support your local dealer

Solidarität wird gerade großgeschrieben. Und das ist auch gut so. Wir arbeiten als Solidargemeinschaft seit acht Jahren an unserer gemeinsamen Vision der lokalen Versorgungsstruktur. Und mit uns, ganz aktiv und an erster Stelle unsere Verteilpunktbetreiber*innen. Viele von Ihnen und mit ihnen zahlreiche andere Gastronom*innen, Ladenbesitzer*innen und Solo-Selbstständige sorgen sich derzeit um ihre Zukunft. Denn aufgrund der derzeitigen Schließung und Ausgangsbeschränkung müssen sie teilweise massive Umsatzeinbußen aushalten.

Deshalb aufgemerkt, bevor der 1-Click-Kauf bei Amazon getätigt wird: Viele lokale Händler*innen bieten bereits (oder nun ganz neu) Lieferdienste und Online-Bestellungen an – mit kurzen Wegen und Produkten aus der Region, oder stellen Gutscheine aus, die Ihr in der Post-Corona-Ära einlösen könnt.

So helfen wir gemeinsam den kleinen Unternehmer*innen über diese schwierige Zeit, die nun am meisten unter den wirtschaftlichen Folgen leiden und stärken so den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gleichzeitig schützen wir durch die Unterstützung regionaler Wirtschaftskreisläufe auch die Umwelt.

Einen Überblick über viele gute regionale und lokale Anbieter*innen mit einem breiten Angebot für alle Bereiche, die sich über Unterstützung freuen findet Ihr unter https://helfen-muenchen.de. Dort können sich auch Unternehmen anmelden, um gelistet zu werden.

Und falls Ihr noch gute Ideen habt, wir lokale kleine Unternehmen unterstützt werden können oder die sinkenden Umsätze auszugleichen, kommentiert gerne fleißig unter unseren Facebook-Post zum selben Thema.

#gemeinsamsindwirstark #flattenthecurve #supportyourlocaldealer

Wichtige Infos bzgl. Corona

Aktualisiert: 19.03.2020
+++ Bis Ende April sind vorerst alle Präsenztermine im Kartoffelkombinat abgesagt +++ 
+++ Alle bereits angemeldeten Joker könnt Ihr bis 31. März zurückziehen +++
+++ Bitte beachtet die Sicherheitsetikette bei der Abholung der Ernteanteile +++

  • Bitte nicht den Fahrer*innen beim Ausladen der Ernteanteile helfen
    Das ist zwar wirklich nett, birgt aber zum einen die Gefahr, dass der/die Fahrer*in den Überblick verliert, wieviele Kisten bereist ausgeladen wurden. Bei zum Teil großen Verteilpunkten mit 80 Kisten, kann das langes erneutes Zählen und damit Zeitverzug auf der Tour mit sich bringen. Zum anderen ist es wichtig, überall den Sicherheitsabstand von 2-3 Metern zwischen Personen einzuhalten.
  • Nehmt gerne einen eigenen Stift zum Ausstreichen auf der Abholliste mit
  • Betretet Verteilpunkte in geschlossenen Räumen nur einzeln

Bereits seit längerem befassen wir uns mit den Entwicklungen bezüglich Corona und möchten Euch mit dieser Mail über mehrere Punkte informieren.

Grundsätzliches: Soweit es möglich ist, möchten wir als landwirtschaftlicher Betrieb weiterhin anbauen. Gerade in dieser besonderen Situation sehen wir uns in der Verantwortung und sind in kleinem Maße für unsere Haushalte durchaus „systemrelevant”.

Damit wir dieser Verantwortung nachkommen können, ist es besonders wichtig, dass wir gesund bleiben und haben im Rahmen unserer Möglichkeiten Maßnahmen ergriffen. Das sind u.a. Home Office und Videokonferenzen statt Meetings, geänderte Arbeitspläne, um Kontakte zu vermeiden, veränderte Abläufe und Prioritäten sowie Kontaktaufnahme zu den Behörden.

Mit diesen Maßnahmen hoffen wir dazu beizutragen, dass wir gesund und arbeitsfähig bleiben, dazu beitragen, die Infektionskurve abzuflachen und unsere Haushalte weiterhin mit frischem Gemüse versorgen können. Wir müssen jetzt nahezu von Tag zu Tag sehen, wie wir als Team betroffen sein werden, wie es unseren Partnerbetrieben geht und welche VPs ggf. wegfallen. Letztlich bleibt nur zu hoffen, dass wir als relativ junges Team in den nächsten Wochen nicht zu stark von den Krankheitsverläufen betroffen sein werden.

Da wir davon ausgehen, dass mit kommender Woche auch hierzulande ein massiver „Shutdown” angesagt ist, haben wir dieses Wochenende alle Liefertouren überarbeitet – dies führt für Euch zu größeren Veränderungen:

  • Wir versuchen alle Ernteanteile, die normalerweise in Ladengeschäften (außer Lebensmittel) und Büros verteilt werden, auf private VPs umzuleiten.
  • Dadurch können wir erreichen, dass weiterhin so gut wie alle Haushalte Gemüse von uns bekommen können. Gleichzeitig wird es für einige Abholer*innen längere Wege bedeuten, weil so gut wie die Hälfte der bisherigen VPs wegfällt.
  • Wir bitten alle privaten Verteilpunkt-Inhaber*innen um Verständnis dafür, dass wir jetzt ein paar außergewöhnliche Schritte gehen müssen und vielleicht auch temporär den ein oder anderen VP etwas überfordern.
  • Im Umkehrschluss erwarten wir von den Abholer*innen, dass die Ernteanteile ausnahmslos an den Liefertagen abgeholt werden, um zusätzliche Komplikationen zu vermeiden.
  • Hierbei kann es auch zu Verschiebungen der Abholtage kommen. Anna wird sich bis Montagabend per Mail bei den betroffenen VPs und entsprechenden Haushalten melden. Im Umkehrschluss: Bei denen sie sich nicht meldet, gibt es auch keine Änderung. 🙂

Außerdem möchten wir an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle VP-Inhaber*innen für Euer Engagement für das Kartoffelkombinat aussprechen. Durch Eure Bereitschaft einen Verteilpunkt zu betreiben/zur Verfügung zu stellen, ermöglicht Ihr inzwischen über 1.700 Genoss*innen ihr Gemüse an über 120 Verteilpunkten in und um München abzuholen. Vielen Dank!

Für weiteren Austausch rund um die VPs kann auch der entsprechende Bereich in unserem Forum verwendet werden: https://kartoffelkombinat.de/forum/forum-80.html

Für generelle Rückfragen und weitere Infos haben wir hier einen neuen Bereich aufgemacht: https://kartoffelkombinat.de/forum/forum-125.html

Diese Änderungen sind für uns relativ aufwändig, bitte habt Geduld, wenn wir bei allen anderen Anliegen etwas länger als sonst brauchen. Individuelle Umleitungswünsche können vorerst leider nicht berücksichtigt werden. Falls es Euch nicht möglich sein sollte Ernteanteile selbst zu holen, muss das bitte über Freund*innen, Nachbar*innen, … selbst organisiert werden.

Bei Fragen oder Unklarheiten wendet Euch gerne jederzeit an die info@kartoffelkombinat.de. Wir versuchen Euch schnellstmöglich eine Rückmeldung zu geben.

Wir informieren Euch, sobald es Updates gibt.
Uns allen gute Gesundheit!

Benny, Jana, Teresa, Daniel und das ganze Kartoffelkombinat-Team

+++ Klimastreik ist abgesagt +++

Der angekündigte bayernweite Klimastreik, 2 Tage vor der #klimawahl, ist aufgrund des Coronavirus abgesagt.

Doch die Wahl bleibt: kommenden Sonntag, den 15. März von 08:00-18:00 Uhr heißt es:
👉 wählen gehen – denn Deine Stimme zählt! 👈

Informier Dich vorab, welche/r der zur Wahl stehenden Kandidat*innen sich wirklich für das Klima einsetzt und ggf über Deine Zukunft mitentscheidet: www.klimawahl2020.de

Ein Hinweis zum Wahlgang: „Die Ansteckungsgefahr in einer Wahlkabine ist nicht besonders hoch. Sich dort das Coronavirus oder eine andere Viruserkrankung wie die Grippe zu holen, sei „unwahrscheinlich“, sagte Peter Walg, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene der Deutschen Presseagentur:
Mehr Infos hier klicken.

#klimawahl2020 #muenchenmusshandeln #allefürsklima

Die Kommunalwahl am 15. März ist eine Klimawahl

Das Kartoffelkombinat steht für Klimaschutz, lokale Versorgungsstrukturen und Gemüseerzeugung ohne Lebensmittelverschwendung und Ausbeutung von Mensch und Umwelt. Und wofür wir im Kleinen stehen und agieren, das wünschen wir uns auch im großen Ganzen. Angefangen bei der Kommunalpolitik unserer Stadt.

Deshalb wurde vor neun Monaten das Klimaschutzbündnis „München muss Handeln“ gegründet, um bis zur Kommunalwahl – die das Bündnis zur Klimawahl ausgerufen hat – den Parteien genau auf die Finger zu schauen und transparent zu machen, wie sie zu den Klimaschutzforderungen von Fridays For Future stehen.

Zur Kommunalwahl am 15.03. sind es weniger als 20 Tage! Jede einzelne Stimme hat Einfluss darauf, wer für die nächsten 6 Jahre den Hebel für die lebenswerte Gestaltung und den ökologischen Fußabdruck unserer Stadt in der Hand hat, oder wer die klimagerechten Visionen von tausenden aktiven Bürger*innen und über 500 Organisationen aus der Zivilgesellschaft, die sich unter dem Dach von
#muenchenmusshandeln zusammengefunden haben, ausbremst.


6 Jahre! Verstreichen diese ungenutzt in Sachen Klimaschutz und Vorbereitung auf eine klimaveränderte Zukunft für das Leben in der Stadt, werden wir vieles, was jetzt noch möglich ist, nicht mehr auf den Weg bringen können, da das Klima und sein Wandel nicht darauf wartet, bis wir politisch „bereit“ dazu sind. Wir müssen jetzt handeln, deshalb rufen wir alle auf, 

a) wählen zu gehen und sich 

b) auf www.klimawahl2020.de vor der Klimawahl darüber zu informieren, welche/r der Stadtratskandidat*innen klar und progressiv den Klimaschutz angehen wird. 

Zwei Tage vor der #Klimawahl wird bayernweit zum Klimastreik aufgerufen.
Treffpunkt: Freitag, 13. März um 12 Uhr am Königsplatz. Alle, die mit ihrem Unternehmen mitstreiken und auf der Streikkarte von #muenchenmusshandeln verzeichnet sein möchte, können sich direkt hier eintragen: www.muenchen-muss-handeln.de/mitstreiken

Streik-Plakate und -Flyer zum Aushängen und Verteilen gibt’s online unter: www.muenchen-muss-handeln.de/downloads. Ausgedruckte Materialien sind bei Green City e.V., Lindwurmstraße 88, Rgb, 5. Stock abzuholen.

Passend zum Thema wird das Bündnis auf unserer monatlich stattfindenden Kartoffelakademie vorgestellt, und Daniel Überall gibt einen Rück- und Ausblick auf die ereignisreiche Bündnisarbeit. 
Termin: Freitag, 13. März., 19 Uhr, Daiserstrasse 15, Rgb. 

Anmeldung unter: kartoffelkombinat-ev.de/blog/events/muenchen-muss-handeln/

Und wer nochmal genau wissen will was es mit dem Panaschieren, Häufeln und Kumulieren auf sich hat, der guckt sich das Erklärvideo des BR dazu an. Dort erfahrt Ihr, wie Ihr Eurer Stimme bei der Wahl das maximale Gewicht verleihen und Euer ganz eigenes Stadtparlament zusammenstellen könnt.

Der Turmfalke

Aus der Serie: Tiere in unserer genossenschaftlichen Gärtnerei

Neben dem nervigen Erdfloh und gefräßigen Wühlmäusen gibt es viele spannende Tiere auf der Gärtnerei, die einen großen Nutzen für uns haben und ein schönes Zeichen für ein intaktes Ökosystem sind. In unregelmäßigen Abständen werden wir Euch von diesen Tieren erzählen.

Den Auftakt macht unser Turmfalkenpärchen, das sich auf unserem Betrieb wohl sehr heimisch fühlt. Das Männchen erkennt Ihr deutlich an seinem grauen Kopf, wohingegen das Weibchen einheitlich rotbraun gefärbt ist. Beide haben ein typisch schwarz gesprenkeltes Gefieder, sind etwa 36 cm lang und haben eine Flügelspannweite von 75 cm.
Turmfalken bleiben ein Leben lang zusammen und werden um die 15 Jahre alt. Die Bezeichnung „Turmfalke“ rührt von seiner Vorliebe, an Kirch- oder Fabriktürmen zu brüten und somit nah an den Siedlungsgebieten der Menschen zu hausen. Er ist ebenfalls unter dem Namen „Rüttelfalke“ bekannt, da er häufig in seinem „stehenden Flug“, dem sog. Rüttelflug in 10-20 m über Wiesen und Feldern auf der Suche nach Beute beobachtet werden kann. Hat der Turmfalke Beute gesichtet, geht er im Sturzflug nieder – dabei ist er zwar schnell, aber immer noch wesentlich langsamer als zum Beispiel sein Verwandter, der Wanderfalke – der schnellste Vogel im Sturzflug.

Im Winter sind Falken häufig auf Ansitzstangen zu beobachten, denn die Jagdmethode des bequemen Ausschauhaltens aus hoher Position verbraucht weniger Energie als der Rüttelflug. Und Energie benötigt der Turmfalke vor allem für die Jagd. Ein Turmfalkenpaar verputzt zwei bis drei Mäuse täglich und mit hungrigen Jungen im Nest werden bis zu acht Mäuse – meist Wühlmäuse – pro Tag erlegt. In schlechten „Mäusejahren“, während der kalten Jahreszeit oder als unerfahrener Jungvogel fallen dem Turmfalken gerne auch kleinere Singvögel, Eidechsen, Käfer und sogar Regenwürmer zum Opfer.
Der Bestand an Turmfalken war in den 1960er bis in die 1980er Jahre massiv eingebrochen – Schuld waren intensiv bewirtschaftete und ausgeräumte Kulturlandschaften und der Einsatz von Pestiziden, die sich besonders auf die Tiere am Ende der Nahrungskette negativ auswirkten. In Deutschland leben heute ca. 50.000 der insgesamt 90.000 Brutpaare Mitteleuropas. Deutschland hat also eine besondere Verantwortung für den Erhalt des Turmfalken, weshalb wir uns sehr über unser Pärchen in Spielberg freuen.
Für die kommende Brutsaison steht den frisch Verliebten an unserem nördlichen Kamin ein Nistkasten zur Verfügung. Mal schauen, ob sie diesen annehmen. Dem Turm sieht man durch die vielen Hinterlassenschaften in Form von weißen Klecksen jedenfalls an, dass er gerne als Rastplatz und für die Ansitzjagd genutzt wird ;-). 
Am Fuße des Turms findet sich immer wieder mal Gewölle – so nennt man die Speiballen von Greifvögeln, in denen sie unverdautes Fell und Knochen hervorwürgen.

Ob es eine Brut gibt, dürfte Mitte April klar werden, wenn nach 30 Tagen drei bis sechs Junge schlüpfen. Wir sind gespannt und werden berichten. Junge Turmfalken sind sehr verspielt und neugierig. Sie toben herum wie kleine Kinder, üben den Sturzflug mit am Boden liegenden Steinen und ruhen sich gemeinsam kuschelnd am Brutplatz aus, wo sie leidenschaftlich miteinander schnäbeln. Kommt gerne an einer unserer Hofführungen vorbei, die wir auf unserer Facebook-Seite bekannt geben und haltet Ausschau nach diesen schützenswerten Mitbewohner*innen unserer Gärtnerei.

Ökologische News

Immer mehr Boden wird gut gemacht – ökologisch bewirtschaftete landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland wachsen kontinuierlich.

„2019 stellten täglich durchschnittlich fünf Bauern ihren Betrieb auf Ökologische Landwirtschaft um. Insgesamt legte die Bio-Fläche in den letzten fünf Jahren um fast 50 % zu. Jeder zehnte Hektar in Deutschland ist enkeltauglich“, sagt Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bio-Spitzenverbandes Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Nach aktuellen BÖLW-Schätzungen stellten deutsche Bäuerinnen und Bauern in 2019 rund 107.000 ha (+ 6,6 %) auf Ökologische Landwirtschaft um. „Die Bauern setzen dabei besonders oft auf die sehr hohen Öko-Standards der Bio-Verbände. Mit über 1 Mio. ha. bewirtschaften die Verbandsbauern jetzt fast zwei Drittel der gesamten deutschen Bio-Fläche“, sagt Röhrig.
Auf jedem der insgesamt 1.622.103 Bio-Hektar schützen Öko-Landwirte Böden, Gewässer, Klima und Artenvielfalt. „Ökologie und Ökonomie gehen mit Bio erfolgreich Hand in Hand“, so der BÖLW-Geschäftsführer. „Immer mehr Betriebe geben ihren Familien mit Bio eine Zukunftsperspektive.“…„Damit unsere Regionen resilient sein können, braucht es wirksame Strukturpolitik. Denn Resilienz braucht Vielfalt. Und dezentrale, vor allem kleine und mittelständische Verarbeitungsunternehmen und Händler bieten Bäuerinnen und Bauern die Möglichkeit zu fairen Partnerschaften auf Augenhöhe.“ kommentiert BÖLW-Vorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein.

Der BÖLW ist der Spitzenverband deutscher Erzeuger, Verarbeiter und Händler von Bio-Lebensmitteln und vertritt als Dachverband die Interessen der Ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland. 

Die allergrünste Woche in Berlin

Einmal im Jahr trifft sich die Agrar-Szene in Berlin zur Grünen Woche. Die Landwirtschaftsministerin spricht und die „Wir haben es satt“-Demo läuft.
Aus diesem Anlass übernehmen wir an dieser Stelle einen so treffenden, wie großartigen Kommentar vom IWE-Vorstand, Wilfried Bommert:
„(…)
So grün war es noch nie zur Grünen Woche in Berlin. Selbst die industriefreundliche Bundeslandwirtschaftsministerin überschlägt sich mit ökologischen Bekenntnissen. Weniger Pestizide, weniger Antibiotika, weniger Fastfood, weniger Nitrat, weniger Fleisch, weniger Klimagase. Dafür mehr Bienen und Insekten in der Feldflur, mehr Vielfalt auf dem Acker, mehr Tierwohl im Maststall, mehr Lebensmittel aus der Region, mehr Selbstgekochtes auf den Tischen in Kitas, Schulen und Universitäten. Ja, das wollen wir. Zumindest ist es schön gesagt und wohlfeil applaudiert. Die Politik hat verstanden: Ab jetzt zählt grün, grüner, am grünsten. Wirklich?

Oder sind es nur verbale Nebelkanonen, die in Berlin in Stellung gebracht werden, um die unangenehme Wirklichkeit der Agrarwirtschaft zu verdecken? Nebelkanonen, die verschleiern sollen, dass die deutsche Landwirtschaft 20 Milliarden Wertschöpfung erbringt, dafür aber Umwelt- und andere Kosten in Höhe von 100 Milliarden produziert. Ökologische Kosten, die für ausgeräumte Landschaften, verlorene Bodenfruchtbarkeit und schrumpfende Wasserreserven, sterbende Bienenvölker und eine ausgezehrte Vogel- und Tierwelt hier und auf den Mastfuttersteppen in Südamerika anfallen. Kosten, die wir und unsere Enkel werden zahlen müssen. Wenn wir die Schwüre, die unter dem Funkturm Berlins geleistet werden, ernst nehmen sollen, dann muss genau diese Rechnung auf den Tisch. Und auf den Tisch muss auch, was wir für eine enkeltaugliche Landwirtschaft tun können. Anstelle von Schönrederei – harte Fakten, klare Ziele, konsequente Umsetzung. Dafür haben wir unsere Politiker gewählt.

Mein Vorschlag:
Pro Jahr 5 Prozent verringern bei allem, was nicht mehr ökologisch zu verantworten ist. 5 Prozent pro Jahr weniger bei Pestiziden, Antibiotika, Nitrat, Futtermitteln aus Übersee, Billigfleisch und Klimagasen. Und 5 Prozent pro Jahr mehr von dem, was dringend notwendig ist: Glückliche Tiere, mehr Bienen, mehr Vielfalt auf dem Acker, mehr sauberes Grundwasser und gesunder Boden, mehr Bauern und Bäuerinnen, die mit Stolz und Anerkennung ihre Felder bestellen. In 20 Jahren wären das 100 Prozent, also die komplette ökologische Wende auf den Äckern und auf den Tellern bis 2040.
Eine grüne 5-Prozent Diät für die nächsten 20 Jahre – das wäre mal eine konkrete Ansage. Und sie würde das umsetzen, was uns die Regierung bis 2050 versprochen hat, ein klima- und umweltverträgliches Land.“

Das IWE (World Food Institute – Institut für Welternährung e.V.) ist ein Zusammenschluss von Journalist*nnen, Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen und interessierten Laien mit dem Ziel, sich gemeinsam für eine Ernährungswende einzusetzen.

„Wasser pflanzen“

Diesen Ausspruch haben wir während unserem Besuch in Mértola/Portugal sehr oft gehört. Aber was bedeutet das und wie kann in einem Gebiet, indem im Sommer mit nur durchschnittlich 1,3 Regentagen zu rechnen ist, Landwirtschaft betrieben werden?

Eine gute Methode, um in klimatisch herausfordernde Regionen, wie z.B. in Mértola im Südwesten Portugals, Landwirtschaft zu betreiben, ist die Sintropic Anbaumethode, da sie ohne Wasser funktioniert. Um sich selbst wieder mit Gemüse und Obst zu versorgen, Weideflächen für Tiere aufzubauen und eine Zukunftsperspektive zu schaffen, sind die Landwirt*innen vor Ort bei ihrer Recherche auf die Anbaumethode von Ernst Götsch gestoßen. Ernst Götsch, Schweizer Forscher, Landwirt und Agroforstspezialist bewirtschaftet seit den 80er Jahren die 480 ha große Fazenda Olhos D’Água im brasilianischem Bundesstaat Bahia. Diese ehemals heruntergewirtschaftete und trockene Fläche ist gegenwärtig eine der fruchtbarsten Landwirtschaften weit und breit. Selbst in trockenen Jahren können stabile Ernten eingefahren werden.

Was genau ist syntropische Landwirtschaft?

Syntropische Landwirtschaft stellt ein sehr intensives Anbaukonzept dar, welches sich die Natur als Vorbild für den Anbau nimmt. Böden bleiben daher grundsätzlich bedeckt und im besten Fall bewurzelt. Dieser Bodenschutz beugt Erosion vor, hält die Feuchtigkeit im Boden, belebt die Bodenaktivität, führt kontinuierlich Nährstoffe dem Boden wieder zu, unterdrückt Unkräuter, verbessert die Bodenstruktur und die Aufnahmefähigkeit von Wasser. Beim Betrachten von Flächen, die so bearbeitet werden, ist vorwiegend Wald zu sehen – denn letztendlich sind syntropisch angelegte Flächen Waldgärten, die die Landwirtschaft mit der Forstwirtschaft verbinden. Zentral für dieses System sind Bäume und das Prinzip der Pflanzensukzession. In der Natur wird jede Brachfläche zuerst von Pionierpflanzen besiedelt. Diese ermöglichen die sukzessive Etablierung anderer, anspruchsvoller Pflanzengemeinschaften. Dieser Prozess zieht sich fort bis sich der Wald etabliert hat. Erfahrungen zeigen, dass das Land am „produktivsten“ in einem halboffenen Waldsystem wirken kann. Die oberen Baumkronen lassen noch genügend Licht auf alle “Etagen” des Waldes fallen, in denen zusätzlich geerntet werden kann. Z.B. Gemüse oder Getreide am Boden, Beeren an mehrjährigen Stauden, Obst und ganze Bäume zur Weiterverarbeitung. Dabei wirkt sich die Ernte positiv auf die Regeneration des Öko- systems aus.
Ein Beispiel: Radieschen und Salate werden zusammen mit Kohl und Auberginen, Ingwer, Bananenstauden, Papayas, Orangen und Kakao angebaut. Die Pflanzen werden gleichzeitig gepflanzt und ziehen sich „gemeinsam“ groß. Sobald eine Kultur reif ist, wird geerntet. Die Ernterückstände bleiben als Mulch und Dünger im Beet. Die Bäume werden regelmäßig geästet. Die verbleibenden Pflanzen im Beet bekommen so sukzessive mehr Licht und Platz zum Wachsen. 
Über das Wurzelsystem werden nach jeder Ernte oder nach jeder Baumpflege Impulse ausgelöst, die zur Verjüngung des Systems und zur Steigerung des Wachstums der Folgegesellschaften führen.

Welche Rolle haben dabei die Bäume? 

Bäume und mehrjährige Pflanzen sind für den Wasserhaushalt enorm wichtig. Sie fungieren als Windschutz und mindern flächendeckend die Wasserverdunstung. Gleichzeitig können sie Wasser aus tieferen Bodenschichten ziehen und sind damit resi- lienter gegenüber Trockenheit. Zudem erhöhen sie die Luftfeuchtigkeit durch Was- serverdunstung über ihre Blattmasse. 
Deshalb wird bei der Sintropic Anbaumethode oftmals vom “Wasser pflanzen” gesprochen. Es wird so angebaut, dass der Wasserkreislauf nach und nach wiederaufgebaut wird.

Dieses System ist kein organisch entstandener Wald, sondern ein genau geplantes System, das die vorhandenen Gegebenheiten optimal mit der wirtschaftlichen Nutzung zu vereinbaren versucht. Ziel dabei ist es ein ausgewogenes Ökosystem zu schaffen und dennoch wirtschaftlich zu arbeiten. Das Prinzip der syntropischen Landwirtschaft ist auf verschiedenste Ökosysteme anwendbar – erfordert jedoch ein tiefes Verständnis für die komplexen Vorgehensweisen der Natur und genaue Kenntnisse über die individuellen Gegebenheiten von Boden und Pflanzen. Zudem verlangt sie einen hohen Arbeitseinsatz, Investitionen sowie kaum Fehler.

Ein gutes Video zur Anbaumethode findet Ihr hier. 

Wie vor einigen Tagen berichtet, haben Daniel Überall, und unsere Auszubildende Sophie, Mértola im Rahmen einer Regionalkonferenz besucht und Projektinitiativen vor Ort kennen gelernt. Nachzulesen unter www.kartoffelkombinat.de/mertola.
António, ein Gärtner vor Ort, gestaltet mit der syntropischen Anbauweise derzeit bereits seine zweite Saison. So konnte er auch im letzten Jahr ohne Bewässerung anbauen. Ernst Götsch war schon zweimal in der Region, um beratend mitzuwirken. Derzeit (es ist gerade noch „Regenzeit“) werden Mischkulturen zwischen bereits bestehenden Olivenbäumen gepflanzt, Gräser zwischen Gemüse und trockenheitsresistente Nutzpflanzen recherchiert. Wir sind gespannt wie es in Mértola weitergeht und werden Euch weiter auf dem Laufenden halten.

Ein paar Bilder und Eindrücke der Anbaumethode, des dortigen Gartenprojekts und der trockenen Landschaft im südwestlichen Portugal haben wir Euch im Folgenden zusammengestellt.

Die landwirtschaftliche Uni Lissabon forscht auf Antónios Fläche

Auf den unterschiedlichen Parzellen werden unterschiedliche bodenbedeckende Gräser und Gründüngungen getestet.

João – Antónios „Azubi“ möchte perspektivisch auch einen Betrieb nach diesem Vorbild aufbauen.

Eine Gruppe an Volunteers die mit António eine Windschutzhecke pflanzen. Es wird jetzt gepflanzt, um den Niederschlag im Winter maximal zu nutzen.

Die unterschiedlichen Kakteen wachsen wild und dienen als natürlicher Feuerschutz bei Waldbrand. Die Früchte einiger dieser Kakteen (Kaktusfeige) werden auch geerntet und vor Ort als Obst oder Saft vermarktet.

Windschutzhecke in Rindenmulch.

 

 

Bäuer*innen Proteste in Berlin

Die Proteste der Bäuerinnen und Bauern in Deutschland und in anderen europäischen Ländern gehen weiter. Die Sorgen der Landwirt*innen sind verständlich. Die Brücke zwischen einer klimafreundlichen Landwirtschaft und der Vermeidung von Auflagen, die die individuell betriebliche Gesundheit von Landwirt*innen nicht gefährden, ist zu schlagen. 

Die Umweltbelastungen lassen sich nicht mehr wegreden: Insekten- und Vogelsterben, Nitrat im Grundwasser und eine äußerst schlechte Klimabilanz der deutschen Landwirtschaft. Darüber müssen wir reden – und die Politik den Kurs Richtung Artenschutz und naturverträgliche Landwirtschaft setzen.

Die GAP – die Gemeinsame Agrarpolitik der EU wird im Rahmen des EU-Haushalt festgelegt. Im Dezember verhandelt Angela Merkel den EU-Haushalt und damit das Budget und den Kurs der europäischen Agrarpolitik für die nächsten 10 Jahre.

Nur ein Bruchteil der EU-Agrargelder fließt derzeit an Landwirt*innen, die sich für Artenschutz und intakte Ökosysteme engagieren und es gibt viel zu wenig Anreize für diese, naturverträglich zu wirtschaften. Milliardenschwere Subventionen fließen überwiegend in die intensive Landwirtschaft. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU fördert über die Flächenprämien hauptsächlich Großstrukturen, denn rund 80 % der Unterstützung gehen an die größten 20 % der Betriebe. Umwelt- und Artenschutzmaßnahmen werden dabei kaum berücksichtigt. Das muss sich ändern.

Wenn die Bundesregierung es nun erneut versäumt, für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Landes einzustehen, verdient sie die Proteste – sowohl von Landwirt*innen als auch von Umweltschützer*innen.

Es ist nachvollziehbar als Landwirt*in auf die Straße zu gehen. Der Preisdruck zwingt sie zum Wettbewerb und Kostensenkungen, wobei durch die steigenden Umweltanforderungen Hürden zu nehmen sind, die oftmals nicht ohne strukturelle Umwälzungen im eigenen Betrieb einhergehen. Das das nicht einfach ist und meist langfristige Veränderungen mit sich bringt, ist nachvollziehbar – andererseits können wir nicht so weiter machen wie bisher. Das Insektensterben schreitet weiter voran und damit der Rückgang der Bestäuberleistung – die einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor in der Landwirtschaft darstellt. Lt. NABU (Naturschutzbund Deutschland) sind die Bestände der typischen Feldvogelarten dramatisch eingebrochen. Unser Grundwasser ist mit Nitrat belastet und die Klimabilanz der Landwirtschaft ist unverändert schlecht. Sie trägt maßgeblich zur Emission klimaschädlicher Gase bei. Dafür verantwortlich sind vor allem Methan-Emissionen aus der Tierhaltung, das Ausbringen von Wirtschaftsdünger (Gülle, Festmist) sowie Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden als Folge der Stickstoffdüngung (mineralisch und organisch). Mehr Infos dazu beim Umweltbundesamt.

Die Bundesregierung muss auf Bundes- wie auch auf kommunaler Ebene jetzt für eine klimafreundliche und gerechtere Agrarpolitik sorgen, die die Gesellschaft nicht weiter entzweit. Denn nicht nur die Bäuer*innen gehen auf die Strasse. Weltweit wird von Millionen Menschen klimapolitisches Handeln eingefordert. Die Zivilgesellschaft steht auf, Schüler*innen streiken und Bündnisse für mehr Klimagrechtigkeit entstehen. In München ist das Kartoffellkombinat Bündnispartner von „München muss handeln“ – einem Zusammenschluß von über 440 Unternehmen, NGOs, Organisationen und Privatleuten. Das Bündnis stellt sich hinter die Klimaschutzforderungen der Fridays For Future an die Stadt München und ruft die gewählten Repräsentant*innen der Bürger*innen Münchens dazu auf, jetzt entschlossen zu handeln und Maßnahmen zum Klimaschutz zu ergreifen. Durch öffentlichkeitswirksame Aktionen und der Einberufung eines (Klima)Krisenstabs ruft #muenchenmusshandeln die bevorstehenden Kommunalwahlen am 15.03.2020 zur #klimawahl2020 aus.

Steuergelder müssen endlich bei jenen Landwirt*innen ankommen, die umwelt- und klimafreundlich produzieren wollen – und von der Politik in ihren Subventionen beachteiligt werden. 58 Milliarden Euro beträgt das jährliche EU- Budget für Agrarsubventionen. Das sind 114 Euro pro EU-Bürger*in. Dieses Geld darf keine Turbo-Landwirtschaft und Massen-Tierhaltung mehr fördern, die negative Folgen für das Klima, unsere Umwelt und damit uns alle hat. Faire Preise und faire Wettbewerbsbedingungen sowie regionale Vermarktung müssen gestärkt werden und es muss Raum für Artenvielfalt geschaffen werden – in jedem Betrieb. Wir fordern eine Landwirtschaftspolitik, die unsere Steuergelder so einsetzt, dass faire Bedingungen für Landwirt*innen geschaffen werden und eine nachhaltige und klimagerechte Bewirtschaftung unsere Länder ermöglicht, damit nachfolgende Generationen in und von einer Umwelt leben können, die nicht komplett vermüllt, ausgebeutet und überhitzt ist.