KW 37

Diese Woche gibt es*:

  • Salatkopf
  • Wirsing ODER Blumenkohl purpur
  • Kürbis ODER Wassermelone (gr. EA)
  • Schnittknoblauch (gr. EA)
  • Mini-Gurke (gr. EA)
  • Aubergine (gr. EA)
  • Paprika (kl. EA)
  • Zucchini (kl. EA)

*Die Verteilung variiert je nach Kistengröße

 

O’zapft is

Pünktlich zum imaginären Wiesn-Anstich füllen wir dieses Jahr erstmalig unser eigenes KK-Bier ab. 

Dem ehrenamtlichen Engagement von drei Genoss*innen ist es zu verdanken, dass dieser erste Sud mit 4.000 Litern, abgefüllt in ca. 7.500 Flaschen, bald den Weg in unsere Wohnzimmer, Balkone etc. findet. Mitte Juli waren Clarissa, Nick und Max hierzu bei unserem Brauereipartner, Hadernder Bräu in München und verarbeiteten 750 kg Gerstenmalz und 3 kg Hopfen der Sorte Ariana zu einem Kellerbier mit leichten Fruchtnoten von Birne, Quitte und Ananas. 

Der erste Sud ist auch für die drei eine aufregende Angelegenheit, schließlich braut man nicht alle Tage ein gänzlich neues Bier. Stolz markieren sie die Lagertank mit dem KK-Bier nach drei langen Tagen in denen viel gearbeitet, geschleppt und geputzt wurde. Den glücklichen Ausdruck auf ihren Gesichtern sowie den gesamten Brauvorgang gibt es auf Video zum selbst miterleben und mehr Infos zum Kartoffelkombinat-Bier findet Ihr nach und nach unter kartoffelkombinat.de/bier

Es war ein langer Weg bis hierhin, bei dem von Anfang an eine Sache ganz besonders wichtig war – das Bier gemeinsam mit Euch Realität werden zu lassen. Hierzu wurden Umfragen gemacht, Präsentationen und Info-Veranstaltungen abgehalten und Vorbestellungen eingeholt. Basierend auf Eurem Feedback und den Umfrageergebnissen entstand das Rezept und die Vorgehensweise.

Unser Bier ist nicht nur bio, wir wollen noch mehr: Wir wollen die Verbindung zu einem landwirtschaftlichen Produkt wiederherstellen, indem wir ein Bewusstsein für die Herstellung und die Herausforderungen schaffen, mit denen Bio-Landwirt*innen für Hopfen und Gerste zu kämpfen haben. Über 99 % des Biers in Deutschland wird nicht-biologisch und mit teils schlimmen Folgen für Grundwasser, Böden und die Gesundheit der Landwirt*innen und Bier-Genießer*innen hergestellt. Im Kartoffelkombinat ist einer unserer Grundwerte, uns selbst mit Produkten versorgen zu können, die so hergestellt wurden, wie wir es als Gemeinschaft für sinnvoll halten. 

Über das Bier, die Zutaten, den Brauvorgang, das Rezept und die Menschen dahinter gibt es so viel zu erzählen. Deswegen wird es bald eine kleine Bierkolumne in unserem wöchentlichen „Kartoffeldruck“ geben. 

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann in der Kartoffelakademie am 22.09. zum Thema „Mehr Bio-Bier im Bier-Land Deutschland“ Clarissa und Nick persönlich kennenlernen und (falls Corona die Präsenzveranstaltung zulässt) den Sud 1 unseres KK-Bieres verkosten. Na, wenn das nicht Grund genug ist sich schnell unter kmbnt.de/bierakademie anzumelden.

Bundestagswahl 2021

Es ist mittlerweile kaum zu übersehen, die Plakate der Parteien säumen Straßen und Plätze: Am 26. September steht wieder eine Bundestagswahl an. Jetzt gilt es die Bürger*innen mit den Wahlprogrammen und Themen zu erreichen – doch bei immer mehr Menschen gelingt das nicht.

Die Wahlbeteiligung lag bei der letzten Bundestagswahl bei 76,2 Prozent. Wenn die Gruppe der Nichtwähler*innen eine Partei wäre, hätte sie mit 23,8 Prozent den zweiten Platz belegt. Es gibt jede Menge Statistiken über Nichtwähler*innen. Verständlicherweise, denn schließlich, das wissen auch die Parteien, kann deren Mobilisierung den Wahlsieg bedeuten. 

Die meisten Studien sind sich einig, wählen oder nicht wählen entscheidet sich bei jenen die entweder zu resigniert, von der Politik enttäuscht oder sozial benachteiligt sind, um sich in einem der Programme wiederfinden zu können. Manch eine/r entscheidet sich dann dazu, das Kreuz bei niemandem zu machen. Warum sich überhaupt bemühen und in ein Wahllokal gehen oder Briefwahl durchführen? Kein Wunder, falls z.B. der zweite Minijob auch Sonntagsschichten mit sich bringt.

Aber nicht nur jene, denen es an der Befriedigung existenzieller Grundbedürfnissen mangelt, verzichten auf ihre Stimmabgabe. Auch Bürger*innen, deren seelisches Bedürfnis nach Frieden, Freiheit und Gleichheit nicht bedient wird, entscheiden sich dafür keiner Partei die Legitimation zu erteilen. Es gibt unzählige Gründe, warum Menschen ihre Stimme nicht abgeben möchten – doch alle basieren auf dem gleichen Gefühl – nicht gehört zu werden. 

Nun ist es so, dass je weniger Menschen zur Wahl gehen, umso weniger Stimmen benötigt werden, um ein prozentual hohes Ergebnis abzuliefern. Angenommen 100 Menschen gehen wählen, davon stimmen 4 für Nationalisten, dann entspricht das  4 % der Stimmen. Geben hingegen nur 50 Personen ihre Stimme ab, wiegen diese 4 Stimmen doppelt so schwer (8 %). 

Leider sehen wir uns derzeit mit Gruppierungen konfrontiert, die ihre menschenverachtenden Meinungen lauthals in die Politik tragen und kontinuierlich versuchen unsere Demokratie für ihre niederen Zwecke zu nutzen. Und deren Anhänger*innen, auch das belegen Studien, nehmen ihre Wahlmöglichkeit sehr ernst. Dieses „shifting baselines“ hat die Rechten wieder in unsere Parlamente gespült und die Konservativen nach rechts gezogen. Während Afghanistan in diesen Stunden implodiert, betonen Politiker*innen hierzulande, dass sich „2015 nicht wiederholen darf“. Die AfD wirkt.

Das oben genannte Rechenbeispiel zeigt ganz deutlich, wer nicht möchte, dass der politische Einfluss von Parteien wie der AfD und ihrer nationalistischen Positionen weiter zunimmt, sollte sich den 26. September vormerken und wählen gehen. Denn jede Stimme für eine demokratische Partei ist eine Stimme gegen faschistische Positionen und gesellschaftliche Spaltung.

Wir vs. Witterung

Wie Ihr ja bestimmt mitbekommen habt, stecken wir in einem echt schwierigen Anbaujahr und haben bereits mehrere Kulturen verloren. Im Winter war es ungewöhnlich lange kalt und die Sonne hat sich kaum blicken lassen, sodass unsere Gewächshauskulturen, vor allem der Feldsalat, es schwer hatten. Und jetzt im Sommer (!) mag es nicht mehr aufhören zu regnen, es ist einfach zu nass und die paar Sonnenstunden reichen bei Weitem nicht, um den Pflanzen gute Bedingungen bieten zu können.

Hier in diesem kurzen Video erklären Euch Felix, Alena und Sophie, womit sie in den letzten Wochen so zu kämpfen hatten. Bisher konnten wir das durch ein grandioses Kistenmanagement von Andrea, den unermüdlichen Einsatz unseres Gärtnereiteams und durch die Kooperation mit unseren Partnerbetrieben einigermaßen gut ausgleichen – tausend Dank!

Dringende Hilfe für eine Gärtnerei in Schwarzach

Hier ist eine Biogärtnerei durch die Flut der letzten Tage in ihrer Existenz bedroht. Wer kann und will kann ja ein paar Euro in den Hut werfen – danke!
 
Der Klimawandel ist da. er schlägt zu, setzt unter Wasser, trocknet aus, laugt aus. Nicht nur die Natur – auch uns Menschen. So hat die Jahrhundertflut der letzten Tage auch die kleine Bio-Gärtnerei von Martin Schäfer in Schwarzach, Nähe Würzburg „erwischt“. Deren 4 ha Anbau ist nach dem Starkregen „Land unter“. Monatelange Arbeit, Ernteaussichten, Kräuter, Gemüsekulturen – alles dahin …
 
Ein Schaden, der in die Tausende geht, kommt noch obendrauf.
Wer der Gärtnerei mit ihrem regionalen Bio-Gemüseanbau wieder auf die Beine helfen kann, dem sei deren Spendenaktion auf GoFundMe ans Herz gelegt:
https://www.gofundme.com/f/dringende-hilfe-gaertnerei-schwarzach
 

Homo communis – Sondervorstellung & Filmgespräch

Der Dokumentarfilm stellt Menschen in den Mittelpunkt, die ihre Vision von Kooperation und Teilen leben und zu realisieren versuchen. Er spürt Orte des Tuns auf – jenseits von Markt und Staat. Den u.a. in Venezuela und Deutschland portraitierten Menschen, geht es um stabile Beziehungen, ein verlässliches Miteinander in Arbeit und Leben und ein Teilen der Ressourcen.
zur Film-Website 

Am 9. Juli zeigt der Rio Filmpalast den Dokumentarfilm in München, in Kooperation mit der anstiftung und dem Kartoffelkombinat findet im Anschluss ein Filmgespräch mit Regisseurin Carmen Eckhardt statt.
> zur Kino-Website
> direkt zum Ticketverkauf

“Der Film erzählt von Menschen, die den Mut gefunden haben, aufzustehen, wo andere sitzenbleiben. Sie gehen einen eigenen Weg und schaffen Dinge, die man nicht für möglich gehalten hat.” taz

 

Endlich! Ein Lieferkettengesetz!

Wir begrüßen den Sommer zwar mit offenen Armen, im Freiland arbeiten unsere Gärtner*innen aber aktuell bei 30 Grad und mehr oftmals in der prallen Sonne und kommen fast an die Belastungsgrenze – im Gewächshaus ist es logischer Weise noch heißer.

Im Vergleich zu anderen Ländern sind das sogar noch entspannte Rahmenbedingungen. Denn in brütend heißen Fabriken oder Steinbrüchen arbeiten derzeit schätzungsweise 160 Millionen Kinder unter dem gesetzlichen Mindestalter.

Das diesen Monat vom Bundestag beschlossene Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz(!) soll hier Abhilfe schaffen und den Schutz grundlegender Menschenrechte und das Verbot von Kinderarbeit unterstützen. Das neue Gesetz tritt 2023 in Kraft und will deutsche Unternehmen, ab einer Größenordnung von 3.000 Angestellten, zu mehr Verantwortung für die gesamte Lieferkette veranlassen. 2024 folgen dann Unternehmen mit mehr als 1.000 Angestellten, die sich gleichermaßen dazu verpflichten durch z.b. Risikoanalysen und Risikomanagement nachteilige Auswirkungen auf die Menschenrechte aufzudecken und abzuwenden.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle überprüft die Einhaltung des Gesetzes, kontrolliert die Unternehmensberichte und verhängt Sanktionen. Außerdem geht es Beschwerden nach, die von Betroffenen, deutschen Gewerkschaften oder NGOs eingereicht werden können. So ist es also theoretisch möglich, dass die Näherin aus Bangladesch sich an diese deutsche Behörde wenden kann, wenn in ihrer Arbeitsstelle Menschenrechtsverletzungen vorliegen. Wie realistisch dieses oder ähnliche Szenarien sind, sei mal dahingestellt. Ganz sicher ist dagegen, dass der bürokratische Aufwand bei den Unternehmen und dem Bundesamt erheblich ansteigen wird.

Die Bundesregierung, allen voran der scheidende Entwicklungsminister Müller, feiern das neue Gesetz als Meilenstein zu mehr Menschenrechten und sehen darin eine Blaupause für ein geplantes EU-weites Gesetz, das jedoch noch einige Zeit auf sich warten lassen wird. Auf politischer Ebene mag dieses Gesetz einen Schritt in die richtige Richtung darstellen, aber die unmittelbaren Auswirkungen auf die Arbeiterinnen und Arbeiter sind leider weiterhin in unserem täglichen Handeln begründet. Und somit auch in unseren individuellen Entscheidungen als Konsumenten auf Produkte zu setzen, deren Hersteller sich nachhaltigen und ökologischen Werten und Prinzipien verschrieben haben.

Fazit: Das verabschiedete Lieferkettengesetz ist die erste, längst überfällige und notwendige Voraussetzung für einen (hoffentlich stattfindenden) Wechsel weg von der individuellen Konsument*innen-Verantwortung hin zu einem systemischen Ansatz.

UPDATE:
Welche Unzulänglichkeiten das Gesetz hat und auf wessen Betreiben hin die entstanden sind, wurde in der aktuellen „Die Anstalt“-Sendung mit einer Tafelnummer erklärt:

Was sind die Sustainable Development Goals?

Klimawandel, Armut und Hunger, Flucht und Migration und und und. Krisen, Probleme und Defizite gibt es viele. Über die „SDGs“ will die Weltgemeinschaft diese überwinden.

2015 haben sich deshalb 193 Staats- und Regierungschefs der Vereinten Nationen in der Agenda 2030 auf 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz „SDGs“) verständigt. 

Die Agenda 2030 nennt fünf Kernbotschaften, die den 17 Zielen als Handlungsprinzipien vorangestellt sind: 

  1. Die Würde des Menschen im Mittelpunkt
  2. Den Planeten schützen
  3. Wohlstand für alle fördern
  4. Frieden fördern
  5. Globale Partnerschaften aufbauen.

Im Wesentlichen sollen die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung …

  • Armut und Hunger beenden und Ungleichheiten bekämpfen.
  • Selbstbestimmung der Menschen stärken, Geschlechtergerechtigkeit und ein gutes und gesundes Leben für alle sichern.
  • Wohlstand für alle fördern und Lebensweisen weltweit nachhaltig gestalten.
  • ökologische Grenzen der Erde respektieren: Klimawandel bekämpfen, natürliche Lebensgrundlagen bewahren und nachhaltig nutzen.
  • Menschenrechte schützen – Frieden, gute Regierungsführung und Zugang zur Justiz gewährleisten.
  • eine globale Partnerschaft aufbauen.

Quelle: www.stockholmresilience.org
Grafik: Jerker Lokrantz/Azote

Die Agenda 2030 ist damit ein „Weltzukunftsvertrag“, um allen Menschen bis zum Jahr 2030 ein Leben in Würde zu sichern. Die SDGs berücksichtigen alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – Soziales, Umwelt, Wirtschaft – gleichermaßen und gelten für alle Staaten der Welt.

Und um diese beschlossenen Ziele zu erreichen, müssen wir in Deutschland unsere Lebensweise ändern. Jetzt. Darum hat die Bundesregierung im Jahr 2016 die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen und 2018 aktualisiert. Darin legt sie fest, welche Beiträge sie für die nachhaltigen Entwicklungsziele leistet. Alle zwei Jahre erstellt das Statistische Bundesamt dazu einen Indikatorenbericht.

Aus diesem Bericht wird ersichtlich, wie weit die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie bereits umgesetzt wurde und wo weiterer Handlungsbedarf besteht.

Für den Bereich Ernährung hat außerdem Dr. Karl von Koerber, Ökotrophologe, Professor an der LMU und Uni Gießen, und Leiter der Arbeitsgruppe Nachhaltige Ernährung e.V. in München „Grundsätze für eine Nachhaltige Ernährung“ bezüglich ihrer Potenziale zur Unterstützung der SDGs entwickelt, da die insbesondere die Erzeugung von Lebensmitteln eine Schlüsselrolle bei der Erreichung gleich mehrerer SDGs und deren Unterziele spielt.

Die zentrale, umfangreiche Publikation für seine globale Ernährungsstrategie gibt es hier als Download.

Von Koerbers Strategie für eine Nachhaltige Ernährung gliedert sich in 5 Grundsätze: 

  • Die Bevorzugung pflanzlicher Lebensmittel
  • Ökologische erzeugte Lebensmittel
  • Regionale und saisonal Erzeugnisse
  • Bevorzugung gering verarbeiteter Lebensmittel
  • Fair gehandelte Lebensmittel
  • Ressourcenschonendes Haushalten
  • Genussvolle und bekömmliche Speisen

Wie genau sich diese einfach klingenden Grundsätze in den unterschiedlichen SGDs wiederfinden, und welche enormen Hebel diese hin zu einer nachhaltigen, gerechteren Welt sie ermöglichen, hat die Initiative Slow Food e.V. gut verständlich aufbereitet.