In Teil 3 unserer „Jubiläums-Reihe“ blicken wir diese Woche, passend zum Start unserer großen Kartoffelernte, auf den Freilandanbau.
Der Anbau unter freiem Himmel fordert unser Gärtnerei-Team jedes Jahr aufs Neue: Wetterkapriolen, UnkrautBeikrautmanagement und der richtige Bodenaufbau verlangen viel gelerntes Handwerk und vorausschauendes Handeln. In dieser Ausgabe berichtet unser Gärtner Felix über die Besonderheiten der Freilandarbeit, die Geheimnisse einer erfolgreichen Kartoffelernte und was ihn an unserer solidarischen Gemeinschaft begeistert.
Wie lange bist du schon beim Kartoffelkombinat und in welcher Funktion?
„Ich bin seit dem Kauf der Gärtnerei in Spielberg dabei und seit sechs Jahren Teamleiter im Freilandanbau.“
Was gefällt dir an unserer Genossenschaft und unserer solidarischen Arbeitsweise persönlich am besten?
„Mir gefällt, dass ich durch die flache Hierarchiestruktur große Gestaltungsmöglichkeiten in meinen Arbeitsbereichen habe.“
Was war für dich die einschneidendste Veränderung in den 10 Jahren seit dem Kauf der Gärtnerei in Spielberg?
„Wahrscheinlich der Bau der neuen Halle. Durch die größeren und leistungsfähigeren Kühlräume können wir unsere Ernte flexibler und effizienter organisieren, wodurch unser Anbau und die Qualität sehr gewonnen haben.“
Seit 2017 bauen wir eigene Kartoffeln an. Warum war dieser Schritt für uns so essenziell?
„Kartoffeln machen mengenmäßig den größten Anteil in unseren Ernteanteilen aus (Anm.: etwas über 100.000 kg/Jahr), deswegen war der eigene Anbau ein großes Ding. Die Kartoffel passt gut in unsere Fruchtfolge als einziges Nachtschattengewächs im Freiland. Fachlich gehört sie eher dem Ackerbau als dem Gartenbau an, weshalb völlig andere Methoden angewendet werden. Für uns Gemüsegärtner*innen war das eine Herausforderung, bei der wir uns viel neues Wissen aneignen mussten.“
Wie hat sich der Kartoffelanbau entwickelt – was ist heute Routine, was früher ein Drama war?
„Früher hingen wir terminlich stark von Partnern ab und mussten die Ernte oft als anstrengende Hauruck-Aktion mit vielen Mitgärtner*innen durchziehen. Das war organisatorisch extrem aufwendig und brachte das Team oft an Leistungsgrenzen. Inzwischen können wir durch unsere Planung die Ernte viel flexibler organisieren. So staffeln wir die Ernte über mehrere Wochen, schaffen das mit unserem Freilandteam und integrieren alles gut in die Arbeitswoche.“
Wie haben sich die Ernteerträge über die Jahre entwickelt?
„Die Erträge der Kartoffeln sind stark von der jeweiligen Saison abhängig. In der Tendenz waren es eher die nassen Jahre, die schwierig waren, aber dieses Jahr erwarten wir aufgrund der extremen Dürre geringere Erträge. Theoretisch können wir die Kartoffeln bewässern, aber in der Vergangenheit hat unser Bewässerungssystem in Trockenperioden an der Grenze der Leistungsfähigkeit gearbeitet, sodass die anderen Gemüsekulturen immer Vorrang hatten. Durch den Ausbau unseres Bewässerungssystems mit Regenwasserrückhaltebecken und Pumpanlage werden wir künftig die Möglichkeit haben, unsere Kartoffeln zu bewässern und so die Erträge zu stabilisieren.“
Mit welchen Kartoffelsorten haben wir experimentiert, welche haben sich durchgesetzt – und welcher Kartoffel-Fail bleibt unvergessen?
„Ein richtiger Fail war noch nicht dabei. Nach Versuchen mit Ditta, Jelly, Laura und Allians sind wir aktuell bei Antonia, Agria und Belana gelandet. Sie bieten für uns die beste Kombination aus Kocheigenschaften, Anbau und Lagereignung.“
Lohnt sich der eigene Kartoffelanbau für uns als SoLaWi überhaupt?
„Durch die große Fläche und maschinelle Pflege ist der Anbau wirtschaftlich. Der größte Input ist die Arbeitszeit bei der Ernte, aber bezogen auf die Menge ist auch das überschaubar, sodass sich der Anbau für uns absolut lohnt.“
Erwarten uns durch den Klimawandel künftig öfter extrem ertragreiche oder eher schwierige Kartoffeljahre – und was können wir noch besser machen?
„Bei sich häufenden Dürren und Hitzewellen leiden die Erträge. Dem begegnen wir mit Bewässerung, etwa über wassersparende Tröpfchenbewässerung als Alternative zu Weitwurfregnern. Zudem können wir mit Sorten experimentieren, die weniger empfindlich auf Trockenstress reagieren.“