Das KK im Protestonaut-Kalender 2021

Im Spätsommer durften wir einen ganz besonderen Besuch in unserer genossenschaftlichen Gärtnerei Nähe München begrüßen. Wir und unsere Tomaten hatten ein kleines Get-Together mit dem Protestonaut – siehe Bild:

Der Protestonaut (lat.: protestari – öffentlich bezeugen, gr.: –nautēs – Matrose) ist ein journalistisches Kunstprojekt, das mit Fotos und kurzen Texten Aufmerksamkeit auf wichtige Punkte und Herausforderungen lenken will. Denn das Überangebot der Medien und die immerwährende Überinformation verschiedenster Kanäle verschleiert manchmal den Blick auf wichtige Themen wie Klimaschutz, Bildung oder Datenschutz – Themen, die alle Menschen betreffen.

Der Protestonaut besucht Projekte, Institutionen und Regionen, die einen aufmerksamen Blick verdienen, da sie Besonderes leisten, Wichtiges sichtbar machen und mit Engagement und Herzblut daran arbeiten, die Welt ein Stückchen besser zu machen.

Im Wandkalender 2021 sind alle Besuche des Protestonauten in wunderschönen Bildern festgehalten. So ist der Kalender ein Impulsreferat in gedruckter Form. Zum Denkanstöße geben und Diskussionen anregen. 

Astronauten sind Entdecker und müssen zahlreichen Herausforderungen gewachsen sein. Im All haben sie einen außergewöhnlichen Blick auf die Erde und schweben über Problemen des blauen Planten. Im Kostüm des Protestonauten könnte jeder stecken: die Verkäuferin, der Bankangestellte, die Lokalpolitikerin, der Student, die Managerin, der IT-Fachmann, die Leserbriefschreiberin, der Arbeitssuchende, die Lehrerin, der Privatier – und Du.

Das wunderbare Bild vom Protestonaut in unserem Tomatengewächshaus findet Ihr in der siebten Ausgabe des Wandkalenders. Hier steht das Thema „Nachhaltigkeit“ im Fokus und die Kalendermotive für 2021 zeigen den Protestonaut unter anderem im Wald, beim Einkaufen im Second-Hand-Laden, in unserer Gärtnerei, vor einem Insektenhotel und beim Urban Gardening.

Der Protestonautkalender 2021 zum Thema Nachhaltigkeit ist ab sofort erhältlich – Wo und wer hinter dem Projekt steckt könnt Ihr hier nachlesen: protestonaut.de/der-kalender.

Winter in der Gärtnerei

Die Natur bereitet sich langsam auf die kalte Zeit vor und wir wollen uns mal genauer anschauen, wie sich Pflanzen, Tiere und Insekten winterfest machen, um die Zeit bis zum Frühjahr gut zu überbrücken …

Wir drehen die Heizung auf, kochen Tee und machen es uns unter dicken Decken auf dem Sofa gemütlich, sobald die Temperaturen auf Winterniveau fallen. Doch wie sieht es mit den Pflanzen aus, die neben allerlei Gemüsekulturen auf unserem Betrieb zu Hause sind?

Sinkende Temperaturen und die kürzeren Tage signalisiert den Pflanzen den nahenden Winter. So haben sie Zeit, ihr Wachstum einzustellen, ihre Pflanzensäfte (Wasser, Zucker, Chlorophyll) zurückzuziehen und diese in Wurzeln, Stamm und Knospen einzulagern. Vorratshaltung eben ;-). Bei Bäumen und Sträuchern wird das z.B. am verfärbten, fallenden Laub deutlich. Im Sommer verdunstet ein Baum über seine Blätter jede Menge Wasser – eine hundertjährige Rotbuche etwa 400 l pro Tag! Im Winter können deren Wurzeln jedoch immer schlechter Wasser aus dem Boden aufnehmen. Um nicht auszutrocknen, werden die Blätter daher inkl. giftiger Stoffwechsel-Endprodukte und gespeicherter Umweltgifte abgeworfen. Sozusagen ein Reinemachen vorm Winterschlaf. Und ohne Laub auf den Ästen sind diese auch weniger anfällig für Herbststürme und Schneelast. Zudem ist im Frühjahr der Weg für die ersten warmen Sonnenstrahlen frei, die das Signal für das Austreiben der Knospen geben.

Bei Pflanzen, wie z.B. Stauden, unterscheidet man ein- zwei- oder mehrjährige Arten. Einjährig bedeutet: Die Pflanze keimt im Frühjahr aus einem Samen, wächst heran, blüht, wird befruchtet, es bilden sich Samen aus, diese fallen im Spätsommer / Herbst auf die Erde und die Mutterpflanze stirbt ab. Nach dem Winter treiben die Samen der neuen Generation aus und der Kreislauf beginnt von Neuem. Die Pflanze selbst lebt aber nur ein Jahr. Ringelblume, Lupine, Bockshornklee sind typische einjährige Pflanzen. 

Bei den zweijährigen Pflanzen schaut der Ablauf etwas anders aus. Im ersten Jahr werden nur Wurzeln und Blätter, oft in Form einer grundständigen Rosette ausgebildet. Erst im zweiten Jahr – nach einem Kältereiz im Winter – treibt ein Blütenstand aus. Der bringt wieder Samen hervor und der Kreislauf beginnt von Neuem. Typische Vertreter der zweijährigen Pflanzen sind Wilde Möhre, Königskerze oder Nachtkerze.

Nähert sich die Temperatur dem Gefrierpunkt, schalten winterharte Pflanzen auf Überlebensmodus: Statt Glucose stellen sie Glycerin her und zerlegen Stärke zu Glucose. Das Wasser in ihren Zellen wird dadurch so gebunden, dass es bei Minusgraden nicht mehr gefrieren kann. Die Pflanze bildet also eigenständig ein Frostschutzmittel. Einige Pflanzensamen benötigen eine Kältephase von 0° C bis +5° C über vier bis acht Wochen, um nach der Aussaat auszutreiben – sog. Kaltkeimer, wie z.B. Haselnuss, Buche, Eiche oder Dill. Sie benötigen in ihren Entwicklungsphasen exakt passende Witterungsbedingungen.

Doch der Klimawandel stört die sensiblen Abläufe durch weiter steigende Temperaturen und weniger Niederschläge. So geraten ineinander verzahnte Abläufe immer mehr aus dem Tritt und die Verschiebung von klimatischen Zonen durch die Erderwärmung macht es heimischen Pflanzen und damit unserer gesamten Artenvielfalt schwerer zu überleben.

Beim nächsten Mal gucken wir uns die Insekten an, und welche Überwinterungsstrategien sie anwenden, um den Winter gut zu überstehen.

KW 47

Diese Woche gibt es*
Schwarzwurzeln, Zwiebeln, 
Grünkohl oder Rosenkohl
oder Blumenkohl
oder Romanesco, Fenchel, 
Feldsalat, Kürbis Butternut
oder Hokkaido, Eiszapfen
oder Pak Choi, Karotten
*Verteilung variiert je Kistengröße

Europas Natur stirbt

Europas Natur ist auf dem absteigenden Ast. Nicht nur einzelne Arten sind gefährdet. Auch ganze Lebensräume, wie Wälder, Grünland und Moore, die durch ihren Zerfall ganze Populationen dem Untergang weihen.

Details über den desaströsen Zustand der Flora und Fauna wurden im „Bericht zur Lage der Natur in Europa“ der Europäischen Umweltagentur kürzlich veröffentlicht. Das Ergebnis ist alarmierend: Weniger als 20 Prozent der Lebensräume sind demzufolge EU-weit noch einigermaßen intakt.
Mitverantwortlich für das Sterben unserer Natur ist u.a. eine zu intensiv betriebene Landwirtschaft mit z.T. schlimmen Folgen für Mensch und Natur. Siehe zum Beispiel unseren Beitrag zur Pestizidstudie.

Bestrebungen, unser Lebensmittelsystem und dessen Wertschöpfungskette nachhaltiger zu gestalten gibt es z.B. in Form der „Farm to Fork“-Strategie auf EU-Ebene, die den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft und die Reduzierung des Einsatzes von gefährlichen Pestiziden und Düngemitteln vorsieht.

Doch der aktuelle Beschluss zur Ausgestaltung der europäischen Agrarpolitik (GAP) des EU-Parlaments hat solchen Zielen den Riegel vorgeschoben – und zwar für die nächsten sieben Jahre!
Mitverhandlerin: Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), die das Ergebnis als

„Meilenstein“ und „Systemwechsel“ lobt.

Doch Tatsache ist, dass die dringend benötigte Agrarwende erneut in unerreichbare Ferne rückt. Die fast 400.000.000.000 € des europäischen GAP-Haushalts gehen demnach auch in Zukunft ohne nennenswerte Umweltauflagen weiterhin an Betriebe, die die größten Flächen bewirtschaften und damit auch am wirkstärksten Hebel für gute oder schlechte Umweltauswirkungen sitzen.

Mehr zu dieser niederschmetternden politischen Entscheidung und welche Optionen für die Agrarwende verbleiben, gibt es hier.