Ein Tag in Spielberg: 05.08.2020

Mitgärtnern ganz digital – unsere rasende Reporterin Rajka berichtet in dieser Saison, was sich in der Gärtnerei so tut, mit Infos rund ums Gärtnern und Pflanzenwachstum und den Menschen, die unser Gemüse pflanzen, pflegen und ernten und die auch hinter den Kulissen fleißig daran arbeiten, unsere Vision der alternativen Versorgungsstruktur für München weiter auszubauen.

Letzten Mittwoch habe ich bei bestem Wetter unserem fleißigen Gärtnereiteam über die Schulter schauen dürfen. Es gab mal wieder allerlei zu tun: 

Gerade wechseln sich Sonne und Regen brav ab, und wir haben die trockene Periode genutzt, um maschinelle und manuelle Beikrautregulierung, das sog. „Hacken“ durchführen. Dabei wurde gleichzeitig die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens verbessert. Beim Aufbrechen der Bodenoberfläche beim Hacken wird die Kapillarität im Boden unterbrochen und das Regenwasser bleibt in der Erde, statt nach oben zu verdunsten. So kann mehr Regenwasser an Ort und Stelle versickern, anstatt oberflächlich abzufließen und Mutterboden abzutragen. Die Pflanzen sind vorerst gut mit Wasservorräten versorgt, die Kulturen können munter weiterwachsen – und wir müssen erstmal nicht gießen ;-).

Auch in den Gewächshäusern stehen unsere Kulturen wunderbar da und gedeihen munter vor sich hin. Doch trotz Sommer werden die Tage aktuell schon wieder kürzer. Das merken auch unsere Gewächshauskulturen, die jede Stunde Licht brauchen, um weiterhin Ertrag zu liefern. Deshalb wird kommende Woche die Schattierfarbe, die wir zu Beginn der Saison auf unsere Gewächshausscheiben gepinselt haben, wieder abgewaschen. Sie dient während der Sommermonate zum Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung und Hitzeentwicklung. 

Bei meinem mittwöchlichen Rundgang besichtige ich auch unser Kohlbeet. Hier gedeihen einige Sorten Kohl, von Rot- über Weißkohl zu Chinakohl. Manche werden im Ganzen in die Kiste wandern, wie zum Beispiel der milde Chinakohl. Aus einem Teil des Weißkohl werden wir voraussichtlich im Herbst wieder Sauerkraut bei unserem Partnerbetrieb, dem Biolandhof Pfänder, einmachen. Wir freuen uns schon darauf!

Obwohl unser Kohl so schön da steht, wird er gerade unterwandert. Die Raupe des Kohlweißlings liebt alle Sorten Kohl und hat sich unser Beet ganz oben auf die Speisekarte geschrieben. Trotz Nützlingsstreifen (rechts im Bild) in dem sich viele raupenfressende Insekten wohlfühlen und auf Beutezug gehen, hat es die Raupe geschafft, sich in unseren Beeten einzunisten. Unsere Freilandgärtner*innen werden den kleinen Vielfraßen mit einem speziellen Bakterium zu Leibe rücken. Das sog. Bacillus thuringensis wird auf die Kohlköpfe gesprüht und stört die Darmfunktion der Raupen. So vergeht ihnen wortwörtlich der Appetit auf unser Gemüse. Das Bakterium ist völlig harmlos für Biene und Mensch.

Auf dem Weg zurück treffe ich in der Packhalle unser Gewächshausteam, das sich bezüglich der Schätzung abstimmt, welche Gewächshauskulturen vermutlich nächste Woche erntereif sind und damit in unsere Kisten wandern können. So kontrollieren wir jede Woche, wie der aktuelle Ertragsstand ist und passen die allgemeine jährliche Ernteplanung wochenaktuell an.

Im Büro sitzen Sophie und Andrea. Sophie aktualisiert unsere Pflanzenschutzliste. In diese werden alle Mittel eingetragen, die wir auf unseren Feldern einsetzen, um unsere Pflanzen im Wachstum zu fördern, ihnen Nährstoffe zuzuführen oder aber auch um sie vor Schädlingen zu schützen oder davon zu befreien. Die Liste wird vom Naturland-Fachverband geprüft, da wir uns als naturlandzertifizierter Betrieb an entsprechende Auflagen halten müssen, was wir im biologischen Gemüseanbau an ökologischen Pflanzenschutzmitteln einsetzen dürfen. 

Andrea, unsere Packleitung, bereitet derweil die komplette Kistenzusammenstellung für die Folgewoche vor. Nach einem wöchentlichen Ernterundgang mit den Gärtner*innen bekommt sie so einen guten Überblick, was in die Kiste wandert, welche Kulturen evtl. noch nicht reif sind, und was von unseren Partnerbetrieben an Gemüse zugekauft wird. 

Die beiden haben Gesellschaft von der Nachbarskatze, die – leider  sehr scheu – wohl gerne im kühlen Büro Unterschlupf sucht…

Zu guter Letzt komme ich gerade noch rechtzeitig, als Felix und Sophie unseren kleinen Traktor wieder „nach Hause“ bringen. Der „Kleine“ hat ein paar Tage Werkstattaufenthalt wegen einer defekten Zylinderkopfdichtung hinter sich. Er ist quasi unersetzlich für unsere Freilandarbeit, wenn es ums Hacken geht, und wir freuen uns sehr über diese wieder einsatzbereite maschinelle Unterstützung.

Unsere zweiwöchentliche Teambesprechung fand wieder draußen, an unserem schönen schattigen Plätzchen statt. Dabei ging es diese Woche unter anderem ums Mitgärtnern in Corona-Zeiten, Planungen für die Winterkiste und Praktikant*innen in der Gärtnerei.

Wir wünschen allen eine schöne Ferienzeit!
Wir sehen bzw. lesen uns…

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