Ein Tag in Spielberg: 27.05.2020

Mitgärtnern ganz Digital – unsere rasende Reporterin Rajka berichtet in dieser Saison hier im Blog, bei FB und Instagram darüber, was sich in der Gärtnerei so tut, mit Infos rund ums Gärtnern und Pflanzenwachstum und den Menschen, die unser Gemüse pflanzen, pflegen und ernten und die auch hinter den Kulissen fleißig daran arbeiten, unsere Vision der alternativen Versorgungsstruktur für München weiter auszubauen. 

Letzte Woche gab es wieder einiges zu tun in Spielberg. Die Kürbispflanzaktion ging los und unsere Folientunnel sind jetzt zu fünft ;-)… Aber lest selbst, was sich in unserer genossenschaftlichen Gärtnerei so tut:

Pünktlich zum (leckeren) Mittagessen mit genügend Sicherheitsabstand habe ich unserem Gärtner*innenteam wieder über die Schulter geschaut. Anna, die sich im Kartoffelkombinat vor allem um die Mitgliederbetreuung, Testphasenabläufe und Verteilpunkte kümmert, hat sich einen schönen Arbeitsplatz in der Sonne eingerichtet. Da wir überall auf der Gärtnerei gutes WLAN eingerichtet haben, lässt sich der Bürotag so gut nach draußen verlagern. 

Danach hat es mich zu den Tomaten ins Gewächshaus gezogen. Dort herrscht eine ganz besondere Stimmung – die Geräusche der Gärtnerei sind hier drinnen nur noch gedämpft zu hören, eine ruhige und entspannte Atmosphäre, eine mollig warme Temperatur und herrlich nach Heu duftende Luft empfängt mich dort. Spannend, wie schnell die Tomaten wachsen, die ersten Früchte sind schon zu sehen. Das Team kümmert sich derzeit vor allem um die Pflege. Dabei werden die kleinen Triebe aus den Blattachsen der Tomatenpflanze ausgegeizt, damit die meiste Energie in den Haupttrieb fließt. Außerdem müssen die Rankschnüre durch das Wachstum nachgezogen werden. Kompliziert und imposant sieht auch die Bewässerungsanlage aus, die wir installiert haben, und die in jeden Winkel und zu jeder Pflanze das nötige Nass transportiert. 

Tomaten verbrauchen in unserem eher gemäßigten Klima vergleichsweise wenig Wasser bei saisonalem Anbau im Vergleich zu Tomaten aus dem Süden. Durch die dort vorherrschenden hohen Temperaturen steigt der Wasserverbrauch um ein Mehrfaches. Pro Kilo Tomaten benötigen die Früchte hierzulande ca. 10 Liter Wasser, um zu reifen, Tomaten aus Südspanien im Schnitt 85 l, aus der Türkei 130 l, getoppt noch von ägyptischen Tomaten mit 230 l pro kg.

Hinzu kommt dann die hohe CO2 Belastung durch den Transport zu Land oder Schiff, die diese Tomaten zurücklegen, um auf unseren Tellern zu landen. Ungünstig wird diese Bilanz natürlich auch beeinflusst, wenn hiesige Tomaten nicht saisonal erzeugt werden und durch beheizte und beleuchtete Gewächshäuser sehr viel Energie verbraucht wird.

 

Wie letzte Woche versprochen, schaue ich mal, wie sich unser fünfter Folientunnel so macht. Die Gewächshaus-Jungs Moritz, Alex und Stefan kämpfen nicht nur mit der Hitze unter der Folie, auch der Wind verlangt so einiges an Muskelkraft ab, um den Kampf der Elemente für den Folientunnel zu gewinnen. Nun steht er endlich hinter unseren zwei Glasgewächshäusern, sieht gut aus und bietet noch mehr Platz für Sommergemüse, wie z.B. Paprika und Co.  

Als nächstes möchte ich natürlich die große Kürbispflanzaktion nicht verpassen, und mache mich auf den Weg vorbei an den Gewächshäusern zu meiner linken, den 4 Folientunnel zu meiner rechten und am neuen Maschinenunterstand vorbei zum Kürbisacker.

Auf dem Weg dahin passiere ich allerlei Beete und staune, was alles schon so auf dem Acker steht, und dank Sonne, Luft und Pflege wächst und gedeiht. Fenchel, Mangold, Lauch und frischer Knoblauch, Salat und Kohl.

Die Kürbisaktion ist schon im vollen Gange, fast das ganze Freilandteam ist mit dabei: Per Hand und teilweise mit maschineller Hilfe werden Teile der Ackerflächen mit Agrotex bedeckt. Um sie vor dem „Wegwehen“ zu schützen werden sie alle paar Meter mit Sandsäcken beschwert. Ca. 1.250 Säcke à 5 – 8 kg hat unser Team so einzeln auf dem Gewebe platziert. Zusätzlich wird das Gewebe noch mit sog. Erdnägeln fixiert – wie mir Samad erklärt.

Korbinian ritzt das Agrotex ca. alle 75 cm ein und Lias setzt die kleinen Kürbissetzlinge anschließend in die Erde. 8.000 selbst gezogene Kürbispflanzen stehen am Schluss auf dem Acker. Ein Teil der Pflanzen wird auf Mulch (Heusilage) gepflanzt. So testen wir aus, was den kleineren Arbeitsaufwand nach sich zieht, und auf welchem Mulch, die Pflanzen besser gedeihen. Das organische Mulch ist z.B guter Dünger, wobei beide Varianten Unkraut unterdrücken. Nachteil des Agrotex ist, dass es aus Kunststoff besteht, auch wenn wir es jahrelang wiederverwenden.

 

Zum Schutz vor Krähen waren wir kreativ und haben Vogelscheuchen gebastelt. Zudem bedecken wir den Acker mit einem leichten Pflanzenschutznetz. Wir freuen uns so auf ca. 16.000 Kürbisse zur Ernte, bunt gemischt aus Hokkaido, Butternut und Spaghettikürbis.

Es sieht schon lustig aus, wenn der komplette Acker mit Gewebe bedeckt ist, und um das Agrotex zu schonen, sind die meisten strumpfsockig unterwegs (natürlich nur bei Arbeiten, bei denen keine Sicherheitsschuhe notwendig sind). Das Ganze wird also zur Sockenparty – vielleicht zusätzlich noch ein gutes Mittel gegen die Krähen ;-).

 

Zu guter Letzt erwische ich Alex noch dabei, wie er in guter alter Ghostbusters-Manier sich auf den Weg in die Folientunnel macht. Da muss ich mit: Stefan und er haben Brennnesselsud angesetzt, indem sie Brennnesselblätter in Wasser „eingelegt“ haben, und den Sud 3 Tage ziehen liessen. Der Sud wird gegen die schon zahlreich gesichteten Blattläuse auf unseren Paprikapflanzen eingesetzt und auf die Pflanzen gesprüht. Er ist nicht wirklich schädlich für die Blattläuse, stärkt aber die Pflanzen ungemein, sodass sie den Läusebefall gelassen nehmen.

 

Und nicht nur wir waren fleißig an diesem Tag in Spielberg, auch die vielen kleinen Mitbewohner*innen, die die Gärtnerei ihr Zuhause nennen, sind emsig am Arbeiten, Nektar sammeln, Nester bauen, fressen und gefressen werden, fortpflanzen, brüten und jagen. 
In den Phazeliastreifen, summt und brummt es, dass es eine Freude ist. Einen kleinen Eindruck bekommt Ihr hier (Ton an): 

 

Phacelien werden übrigens umgangssprachlich auch Bienenweide, Bienenfreund oder Büschelschön genannt und häufig als Bienenweide angesät. Sie ist eine ertragreiche Pflanze, da sie in 24 Stunden Nektar nachproduzierten kann und dadurch für Bienen sozusagen ein Schlaraffenland darstellt. Zudem ist sie ein guter Bodenverbesserer, d.h. sie gibt die Nährstoffe im Boden gut an nachfolgende Pflanzen weiter, beschattet den Boden sehr gut und unterdrückt wirksam Unkraut. 

Das war unser Tag aus Spielberg, nächste Woche berichten wir, wie es unseren Kartoffeln so geht und wie unsere Weiß- und Chinakohljungpflanzen in den Acker gekommen sind.
Stay tunded!

Alles Gute und Euch allen eine wunderbare 1. Juniwoche
Bis bald!

 

Ein Tag in Spielberg – 20.05.2020

Auch das Kartoffelkombinat passt sich an die aktuelle Corona-Situation an – und bis auf Weiteres findet erstmals in der Geschichte unserer Genossenschaft kein sonntägliches Mitgärtnern in unserem Betrieb in Spielberg mit fröhlich pfeifenden Genoss*innen statt, die Ihre Hände in die Erde und ihre Nasen in die gute Landluft stecken.

Deshalb wird unsere rasende Reporterin Rajka in dieser Saison hier im Blog, bei FB und Instagram noch mehr darüber berichten, was sich in der Gärtnerei so tut, mit Infos rund ums Gärtnern und Pflanzenwachstum und den Menschen, die unser Gemüse pflanzen, pflegen und ernten und die auch hinter den Kulissen fleißig daran arbeiten, unsere Vision der alternativen Versorgungsstruktur für München weiter auszubauen. 

Wir nehmen Euch von nun an jede Woche einen Tag lang mit nach Spielberg. 
Heute: zum Jungpflanzencheck mit Sophie, zum Mulchen mit Alex und Felix und mit Conny und Korbinian auf dem Wirsing-Acker. Viel Spaß!


Die Anbausaison startet gerade richtig durch, und bei durchwachsenem Wetter, kurz nach den Eisheiligen, geht es vor allem im Freiland nun richtig los. Laut Bauernregel sind nach den Eisheiligen Mitte Mai die Frostnächten passé. Also werden alle in den Startlöchern stehende Jungpflanzen sukzessive aufs Feld gebracht. 

Sophie, Gärtnerin im Kartoffelkombinat zeigt mir die Jungpflanzenstation von Eichblatt- und Endiviensalat, Majoran und verschiedenen Kohlsorten, die auf unseren sog. Pflanztischen auf Ihren Umzug warten. Sie wurden von unserem Jungpflanzenlieferanten extra für uns vorgezogen und frisch geliefert. Die Pflanztische stehen kurz vor den Gewächshäusern und können mit Wasser geflutet werden, sodass die Pflanzen, die in kleinen Erdwürfeln stecken, von unten bewässert werden. Zum Schutz werden sie teilweise mit Pflanzenvlies abgedeckt und Sophie hat natürlich stets ein Auge auf die zartbesaiteten Mini-Kulturen. 


Im Orchideengewächshaus ziehen wir derweil Kürbisse aus Samen vor. Das gelingt in den sogenannten Quickpod-Platten ganz gut. Je Platte können 77 Kürbisflanzen gezogen werden und sobald sie kräftig genug sind, werden sie im Freiland in die Erde gesetzt. Wir testen diesmal aus, auf welchem Untergrund sie besser gedeihen. Auf „künstlichem“ Mulchgewebe, dem sog. Agrotex oder auf Heusilage, die wie das Gewebe das Unkraut bestens unterdrückt und die Wasserverdunstung verringert, gleichzeitig aber eben aus organischem Material besteht und als nährstoffreicher Dünger fungiert. Über 4.000 Kürbisse wollen wir im Herbst ernten – da werden hohe Erwartungen in die kleinen Pflänzchen gesteckt ;-).



Im Gewächshaus ist Moritz gemeinsam mit Stefan Herr über unsere Sommerkulturen. Heute brauchen die Auberginen besondere Pflege: Moritz „geizt sie aus“, das bedeutet er knipst die überzähligen Triebe in den Blattachsen ab, damit die Pflanze nicht zu viel Energie in zu viele „Enden“ steckt.

 

Ausserdem sind bereits die Wanzen im Anmarsch und wir rüsten auf: Die Gewächshäuser werden von außen mit Netzen abgedeckt, so dass die Wanzen trotz offener Einfallstore – durch Fenster und Türen – am Eindringen gehindert werden. Auch die Blattläuse werden bereits fleißig von unseren Nützlingen, wie Schlupfwespen, Raubmilben und Chlorfliegen, vertrieben. Die Fenster der Gewächshäuser sind nicht etwa ungewaschen, sondern extra mit Kalklösung bespritzt. Das wird „Schattieren“ genannt, damit die Sonneneinstrahlung an Kraft verliert und es den Pflanzen nicht zu heiß wird. Nach der Saison wird die Kalkfarbe einfach wieder heruntergewaschen. 


Ich laufe weiter an den Gewächshäusern vorbei, der Packhalle, in der bereits die Erntekisten für den morgigen Tag gepackt werden und gelange zum zukünftigen Zucchinibeet. Beet hört sich an dieser Stelle recht mickrig an, aber die 1,5 x 100 Meter sind dann doch etwas größer, als die Beet-Vorstellung im eigenen Garten. Dort sind Alex, unser Student im Praxissemester und Felix, unser Gärtnereimitarbeiter am Werk. Mit Hilfe von Sophie wird der Acker gemulcht. D.h. Heu, das längere Zeit gelagert wurde und so mit Nährstoffen und Mikroorganismen angereichert wurde, wird auf dem Acker verteilt, bevor die Jungpflanzen eingesetzt werden. Dadurch sind die Pflänzchen geschützt, und wie bei den Kürbisflanzen dient der Mulch dazu, die Feuchtigkeit im Boden zu halten und den Boden mit Nährstoffen zu versorgen. 



Am Nachmittag schaue ich dann mal, was denn auf dem sog. „Finger“ los ist. Auf dem Ackerstreifen, der am „weitesten“ von unserem Betrieb entfernt ist – ca. 3 Minuten zu Fuß, sind Conny, Korbinian und Samad dabei die Wirsing-Jungpflanzen einzusetzen.
Um die über 8.000(!) Jungpflanzen einzusetzen bekommen sie maschinelle Hilfe.

Mit unserer Pflanzmaschine, die an unseren Traktor montiert wird, geht es in eher – ähem – gemäßigtem Tempo übers Feld. Conny und Korbinian, unsere Gärtnereimitarbeiter*innen, sitzen dabei ganz hinten auf der Maschine. Vor sich die Jungpflanzen, die sie manuell vorsichtig in einen sich drehenden Schacht rutschen lassen. Der Schacht transportiert die Jungpflanzen nach unten und drückt sie in einem zuvor genau eingegebenen Abstand in die Erde. Genau 26 cm stehen die Pflänzchen in ordentlichen Reihen nachher auf dem Feld. Die Pflanzmaschine drückt die Kulturen schön tief in den Acker, so ist eine bessere Verwurzelung der Kleinen möglich, und die Erträge nachher höher. Nach getaner maschineller Arbeit werden alle Reihen im Nachgang nochmal kontrolliert und die schief und nur halbwegs eingesetzten Jungwirsinge nochmal von Hand aufgerichtet und tiefer in die Erde gedrückt. Samad, unser Gärtnereiazubi, steuert dafür den Traktor in Präzisionsarbeit über das Feld.

 

Die drei Gärtner*innen sind damit den ganzen Tag bis c.a 20 Uhr beschäftigt. Denn die Wirsinge in den Boden zu bekommen ist das eine, das andere ist, 230 Meter Bewässerungsrohre zu verlegen, denn Jungpflanzen haben wir alle kleinen Nachwuchswesen vor allem eines: Durst. 

Einen kleinen bewegten Einblick in die Wirsingpflanzung bekommt Ihr in unserem kleinen Video:

Bis nächste Woche! Da berichten wir noch genauer über unsere Kürbispflanz-Aktion und gucken mal, wie der Aufbau unseres fünften Folientunnels vorangeschritten ist.

Euch allen eine schöne Woche
Bis bald!



KW 21

Diese Woche gibt es*: .
Chinakohl, Pak Choi,
Karotten, Packerl Hanfsamen,
Salatkopf, Topf Basilikum,
frischer Knoblauch
*Verteilung variiert je Kistengröße

DOK.Fest Filmtipps & Gewinnspiel

Es ist wieder soweit, und doch ganz anders. Das 35. DOK.fest München findet erstmals online statt. Bis 24. Mai könnt Ihr die besten internationalen Dokumentarfilme direkt auf Eure heimischen Bildschirme streamen – darunter 21 Weltpremieren und 69 Deutschlandpremieren.

Wir haben eine super Filmauswahl aus dem Bereich Landwirtschaft & Nachhaltigkeit für Euch herausgepickt und verlosen 2×2 Tickets. Dazu einfach unter unseren Artikel den gewünschten Film-Titel als Kommentar hinterlassen. Viel Glück!

REGELN AM BAND BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT
Yulia Lokshina, Deutschland 2020, 92 Min.


In der Stadt wird am Gymnasium „Die heilige Johanna der Schlachthöfe” von Bertolt Brecht geprobt. Zur gleichen Zeit stirbt in der Provinz ein Leiharbeiter in der Maschine einer Fleischfabrik. Was sich wie ein schwarz-weiß angelegtes Lehrstück anhört, ist in Wirklichkeit ein kunstvoll gearbeitetes Mosaik aus klugen Fragen, präzisen Beobachtungen und filmischer Raffinesse. Dem Film gelingt ein Diskurs über die Warenwelt, in der wir uns laut Regisseurin „mit all unseren Illusionen und unserer Naivität selbst verorten können.” Mehr Infos und Trailer zum Film gibt es hier.

EINE FRAGE DER HALTUNG
Felix Remter, Miriam Remter, Deutschland 2020, 87 Min.

„Nutztiere wie Hühner, Schweine, Kühe können eingesperrt werden. Bei den Honigbienen ist das nicht möglich.“ André Wermelinger polarisiert, wie viele der kontrovers argumentierenden Imker und Experten. Es geht um das Überleben der Honigbiene: Eigene Schutzstrategien versus Varroabehandlung mit Medikamenten, das alte Handwerk der Zeidlerei versus wirtschaftliches Imkern. Eine ethnografische Filmerzählung, die nicht nur für Bienenspezialisten sehenswert ist! Mehr Infos zum Film gibt es hier.

WORKHORSE
Cliff Caines, Kanada 2019, 82 Min.

Schon in der Antike galt: das Pferd sei dem Menschen kein Sklave, sondern Freund. Cliff Caines’ Dokumentarfilm setzt diese jahrtausendealte Beziehung zwischen Tier und Mensch in schönsten Schwarzweißbildern in Szene. Durch verschneite kanadische Wälder und Äcker ziehen noch heute Bauern und Holzfäller mit Pferdefuhrwerken. In tiefgründigen Gesprächen reflektieren sie über den stetigen Wandel der Arbeit in der Landwirtschaft. Eine ebenso stille wie erhabene Ode, die lange nachhallt. Mehr Infos und Trailer zum Film gibt es hier.

THE WHALE FROM LORINO
Maciej Cuske, Polen 2019, 59 Min.

Lorino in Sibirien, im äußersten Nordosten Russlands: Hier lebt das indigene Volk der Tschuktschen. Die Jagd auf Wale ist tief in ihrer Mythologie verwurzelt, sie ist eine Notwendigkeit, um in harschen Wintern zu überleben. Die Überbleibsel sowjetischer Einflüsse verfallen gemeinsam mit den Walskeletten an der rauen Küste. Eine Ethnographie vor arktischer Kulisse. Mehr Infos und Trailer zum Film gibt es hier.

SMOG TOWN
Meng Han, China 2019, 80 Min.

Die Umweltbehörde in Langfang steht unter Druck: Die Stadt liegt im trüben Smogdunst. Die Luftverschmutzung ist eine der schlimmsten landesweit. Die Regierung in Peking will Besserungen – und zwar schnell. Eine Taskforce um den stellvertretenden Amtsdirektor Li und seinen Berater Hu zieht los. Von der kleinen Sprossenfarm mit Kohleofen bis hin zur Stahlfabrik – geschlossen wird, was Emissionen verursacht, oft zu Lasten der Ärmsten. Meng Han zeigt ein bürokratisches Drama, wie es aktueller nicht sein könnte. Mehr Infos und Trailer zum Film gibt es hier.

+++ GEWINNSPIEL +++
Wir verlosen in Zusammenarbeit mit dem DOK.fest jeweils 2×2 Tickets für die ausgewählten Filme. Wer mitmachen möchte, hinterlässt dazu unter diesem Artikel einen Kommentar mit dem Filmtitel, für den Ihr gerne Karten hättet. Unter allen Kommentaren, die bis zum 08.05. um 22:55 Uhr geschrieben werden, verlosen wir die Karten. Dazu geben wir die Namen und E-Mail-Adressen der 2 Gewinner*innen an DOK.fest München weiter. Viel Glück!

Das gesamte Programm findet Ihr unter www.dokfest-muenchen.de.
Copyright alle Bilder: DOK.fest München

LiMaX mAxImUs!

Hinter diesem Ausspruch verbirgt sich kein Zauberspruch, sondern der Name eines ziemlich außergewöhnlichen Mitbewohners in unserer Gärtnerei: der Tigerschnegel.
Eigentlich wollten wir Euch als Nächstes die Erdkröte vorstellen – doch bei der Salaternte ist uns der Tigerschnegel immer wieder zwischen die Finger gekommen – deshalb aus aktuellem Anlass nun mehr dazu:

Der Tigerschnegel sieht aus wie eine sehr große Nacktschnecke im Raubkatzen-Look. Doch anders als der Name vermuten lässt, ist er ganz zahm und zählt zu den Nützlingen auf unserem Acker. Denn Tigerschnegel essen mit Vorliebe totes Pflanzenmaterial, Moos, Flechten und Pilze. Für einen extra Proteinkick in seiner Ernährung – und Freudensprünge beim Gärtnereiteam – sorgt er durch seinen Konsum von Schneckeneiern. Somit dezimiert er kontinuierlich die gefräßigen Wegeschnecken, die sich sonst über unsere Salat- und Kohlköpfe hermachen. Ein bisschen Raubtier steckt auch in einem Tiegerschnegel, – so stehen nicht nur Schneckeneier, sondern auch ausgewachsene Schnecken auf seinem Speiseplan. Im Internet findet man einige Videos von spektakulären Verfolgungsjagden bei Nacht. Naja, so spektakulär wie Schneckenjagden eben sein können.

Allerdings berichten Hobbygärtner*innen resigniert, dass er Schnecken meistens nur anknabbert und dann wieder ziehen lässt. Wenn also angebissene Nacktschnecken im
Garten zu sichten sind, hat sich vermutlich ein Tigerschnegel angesiedelt. Ihn selbst sieht man nur selten, da er strikt nachtaktiv ist. Auf seiner meist grauen Haut befinden sich schwarze Flecken und Streifen. Dieses Muster hat ihm auch seinen Namen eingebracht. Das lateinisches „Maximus“ lässt es schon vermuten: Der Tigerschnegel kann eine Länge von bis zu 20 cm erreichen und gehört damit zu den Größten seiner Gattung.
Leider wissen viele Gärtner*innen nichts von seinen nützlichen Ernährungsgewohnheiten und bekämpfen ihn genau wie seine langsamen Verwandten. Auch Schneckenkorn unterscheidet nicht zwischen Schnegel und Schnecke, ein weiterer Grund also, um sparsam mit derartigen Mitteln umzugehen.

Meistens kommt der Tigerschnegel von ganz alleine in den Garten – vorausgesetzt Kost und Logies ist gestellt und genügend Unterschlupfmöglichkeiten geboten. Er bevorzugt dunkle und feuchte Orte, gerne richtet er sich sein Zuhause in Stein- oder Totholzhaufen ein. Bei uns ist er in den Gewächshäusern gesichtet worden.
Des Weiteren soll es helfen, abends geschnittene Champignons auszulegen, um den Tigerschnegel anzulocken. Sobald er einmal eingezogen ist, bleibt er zumeist zur Dauermiete und vermehrt sich fleißig. Wie bei fast allen Schnecken sind alle Tiere Zwitter, d.h. sie besitzen sowohl männliche als auch weibliche Fortpflanzungsorgane. Zur Paarung umschlingen sich zwei Schnegel ganz eng und lassen sich an einem Schleimfaden von einem Ast herunterfallen – ganz schön abenteuerlich. Dann legen beide Tiere 100 bis 300 Eier, aus denen dann nach ein paar Wochen die kleinen weißen Babyschnegel schlüpfen.

Wer Tigerschnegel im eigenen Garten ansiedeln möchte, um die Nützlingsarbeit zu fördern, kann einfach mal in der eigenen Nachbarschaft fragen, ob jemand ein paar Exemplare zum weitergeben hat…

An alle Kids und Kreativen – macht mit bei der Tigerschnegel-Malaktion:

„Wie sieht Dein Tigerschnegel aus?“

Wir freuen uns über kreative, bunte, witzige Kunstwerke von Euch. Schickt Eure Bilder bis zum 24. Mai per E-Mail direkt an lias@kartoffelkombinat-ev.de – jeder kann mitmachen (keine Altersgrenze). Eure Kreationen werden wir im Nachgang in einer Online-Galerie auf der Vereinswebsite (www.kartoffelkombinat-ev.de) präsentieren.

30. ApRiL: WiR sInD AcHt!

Acht Jahre, in denen wir gemeinsam mit Euch der Vision eines Gemeinwohl- Unternehmens als Alternative zur Agrarindustrie einen riesigen Schritt näher gekommen sind.  

Seit acht Jahren ermöglichen inzwischen über 2.200 Haushalte mit etwas über 1.700 Ernteanteilen den Ausbau unserer genossenschaftlich organisierten Versorgungsstruktur im Großstadtgebiet mit fair erzeugtem Bio-Gemüse und damit viele tausend Menschen. Darüber freuen wir uns sehr!
Wir sind ein bisschen traurig, dass wir in diesem Jahr nicht wie gewohnt feiern können, aber wir sind sehr froh, dass es Euch alle da draußen gibt! Ob als Genoss*innen, als Verteilpunktbetreiber*innen, als Partner*innenbetriebe oder als Freund*innen und Unterstützer*innen jeglicher Art. 
 Gemeinsam sind wir stark!

Und wie es sich gehört, haben wir natürlich auch einen Geburtstagswunsch, der von Herzen kommt: Haltet Abstand, bleibt bitte gesund und lasst uns in der Post-Corona-Ära nicht wieder zum “Normalen” zurückkehren, sondern lasst uns alles dafür tun, das Artensterben, die Erosion der Böden, die Vernichtung der Ökosysteme und den Klimawandel aufzuhalten. Für unsere Erde, für alle Lebewesen darauf und für jene, die nach uns kommen.

So, das war jetzt ein bissl pathetisch und auch mehr als ein Wunsch – aber dafür sind Geburtstage ja da. 🙂

Was wünscht Ihr Euch für unsere gemeinsame Zukunft und was wünscht Ihr dem Kartoffelkombinat im neuen Lebensjahr? Schreibt’s uns bei Facebook – wir freuen uns drauf!