O’zapft is

Pünktlich zum imaginären Wiesn-Anstich füllen wir dieses Jahr erstmalig unser eigenes KK-Bier ab. 

Dem ehrenamtlichen Engagement von drei Genoss*innen ist es zu verdanken, dass dieser erste Sud mit 4.000 Litern, abgefüllt in ca. 7.500 Flaschen, bald den Weg in unsere Wohnzimmer, Balkone etc. findet. Mitte Juli waren Clarissa, Nick und Max hierzu bei unserem Brauereipartner, Hadernder Bräu in München und verarbeiteten 750 kg Gerstenmalz und 3 kg Hopfen der Sorte Ariana zu einem Kellerbier mit leichten Fruchtnoten von Birne, Quitte und Ananas. 

Der erste Sud ist auch für die drei eine aufregende Angelegenheit, schließlich braut man nicht alle Tage ein gänzlich neues Bier. Stolz markieren sie die Lagertank mit dem KK-Bier nach drei langen Tagen in denen viel gearbeitet, geschleppt und geputzt wurde. Den glücklichen Ausdruck auf ihren Gesichtern sowie den gesamten Brauvorgang gibt es auf Video zum selbst miterleben und mehr Infos zum Kartoffelkombinat-Bier findet Ihr nach und nach unter kartoffelkombinat.de/bier

Es war ein langer Weg bis hierhin, bei dem von Anfang an eine Sache ganz besonders wichtig war – das Bier gemeinsam mit Euch Realität werden zu lassen. Hierzu wurden Umfragen gemacht, Präsentationen und Info-Veranstaltungen abgehalten und Vorbestellungen eingeholt. Basierend auf Eurem Feedback und den Umfrageergebnissen entstand das Rezept und die Vorgehensweise.

Unser Bier ist nicht nur bio, wir wollen noch mehr: Wir wollen die Verbindung zu einem landwirtschaftlichen Produkt wiederherstellen, indem wir ein Bewusstsein für die Herstellung und die Herausforderungen schaffen, mit denen Bio-Landwirt*innen für Hopfen und Gerste zu kämpfen haben. Über 99 % des Biers in Deutschland wird nicht-biologisch und mit teils schlimmen Folgen für Grundwasser, Böden und die Gesundheit der Landwirt*innen und Bier-Genießer*innen hergestellt. Im Kartoffelkombinat ist einer unserer Grundwerte, uns selbst mit Produkten versorgen zu können, die so hergestellt wurden, wie wir es als Gemeinschaft für sinnvoll halten. 

Über das Bier, die Zutaten, den Brauvorgang, das Rezept und die Menschen dahinter gibt es so viel zu erzählen. Deswegen wird es bald eine kleine Bierkolumne in unserem wöchentlichen „Kartoffeldruck“ geben. 

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann in der Kartoffelakademie am 22.09. zum Thema „Mehr Bio-Bier im Bier-Land Deutschland“ Clarissa und Nick persönlich kennenlernen und (falls Corona die Präsenzveranstaltung zulässt) den Sud 1 unseres KK-Bieres verkosten. Na, wenn das nicht Grund genug ist sich schnell unter kmbnt.de/bierakademie anzumelden.

Bundestagswahl 2021

Es ist mittlerweile kaum zu übersehen, die Plakate der Parteien säumen Straßen und Plätze: Am 26. September steht wieder eine Bundestagswahl an. Jetzt gilt es die Bürger*innen mit den Wahlprogrammen und Themen zu erreichen – doch bei immer mehr Menschen gelingt das nicht.

Die Wahlbeteiligung lag bei der letzten Bundestagswahl bei 76,2 Prozent. Wenn die Gruppe der Nichtwähler*innen eine Partei wäre, hätte sie mit 23,8 Prozent den zweiten Platz belegt. Es gibt jede Menge Statistiken über Nichtwähler*innen. Verständlicherweise, denn schließlich, das wissen auch die Parteien, kann deren Mobilisierung den Wahlsieg bedeuten. 

Die meisten Studien sind sich einig, wählen oder nicht wählen entscheidet sich bei jenen die entweder zu resigniert, von der Politik enttäuscht oder sozial benachteiligt sind, um sich in einem der Programme wiederfinden zu können. Manch eine/r entscheidet sich dann dazu, das Kreuz bei niemandem zu machen. Warum sich überhaupt bemühen und in ein Wahllokal gehen oder Briefwahl durchführen? Kein Wunder, falls z.B. der zweite Minijob auch Sonntagsschichten mit sich bringt.

Aber nicht nur jene, denen es an der Befriedigung existenzieller Grundbedürfnissen mangelt, verzichten auf ihre Stimmabgabe. Auch Bürger*innen, deren seelisches Bedürfnis nach Frieden, Freiheit und Gleichheit nicht bedient wird, entscheiden sich dafür keiner Partei die Legitimation zu erteilen. Es gibt unzählige Gründe, warum Menschen ihre Stimme nicht abgeben möchten – doch alle basieren auf dem gleichen Gefühl – nicht gehört zu werden. 

Nun ist es so, dass je weniger Menschen zur Wahl gehen, umso weniger Stimmen benötigt werden, um ein prozentual hohes Ergebnis abzuliefern. Angenommen 100 Menschen gehen wählen, davon stimmen 4 für Nationalisten, dann entspricht das  4 % der Stimmen. Geben hingegen nur 50 Personen ihre Stimme ab, wiegen diese 4 Stimmen doppelt so schwer (8 %). 

Leider sehen wir uns derzeit mit Gruppierungen konfrontiert, die ihre menschenverachtenden Meinungen lauthals in die Politik tragen und kontinuierlich versuchen unsere Demokratie für ihre niederen Zwecke zu nutzen. Und deren Anhänger*innen, auch das belegen Studien, nehmen ihre Wahlmöglichkeit sehr ernst. Dieses „shifting baselines“ hat die Rechten wieder in unsere Parlamente gespült und die Konservativen nach rechts gezogen. Während Afghanistan in diesen Stunden implodiert, betonen Politiker*innen hierzulande, dass sich „2015 nicht wiederholen darf“. Die AfD wirkt.

Das oben genannte Rechenbeispiel zeigt ganz deutlich, wer nicht möchte, dass der politische Einfluss von Parteien wie der AfD und ihrer nationalistischen Positionen weiter zunimmt, sollte sich den 26. September vormerken und wählen gehen. Denn jede Stimme für eine demokratische Partei ist eine Stimme gegen faschistische Positionen und gesellschaftliche Spaltung.

Wir vs. Witterung

Wie Ihr ja bestimmt mitbekommen habt, stecken wir in einem echt schwierigen Anbaujahr und haben bereits mehrere Kulturen verloren. Im Winter war es ungewöhnlich lange kalt und die Sonne hat sich kaum blicken lassen, sodass unsere Gewächshauskulturen, vor allem der Feldsalat, es schwer hatten. Und jetzt im Sommer (!) mag es nicht mehr aufhören zu regnen, es ist einfach zu nass und die paar Sonnenstunden reichen bei Weitem nicht, um den Pflanzen gute Bedingungen bieten zu können.

Hier in diesem kurzen Video erklären Euch Felix, Alena und Sophie, womit sie in den letzten Wochen so zu kämpfen hatten. Bisher konnten wir das durch ein grandioses Kistenmanagement von Andrea, den unermüdlichen Einsatz unseres Gärtnereiteams und durch die Kooperation mit unseren Partnerbetrieben einigermaßen gut ausgleichen – tausend Dank!

Dringende Hilfe für eine Gärtnerei in Schwarzach

Hier ist eine Biogärtnerei durch die Flut der letzten Tage in ihrer Existenz bedroht. Wer kann und will kann ja ein paar Euro in den Hut werfen – danke!
 
Der Klimawandel ist da. er schlägt zu, setzt unter Wasser, trocknet aus, laugt aus. Nicht nur die Natur – auch uns Menschen. So hat die Jahrhundertflut der letzten Tage auch die kleine Bio-Gärtnerei von Martin Schäfer in Schwarzach, Nähe Würzburg „erwischt“. Deren 4 ha Anbau ist nach dem Starkregen „Land unter“. Monatelange Arbeit, Ernteaussichten, Kräuter, Gemüsekulturen – alles dahin …
 
Ein Schaden, der in die Tausende geht, kommt noch obendrauf.
Wer der Gärtnerei mit ihrem regionalen Bio-Gemüseanbau wieder auf die Beine helfen kann, dem sei deren Spendenaktion auf GoFundMe ans Herz gelegt:
https://www.gofundme.com/f/dringende-hilfe-gaertnerei-schwarzach
 

Homo communis – Sondervorstellung & Filmgespräch

Der Dokumentarfilm stellt Menschen in den Mittelpunkt, die ihre Vision von Kooperation und Teilen leben und zu realisieren versuchen. Er spürt Orte des Tuns auf – jenseits von Markt und Staat. Den u.a. in Venezuela und Deutschland portraitierten Menschen, geht es um stabile Beziehungen, ein verlässliches Miteinander in Arbeit und Leben und ein Teilen der Ressourcen.
zur Film-Website 

Am 9. Juli zeigt der Rio Filmpalast den Dokumentarfilm in München, in Kooperation mit der anstiftung und dem Kartoffelkombinat findet im Anschluss ein Filmgespräch mit Regisseurin Carmen Eckhardt statt.
> zur Kino-Website
> direkt zum Ticketverkauf

“Der Film erzählt von Menschen, die den Mut gefunden haben, aufzustehen, wo andere sitzenbleiben. Sie gehen einen eigenen Weg und schaffen Dinge, die man nicht für möglich gehalten hat.” taz

 

Was sind eigentlich Treibhausgase?

Das Zeug, das unserer Atmosphäre mächtig einheizt – sind Treibhausgase. Davon gibt es viele Arten, die unterschiedlich stark die Klimaerwärmung vorantreiben. Ein Überblick:

Treibhausgase sind nicht per se schlecht. Über Jahrmillionen übten sie eine überlebenswichtige Funktion aus: Die Sonnenwärme in der Erdatmosphäre halten und so für ein Klima sorgen, das Leben ermöglicht. Ohne den natürlichen Treibhauseffekt wäre es für die meisten Lebewesen viel zu kalt. Statt der aktuellen Durchschnittstemperatur von +15 °C würden bitterkalte -18 °C herrschen. Die Erdoberfläche wäre tiefgefroren!

Doch seit der Mensch fossile Brennstoffe zur Energiegewinnung nutzt und die Haltung von Nutztieren industrialisiert hat, steigt die Konzentration von Treibhausgasen in unserer Atmosphäre extrem an. So stellt sie mittlerweile eine Gefahr für alles Leben auf unserem Planeten dar. Denn Massentierhaltung und Rodung der Wälder, um Äcker für die Landwirtschaft und Rinderweiden zu schaffen, Waldflächen in Ölpalm-, Soja-, Bananen- oder Kaffeeplantagen umzuwandeln, und aus dem Erdreich Bodenschätze wie Eisenerz, Gold, Öl oder Gas zu gewinnen, haben die massiven Freisetzung von CO2 zur Folge.

Durch diese signifikante Konzentration – seit 1990 um 43 % – hat sich unsere Welt seit der vorindustriellen Zeit bereits um ein Grad erwärmt. Klingt wenig, doch die Folgen sind gravierend, vor allem, wenn die Temperatur weiter steigt: Das Eis der Polkappen schmilzt, der Meeresspiegel steigt. In vielen Regionen kommt es zu extremen Wetterereignissen und Niederschlägen, während andernorts verstärkt starke Hitzewellen, Dürren und Waldbrände auftreten.

CO2: Das sog. Kohlendioxid entsteht bei Verbrennung von Kohle, Öl und Gas oder beim Trockenlegen von Mooren. Es ist mengenmäßig das wichtigste Treibhausgas, denn seine Konzentration in der Atmosphäre nimmt stetig zu.

Methan & Fluor-Kohlenwasserstoffe: Methan, das in überfluteten Reisfeldern oder in Mägen von Wiederkäuern entsteht, erwärmt das Klima 25-mal stärker als Kohlendioxid. Bei Lachgas aus überdüngten Äckern liegt der Faktor übrigens bei 310(!). 

Überdüngte Äcker entstehen dadurch, dass die Sch*** der Tiere, die wir für den Verzehr tierischer Produkte massenhaft halten, am Schluss eben auf dem Acker landet. Sehr stark wirken auch die Treibhausgase der Fluor-Kohlenwasserstoffe, die z.B. im Kühlmittel alter Kühlschränken enthalten sind.

Wir sind also selbst verantwortlich für die Anreicherung der Treibhausgase in unserer Atmosphäre – denn menschengemachter Ressourcenverbrauch, intensivste Landwirtschaft, Überdüngung unserer Äcker und Massentierhaltung führt in der Folge ausnahmslos zur Emission klimaschädlicher Treibhausgase.

Gute Nachricht: So wie wir selbst verantwortlich für den Schlamassel sind, können wir selbst auch etwas gegen die Klimaerwärmung tun. Z.B. wenig oder gar keine tierischen Lebensmittel verzehren, statt mit dem Auto mit dem Rad oder ÖPNV fahren, auf Flugreisen verzichten und Energie aus erneuerbaren Energien beziehen.

Die Politik ist gefragt. Die anhaltende Subventionierung fossiler Energieträger und eine CO2-Steuer von zaghaften 25 € je  Tonne CO2-Äquivalent (CO2e) führen nicht zum Ziel, die Klimaerwärmung unter den im Pariser Klimaschutzabkommen festgelegten 2 C° zu halten. Ca. 195 € Steuer müssten es sein. Auf diesen Wert belaufen sich die Klima- und Umweltkosten laut Berechnung des Umweltbundesamtes je Tonne CO2e. Sie werden zum Beispiel durch höhere Gesundheitsaufwendungen, Ernteverluste und Schäden an der Infrastruktur verursacht. 

Es wird deutlich, wie wichtig die politischen Hebel sind, die wir mit unserer Stimme bei jeder Wahl bewegen. Eine gute (und letzte) Gelegenheit, Klimapolitik zu ermöglichen, bevor es zu spät ist, wäre z.B. der 26. September bei der Bundestagswahl.
Einen Überblick, wo die verschiedenen Parteien in Sachen Klimapolitik stehen, findet Ihr hier.

Endlich! Ein Lieferkettengesetz!

Wir begrüßen den Sommer zwar mit offenen Armen, im Freiland arbeiten unsere Gärtner*innen aber aktuell bei 30 Grad und mehr oftmals in der prallen Sonne und kommen fast an die Belastungsgrenze – im Gewächshaus ist es logischer Weise noch heißer.

Im Vergleich zu anderen Ländern sind das sogar noch entspannte Rahmenbedingungen. Denn in brütend heißen Fabriken oder Steinbrüchen arbeiten derzeit schätzungsweise 160 Millionen Kinder unter dem gesetzlichen Mindestalter.

Das diesen Monat vom Bundestag beschlossene Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz(!) soll hier Abhilfe schaffen und den Schutz grundlegender Menschenrechte und das Verbot von Kinderarbeit unterstützen. Das neue Gesetz tritt 2023 in Kraft und will deutsche Unternehmen, ab einer Größenordnung von 3.000 Angestellten, zu mehr Verantwortung für die gesamte Lieferkette veranlassen. 2024 folgen dann Unternehmen mit mehr als 1.000 Angestellten, die sich gleichermaßen dazu verpflichten durch z.b. Risikoanalysen und Risikomanagement nachteilige Auswirkungen auf die Menschenrechte aufzudecken und abzuwenden.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle überprüft die Einhaltung des Gesetzes, kontrolliert die Unternehmensberichte und verhängt Sanktionen. Außerdem geht es Beschwerden nach, die von Betroffenen, deutschen Gewerkschaften oder NGOs eingereicht werden können. So ist es also theoretisch möglich, dass die Näherin aus Bangladesch sich an diese deutsche Behörde wenden kann, wenn in ihrer Arbeitsstelle Menschenrechtsverletzungen vorliegen. Wie realistisch dieses oder ähnliche Szenarien sind, sei mal dahingestellt. Ganz sicher ist dagegen, dass der bürokratische Aufwand bei den Unternehmen und dem Bundesamt erheblich ansteigen wird.

Die Bundesregierung, allen voran der scheidende Entwicklungsminister Müller, feiern das neue Gesetz als Meilenstein zu mehr Menschenrechten und sehen darin eine Blaupause für ein geplantes EU-weites Gesetz, das jedoch noch einige Zeit auf sich warten lassen wird. Auf politischer Ebene mag dieses Gesetz einen Schritt in die richtige Richtung darstellen, aber die unmittelbaren Auswirkungen auf die Arbeiterinnen und Arbeiter sind leider weiterhin in unserem täglichen Handeln begründet. Und somit auch in unseren individuellen Entscheidungen als Konsumenten auf Produkte zu setzen, deren Hersteller sich nachhaltigen und ökologischen Werten und Prinzipien verschrieben haben.

Fazit: Das verabschiedete Lieferkettengesetz ist die erste, längst überfällige und notwendige Voraussetzung für einen (hoffentlich stattfindenden) Wechsel weg von der individuellen Konsument*innen-Verantwortung hin zu einem systemischen Ansatz.

UPDATE:
Welche Unzulänglichkeiten das Gesetz hat und auf wessen Betreiben hin die entstanden sind, wurde in der aktuellen „Die Anstalt“-Sendung mit einer Tafelnummer erklärt:

Was sind die Sustainable Development Goals?

Klimawandel, Armut und Hunger, Flucht und Migration und und und. Krisen, Probleme und Defizite gibt es viele. Über die „SDGs“ will die Weltgemeinschaft diese überwinden.

2015 haben sich deshalb 193 Staats- und Regierungschefs der Vereinten Nationen in der Agenda 2030 auf 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz „SDGs“) verständigt. 

Die Agenda 2030 nennt fünf Kernbotschaften, die den 17 Zielen als Handlungsprinzipien vorangestellt sind: 

  1. Die Würde des Menschen im Mittelpunkt
  2. Den Planeten schützen
  3. Wohlstand für alle fördern
  4. Frieden fördern
  5. Globale Partnerschaften aufbauen.

Im Wesentlichen sollen die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung …

  • Armut und Hunger beenden und Ungleichheiten bekämpfen.
  • Selbstbestimmung der Menschen stärken, Geschlechtergerechtigkeit und ein gutes und gesundes Leben für alle sichern.
  • Wohlstand für alle fördern und Lebensweisen weltweit nachhaltig gestalten.
  • ökologische Grenzen der Erde respektieren: Klimawandel bekämpfen, natürliche Lebensgrundlagen bewahren und nachhaltig nutzen.
  • Menschenrechte schützen – Frieden, gute Regierungsführung und Zugang zur Justiz gewährleisten.
  • eine globale Partnerschaft aufbauen.

Quelle: www.stockholmresilience.org
Grafik: Jerker Lokrantz/Azote

Die Agenda 2030 ist damit ein „Weltzukunftsvertrag“, um allen Menschen bis zum Jahr 2030 ein Leben in Würde zu sichern. Die SDGs berücksichtigen alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – Soziales, Umwelt, Wirtschaft – gleichermaßen und gelten für alle Staaten der Welt.

Und um diese beschlossenen Ziele zu erreichen, müssen wir in Deutschland unsere Lebensweise ändern. Jetzt. Darum hat die Bundesregierung im Jahr 2016 die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen und 2018 aktualisiert. Darin legt sie fest, welche Beiträge sie für die nachhaltigen Entwicklungsziele leistet. Alle zwei Jahre erstellt das Statistische Bundesamt dazu einen Indikatorenbericht.

Aus diesem Bericht wird ersichtlich, wie weit die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie bereits umgesetzt wurde und wo weiterer Handlungsbedarf besteht.

Für den Bereich Ernährung hat außerdem Dr. Karl von Koerber, Ökotrophologe, Professor an der LMU und Uni Gießen, und Leiter der Arbeitsgruppe Nachhaltige Ernährung e.V. in München „Grundsätze für eine Nachhaltige Ernährung“ bezüglich ihrer Potenziale zur Unterstützung der SDGs entwickelt, da die insbesondere die Erzeugung von Lebensmitteln eine Schlüsselrolle bei der Erreichung gleich mehrerer SDGs und deren Unterziele spielt.

Die zentrale, umfangreiche Publikation für seine globale Ernährungsstrategie gibt es hier als Download.

Von Koerbers Strategie für eine Nachhaltige Ernährung gliedert sich in 5 Grundsätze: 

  • Die Bevorzugung pflanzlicher Lebensmittel
  • Ökologische erzeugte Lebensmittel
  • Regionale und saisonal Erzeugnisse
  • Bevorzugung gering verarbeiteter Lebensmittel
  • Fair gehandelte Lebensmittel
  • Ressourcenschonendes Haushalten
  • Genussvolle und bekömmliche Speisen

Wie genau sich diese einfach klingenden Grundsätze in den unterschiedlichen SGDs wiederfinden, und welche enormen Hebel diese hin zu einer nachhaltigen, gerechteren Welt sie ermöglichen, hat die Initiative Slow Food e.V. gut verständlich aufbereitet.

Alle(s) für viel Weniger!

Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und Überproduktion und sinnvolle Wiederverwendung – das sind die Grundsätze unseres täglichen Tuns im Kartoffelkombinat.

Sei es die Verteilung von Hanfsamen, die als Nebenprodukt eines Forschungsprojektes anfallen oder die gebrauchte Karottenwaschmaschine, der wir ein zweites Einsatzleben schenken – Abfallvermeidung und maximal ressourcenschonendes Wirtschaften sind für uns eine wichtige Maxime.

Und da nicht nur wir, sondern unzählige interessante Projekte sich diesem klimafreundlichen Lifestyle widmen, wollen wir Euch hier einen kleinen Münchner Überblick verschaffen, wie Ihr Euren Ressourcenverbrauch ganz easy und lokal verringern könnt. Ob Secondhandläden, Flohmärkte, Repair-Cafés, Tauschbörsen, Einkaufen mit weniger Müll – die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt:

Statt das Zuviel an Lebensmitteln kurz vor der Urlaubsreise wegzuwerfen, oder die bereits nicht mehr ganz frischen Gemüse- und Obstüberbleibsel auf den Kompost zu pfeffern, freuen sich Nachbar*innen und Freund*innen i.d.R. sehr über Übriggebliebenes. Online könnt Ihr Eure Lebensmittel auch einfach über foodsharing.de verteilen. Einfach einen Essenskorb erstellen, Nachrichten von Interessenten erhalten, die die Waren bei Euch oder einem Treffpunkt abholen. Dazu gehören auch bereits geöffnete oder das MHD-überschrittene Waren.

Wer seine Reste sinnvoll verkochen möchte, der wirft einen Blick in die Webapp von „Zu gut für die Tonne“. Einfach Eure „Reste“ eintragen und dafür individuelle Rezeptvorschläge bekommen unter: kartoffelkombinat.de/zugutfuerdietonne, oder Ihr stöbert in unserer Kartoffelkombinat-Rezeptdatenbank im Forum für alle Mitglieder: kartoffelkombinat.de/rezepte.

Nahezu verpackungsfrei konsumieren wir im KK mit unserem wöchentlichen Ernteanteil sowieso. Aber auch das Einkaufen in vielen Biomärkten ist mittlerweile verpackungsfrei möglich. Wer auf noch mehr Zero Waste steht, der schaut mal in den Servus Resi, den Unverpackt-Laden in der Kistlerhofstr. 111 (einen unserer 120 Verteilpunkte), oder in den OHNE Supermarkt (Schellingstr. 42), den WestendPUR (Heimeranstr. 51A), den nebenan & unverpackt (Willibaldst. 18) …

Wertvolle Tipps für abfallarmes Einkaufen gibt’s auch von der guten AWM:
kartoffelkombinat.de/awm.

Und wer das eigene Radl endlich selbst reparieren oder Omas Radio wieder aufdrehen möchte, der bekommt in einem der zahlreichen Repair-Cafés zum handwerklichen Selbermachen alles gestellt – fachliche Anleitung inklusive. Viele sog. Repair-Cafés bieten sogar an, Eure Stücke von kundigen Privatleuten reparieren zu lassen. Hier gibt’s eine gute Übersicht:
awm-muenchen.de/reparaturfuehrer

Und wer weder kaufen noch reparieren will, der leiht einfach. Ein umfangreiches Kompendium dafür hat die AWM in petto unter awm-muenchen.de/leihlexikon.

Das DOKfest ist wieder los!


Aufgepasst: das 36. DOK.fest München findet gerade zum zweiten Mal in Folge online statt. Bis nächsten Sonntag (23. Mai) könnt Ihr noch die besten 131 internationalen Dokumentarfilme direkt von Eurer Couch aus Streamen. Richtig gute Filme in Sachen Nachhaltigkeit, Klima und mehr haben wir Euch im Folgenden zusammengestellt.

Und für alle, die die kommenden Schlechtwettertage Zeit haben, sich alle 131 Filme des Festivals reinzuziehen, gibt es den Late-Bird-Pass für 50 € und damit freies Streamen ohne Ende bis kommenden Sonntag.

Alle Infos zum
Programm und den Tickets gibt’s hier.

WOOD – DER GERAUBTE WALD
Michaela Kirst, Monica Lazurean-Gorgan, Ebba Sinzinger, Deutschland/Rumänien/Österreich 2020, 97 Min., Originalfassung: Rumänisch, Englisch, Deutsch – Untertitel: Englisch, Deutsch

 ©DOK.fest München WOOD

Jeder hat von illegalem Holzabbau gehört. Jeder weiß, dass Unmengen abgeholzt werden – um genau zu sein: weltweit alle zwei Sekunden die Größe eines Fußballfeldes. Aber doch nicht in Europa! Von wegen: Auch hier ist der Handel mit illegalem Holz Tagesgeschäft. Das eigene Billy-Regal entstammt vermutlich aus verbotener Rodung. Große Firmen aus Österreich schaffen Anreize in Rumänien, Holz illegal abzubauen. Die Herkunft der Ware, ob Wirtschaftswald oder Nationalpark, ist dabei egal. Wenn jemand genauer hinsieht, wird gedroht. Der Film begleitet ein investigatives Team rund um den Globus. Angeführt von einem ehemaligen US-Marine-Mitglied werden mit Undercover-Methoden Mittel der weltweiten Holzmafia aufgespürt. Ziel ist es, mit neuen Regeln die illegalen Machenschaften zu unterbinden. Katharina Dolles
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HOLGUT
Liesbeth De Ceulaer, Belgien 2021, Originalfassung: Russisch – Untertitel: Englisch


©DOK.fest München HOLGUT

„Permafrost ist irgendwie cool!” Zwei Expeditionen führen uns in die raue Weite Jakutiens. Während ein Junge aus der Stadt von seinem Bruder in die Kunst der Jagd eingeführt wird, durchgräbt ein Forscher den allmählich schmelzenden Permafrostboden. Er sucht nach einer einzigen, perfekt erhaltenen Mammutzelle. Seine Vision: die Riesen der Eiszeit eines Tages im Genlabor zu klonen und in der Tundra wieder auszuwildern. Zwischen Hightech-Träumen und urzeitlichen Ritualen spannt der Film einen faszinierenden Bogen mit majestätischen, düsteren Bildern von einer Natur, die es so vielleicht bald nicht mehr geben wird. Hier, in der Dämmerung der Zeiten, vermischen sich Realität und Fiktion, Zukunftsvision und Mythos.
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DIE KUNST DER FOLGENLOSIGKEIT
Jakob Brossmann, Friedrich von Borries, Deutschland 2020, 67 Min., Originalfassung: Französisch, Englisch, Deutsch – Untertitel: Englisch


©DOK.fest München DIE KUNST DER FOLGENLOSIGKEIT

„Was im Moment als sinnvolles Leben angesehen wird, hat ja zum Zustand der Zerstörung unserer Natur geführt, den wir jetzt erleben.“ Der Architekt und Designtheoretiker Friedrich von Borries hat einen Gegenvorschlag: folgenlos leben! Sich von Erfolg und Wachstum lossagen. Diese Idee aufgreifend, entwickelt der Regisseur Jakob Brossmann ein kunstvoll verschachteltes hybrides Szenario, konfrontiert Dokumentarisches mit Fiktionalem und lässt innerhalb der verschiedenen Ebenen Figuren wie Darstellende – und nicht zuletzt von Borries und sich selbst – zu Wort kommen. Was ist Kunst, was kann, soll sie politisch bewirken? Wie wichtig ist Erfolg und was bedeutet es, ein Leben zu führen, das keine negativen Folgen hat? Ein Film, der dazu einlädt mitzudiskutieren! Selime Schauer-Altinbilek
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LIFE OF IVANNA
Renato Borrayo Serrano, Russland/Norwegen/Finnland, 77 Min., Originalfassung: Russisch – Untertitel: Ohne, Englisch


©DOK.fest München LIFE OF IVANNA

Leben im Permafrost: Wäsche waschen, Holz hacken, Rentier zerlegen. Draußen – ewiges Eis. Drinnen – fünf kleine Kinder mit ihrer jungen Mutter Ivanna. Die Kippe steckt in ihrem Mund wie das Ofenrohr in ihrer mit Rentierleder bespannten Hütte. Wenn der Sturm zu stark daran rüttelt, wird sie einfach aus dem Wind gedreht, das Haus steht auf Kufen. Wenn das kleine Nomadenvolk der Nenzen weiterzieht, werden vorne die Rentiere eingespannt. Ivanna führt noch das mühsame Leben ihrer Eltern und träumt von einem eigenen Haus in der Stadt. „Ich möchte alles ändern. Ein gutes Leben haben.“ Der Besuch bei ihrem alkoholabhängigen Mann bietet keine guten Aussichten. Am Ende hat er ein weiteres Mal seinen Beitrag geleistet. Porträt einer starken Frau. Christian Lösch
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MORNING STAR
Nantenaina Lova, Madagascar 2020, 77 Min., Originalfassung: Madagassisch – Untertitel: Englisch


©DOK.fest München MORNING STAR

Für das australische Bergbauunternehmen Base Toliara ist der Strand von Andaboy Beach ein Gebiet voll ungenutzter wertvoller Rohstoffe, für die Regierung von Madagaskar eine Chance auf schnelles Wirtschaftswachstum. Für dessen Einwohner im Südwesten der afrikanischen Insel jedoch bedeutet er Heimat und Lebensgrundlage. Hier gehen sie fischen, hier liegen ihre Ahnen begraben. In einem Kampf „David gegen Goliath“ leisten sie Widerstand und versuchen, sich den erbarmungslosen Mühlen des globalen Kapitalismus entgegenzustellen. Zum Soundtrack ihrer rituellen Gesänge begleiten wir diese Menschen auch bei ihrem alltäglichen Leben. Ein neues Kanu wird gekauft, die Speerfischer fahren zur See, Kinder plantschen im Fluss. Es wird allzu deutlich, was hier auf dem Spiel steht. Philipp Großmann
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MONOBLOC
Hauke Wendler, Deutschland 2021, 90 Min., Originalfassung: Portugiesisch, Italienisch, Hindi, Luganda, Französisch, Englisch, Deutsch – Untertitel: Deutsch, Englisch


©DOK.fest München MONOBLOC

Jeder ist schon einmal auf ihm gesessen: auf jenem geliebten, gehassten Plastikstuhl, der in jeder Strandbar, jedem Vorgarten, vor jeder Frittenbude sein Dasein fristet. Wussten Sie eigentlich, wer ihn erfunden hat? Und wer ihn dann als Massenware produziert hat? Dass er sogar im Museum steht? Wo muss ein Filmteam überall hinreisen, um eine Geschichte zu erzählen, die von Wirtschaft, Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Würde erzählt – und über eine seltsame Beziehung: die zwischen Menschen und Dingen. Eine kuriose Reise nach Afrika, Indien, USA, Frankreich, Brasilien… auf der Suche nach einem Stuhl, der immer schon da ist, bevor man angekommen ist. Ein persönliches Porträt von einem der auszog – um sitzen zu lernen. Elena Álvarez
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Viel Spaß beim Gucken!