Tierpark Hellabrunn: Mehr Bauerngärten braucht das Land!

Wie kombinatsintern bekannt, bekam der Münchner Tierpark letzte Woche einen Bauerngarten! Denn neben Giraffen und Zebras gibt es neuerdings im Tierpark Hellabrunn auch Karotten, Sellerie und Zucchini. Dass das überhaupt soweit gekommen ist, war gar nicht so selbstverständlich und wurde im Team und in der Genossenschaft kontrovers diskutiert.

Bereits 2016 kam der Münchner Tierpark Hellabrunn auf uns und den Kartoffelkombinat e.V. (die weiteren Berichte zum Bauerngarten wird es dann zukünftig drüben auf der Vereinsseite geben) zu, mit der Bitte um Mitgestaltung eines „Nutzpflanzen-Schaugartens“. Hintergrund: Hellabrunn wird im Rahmen eines Masterplans in den nächsten 20 Jahren komplett zu einem „Geozoo der Biodiversität“ umgebaut. Neben der konsequenten Ausrichtung auf artgerechte Tierhaltung (z.B. das neueröffnete Elefantenhaus mit Außenanlage), geht es insbesondere darum, dem Bildungsauftrag des Tierparks gerecht zu werden. Und hierbei steht „Biodiversität – die Vielfalt des Lebens“ im Mittelpunkt.

Im Zuge dessen wird es im neuen Europateil, dem sogenannten Mühlendorf, einen Bauerngarten geben, der u.a. erklären soll: „Was hat die Ernährung in München mit dem Erhalt der Biodiversität in aller Welt zu tun?“. Beispiele hierfür sind Regionalität vs. Landgrabbing, Palmöl vs. Lebensräume von Primaten, etc.

 

Doch wie passen die Ziele das Zoos mit dem des Kartoffelkombinats überein?

Die Frage danach ob ein Tierpark ein geeigneter Partner für uns als Kartoffelkombinat ist, beschäftigte uns intern heftig und hat auch in der Genossenschaft für hitzige Diskussionen gesorgt. Am Ende des Tages sind wir nun froh, dass wir uns die Entscheidungsfindung nicht leicht gemacht haben und zum offenen Dialog mit dem Zoo und den Genossenschaftsmitgliedern eingeladen haben, sodass wir nun zu 100% hinter dieser Entscheidung stehen können. Hier eine kleine Zusammenfassung unserer Beweggründe:

  • Bereits in den ersten Gesprächen wurde deutlich, wie wichtig die Umsetzung des Themas Biodiversität für Hellabrunn ist und wie sehr der Tierparkdirektor Rasem Baban persönlich dahinter steht. Wir haben eine hohe Übereinstimmung zwischen dem Bildungs- und Naturschutzansatz des Tierparks und dem Bildungsanspruch des Kartoffelkombinats feststellen können.
  • Die Tierpark Hellabrunn AG ist kein kommerzielles Unternehmen, sondern ein gemeinnütziges Unternehmen, das mehrheitlich im Besitz der Stadt München ist. Hellabrunn ist mit jährlich ca. zwei Millionen Besuchern die beliebteste Freizeiteinrichtung Bayerns. Wir können in diesem Umfeld – anders als bei themenbezogenen Veranstaltungen – einen Querschnitt der Bevölkerung erreichen, für unsere Ziele werben und über das Kartoffelkombinat informieren. Wir schaffen es damit unserem Ziel näher zu kommen, „offen für alle Teile der Bevölkerung“ zu sein (Leitbild).
  • Der neue Masterplan: Zum Großteil ging es bei den eingebrachten Vorbehalten vielfach um eine allgemeine Abneigung gegen Zoos und Tierhaltung. Zum Teil stammen diese Vorbehalte noch aus einer Zeit, als in Zoos Tiere auf engem Raum und ohne Rückzugsmöglichkeiten gezeigt wurden. Die neuerrichteten und neugeplanten Gehege gehen hierbei deutlich in eine andere Richtung, aber es gibt auch in Hellabrunn noch Relikte aus diesen Zeiten, die aber im Zuge der Umsetzung des Masterplans beseitigt werden.
  • Neben der Umweltbildungs- und Öffentlichkeitsarbeit hat auch die Unterstützung von Schutzprojekten im natürlichen Lebensraum bedrohter Arten einen hohen Stellenwert in Hellabrunn.
  • Das Mühlendorf ist ein Leuchtturmprojekt innerhalb des Hellabrunner Masterplans. Im Mühlendorf wird es viele edukative Stationen zum Thema „Biodiversität“ geben, und es wird über viele Fragen unserer Zeit aufgeklärt: Was heißt eigentlich Biodiversität? Wie wurden aus Wildtieren Haus- und Nutztiere? Weshalb sind viele Haustierrassen inzwischen vom Aussterben bedroht? Gibt es einen Biodiversitäts-Hotspot vor unserer Haustür? Warum ist es so wichtig, diesen zu erhalten? Und was hat unser Nahrungsverhalten mit dem Erhalt der Biodiversität zu tun?

Der Startschuss ist gefallen!

Mitte Juni fiel dann der Startschuss für das gemeinsame Projekt und die ersten Pflanzen wurden gepflanzt. Den Plan für den xx-qm Garten hat Dominik Hölzl erstellt, seines Zeichens Genossenschaftsmitglied, Projektmanager und Permakultur-Praktiker. Angelegt wurden die Beete und der Garten vom Tierpark und so gibt es nun 10 Beete, 2 Hochbeete und ein Gewächshaus zu bewirtschaften und mit Leben zu füllen. Zahlreiche Kräuter (77 Sorten!) und Gemüse wie Salat, Rosenkohl, Sellerie, Kürbis und Zucchini wurden bereits gepflanzt. Außerdem einiges an Gründüngung. In Zukunft werden regelmäßig Führungen und Veranstaltungen stattfinden, zudem wird es einen Info-Stand geben, sodass sich die Tierparkbesucher über Themen wie Ernährung, ökologischer Anbau und natürlich über das Kartoffelkombinat informieren können. Inklusive naschen!