Landraub – Doku ab Oktober im Kino

Landraub (engl. Landgrabbing) ist seit Jahren ein massives Problem, fliegt aber aus unerfindlichen Gründen für die meisten unter dem Radar. Die Aneignung von Boden ist so alt wie die Menschheit – bedingt durch das Bevölkerungswachstum, die ständig steigende Fleischproduktion, welche immer mehr Futtermittel benötigt und stetig abnehmende Ressourcen avanciert Landraub zunehmend zu einer Zeitbombe mit enormer sozialer Sprengkraft.

Kinostart in Deutschland: 08. Oktober 2015

„LANDRAUB portraitiert die Investoren und ihre Opfer. Ihr Selbstbild könnte unterschiedlicher nicht sein. Die einen sprechen von gesundem Wirtschaften, Sicherung der Nahrungsversorgung und Wohlstand für alle. Die anderen erzählen von Vertreibung, Versklavung und vom Verlust der wirtschaftlichen Grundlagen.“ (Zitat von Filmwebsite)

> zur Filmwebsite
> zur Facebook-Seite des Films

Warum wir kein Ort im Land der Ideen sein wollen

Unsere Freunde der CSA SpeiseGut in Berlin posteten folgenden Text auf Facebook:

Sehr geehrte Frau XY,

vielen Dank für Ihre Mail und das Angebot, dass wir uns für den Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ bewerben dürfen. (Unter dem Jahresthema „Ideen finden Stadt“ werden Projekte und Ideen gesucht, die wegweisende Impulse für die Städte und Gemeinden der Zukunft geben.)

In den Bewerbungsunterlagen ist vor allem die Deutsche Bank der Haupförderer des Wettbewerbes. So groß der Reiz auch ist mitzumachen muss ich Ihnen leider mitteilen, dass wir solche Förderer nicht unterstützen.

SpeiseGut steht für transparente, ökologische, reginonal und faire Landwirtschaft. Wir arbeiten vor allem an einem Konzept was sich staatlich subventionslos trägt sowie aber eine stadtnahe Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln ermöglichen soll.

Dies können wir leider vom Hauptförderer der Deutschen Bank nicht erkennen und behaupten. Zu stark ist der Hauptförderer in die Kritik geraten massiv an der Spekulation von Agrar Rohstoffen beteilgt zu sein. Selber gab die Bank am Anfang des Jahres noch zu an solchen“ Machenschaften“ sich zu beteiligen. “ Spekulativ ausgerichtete Anleger sind unverzichtbar für das Funktionieren von Rohstoffmärkten“ wurde behauptet. Für die Deutsche Bank zählt der Rohstoffhandel zu den Wachstumssegmenten im Kapitalmarktgeschäft. „Hier wird seit einigen Jahren kräftig Gas gegeben“, sagt ein Banker. Speziell im Nahrungsmittelgeschäft würden ordentliche Renditen erzielt. Kredite an Landwirte, Handelsunternehmen und Nahrungsmittelproduzenten zählen ebenso wie Absicherungspapiere für Agrarrohstoffe, die an der Börse gehandelt werden können.

Ein weiteres Beispiel ist der „DWS Global Agricultural Land and Opportunities Fund (GALOF)“, nach Auskunft der Deutschen Bank hält der Fonds Land in Australien und Afrika und soll nach Argentinien, Vietnam und Neuseeland ausgedehnt werden. Hier wird stark sichtbar, dass die Deutsche Bank und Hauptförderer des Wettbewerbes „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ auch am Weltweiten Landgrabbing beteiligt ist.

Man könnte fast ironisch glauben, dass die Deutsche Bank sich versucht mit solch einem Wettbewerb „ Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ eine saubere Weste zu erarbeiten.

Sehr geehrte Frau XY, ich wollte Ihnen hier nur kurz mitteilen das SpeiseGut mehr ist als nur ein schönes Projekt nach „außen“ und wir uns über jeden errungenen Wettbewerb freuen. Wir wissen aber auch ohne Wettbewerb das wir ein „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen„ sind. Aber in diesem Falle von einer Bewerbung am Wettbewerb absehen.
Wir lassen in diesem Falle anderen den Vortritt und wünschen Ihnen alles Gute.

Mit besten Grüßen der Initiator von SpeiseGut
Christian Heymann

Und weil Christians Gedanken schlichtweg richitg sind, haben auch wir unsere Bewerbung zurückgezogen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

so sehr es uns freuen würde, auch als einer der Orte ausgezeichnet zu werden, nehmen wir unsere Bewerbung hiermit zurück.

Wie unser Berliner Kollege von SpeiseGut so trefflich ausgeführt hat, sind auch die Ziele des Kartoffelkombinats und das Geschäftsmodell Ihres Sponsors Deutsche Bank nicht kompatibel.

Beste Grüße
Simon Scholl und Daniel Überall

Landgrabbing – was ist das?

Immer öfter hört man den Begriff „Landgrabbing“, (Landnahme ist wohl weniger gebräuchlich, meint aber das selbe Phänomen) aber was verbirgt sich dahinter und warum ist es ein Problem?

Getreidefeld

Foto: biloba / photocase.com

Unter dem Begriff versteht man im Allgemeinen langfristige Investitionen in Form von Pacht oder Kauf landwirtschaftlicher Flächen durch private oder staatliche Akteure.

Die Flächen werden meist zur Produktion von Nahrungsmitteln oder Energiepflanzen genutzt.
Aber auch die Nutzung von Süßwasserquellen oder der Abbau von Rohstoffen (gerade diese beiden Aspekte fallen oft zusammen und können großen Schaden anrichten) können zum Landgrabbing gezählt werden. Es gibt verschiedene Ursachen für und Beweggründe für die Investoren, sich in fremden Ländern Ackerland zu sichern:

Zum einen wird tatsächlich viel Land gebraucht um Lebens- und Futtermittel sowie Material für Biotreibstoff zu produzieren. Gerade Länder wie China oder Indien, die einen hohen Bevölkerungszuwachs haben, wollen die Versorgung mit Nahrungsmitteln sicherstellen und sich unabhängig von Weltmarktpreisen machen. Für den weltweit steigenden Fleischkonsum werden außerdem immer größere Mengen an Futtermitteln benötigt.

Ein anderer, in der Öffentlichkeit weniger wahrgenommener Aspekt ist der, dass seit der Finanzkrise Investoren auf der Suche nach sicheren Geldanlagen sind und noch dazu riesige Mengen „spekulatives Geld“ vorhanden sind. Hier geht also der Bezug vom Investor zur landwirtschaftlichen Produktionsfläche völlig verloren, da es primär der Geldanlage dient und nicht dem eigentlichen Zweck von Ackerland – nämlich der Erzeugung von Lebensmitteln.

Über den Umfang der gehandelten Flächen gibt es keine verlässlichen Angaben, lediglich Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO oder von Ökonomen der Weltbank, diese gehen davon aus, dass über 10 – 30 % des globalen Ackerlandes Verhandlungen laufen oder bereits abgeschlossen wurden. Zielländer sind leider häufig Länder, in denen ohnehin eine unsichere Ernährungssituation herrscht. Hier sind vor allem afrikanische aber auch asiatische Länder betroffen, in denen machtlose Bauern korrupten Regierungen wenig entgegensetzen können und keine Chance darauf haben, ihre Rechte wahrzunehmen. Menschenrechtsverletzungen in Form von Vertreibung von seit Generationen genutztem Weide- und Ackerland, Umsiedlungen, Zerstörung von Lebensraum indigener Völker bis hin zu Körperverletzung sind keine Ausnahmen.
Durch die „Fremdnutzung“ von Ackerland verschäft sich außerdem häufig die Hungerproblematik in den Zielländern. So sind diese absurderweise in hohem Maße vom Lebensmittelimport und somit von stark schwankenden Weltmarktpreisen abhängig, obwohl sie eigentlich über fruchtbaren Boden verfügen würden.
Häufig wird von Investoren versprochen, Arbeitsplätze in der Zielregion zu schaffen und eine Infrastruktur aufzubauen, die der Bevölkerung Einkommensmöglichkeiten und einen besseren Lebensstandard ermöglichen soll. Diese Versprechen erweisen sich aber meist als nicht haltbar, da eine Bewirtschaftung großer Monokulturen, wie sie eben dort entstehen, mit viel Maschineneinsatz und wenig menschlicher Arbeitskraft üblich ist. Und die versprochenen Straßen führen häufig nur vom Produktionsort zum nächsten Umschlagplatz und bringen der Bevölkerung keinerlei Nutzen.

Leider wird dieser dramatischen Entwicklung bisher wenig entgegengesetzt um sie einzuschränken und die Schäden, die zweifellos entstehen, zu begrenzen. Es gibt verschiedene Initiativen von Weltbank, FAO oder dem UN Ernährungsausschuss, denen Konzerne und Staaten auf freiwilliger Basis beitreten können. Sie unterzeichnen damit Verhaltensrichtlinien, zu deren Einhaltung sie sich verpflichten. Allerdings gibt es niemanden, der dies ernsthaft kontrollieren, geschweige denn Verstöße dagegen in irgendeiner Form bestrafen kann.

Weitere Infos
taz-Artikel: „Global Soil Week“ – Auf dem Boden der Tatsachen
Website: First global Soil Week