Einmal im Jahr wird der Kritische Agrarbericht veröffentlicht und die Ausgabe für 2026 konstatiert erneut Stillstand statt Wandel.
Das diesjährige Motto Wandel & Widerstand beschreibt ein politisches „Weiter-so“, während wir längst spüren und es fachlich unumstritten ist, dass die (Land-)Wirtschaft und das Ernährungssystem neue Wege gehen müssen. Wir im Kartoffelkombinat warten nicht auf Lösungen „von oben“ – wir schaffen und leben sie.
Logistik: Jeder Kilometer zählt
Der Agrarbericht kritisiert, dass Infrastruktur oft noch am Tropf fossiler Brennstoffe hängt. Wir wollen das ändern – Schritt für Schritt. Unser Ziel für 2026 ist es, zumindest einen Teil unserer Ernteanteile mit dem Lastenrad auszufahren. Zudem plant unser Logistik-Team mit viel Herz und Verstand die Lieferrouten bestmöglich (im Schnitt fahren wir je Ernteanteil 600 Meter!). Doch Klimaschutz endet nicht am Verteilpunkt: Wenn Ihr Euren Anteil dann noch zu Fuß oder mit dem Rad abholt, schließen wir gemeinsam den Kreis.
Saatgut:
Vielfalt statt Patent-Diktat
Ein brennendes Thema im Bericht ist die drohende Deregulierung neuer Gentechnik und Patente auf unser Essen. Unser Widerstand ist praktisch: Wir machen uns stark für Sortenvielfalt. Das bedeutet, dass wir – wo möglich – samenfeste Gemüsesorten anbauen. Denn Saatgut muss Gemeingut bleiben und darf kein Spekulationsobjekt für (Chemie-)Konzerne sein. Wenn wir Hybrid-Saatgut oder Jungpflanzen nutzen, kommen diese natürlich von unabhängigen Züchtern.
Energie: Echte Winterfrische statt fossilem Kater
„Low-Input“ ist das Modewort im Bericht. In Spielberg ist das Alltag: Wir produzieren Wintergemüse ohne fossile Heizenergie (Stichwort: Kalthaus-Anbau). Das erfordert gärtnerisches Fingerspitzengefühl und die Akzeptanz eines natürlichen Wachstumsrhythmus. Wir passen unseren Anbau und die Ernte der Jahreszeit an und vermeiden unnötigen CO2‑Ausstoß – konsequenter Klimaschutz, der direkt im Ernteanteil liegt.
Wer zahlt die „Wahren Preise“?
Auf dem Weltmarkt weht ein eisiger Wind. Bauernhöfe müssen ihre Kosten drücken, Mitarbeitende ausbeuten, Ökosysteme zerstören und ihre Erzeugnisse zu Dumpingpreisen anbieten, bis sie daran zerbrechen.
Wir im Kartoffelkombinat spannen dagegen gemeinsam einen validen Schutzschirm auf:
Indem wir uns das Risiko bei der Finanzierung und bzgl. der Ernte teilen, prallt der Preisdruck an uns ab. Egal ob Hagel, Energiekosten (unsere PV liefert fleißig Strom) oder Preisverfall (siehe Kartoffeln) – unter diesem Schirm kann unser Team sicher arbeiten und unser Gemüse gesund wachsen. Wir lassen niemanden im Regen stehen – also sprichwörtlich, denn wir arbeiten, wenn’s regnet, natürlich trotzdem. 😉
Noch Mehr Infos:
Der Kritische Agrarbericht wird seit 1993 vom AgrarBündnis herausgegeben. Das ist ein unabhängiger Zusammenschluss von 24 Verbänden aus Landwirtschaft, Umwelt- und Tierschutz (u.a. AbL, Bioland, BUND, Naturland, Slow Food). Hier ziehen die wesentlichen NGO-Akteure gemeinsam an einem Strang, um politische Missstände aufzudecken und Alternativen aufzuzeigen. Den kompletten Agrarbericht findet Ihr unter kritischer-agrarbericht.de.
Und was heisst das für uns?
Der Bericht ist für uns Motivation und Bestätigung, jeden Tag nach unseren Werten zu handeln und zu beweisen, dass Alternativen nicht nur vorstellbar sind, sondern real funktionieren.
Im Falle des Kartoffelkombinats seit fast 14 Jahren.