Auf geht’s in die zweite Jahreshälfte

Der längste Tag des Jahres ist vorbei und wir sind gut gelaunt in die zweite Jahreshälfte gestartet.*

Kartoffelkombinat-Team

Danke an Sigrid Reinichs © für dieses tolle Teamfoto anlässlich unsere Hoffests!

Während für uns Menschen (und speziell für schulpflichtige BayerInnen) der Sommer gefühlt erst noch anfängt, beginnen Flora & Fauna bereits, Vorbereitung für den Winter zu treffen. Die Bienen z.B. hören auf Waben zu bauen und die Königin legt die Eier, aus denen sich die Winterbienen entwickeln. Bei den Pflanzen geht es jetzt in die Fruchtreife und auch wir im Kartoffelkombinat-Team bereiten uns auf das Saisonende vor.

Unter anderem damit, dass wir die letzten Mengenplanungen vornehmen und den restlichen Anbau für 2017 vorbereiten. In diesem Zusammenhang möchten wir kurz anmerken, dass im Laufe des zweiten Halbjahres noch knapp über 100 Haushalte aufgenommen werden können. 

Wer also Bekannte hat, die mit dem Gedanken spielen, ins Kartoffelkombinat einzusteigen, der kann gerne einen lieben Gruß ausrichten: „Jetzt wird‘s dann langsam Zeit. Weitere Plätze / Ernteanteile gibt es dann erst wieder in 2018.“

 

>> Jetzt mitmachen!<< 

 

Hier (als Flyer) und hier (als Einzelseiten) könnt Ihr Euch unseren Flyer über das Kartoffelkombinat ansehen und auch gerne mit interessierten Leuten teilen.

 

*) Ja, wir vernachlässigen die Website derzeit etwas, aber es ist einfach so viel los, dass wir nicht dazukommen regelmäßig zu bloggen.

Generalversammlung im Kombinat ist …

… wenn aus einem gesetzlichen Pflichttermin jedes Jahr wieder ein Highlight wird.

Generalversammlung 2017

Generalversammlung 2017

Das Beste an unserer Versammlung am vergangenen Sonntag war die entspannte, freundschaftliche und engagierte Atmosphäre: eine Veranstaltung von GenossInnen für GenossInnen – Vielen Dank an alle, die sich reingehängt haben!

Weitere Bilder gibt’s hier bei Facebook.

Frühling

Am 16.3. konnten wir bei bestem Wetter endlich wieder einen Blick auf unseren Bienenstand in Schönbrunn werfen. Wie ihr vielleicht gelesen habt, hat die Einwinterung unserer Völker bereits einiges an Nerven gekostet. Als wir dieses Jahr zum ersten mal wieder einen Blick auf die Beuten geworfen haben war die Freude groß: An allen Fluglöchern reger Betrieb!

Bei der ersten Durchsicht im März dann aber doch die traurige Nachricht: Volk 4, das eigentlich den ganzen Sommer des letzten Jahres am stärksten war und keine Probleme hatte, hat seine Königin über den Winter verloren. Der Versuch, eine neue Regentin zu ziehen ist daran gescheitert, dass im Winter kein Hochzeitsflug gestartet werden kann. Eine neue Königin, die man sich tatsächlich zukaufen kann, würde jetzt nicht mehr akzeptiert werden. Deswegen musste dieses Volk aufgelöst werden. Dabei werden einige Meter vom Bienenstand entfernt alle Bienen auf den Boden gekehrt. Alle, die noch fliegen können, versuchen sofort in ihre Beute zurück zu kehren. Da sie diese nicht mehr finden, bleibt den Damen nichts anderes übrig, als bei den anderen Völkern um Einlass zu betteln.

Unsere Imkerin Franzi trägt zwei Teile der Bienenhäuser zum Bienenstand

Die letzten Tage in Schönbrunn

Leider hat mir dann das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht und wir mussten abwarten.

Am 9. April sind wir dann erst mal mit unseren Völkern in einer traumhaft schönen Vollmondnacht nach Spielberg umgezogen. Der Umzug musste nachts stattfinden, denn nur so können wir sicher sein, dass wir alle Arbeiterinnen dabei haben und sich unsere wertvollen Flugbienen nicht noch in den Apfelbäumen die Bäuche voll schlagen.

Nach dem Umzug um Mitternacht in Spielberg

Nach dem Umzug um Mitternacht in Spielberg

Als wir dann am neuen Bienenstand das herrscherlose Volk auflösen wollten kam der nächste Schreck: Die Königin von Volk 1 hat ebenfalls den Winter nicht überlebt, dafür fanden wir eine Eier legende Arbeiterin. Also mussten wir auch dieses Volk auflösen. Ein so hoher Verlust ist natürlich bitter, aber leider seit vielen Jahren Realität bei so ziemlich allen Imkern in Europa.

Das einzige Trostpflaster ist, dass die einzelnen Bienen nicht sterben, sondern sich in die anderen Völker einfügen und diese dadurch stärken.
Das verbleibende Volk war dagegen so stark, dass wir den Verlust zum Teil kompensieren konnten und nun wieder zwei Völker auf unserer Gärtnerei beherbergen können.

Unsere zwei Völker in der Spielberger Mittagssonne beim Hoffest

Unsere zwei Völker in der Spielberger Mittagssonne beim Hoffest

Unterstützung gab es an diesem Tag von einer interessierten Tierärztin, die sich über wesensgerechte Bienenhaltung informieren wollte . Im regulären Lehrplan der Veterinärmedizin werden zum Thema Bienen und Imkerei nur Honigqualität und Tierseuchen besprochen. Besonders biologische oder wesensgerechte Aspekte werden nicht thematisiert.

Hofführung durch unsere neue Gärtnerei

Was ist das Kartoffelkombinat? Was sind die Herausforderungen, wenn man eine ehemalige Baumschule zur Gemüsegärtnerei umbaut? Und warum glauben wir, Modell für ein anderes (Land)Wirtschaftssystem sein zu können? U.a. diese Fragen beantworten wir bei unserer nächsten Hofführung – die erste, bei der wir diesen wunderschönen Ort unser Eigen nennen dürfen.

 

 

Wer unseren neuen „Kartoffelkombinatsgemüsebaubetrieb“ noch nicht kennt, ist herzlich dazu eingeladen, sich bei dieser Gelegenheit selbst ein Bild zu machen. Die gilt natürlich auch für diejenigen, die im letzten Jahr bereits das Vergnügen hatten: Ihr könnt gespannt sein, was sich da schon alles getan hat.

 

Wann: Sonntag, den 26. März 2017 von 14.00 – 16.00 Uhr

Wo: Spielberg 3, 82281 Egenhofen (Adresse für’s Navi: Baumstraße, 82294 Oberschweinbach)

Warum wir uns Naturland-zertifizieren lassen

Generell ist es natürlich etwas merkwürdig, wenn der eigene Betrieb, aus dem man ausschließlich sich selbst mit Gemüse versorgt, von einem Anbauverband zertifiziert wird, dessen Zweck auf dem Handel mit Produkten beruht. Würde man in seinem eigenen Garten (und nichts anderes ist das Kombinat für die Mitinhaber, nur eben in größerem Maßstab) auch nicht machen. Aber auf der einen Seite bekommen wir von den Naturland-BeraterInnen wertvolle fachliche Beratung und so lange wir neue Haushalte aufnehmen, die sich das Funktionsprinzip unserer Genossenschaft erst noch „erarbeiten“ müssen, ist es ein ganz klarer Vorteil, zu sagen „ja, wir erzeugen Biogemüse“ statt „wir dürfen nicht sagen, dass das Gemüse bio ist, weil wir nicht zertifiziert sind, aber eigentlich ist es bio, weil …“.

Und wenn wir was machen, versuchen wir‘s gleich ordentlich zu machen, weshalb wir uns von Naturland bio-fair zertifizieren lassen.

Der Verband schreibt hierzu:

Das Know-how der Fair Handelsorganisationen und unsere jahrzehntelange Erfahrung als internationaler Verband von Öko-Bauern sind in die Weiterentwicklung der „Naturland Kriterien Faire Partnerschaften“ von 2006 geflossen. So entstanden die „Naturland Fair Richtlinien“, die seit 2010 Öko-Landbau, Soziale Verantwortung und Fairen Handel vereinen. Seit 2010 können sich Naturland Erzeuger und Verarbeiter aus einer Hand öko und fair zertifizieren lassen. Folgende sieben Richtlinienanforderungen müssen fair zertifizierte Naturland-Mitglieder und -Partner erfüllen:

Soziale Verantwortung

–> Wie z.B. gerechte Bezahlung, Versammlungsfreiheit, Menschenrechte und keine Kinderarbeit

Verlässliche Handelsbeziehungen

–> Langfristige, respektvolle Zusammenarbeit mit allen Handelspartnern

Faire Erzeugerpreise

–> Partnerschaftliche Preisfindung zur Deckung der Produktionskosten und angemessener Gewinn

Regionaler Rohstoffbezug

–> Vorrang für Betriebsmittel und Rohstoffe aus der Region

Gemeinschaftliche Qualitätssicherung

–> Vertrauensvolle Zusammenarbeit der Handelspartner, auch im Problemfall

Gesellschaftliches Engagement

–> Investition in Arbeitsplätze, Umwelt-, Sozial-, Gesundheits-, Kultur- und Bildungsprojekte

Unternehmensstrategie und Transparenz

–> Fair-Gedanke im Leitbild und schriftliche Dokumentation der Umsetzung

Neue Bauernregeln und alte Fronten

Das Bundesumweltministerium startete letzte Woche eine Kampagne mit neuen Bauernregeln – u.a. „Zu viel Dünger, das ist Fakt, ist fürs Grundwasser beknackt.“ oder „Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm.“

 

Ministerin Barbara Hendricks betont dabei (Rede als Text), wie wichtig die breite Diskussion über eine soziale und ökologische Landwirtschaft ist: 

 

 

Es ist erschreckend, wie Hendricks seitdem angegangen wird. Die Verfechter der chemisch-synthetischen Landwirtschaft sehen rot. Ganz vorne dran der Bauernverband („Schließt der Bauer Hof und Stall, brachten Umweltauflagen ihn zu Fall.“) und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt: „Eine steuerfinanzierte Kampagne, die die Diffamierung eines gesamten Berufsstandes mindestens in Kauf nimmt, gehört meiner Ansicht nach nicht in den Instrumentenkasten guter Regierungskommunikation. Ich fordere Sie auf, die Kampagne sofort zu beenden und sich für den entstandenen Schaden bei den Bäuerinnen und Bauern öffentlich zu entschuldigen.“ – hier die Antwort von Hendricks.

 

In den sozialen Medien haben sich die Trolle der Agrarlobby in Stellung gebracht. Und wir Naivlinge hatten schon fast geglaubt, es gäbe ein Umdenken hin zu zukunftsfähiger Landwirtschaft. Aber eines muss man der Bundesumweltministerin lassen: Die Diskussion ist in Gang gekommen.

Lasst uns gemeinsam noch ein Stück wachsen.

Endlich ist es so weit und wir haben als Genossenschaft unser bisher wichtigstes Etappenziel erreicht: unseren eigenen Bio-Gemüseanbaubetrieb gekauft!
Das bedeutet: es können aktuell noch ca. 500 neue Haushalte aufgenommen werden!

 

Was ist das Kartoffelkombinat?
Als Gemeinschaft von Münchner Haushalten ist das Kartoffelkombinat seit kurzem stolzer Besitzer einer eigenen Gärtnerei und versorgt sich so mit eigenem, regionalem Bio-Gemüse. Diese Genossenschaft zählt nach fünf Jahren bereits knapp über 1.000 Haushalte.
Nach spannenden Anfängen in einer Biogärtnerei bei Eschenried gastierte das Kartoffelkombinat zwei Jahre in der Naturland-Gärtnerei Schönbrunn und baute dort, zusammen mit behinderten Menschen ihr Gemüse an. Doch diese Kooperation war zeitlich begrenzt, die Anbauflächen insgesamt zu klein und der Wunsch nach etwas Eigenem und somit mehr Unabhängigkeit war groß. So wurde in der Mitgliederversammlung im Herbst 2016 der Kauf eines eigenen landwirtschaftlichen Betriebs in der Nähe von Mammendorf (S3) – im Münchner Westen – beschlossen.

 

Jetzt mitmachen! 

 

Hier (als Flyer) und hier (als Einzelseiten) könnt Ihr Euch unseren brandneuen Flyer über das Kartoffelkombinat ansehen und auch gerne mit interessierten Leuten teilen.

 

 

Doku „Projekt A“ jetzt als DVD erhältlich

Wer die (preisgekrönte) Doku Projekt A letztes Jahr im Kino verpasst hat, kann sich jetzt die DVD mit super Bonusmaterial bestellen. Die Filmemacher begleiten Menschen im anarchistisch geprägten Stadtviertel Exarchia in Athen, bei Anti-Atomkraft-Aktionen in Deutschland, bei der weltweit größten anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft in Spanien, bei einer katalanischen Kooperative und einer genossenschaftlich organisierten solidarischen Landwirtschaft in München. 


Der Film startete im Februar 2016 in den deutschen Kinos und wurde bisher von knapp 25.000 Zuschauern besucht. Ein toller Erfolg für die unabhängige Low-Budget Produktion. Den beiden Regisseuren war es wichtig, inhaltlich Relevantes qualitativ hochwertig zusammenzustellen und bei der Produktion der DVD auch ökologische Aspekte zu beachten. Viele Themen konnten im Film nur angerissen werden und so liegt der DVD ein 40-seitiges Booklet bei. Neben Texten zum Entstehungsprozess des Film und dem von Horst Stowasser initiierten Projekt A gibt es jeweils ein Kapitel zu den im Film vorgestellten Projekten. Aus den unzähligen Publikumsgesprächen auf der Film-Tour wurden die wichtigsten Fragen zusammengetragen und beantwortet. Des Weiteren gibt es auf der DVD 85 Minuten Bonusmaterial, bestehend aus weiteren Interviews mit den Protagonisten, Musik und zusätzlichen Szenen.

Von Milben, Säure und Winterfutter

Haben wir alles richtig gemacht?
Das ist die große Frage, die wir uns jeden Tag stellen, denn das Imkerjahr ist vorbei. Alle Aufgaben sind erledigt, ab jetzt kommt es auf alle Details an: Haben wir genug eingefüttert? Haben die Varroabehandlungen gewirkt? Sind die Völker stark genug?
Bis zur ersten Durchsicht im März können wir nur lauschen, wiegen und warten.

Über einen Docht verdunstet die Säure und sickert über mehrere Tage durch die Wabengassen

Aber eins nach dem andern. Die ersten Schwierigkeiten gab es schon bei der Ameisensäurebehandlung. Ich denke kaum ein Imker fühlt sich wohl bei dem Gedanken, seine Bienen mit Säure zu überschütten. Doch leider kommen wir daran alle nicht vorbei, weder die konventionellen, noch die Bio-Imker. Kein neuer Ansatz in der Bienenhaltung reicht bisher aus, um vollständig auf die Säurebehandlungen verzichten zu können, egal wie wesensgerecht und gesundheitsfördernd er ist.

Bevor man zu so einer unangenehmen Maßnahme greift, wie sein Bienenvolk mit Säurenebel zu fluten, versucht man erstmal den Milbenbefall abzuschätzen. Dafür haben wir mehrere Methoden ausprobiert und sind mit allen zu recht unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Die schonendste Variante ist es, die Milben zu zählen, die tot von den Bienen fallen.

Es ist gar nicht so leicht alle 1,5mm großen Milben zu finden und zu zählen

Versuchsweise haben wir die Puderzuckermethode ausprobiert, bei der 100g Bienen in Puderzucker gebadet werden. Vor Schreck lassen die Milben los und können mit dem Zucker ausgesiebt werden. Sieht irgendwie fies aus, schadet den Bienen aber nicht. Die Ergebnisse waren zu gut um wahr zu sein. Deswegen haben wir die zweite Behandlung mit Ameisensäure trotzdem noch durchgeführt, auch wenn der „rechnerische Milbenbefall“ 0 war- nur um sicher zu gehen.

Mit einem Schuss Honig schmeckt das Zuckerwasser gleich viel besser 🙂

Als Trostpflaster gab es gleich danach das erste Häppchen Futter, das berüchtigte Zuckerwasser, mit reichlich Honig gemischt. Wir finden sie haben es sich nach der harten Arbeit verdient, ihren eigenen Honig zu genießen- und auch davon zu profitieren. Es ist nämlich, wen wundert’s, nachweislich gesund für die Damen, auf ihrem eigenen Honig zu überwintern.
Anfang November gab es den ersten Frost in der Nacht. Das ist die Temperatur, ab der es unseren Herrscherinnen zu kalt zum Eier legen wird. 21 Tage später gibt es keine Brut mehr und die Bienen konzentrieren sich nur noch aufs Wärmen und Überleben. Jetzt kommt die Oxalsäure zur sogenannten Restentmilbung zum Einsatz. Wenn es keine Brut mehr gibt, können sich auch keine Milben in den Zellen verkriechen und sich vermehren. Das Ziel ist es möglichst alle Milben von den Bienen zu holen- und damit alle Restmilben, die die Ameisensäure überlebt haben. Wir verwenden dafür keine reine Oxalsäure, sondern ein Gemisch, in dem auch Propolis und ätherische Öle enthalten sind. Die Hoffnung ist, dass die Behandlung besser vertragen wird.
Bisher sieht alles gut aus. Wer lauscht kann zufriedenes Brummeln aus allen Völkern hören und sie haben erst knapp 1,5kg von ihren 15-16kg Winterfutter verbraucht. Zwischen Februar und März, wenn es endlich wieder warm genug ist, werfen wir zum ersten Mal im neuen Jahr einen Blick in die Völker und hoffen, dass alles gut gegangen ist.