Alles Gute zum 4. Geburtstag

Am vergangenen Wochenende ist die Kartoffelkombinat-Genossenschaft vier Jahre alt geworden. Wir gratulieren uns herzlich! :-)

Auf der einen Seite ist die Zeit wirklich schnell vergangen, andererseits waren die Wochen und Monate so vollgepackt mit tollen, traurigen, freudigen, frustrierenden oder inspirierenden Momenten, dass es auch schon für acht Jahre reichen würde. Anlässlich unseres Gründungsjahrestages am 30.04. gab es gestern eine 3in1-Veranstaltung:

1.) die AG Integration des Kartoffelkombinat e.V. führte einen Siebdruck-Workshop durch
2.) es gab ein standesgemäßes Geburtstagskuchenkaffeekränzchen
3.) und erneut ein Info-Präsentation der Vorstände zu den spannenden Entwicklungen im Kartoffelkombinat

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Vielen Dank an alle, die mit dabei waren, an die Stadt München für eine passende Location „Kösk“ im Westen und an Benjamin Gerull für die Fotos.

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Der regulatorische Abstand

In der letzten Kartoffelakademie sprach Karl Bär vom Umweltinstitut München über den Regulatorischen Abstand. Was im ersten Moment verdächtig nach „eine Armlänge“ klingt, ist jedoch ein wirklich interessanter Umstand, der eines der Hauptprobleme von TTIP darstellt.

In den Medien wird im Zusammenhang mit dem Freihandelsabkommen gerne exemplarisch das Chlorhühnchen durchs Dorf getrieben. Doch als Bio-KäuferInnen und ggf. Nicht-Huhn-EsserInnen ist man gerne verleitet, sich von derlei chemisch keimfrei gewaschenen Fleischstücken nicht den Appetit verderben zu lassen. Hat ja nichts mit einem selbst zu tun und von tierethischen Aspekten abgesehen, ist es letztlich das Problem von Billigfleischkäufern, oder? Nein, ist es nicht.

Schauen wir uns hierzu das System der Lebensmittelerzeugung an (ist aber in anderen Branchen analog): Die unterste Qualitätsgrenze stellen die rechtlichen Mindestanforderungen dar, welche konkret definiert sind. Dann folgt ein weites Feld, in dem sich die zahlreichen konventionellen Marken tummeln und in dem jeder Hersteller eigene Qualitätskriterien für sich formulieren kann. Zusätzlich gibt es EG-Bio, mit ebenfalls klar festgelegten Kriterien und darüber kommen die Anbauverbände wie Naturland, Bioland oder demeter. Darüber hinaus können noch regionale und/oder saisonale Aspekte eine Rolle spielen. Allgemein kann davon ausgegangen werden, dass eine bessere Qualität das Ergebnis von höherem Aufwand in der Erzeugung ist. D.h. je weiter man auf der Qualitätsskala nach oben kommt, desto teurer werden die Produkte.

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Regulierte Erzeugung – hinzu kommen z.B. noch Regionalität und/oder Saisonalität

Die rechtlichen Definitionen, die wie gesagt zum einen die Mindestkriterien und zum anderen die Bio-Level regulieren, sind aber nicht in Stein gemeißelt. Derjenige konventionelle Hersteller, der sich unten gerade noch am legalen Limit bewegt, kann am billigsten produzieren und hat ein großes Interesse an einer Deregulierung dieser rechtlichen Bedingungen, um noch billiger zu erzeugen. So weit, so klar – zurück zum Chlorhuhn: Wenn ich am Ende mein Fleisch keimfrei im Desinfektionsbad waschen darf, kann ich in den vorgelagerten Prozessen weniger Wert auf Hygiene und Sorgfalt legen. Ergo wird die Produktion billiger. Der Abstand vom untersten Limit zu den nächsten Levels wird dadurch größer. Je weiter nun die Preise für konventionelle Produkte von deren Bio-Varianten entfernt sind, desto geringer wird im Gegenzug die Bereitschaft „des Konsumenten“ den hohen Mehrpreis für Biolebensmittel zu bezahlen.

Diesen regulatorischen Abstand möchte die Industrie, die EU und die USA so groß wie möglich haben bzw. die rechtliche Grenze nach unten verschieben – da ist man sich einig. Und schon ist das Chlorhuhn auch ein Problem für alle, die sowas zwar nicht essen, sich aber generell den Ausbau von Ökolandbau, faire Arbeitsbedingungen verantwortungsbewusste Unternehmen wünschen. Insoweit hat die IHK Bayern (Zitat: „Die Verhandlungen dürfen nicht zu früh von wirtschaftsfremden Themen, wie z.B. vom Verbraucherschutz, überlagert werden.“) schon Recht – es geht um viel mehr als nur um Chlorhühner.

Wir sind endlich Gemeinwohlökonomie zertifiziert!

Gemeinwohlökonomie-Bilanzkonferenz

Es ist vollbracht: Am 03.02.2016 bekamen wir unser offizielles Testat. Bis dahin war es ein langer Weg. Mit der Verabschiedung unseres Leitbildes hatten wir ja festgelegt, dass wir mit dem Kartoffelkombinat auch politische Ziele verfolgen und dabei explizit genannt:

  • Zukunftsfähiges, an langfristigen Zielen orientiertes Wirtschaften
  • Nachhaltigkeit
  • Generationengerechtigkeit
  • Faire Entlohnung

Natürlich muss ein Unternehmen vor allem seine betriebswirtschaftlichen Kennzahlen im Blick und im Griff haben. Gerade eine Genossenschaft, die mit dem Ersparten ihrer Mitglieder operiert, muss das. Schließlich wollen wir ja keine Verluste einfahren. Eine Genossenschaft ist dabei per definitionem nicht gewinnorientiert, sondern sie orientiert sich am Wohle ihrer Mitglieder. Und das Wohl der Mitglieder steht auch beim Kartoffelkombinat an erster Stelle. Aber gemäß unserem politischen Anspruch ist das zwar „notwendig aber nicht hinreichend“. Wir wollen auch einen gesellschaftspolitischen Beitrag leisten.

Und wenn man so etwas sagt, muss man sich ja auch daran messen lassen. Kann man denn so etwas messen? Ja, man kann! Die von Christian Felber gegründete Bewegung der Gemeinwohlökonomie (GWÖ) hat eine Methode entwickelt, wonach Unternehmen – neben den Finanzkennzahlen, die man selbstverständlich nachwievor braucht – auch daran gemessen werden, welchen Beitrag sie zum Gemeinwohl leisten. Auf volkswirtschaftlicher Ebene hat sich die GWÖ u.a. als Vision zum Ziel gesetzt, steuerliche und finanzielle Anreize für gemeinwohlorientiertes Wirtschaften zu bieten (z.B. günstigere Zinsen und geringere Steuern). Jetzt wird sicher so mancher sagen: Ist das nicht naiv, dass ein Unternehmen einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten soll? Nun, wer so denkt, sollte mal einen Blick in unsere Verfassung werfen. In der Verfassung des Freistaates Bayern heißt es im Artikel 151 (1): „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl…“. Und die GWÖ sagt: „Dann lasst uns das doch mal ernst nehmen.“

Dabei verfolgt die GWÖ folgende Ziele:

Eckpunkte der GWÖ (Auswahl)

  1. Die Gemeinwohl-Ökonomie ist der Aufbruch zu einer ethischen Marktwirtschaft, deren Ziel nicht die Vermehrung von Geldkapital ist, sondern das gute Leben für alle.
  2. Sie setzt die Menschenwürde, die Menschenrechte und die ökologische Verantwortung als Gemeinwohlwerte auch in der Wirtschaft um.
  3. Wie diese Werte im unternehmerischen Alltag gelebt werden können, zeigt die Gemeinwohl-Matrix. Sie wird laufend weiterentwickelt und soll demokratisch entschieden werden.
  4. Anhand der Matrix erstellen die Unternehmen eine Gemeinwohl-Bilanz. Im Gemeinwohl-Bericht erklären sie die Umsetzung der Gemeinwohlwerte sowie ihr Entwicklungspotential und nehmen eine Bewertung vor. Bericht und Bilanz werden extern überprüft und veröffentlicht. Damit werden die Leistungen für das Gemeinwohl bekannt gemacht.

In München haben sich im Herbst 2014 vier Unternehmen (Impact Hub Munich GmbH, Talents4Good GmbH, Polarstern GmbH und das Kartoffelkombinat eG) auf den Weg gemacht, einen Gemeinwohl-Bericht zu erstellen. Da das gemeinsam besser geht als alleine, haben sie sich zu einer sogenannten Peer Group zusammen getan. In der Peer Group beurteilen und bewerten die Mitglieder ihre Kapitel der GWÖ-Bilanz gegenseitig. Begleitet wird der Prozess durch einen externen GWÖ-Berater (unser Berater war Nikolaus Teixeira).

Der Prozess und das Gesamtergebnis werden dann noch durch eine Auditorin der GWÖ-Bewegung evaluiert. Für das Kartoffelkombinat hat eine kleine Arbeitsgruppe bestehend aus dem Mitglied Jürgen Müller und dem Aufsichtsrat Dr. Horst Bokelmann den Gemeinwohl-Bericht erarbeitet. Die einzelnen Kapitel des Berichtes folgen dabei der sogenannten Gemeinwohlmatrix. Zum besseren Verständnis dieses Artikels, des Gemeinwohl-Berichts und der GWÖ allgemein ist es sinnvoll, sich diese Matrix einmal anzuschauen.

Über die gesamte Wertschöpfungskette (in GWÖ-Sprech: Berührungsgruppen) erfolgt eine Bewertung über die Zusammenarbeit mit den Lieferanten, Geldgebern, Mitarbeitern inklusive Eigentümern und den Kunden sowie über die Ausstrahlung in das gesellschaftliche Umfeld.

Die Beurteilung erfolgt anhand der Werte der GWÖ:

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Um es an einem Beispiel klar zu machen: In der Berührungsgruppe „Mitarbeiter“ wird der Wert „Solidarität“ gemessen am Indikator „Gerechte Verteilung der Erwerbsarbeit“ mit den Unterpunkten „Abbau von Überstunden“ … „Beitrag zur Reduktion der Arbeitslosigkeit“. Die Erarbeitung des Berichts und die Diskussion in der Gruppe waren schon ein wenig aufwändig (ca. 300 Stunden). Aber es hat sich auch gelohnt und es hat auch Spaß gemacht. Uns hat es noch einmal vor Augen geführt, was wir in 3,5 Jahren Kartoffelkombinat schon alles erreicht haben. Manchmal geht das in der operativen Alltagshektik ein wenig verloren.

Beispielweise ist ein Indikator der GWÖ-Bilanz der Umgang mit Lieferanten. Wer in der Januar-Ausgabe der Kartoffelakademie dabei war, konnte live erleben, wie unser Kartoffelbauer Knoll über die Zusammenarbeit mit dem Kartoffelkombinat berichtet hat. Aus dem in der normalen Wirtschaft üblichen Kunden-Lieferanten-Verhältnis ist in unserer Zusammenarbeit eine freundschaftliche Partnerschaft geworden, in der man sich gegenseitig hilft, wenn es mal klemmt. Andererseits verlangt die GWÖ, dass man sich auch mit den internen Prozessen des Partners auseinandersetzt. Orientiert er sich neben der ökologischen Nachhaltigkeit auch an den Werten „Soziale Gerechtigkeit“ und „Mitbestimmung & Transparenz“? Konkret: Hält er alle arbeitsrechtlichen Bestimmungen ein? Zahlt er faire Löhne? Zahlt er die rechtlichen Abgaben korrekt? usw.

Das hat uns vor Augen geführt, dass wir in der Zusammenarbeit mit einer „normalen Gärtnerei“ durchaus auf Probleme stoßen. In unserem GWÖ-Bericht heißt es dazu:

Ein weiteres Defizit der gewinnorientierten Gärtnereien ist die für uns nicht ausreichende Transparenz, durch die sich das Geschäftsgebaren dieser Betriebe auszeichnet.

Diese Defizite der landwirtschaftlichen Betriebe sind überwiegend mit deren Struktur als eigentümergeführte Einzelunternehmen begründbar.

Unsere konsequent ökologische, regionale und saisonale Ausrichtung ist dagegen auch nach GWÖ-Kriterien vorbildlich: 

Alle Gemüselieferanten sind Naturland- oder Demeterzertifiziert, beliefern uns ausschließlich mit saisonalen Produkten aus eigenem Anbau und sind im Umkreis von maximal 100 km um München angesiedelt.

Bei dem Indikator „Ethisches Finanzmanagement“ konnten wir natürlich mit unserem Partner der GLS-Bank gut „punkten“:

Die Gründer des Kartoffelkombinats haben sich bei der Gründung entschieden, für alle Finanzdienstleistungen ausschließlich einen ethisch-nachhaltigen Dienstleister in Anspruch zu nehmen. Dieser Anspruch wurde vollständig umgesetzt. Mit der GLS Bank verbindet uns eine enge partnerschaftliche Beziehung. So wurde das Kartoffelkombinat bereits mehrfach auf den Veranstaltungen der GLS Bank als „Musterprojekt“ vorgestellt. Unsere Geschäftsguthaben und auch die Genossenschaftseinlagen unserer Mitglieder sind auf normalen Geschäftskonten bei der GLS Bank angelegt. Wir betreiben kein gewinnorientiertes Finanzmanagement.

Das Kartoffelkombinat wird „behutsam“ und nachhaltig finanziert aufgebaut. Derzeit haben wir kein Fremdkapital aufgenommen.

Bei etlichen Indikatoren war es für uns sehr hilfreich, dass wir ein Leitbild erarbeitet, verabschiedet und bereits weitgehend umgesetzt haben, aus dem wir häufig zitieren konnten. So konnten wir zum Indikator „Entgeltpolitik“ aus dem Leitbild übernehmen:

„Die Mitarbeiter sollen für ihre Arbeit nach unseren solidarischen Ansprüchen fair entlohnt werden (d.h. deutlich über den diskutierten gesetzlichen Mindestlöhnen). Hauptberufliche Kräfte sollen von ihrem Arbeitsentgelt leben können und Beschäftigungsverhältnisse mit persönlicher Planungssicherheit haben. Für die Umsetzung des Modells brauchen wir gute und hochmotivierte Mitarbeiter. Dafür wollen wir die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.“

Aber es zeigt sich dabei auch, dass wir noch nicht da sind, wo wir hinwollen:

Die Aufbauphase unseres Unternehmens, in der wir uns immer noch befinden, wäre ohne das Engagement ehrenamtlicher und ohne die z.T. unentgeltliche Mehrarbeit der ersten Beschäftigten nicht möglich. Auf die ehrenamtlichen Beiträge können und wollen wir nicht verzichten, da dadurch die Gemeinschaft und der Bezug zur Gärtnerei gefördert wird.

Es ist jedoch erklärtes und durch den Aufsichtsrat vorgegebenes Ziel, die unentgeltliche Mehrarbeit der Beschäftigten schnellstmöglich in einen „Normalzustand“ zu überführen. Dazu wurden – wie schon beschrieben – die Verträge der Minijobber nach Möglichkeit und Wunsch in unbefristete Arbeitsverträge umgewandelt und die Bezahlung der Vorstände schrittweise an das Zielniveau herangeführt.

Die derzeit noch zu hohe zeitliche Belastung der Vorstände muss ebenfalls deutlich reduziert werden.

Die von der GWÖ geforderte Transparenz haben wir hingegen in vielerlei Hinsicht umgesetzt:

Die gewählte Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft erfordert bereits ein hohes Maß an Transparenz. So wird z.B. der Jahresabschluss geprüft und veröffentlicht. Mitglieder und Mitarbeiter erhalten direkte Informationen über die Gewinn- und Verlustrechnung, die Bilanz sowie über die Finanzplanungen für die kommenden Jahre. Vor wichtigen Entscheidungen (z.B. Pachtvertrag) wird die zugrunde liegende Kalkulation mit den Mitarbeitern mit Einsicht in alle Daten (inklusive der internen Kostenrechnung) besprochen.

In unserem internen Forum haben Mitglieder und Mitarbeiter direkten Zugriff auf die wichtigsten Dokumente der Genossenschaft (Satzung, Leitbild, Geschäftsordnung von Vorstand und Aufsichtsrat, Protokolle der Generalversammlung, Ergebnisse der Mitgliederzufriedenheitsanalysen). Zu wichtigen Themen finden hier auch Umfragen (z.B.: Annahme einer Spende eines Unternehmens) und Diskussionen (z.B.: “Wie politisch soll das Kartoffelkombinat sein?”) statt.

Zum Indikator „Ökologische Gestaltung der Produkte und Dienstleistungen“ konnten wir beispielsweise den Stand unserer Bemühungen, den Plastikaufwand zu reduzieren, darstellen:

Verringerung des Verpackungsaufwandes – die Auslieferung erfolgt in Kunststoffmehrwegkisten. Durch einige Projekte konnten wir den Einsatz zusätzlicher Verpackungen immer weiter reduzieren. Z.B.: 

  • Verzicht auf die branchenüblichen Plastikfolien zur Kistenabdeckung (30.000 Folien/a Einsparung)
  • Reduzierung der zusätzlichen Verpackung von empfindlichem  Gemüse in Plastiktüten um ca. 50% (Einsparung von 30.000 Tüten/a)

Derzeit verwenden wir noch 30.000 Tüten für besonders empfindliches Gemüse und für Gemüse mit losen Blättern (Rucola, Feldsalat, Postelein). Wir untersuchen derzeit mehrere Alternativen, von denen etliche wegen der Hygienevorschriften oder wegen einer insgesamt gesehen schlechteren Ökobilanz ausscheiden. Im Test sind gerade wiederverwertbare Baumwolltücher.

Und unter Berührungsgruppe „Gesellschaftliches Umfeld“ haben wir zum Thema „Transparenz und Mitbestimmung“ das Miteinander in der Genossenschaft beschrieben:

Wir streben an, dass alle unsere „Stakeholder“ (Mitarbeiter, Lieferanten, Interessenten) Mitglieder unserer Genossenschaft werden. Wir haben dafür eine Fördermitgliedschaft geschaffen. Der Förderbeitrag wurde dabei bewusst niedrig gehalten (derzeit 30 € /a), damit der Beitrag kein Beitrittshemmnis darstellt. Dabei üben wir jedoch keinerlei Zwang auf z.B. unsere Mitarbeiter aus, die Mitgliedschaft ist freiwillig. Für die Bezieher unserer Gemüsekiste ist der Beitritt zur Genossenschaft, nach einer festgelegten Testphase, jedoch zwingend. Alle Mitglieder haben dabei grundsätzlich – im Rahmen gewisser satzungsgemäßer Verhältniseinschränkungen – die gleichen Rechte und Pflichten. Damit ist gewährleistet, dass alle Berührungsgruppen in die Entscheidungen des Unternehmens eingebunden sind (z.B. durch Teilnahme an den Generalversammlungen). 

Alle Mitglieder haben auch Zugriff auf unser internes Forum und können sich somit vollumfänglich über unser Unternehmen informieren und sich an Diskussionen beteiligen. Zu den wichtigsten Unternehmensentscheidungen (Leitbild, Struktur- und Organisation, Anbauplanung) sind Arbeitsgruppen eingerichtet, an denen sich alle Mitglieder beteiligen können.

Mit dem Testat ist natürlich auch eine Bewertung verbunden. Dabei werden die einzelnen Indikatoren nach ihrer Bedeutung gewichtet und der Zielerreichungsgrad bewertet.

Ein „ideales Unternehmen“, das es natürlich nicht gibt, käme dabei auf die maximal mögliche Bewertung mit 1000 Punkten. Ein Unternehmen, das gerade die gesetzlichen Bestimmungen einhält und ansonsten keinerlei Ambitionen zeigt, käme auf 0 Punkte.

Bisher als gut bewertete Unternehmen haben z.B. folgende Werte erreicht: die Sparda-Bank 559 Punkte, die TAZ 395 Punkte und VAUDE SPORT 502 Punkte. Das Kartoffelkombinat hat 712 Punkte geschafft! Das gesamte Testat könnt Ihr Euch per Klick auf die Grafik ansehen:

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Wir wollen die Punktezählerei nicht zu ernst nehmen, denn der Prozess der Durchleuchtung des Unternehmens und die stetige Verbesserung sind wichtiger als die konkrete Punktzahl. Gleichwohl sind wir schon ein wenig stolz auf das, was wir erreicht haben. Und dazu haben wir alle einen Beitrag geleistet: Die Mitglieder und Mitarbeiter der Genossenschaft, die vielen ehrenamtlichen Helfer und unsere landwirtschaftlichen Partner sowie die vielen Freunde unserer Genossenschaft, die uns in vielerlei Hinsicht unterstützt haben. Vielen Dank an Euch alle!

> Den gesamten Bericht könnt Ihr Euch hier ansehen und herunter laden.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir wollen dazu beitragen, den GWÖ-Gedanken weiter zu verbreiten und mit unserer positiven Erfahrung andere Unternehmen dazu bewegen, diesen Schritt ebenfalls zu wagen. Dazu sind wir als Kartoffelkombinat und das Bearbeitungsteam Jürgen Müller und Horst Bokelmann als Privatpersonen dem neugegründeten Verein Gemeinwohl-Ökonomie Bayern e.V. beigetreten. Über die Aktivitäten des Vereins werden wir Euch auf dem Laufenden halten.

Und nach zwei Jahren müssen und wollen wir das Audit wiederholen. Nach den Regularien wird das dann ein Einzelaudit mit einem externen Auditor sein.

Was ist ein Ernährungsrat?

Dieses Video von Taste of Heimat und dem INKOTA-Netzwerk erklärt in zwei Minuten, was Ernährungsräte sind und warum wir sie brauchen:

Wir halten Ernährungsräte für potentiell sehr gut geeignet, starke regionale Impulse zu setzen. Zumindest ist das in den USA, Kanada oder z.B. London mit den food policy councils gelungen.

Herbst 2015 – Wir suchen weiteren Betrieb (Kauf/Pacht)

Wie Ihr wisst, sind wir eine Genossenschaft und bauen für Münchner Haushalte eine regionale, saisonale Versorgungsstruktur auf. Uns gibt es seit dreieinhalb Jahren und wir bestehen aus 750 Haushalten, sprich ca. 1.800 Menschen.

Aktuell kooperieren wir mit der Naturlandgärtnerei Schönbrunn und hatten gehofft, hier auch unsere zukünftige Heimat zu finden. Gerne würden wir dort als Gemeinschaft stattfinden und weiterhin dazu beitragen die Gärtnerei zu einem lebendigen Ort zu machen. Aber vielleicht kommt es ganz anders … denn das Franziskuswerk befindet sich derzeit in einer Übergangsphase hin zu einem inklusiven Dorf. Und hierfür das komplette Dorf Schönbrunn neu gestaltet werden, weshalb vor kurzem ein großer Architektenwettbewerb gestartet wurde.

Ende Oktober informierte uns nun das Franziskuswerk darüber, dass die seit September laufenden Pachtgespräche darum erst einmal gestoppt werden müssen und die Entscheidung der Wettbewerbsjury abgewartet wird. Erst wenn im April bekannt ist, ob die Gärtnerei erhalten bleibt oder die Fläche im Rahmen des Gewinnerentwurfs in eine andere Nutzung überführt werden soll, könnten die Gespräche wieder aufgenommen werden.

Für 2016 heißt das, dass wir auf jeden Fall noch mal in Form einer Kooperation und nicht als Pächter in der Gärtnerei sind, wie es dann weitergeht, hängt von o.g. Wettbewerb ab.

Darum und für die weiteren Ausbaustufen suchen wir …
a) einen Gemüseanbaubetrieb ab einer Fläche von ca. 4 Hektar im Umland von München zur Übernahme
und/oder
b) einen landwirtschaftlichen Betrieb ab 10-15 Hektar

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Unsere Mitglieder kaufen das Bio-Gemüse nicht im klassischen Sinne, sondern übernehmen anteilig die Gesamtkosten der Genossenschaft, dafür teilen wir dann natürlich auch die Ernte untereinander auf. Und weil der Bauer/Gärtner die meisten Kosten zu Beginn des Jahres hat – Saatgut, Jungpflanzen, Instandsetzungen, etc. – wird das Ganze auch noch im Voraus finanziert.

So ermöglichen wir über eine ökologische, regionale und saisonale Versorgung der Mitglieder hinaus auch faire Löhne für unsere MitarbeiterInnen und nehmen dem Vermarktungsdruck den Wind aus den Segeln.

Das Kartoffelkombinat als 5-Minuten-Film (damals in Eschenried):

Der Betrieb sollte (nach Möglichkeit) bereits ökologisch arbeiten, am besten nach Naturland-, Bioland- oder demeter-Kriterien.

Form der Übernahme: Pacht oder Kauf (andere individuelle Lösungen sind denkbar)

Wo? Im Umland von München

Kontakt
E-Mail: info@kartoffelkombinat.de
Simon Scholl (Tel.: 0178 760 44 22)
Daniel Überall (Tel.: 0179 29 55 755)

Breites Bündnis aus Bayern fordert: „TTIP und CETA stoppen! – Für einen gerechten Welthandel!“

Aufruf zur Großdemonstration am 10. Oktober in Berlin

Ein breites Bündnis aus Bayern, bestehend aus Gewerkschaften, Umweltorganisationen, Nord-Süd-Initiativen, kirchlichen Organisationen und Bürgerrechtsorganisationen, hat heute in München zur Teilnahme an einer bundesweiten Großdemonstration am 10. Oktober in Berlin gegen die Freihandelsabkommen TTIP und CETA aufgerufen. Auch Parteien und Jugendorganisationen der Parteien unterstützen den Aufruf unter dem Motto „TTIP und CETA stoppen! – Für einen gerechten Welthandel!“.

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Foto: Christof Stache

Auf dem Münchner Marienplatz haben Vertreterinnen und Vertreter der Organisationen vor einer großen Plakatwand mit dem Logo der Großdemonstration die Gründe für ihre Ablehnung der Freihandelsabkommen erläutert. Das Bündnis tritt gemeinsam für eine Handels- und Investitionspolitik ein, die auf hohen ökologischen und sozialen Standards beruht und nachhaltige Entwicklung in allen Ländern fördert.

Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern: „Die Gewerkschaften treten für einen fairen Welthandel und eine gerechte Globalisierung ein. Wir wollen eine Verbesserung von Arbeitnehmerrechten und Sozialstandards, damit die Beschäftigten vom Wachstum der Weltwirtschaft profitieren. Deshalb ist es falsch, wenn TTIP und CETA nur auf Wettbewerb und Deregulierung setzen. Mit diesen Freihandelsabkommen sollen Mitbestimmungsrechte ausgehöhlt und der Arbeitsschutz geschleift werden. Das wollen wir verhindern.“

Richard Mergner, Landesbeauftragter des BUND Naturschutz in Bayern e.V.: „Aktuell liegt der Vertragstext für CETA in englischer Sprache vor, aus dem hervorgeht, dass Genehmigungsverfahren für Biotechnologien gefördert werden sollen. Wir erwarten von der CSU und der SPD, dass es bei einer klaren Ablehnung des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen bleibt. Nach dem jetzigen Entwurf von CETA droht die Gentechnik durch die Hintertür auf unsere Äcker zu gelangen. Deshalb fordern wir gerade die CSU auf, CETA nicht zu ratifizieren und die TTIP Verhandlungen abzubrechen. Mit einem großen zivilgesellschaftlichen Bündnis fahren wir am 10.10.2015 zur Großdemonstration nach Berlin, um die errungenen Umwelt- und Verbraucherschutzstandards zu verteidigen.“

Horst Bokelmann, Vorsitzender Aufsichtsrat Kartoffelkombinat eG: „Das Kartoffelkombinat beteiligt sich an der Demonstration, weil TTIP die Macht der großen Saatgutkonzerne und die großindustrielle Landwirtschaft weiter verstärken wird. Davon sind wir auch in der Region München betroffen: Unsere Biodiversität, die bäuerliche und ökologische Landwirtschaft sowie allgemein die Qualität unserer Lebensmittel wird darunter leiden.“

Zur Großdemonstration am 10. Oktober in Berlin werden auch Tausende Menschen aus Bayern erwartet. Ab München wird ein Sonderzug über Landshut, Regensburg und Nürnberg nach Berlin fahren. Mehr als die Hälfte der 800 Fahrkarten sind bereits vergeben. Daneben werden Busse aus zahlreichen Orten in Bayern organisiert.

An der Aktion beteiligte Organisationen:
DGB Bayern mit seinen Mitgliedsgewerkschaften, Der Paritätische Bayern, Umweltinstitut München, Bündnis Stop TTIP München, BUND Naturschutz in Bayern, Commit to Partnership, Mehr Demokratie Bayern, NaturFreunde Bayern, KAB, Kartoffelkombinat, Jugend des Deutschen Alpenvereins (JDAV), Jugendorganisation BUND Naturschutz, Attac München, Action Freedom

Viel mehr als eine Gemüsekiste

Von Hannah Danner, Anna-Lena Siegert, Nathalie Wilk – August 2015

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Das Kartoffelkombinat …
… eine solidarische Landwirtschaft. 
… ein Garant für schmackhaftes Gemüse. 
… ein Forschungsobjekt? 

Was bewirkt das Kartoffelkombinat jenseits guter Ernährung? Beeinflusst die Mitgliedschaft im Kartoffelkombinat das Nachhaltigkeitsverhalten seiner Genossinnen und Genossen?

Mit dieser Frage setzten wir uns im Rahmen unseres Masterstudiums der Verbraucherwissenschaften an der TU München auseinander. Das Kartoffelkombinat (KK) ist Teil der europaweiten Studie EU-InnovatE, welche untersucht, inwiefern innovative und unternehmerisch aktive Verbraucher einen Beitrag zu einer grünen EU-Wirtschaft leisten können. An der im Mai und Juni durchgeführten Umfrage haben rund 200 Personen der knapp 700 Mitgliedshaushalte teilgenommen.  Nochmals vielen Dank an alle, die den Fragebogen ausgefüllt haben.

Die Ergebnisse
Wie bei den gängigen Fußabdruck-Tests haben wir bei der Untersuchung des Nachhaltigkeitsverhaltens zwischen den Bereichen Ernährung, Wohnen und Energie, Mobilität sowie Konsum unterschieden. Die Mitglieder stellten eine deutliche Veränderung ihres Verhaltens seit Beitritt zum Kartoffelkombinat fest. Bei einer maximal erreichbaren Punktezahl von 100, erzielten die KK-Genossinnen und Genossen im Durchschnitt 70 Punkte. Dabei ist ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Aktivität der Genossinnen und Genossen im KK und dem Nachhaltigkeitsverhalten festzustellen. Je aktiver, umso mehr Nachhaltigkeitspunkte.

Das KK wirkt
Die Mitglieder schätzten ihr Verhalten heute im Vergleich zu vor dem Beitritt als deutlich nachhaltiger ein, mit einer Steigerung von durchschnittlich 22 Prozent. Im Bereich Ernährung, dem Kernthema des KK, war die Veränderung mit 53 Prozent am stärksten. Die Mitgliedschaft wirkte sich aber auch auf andere Lebensbereiche aus. So wurden Zuwächse um 15 Prozent im Bereich Wohnen und Energie, um 13 Prozent im Bereich Konsum und um 5 Prozent im Bereich Mobilität verzeichnet.

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Worauf sind die Veränderungen zurückzuführen?
Aller Anfang ist schwer. Studien belegen, dass der Wandel hin zu einem nachhaltigeren Lebensstil einen Auslöser, einen Startpunkt, benötigt. Im Verlauf unseres Forschungsprojekts ist uns, sowohl in Gesprächen mit dem KK-Team und Genossen, als auch bei der Auswertung des Fragebogens, immer wieder die besondere Rolle der Genossenschaft ins Auge gesprungen. In unserer Studie konnten wir feststellen, dass die Zugehörigkeit  zur KK-Gemeinschaft die Veränderungen im Nachhaltigkeitsverhalten beeinflusst hat. 75 Prozent der Befragten finden, dass das KK ihre Wahrnehmung für soziale, ökologische und wirtschaftliche Probleme schärft. 36 Prozent stimmen zu, dass ihre Mitgenossen sie zur Reflektion des eigenen Verhaltens anregen. 32 Prozent haben in anderen Mitgliedern Vorbilder gefunden. Die Einflüsse durch die Gemeinschaft sind damit überwiegend positiver Natur. Von ihren Mitgenossen unter Zugzwang gesetzt fühlen sich hingegen nur etwa 6 Prozent, 5 Prozent vergleichen sich mit anderen Mitgenossen.

Die Wahrnehmung von inkonsequentem Handeln, das heißt kognitive Dissonanz, wird als wichtiger Auslöser für Verhaltensveränderungen gesehen. Unsere Studie zeigte, dass die Mitgliedschaft im KK und Aktivität in der Gemeinschaft zur Wahrnehmung einer solchen  kognitiven Dissonanz führen und ein nachhaltigeres Verhalten erklären können. 76 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ein schlechtes Gewissen verspüren, wenn sie weniger umweltfreundliche Entscheidungen treffen. 88 Prozent versuchen, ihr Verhalten stets in Einklang mit ihren Grundsätzen zu bringen.

Weitere Ergebnisse:

Wer sind die KK-Genossinnen und Genossen?
Das Durchschnittsalter der Genossen liegt bei 38 Jahren, das älteste Mitglied ist 72, das jüngste 20 Jahre alt. Die Männer sind mit einem Anteil von zwei Drittel deutlich in der Mehrheit, nur ein Drittel sind Frauen.

Das KK verzeichnete einen großen Zuwachs an Mitgliedern, 39 Prozent der Befragten sind erst im vergangenen Jahr dazu gestoßen, 38 Prozent sind seit ein oder zwei Jahren dabei. 23 Prozent sind seit mehr als zwei Jahren Mitglied im KK.

Was ist wichtig für die Genossen? Wieso sind sie dabei?
Das KK zieht bewusst lebende Menschen an und gibt ihnen einen Raum zum Austausch und zur Diskussion. 81 Prozent der Befragten möchten durch das KK die Kontrolle über ihre Lebensmittel zurückerlangen. Die Genossinnen und Genossen identifizieren sich mit den Zielen und dem Konzept des KK (97 Prozent). Die Hälfte schätzt darüber hinaus den Austausch mit Gleichgesinnten.

Wie aktiv sind die Genossinnen und Genossen?
Die Aktivität wurde an der Teilnahme an Veranstaltungen, der Mithilfe beim Packen und Gärtnern, dem Gewinnen neuer Mitglieder, dem Lesen des Kartoffeldrucks sowie der Beteiligung im Forum gemessen. Nur 5 Prozent sind demnach als sehr aktiv einzustufen, weitere 18 Prozent weisen einen mittleren Grad an Aktivität auf. Der Großteil der Mitglieder, 77 Prozent, sind stille Genießer, die nur selten an gemeinschaftlichen Aktivitäten teilnehmen.

Im Durchschnitt teilt jede Genossin oder jeder Genosse seinen Ernteanteil mit 1,5 Personen. 18 Prozent erhalten den Ernteanteil allein. Die Mehrheit (46 Prozent) teilt ihn mit einer weiteren Person. 10 Prozent teilen ihn mit drei Personen und 7 Prozent mit vier oder mehr Haushaltsmitgliedern.

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Wie konsumieren die Genossinnen und Genossen?
– Ernährung, Energie, Konsum, Mobilität
Unser täglich Brot: Was kommt bei den Genossinnen und Genossen auf den Teller? Fast die Hälfte kauft überwiegend Bio-Lebensmittel ein. Vegetarier und Veganer sind mit einem Anteil von jeweils 8 Prozent in der Minderheit. Weitere 7 Prozent sind Pescetarier. 20 Prozent greifen ab und  zu Fleisch- und Wurstwaren und sind somit Flexitarier.

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In Sachen Energie beziehen drei Viertel der KK-Mitglieder Strom aus grünen Quellen.

Mit welchen Verkehrsmitteln bewegen sich die Mitglieder im Alltag fort?
Das Fahrrad wird von 65 Prozent täglich oder fast täglich benutzt. 37 Prozent nehmen öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch und nur 15 Prozent fahren täglich oder fast täglich mit dem Auto.

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Auch in ihrem sonstigen Konsumverhalten legen die Genossinnen und Genossen weitgehend einen bewussten Umgang mit den Ressourcen an den Tag. 61 Prozent versuchen Gebrauchsgegenstände so lange wie möglich zu nutzen. 71 Prozent sind grundsätzlich auch bereit, sie mit anderen Menschen zu teilen. 42 Prozent stellen auch mal Dinge selbst her, anstatt sie zu kaufen.

Das KK – viel mehr als eine Gemüsekiste
Das KK ist weit mehr als eine Öko-Kiste. Die solidarische Landwirtschaft, organisiert als Genossenschaft, bietet vielseitige Partizipationsmöglichkeiten und Informationskanäle.

Die Sensibilisierung für Themen rund um Ernährung und Landwirtschaft während ihrer Mitgliedschaft veranlasste viele Genossen, ihren Lebensstil nachhaltiger zu gestalten. Das KK wirkte sich auch auf andere Lebensbereiche wie Mobilität, Konsum, Wohnen und Energie positiv aus.

Unserer Untersuchung zufolge können das KK und die Gemeinschaft der Genossenschaft ein wesentlicher Auslöser für Verhaltensveränderungen bezüglich Nachhaltigkeit sein. Die festgestellten Veränderungen sind auch auf Gruppeneffekte innerhalb der KK-Gemeinschaft und das Empfinden von kognitiver Dissonanz zurückzuführen. So stoßen KK-Genossinnen und Genossen einander zur Reflexion an und können somit zu einem nachhaltigeren Lebensstil anregen.

Mitmachen lohnt sich. Nicht nur die Wirkungskraft des KK, sondern auch das Funktionieren des Konzepts der solidarischen Landwirtschaft, steht und fällt mit der Teilhabe und Teilnahme der Genossinnen und Genossen.

Als aktive Genossenschaft kann das Kartoffelkombinat einen wertvollen Beitrag hin zu einer grünen EU-Wirtschaft leisten.

Miteinander verbunden durch das Leben

Es gibt Tage, da kommt man zu gar nichts. Da fängt man eine Aufgabe an, nur um umgehend wieder in Gedanken zu versinken. In Gedanken an Menschen, Begebenheiten und über das Leben an sich. Heute ist wieder so ein Tag.

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Am Morgen haben wir erfahren, dass eines unserer Mitglieder verstorben ist. Bei einer Genossenschaft mit 700 Haushalten und damit etwas über 1.600 Menschen sind alle Lebensphasen vertreten: Hochzeiten, Trennungen, Geburten, schwere Krankheiten und eben auch Todesfälle.

Als wir das Kartoffelkombinat vor dreieinhalb Jahren gründeten, sprachen wir natürlich auch über diese Seite des Projekts. Das Leben ist wie ein Bahnhof, die einen kommen an, die anderen müssen wieder gehen. So ist es nunmal. Wenn man aber direkt mit den persönlichen Schicksalen konfrontiert wird, wenn Menschen nicht mehr da sind, mit denen man gemeinsame Erlebnisse teilt und die das Kartoffelkombinat geliebt und unterstützt haben, dann ist plötzlich alles nicht mehr so rational und abgeklärt. Dann werden unsere Herzen schwer, die Mägen krampft sich zusammen und eine tiefe Traurigkeit breitet sich aus. Heut ist also wieder so ein Tag, an dem die Gedanken über die Aufgaben siegen. Und eigentlich ist das nicht „zu nichts kommen“, sondern „sich mit dem Wesentlichen beschäftigen“.

In den letzten drei Jahren wurden wir Zeugen von persönlichen und familiären Schicksalen. GenossInnen, LebenspartnerInnen und Kinder unserer Haushalte und andere Weggefährten verließen diese Welt – aus freien Stücken oder gegen ihren Willen. Immer wieder erstaunt uns, wie kraftvoll und gleichzeitig feinfühlig die Angehörigen mit solchen Situationen umgehen. Die Sichtweise, dass „Lebenskreise vollendet werden“ und für einen selbst das Leben weitergeht – aber eben anders – unterstreicht unser aller (kurzes) Gastspiel auf diesem Planeten:

„Ich wollte ‎diese Woche die Kiste nehmen, das ist auch etwas was mich mit T. verbindet, und selbst wenn ich das Gemüse verschenke. Auch G. kann seine Kiste wie immer abholen, ich bereite alles vor, diese Aufgaben zeigen mir auch, dass das Leben weitergeht.“

Daran wie wichtig es ist, nach der Trauer wieder bewusst am Leben teilzunehmen, erinnert uns ein anderer Gedanke, den wir vor einiger Zeit zusammen mit der traurigen Nachricht erhalten haben:

„Ich wünsche euch Glück, Gesundheit, Zufriedenheit, Erfolg und vor allem schiebt das, was ihr tun wollt nicht auf, denn das Leben nimmt oft plötzliche Wendungen und dann kann man es nicht mehr tun.
Ihr leistet einen großen Beitrag zur Veränderung auf der Welt und dafür danke ich euch von ganzem Herzen.“

Darum: Sagt denjenigen die Ihr liebt, dass Ihr sie liebt. Lehrt Euren Kindern, dass es das Wichtigste auf der Welt ist, anderen zu helfen. Seid demütig vor der Größe des Lebens, nehmt Euch nicht zu ernst. Verlasst die Welt besser als Ihr sie vorgefunden habt … und dazwischen: lebt!

Unsere Gedanken sind bei Euch liebe M.C., lieber S., liebe A. und allen Angehörigen.

18.10. – Sonderausgabe der Kartoffelakademie: Warum führen Erkenntnisse nicht zu Handlungen?

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Dieses Jahr veranstalten wir im Rahmen des Münchner Klimaherbstes eine Sonderausgabe der Kartoffelakademie mit dem Titel „Warum führen Erkenntnisse nicht zu Handlungen?“

Wir alle wissen um den Klimawandel, dessen Ursachen und seine Folgen. Aber trotzdem arbeiten wir (fast) alle täglich auf mehr Umsatz und mehr Wachstum hin. Seit wann gibt es die Ideologie des Wachstums und wo liegen seine Grenzen? Führende Mainstream-Ökonomen bezeichnen sie als alternativlos. Klären Sie mit uns, warum und weshalb Erkenntnisse nicht zu Handlungen führen.

Sie hören Gegenstimmen (u.a. Meadows, Welzer), diskutieren die Tragik der Allmende – einem Modell, welches die Übernutzungsproblematik von Ressourcen beschreibt – und wir beschäftigen uns dann mit vorgeschlagenen Alternativen:

  • Öko-soziale Marktwirtschaft
  • Gesamteuropäischer New Deal
  • Gemeinwohlökonomie
  • Postwachstumsökonomie

Dazu betrachten wir mehrere positive Beispiele von Unternehmen und Organisationen, die bereits heute eine alternative Ökonomie leben.

Ort: Räume der anstiftung, Daiserstraße 15, 81371 München
+++ DIE VERANSTALTUNG IST AUSGEBUCHT +++

Referent: Dr. Horst Bokelmann (Aufsichtsratsvorsitzender Kartoffelkombinat eG)
Moderation: Daniel Überall (Vorstand Kartoffelkombinat eG, Vorstand Klimaherbst eV)

Europäisches Patentamt weitet Geschäft mit Patenten auf Leben aus

Neues Patent auf Tomaten aus klassischer Züchtung erteilt
25. August 2015 Ein Monopol auf spezielle Tomaten mit einem erhöhten Gehalt an gesunden Inhaltsstoffen, sogenannten Flavonolen wurde jetzt vom Europäischen Patentamt (EPA) an den Schweizer Konzern Syngenta vergeben. Das Patent umfasst die Pflanzen, das Saatgut und die Tomatenfrüchte. Das Patent EP1515600 beruht auf der Kreuzung von wilden Tomaten mit bereits gezüchteten Sorten. Die Pflanzen sind nicht gentechnisch verändert, sondern stammen aus der klassischen Zucht.

Die europäischen Patentgesetze verbieten Patente auf Pflanzensorten ebenso wie auf klassische Züchtungsverfahren. Doch im März 2015 hatte das EPA entschieden, dass Patente auf Pflanzen, Saatgut und deren Ernte, die mithilfe klassischer Züchtung hergestellt werden, doch patentiert werden. Das EPA, das seine Einnahmen aus der Erteilung von Patenten bezieht, ebnet mit dieser inakzeptablen Auslegung des Patentrechts den Weg für seine eigenen Interessen ebenso wie für die der Industrie. Diese Entscheidung des Patentamts rief bereits verschiedene politische Reaktionen hervor: Die Niederlande kündigten eine politische Initiative auf der Ebene der EU an, die Regierungen von Deutschland und Frankreich scheinen bereit zu sein, gemeinsam gegen die Praxis des EPA vorzugehen. Bereits 2012 hatte das Europäische Parlament gefordert, die Erteilung dieser Patente zu stoppen. In Deutschland hat sich jüngst auch der Bundesrat gegen Patente auf konventionelle Züchtung positioniert.

„Mit der Erteilung dieser Patente ignoriert das EPA die Interessen der Allgemeinheit und bedient stattdessen die eigene Klientel. Wenn diese Entwicklung nicht schnell gestoppt wird, geraten wir alle in die Abhängigkeit großer Konzerne wie Monsanto, Syngenta und Dupont, die dann immer mehr Patente auf unsere Nahrungspflanzen anmelden“, sagt Christoph Then für Keine Patente auf Saatgut!. „Die Bundesregierung muss noch entschiedener gegen diese Aktivitäten des Patentamts einschreiten. Andernfalls kommt es Schritt für Schritt zum Ausverkauf unserer Nahrungs­grundlagen.“

Konkret soll die Bundesregierung im Verwaltungsrat des Europäischen Patentamts aktiv werden, dem einzigen politischen Kontrollgremium des Amtes. Durch eine gemeinsame Initiative mit anderen Regierungen könnte so in naher Zukunft die Erteilung weiterer derartiger Patente verhindert werden.

Ein Aufruf der internationalen Koalition Keine Patente auf Saatgut!, dieses Patent zu stoppen, wird bereits von mehreren Hundert Organisationen unterstützt. Keine Patente auf Saatgut! wird von Bionext (Niederlande), der Erklärung von Bern (Schweiz) GeneWatch (Großbritannien), Greenpeace, Misereor (Deutschland), dem Entwicklungshilfe-Fond (Norwegen), Kein Patent auf Leben! (Deutschland), Red de Semillas (Spanien), Rete Semi Rurali (Italien), Reseau Semences Paysannes (Frankreich) und Swissaid (Schweiz) getragen. Die Koalition fordert ein Verbot der Patentierung von Pflanzen und Tieren.

Kontakt und weitere Informationen:
Christoph Then, 0049-(0)151/54 63 80 40, info@no-patents-on-seeds.org

Das erteilte Patent


Diese Pressemeldung kommt von: no-patents-on-seeds
Frohschammerstr. 14, München80807

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