfristig besser nutzbar zu machen.

 

Fazit & Ausblick

Mit diesem „Trio der Zukunft“ haben wir die Basis geschaffen. Doch Entwicklung bleibt notwendig: Wir planen bereits weitere Gewächshäuser und müssen in den nächsten Jahren die alten Eternitdächer sanieren.

Danke euch allen! Ohne die finanzielle Unterstützung der Genossenschaft und die geballte Power bei den Mitmach-Aktionen wäre dieser Kraftakt nicht möglich gewesen. Gemeinsam machen wir das Kartoffelkombinat klimafest!

Die Zeithistorie: So fing alles an (Logbuch der Entstehung)

Hier findet ihr die ursprünglichen Berichte aus der Bauphase. Es ist spannend zu sehen, wie aus der Theorie langsame Praxis wurde.

Bereits der Begriff ist ein Ungetüm. Und auch die Planung, sowie die Umsetzung sind etwas komplexer, als ursprünglich gedacht. Ein Update zum Wasserbecken:

Was auf den ersten Blick nur wie ein (sehr) großes Baggerloch wirkt, ist in Wahrheit eine unserer wichtigsten Klimawandelanpassungen im Kartoffelkombinat. 5.000 Kubikmeter Regen- und Gemüsewaschwasser soll das Becken künftig fassen – das entspricht dem Volumen von etwa 25.000 prall gefüllten Badewannen.

Die Notwendigkeit dieses Projekts liegt auf der Hand: Da unser eigener Grundwasserbrunnen in Spielberg leider seit 2019 quasi leer ist bzw. auch die Nachfließmenge zu gering ist, mussten wir den signifikanten Gießwasserbedarf bisher teuer mit kommunalem Leitungswasser decken. Das kostet nicht nur viel Geld, sondern wir treten damit bei zunehmend längeren Trockenperioden in eine Wasserkonkurrenz mit der ansässigen Bevölkerung. 

Der Weg zum eigenen Speicher war jedoch ein echter Krimi, der uns planerisch und in der Umsetzung auf Trab gehalten hat:

Die Komplexität: Von wegen, Loch baggern, Folie rein, Zulauf legen, Pumpe und Bewässerungsleitung installieren. Da wir jetzt schon doppelte Strukturen haben (Niederdruck für die GWHs und Hochdruck fürs Freiland), brauchen wir auch redundante Pumpen und Leitungen aus dem Becken raus. Außerdem müssen wir verdrecktes Wasser von den Wegen und das Gemüsewaschwasser noch durch zwei Absetzbecken leiten und vom sauberen Dachflächenwasser getrennt halten. Der Leitungsplan kann es nahezu mit dem Streckenplan der Pariser Metro aufnehmen …

Die Wasserironie: Kaum wurde aus dem Schnee Anfang März Regen, zeigte das Becken, was es kann und füllte sich etwas. Das Problem dabei: Wir konnten nicht weiterbaggern. Also auspumpen und weiterbauen, damit dann wieder Wasser rein kann, das wir dann wieder rauspumpen. 😉

Die Ausmaße des Auffangbeckens
Daniel ganz klein
Wasserbecken mit Wasser – leider aber viel zu früh!

2 Kommentare

  1. Ihr seid soooo toll!!!
    Bin am Samstag dabei und freu mich schon den Weg in die Zukunft ein wenig unterstützen zu dürfen.
    Liebe Grüße
    Peter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert