Dürre? Doch nicht bei uns!

Dürre ist ein komplexes Thema. Und eines, das wir kaum mit unseren Breitengraden in Verbindung bringen. Doch Dürre ist kein Schreckgespenst am fernen Horizont. Der Wassermangel – trotz des derzeitigen Regens – ist ganz real. Vor unserer Haustür.

Wir berichten in regelmäßigen Abständen über den aktuellen Stand, wie wir im Kartoffelkombinat unseren Wasserbedarf decken, welche Herausforderungen es dabei gilt zu meistern und wie unsere Prognose der kommenden Wochen und Monate aussieht.

Wasser ist zwar das Element, das gefühlt überall auf unserem Planeten vorhanden ist, doch nur 40 % davon ist Süßwasser, und davon wiederum stehen uns weltweit nur 0,3 % als Trinkwasser und zur Bewässerung unserer landwirtschaftlichen Flächen zur Verfügung. Schluck!

Laut Expert*innen haben wir derzeit noch ca. 10 Jahre Zeit, um die Wasserkrise in Deutschland zu „lösen“. Danach wird ein sog. Kipppunkt erreicht, nach dem sich der negative Dominoeffekt auf die Menschen und Artenvielfalt kaum mehr aufhalten lässt. Die dystopischen Annahmen antizipieren dann u.a. massenhafte Umsiedlungen aus zu trockenen in wasserreichen Regionen (sog. Wasserflucht) und einen irren logistischen Aufwand lebensnotwendiges Nass zu Mensch, Tier und Feld zu transportieren, wenn der Regen ausbleibt.

9 der 10 wärmsten Jahre seit der Wetteraufzeichnung haben sich in den letzten 20 Jahren ereignet. Und wenn sich die meisten von uns über herrliches Badewetter freuen, wird auch hitzig diskutiert. „Hitze ist nicht gleich Dürre!“, sagen manche. Doch das ist ein Trugschluss. Denn Dürre und Hitze verstärken sich gegenseitig: Wenn es heiß ist, trocknen Böden schneller aus. Ausgedörrte Böden wiederum nehmen Wasser schlechter auf – Niederschlag läuft oberflächlich ab, ehe er einsickern kann. Bei Trockenheit fehlt auch eine natürliche Kühlung unseres Bodens: Normalerweise verdunstet unter Sonneneinstrahlung Wasser – bei Dürre wird deshalb die untere Atmosphäre heißer und trockener. Das heißt unser Leben wird sich verändern: Bruthitze in unseren Städten wird jährlich tausende Leben kosten (kartoffelkombinat.de/hitze), Futtermangel für das Vieh aufgrund vertrockneter Wiesen wird ganze Produktionszweige in Bedrängnis bringen und Auswirkung auf Produktion und Preise haben. Ausgetrocknete Flüsse und Seen werden zum massiven Rückgang der Artenvielfalt führen. Eine Entwicklung, die dann außerhalb unseres Einflusses liegt, wenn wir uns nicht jetzt mit aller Kraft dem Aufhalten des Klimawandels widmen. Und ganz regional betrachtet: Hitze, Dürre, Artensterben – alles weit weg von uns?

Leider nein. Ganz konkret können auch wir im Kartoffelkombinat davon berichten, dass die Trockenheit der vergangenen Jahre mittlerweile großen Einfluss auf unsere Arbeit, Ernte und Erträge hat.

2019 erhielten wir ein Schreiben des Landwirtschaftsamtes Fürstenfeldbruck. Darin die Information, dass die Grundwasserstände in Bayern seit 15 Jahren fallen und die dringende Bitte, für die mittel- und langfristige Planung in unserem Betrieb für eine „besonders sorgsame und sparsame Durchführung der Bewässerung zu sorgen“ und „eine Investition in wassersparende oder wasserspeichernde Technik in Betracht zu ziehen“.

Denn ein Blick auf den Grundwasserspiegel in Mammendorf, 3 km von der Gärtnerei entfernt, ist erschreckend. Die Messstelle unterteilt den Grundwasserpegel in 5 Zonen von sehr hoch bis sehr niedrig. Seit letztem Jahr August bleibt der Wert konstant unter „sehr niedrig“. 


Das haben wir auch direkt gespürt: Unser in 2017 gebohrter Brunnen in der Gärtnerei hat eine Saison für die Bewässerung gereicht. Dann ist er aufgrund der Trockenheit und fehlender Niederschläge leergefallen und seitdem nicht mehr benutzbar. Das Wasser steigt nicht mehr weit genug hinauf.

Folgend der Link zur Mammendorfer-Messstelle: www.kartoffelkombinat.de/grundwasser.

Unsere Lebensmittel sind im Wachstum und der Erzeugung genauso auf Wasser angewiesen wie alles Leben. Verschiedene Lebensmittel benötigen dabei unterschiedliche Mengen Wasser. Wie dringend es ist, den indirekten Wasserverbrauch durch den Konsum von Produkten, die wenig Wasser benötigen, zu senken, wird immer deutlicher. Fleisch, Kaffee, Kakao sind die durstigsten Lebensmittel in der Erzeugung. Gemüse und Obst fallen sehr viel weniger ins nasse Gewicht. Vor allem saisonal erzeugte Produkte sind immer die bessere Wahl, was den ökologischen und den H2O-Fußabdruck angeht. Hier eine gute Reportage über die Dürre in Deutschland in der ARD Mediathek: www.kartoffelkombinat.de/duerre

Und wie sieht es zum Thema Wasser bei uns ganz konkret aus?
In den letzten Wochen hat es ziemlich viel Nass vom Himmel geregnet. In der zuvor trockenen und recht heißen Periode haben wir in unserer genossenschaftlichen Gärtnerei viel maschinelle und manuelle Beikrautregulierung, das sog. „Hacken“ durchgeführt, um unsere Pflanzen vom Unkraut zu befreien.

Gleichzeitig fördert diese Arbeitsmethode die Qualität des Wasserhaushalts im Boden. Denn durch das Hacken wird die Bodenoberfläche aufgebrochen und damit die Kapillarität unterbrochen. Mit Kapillarität bezeichnet man das Verhalten von Flüssigkeiten bei Kontakt mit engen Röhren, Spalten oder Hohlräumen in Feststoffen. Dabei entsteht der sog. Kapillareffekt, der auf einer Wechselwirkung zwischen der Oberflächenspannung der Flüssigkeit (Kohäsion) und der Grenzflächenspannung zwischen der Flüssigkeit und der festen Oberfläche hervorgerufen (Adhäsion) wird.

Das Gewicht von Wasser ist in engen Hohlräumen – also den Kapillaren des Bodens – gering, und die Kapillarkraft somit stärker als Schwerkraft. Wasser steigt deshalb vertikal nach oben. Das hat einerseits viel Sinn z.B. bei der Wasserversorgung von Bäumen, die Wasser aus ihren Wurzeln viele Meter in die Höhe steigen lassen können, um ihren Wasserbedarf zu decken.

Damit im Gemüseanbau das Wasser im Boden und damit für die Pflanzen längerfristig verfügbar bleibt, ist das Aufbrechen der Bodenoberfläche durch das Hacken eine gute Methode, um die Wasserqualität im Boden zu begünstigen und die Verdunstung zu verringern. So kann mehr Regenwasser an Ort und Stelle versickern, anstatt oberflächlich abzufließen und mitunter Mutterboden abzutragen.

Im Kartoffelkombinat sind die Gemüsekulturen im Freiland durch den letzten Regen gut mit Wasservorräten versorgt, sie können derzeit munter weiterwachsen – und wir müssen erst mal nicht gießen ;-).



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