Viel Geld für wenig Umwelt

Was ist eigentlich die GAP? So unklar wie der Name, so diffus ist auch das Verständnis über die GAP – die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik. Eines ist sie ganz gewiss: Sie ist der größte finanzielle Einzelposten des Europäischen Haushalts und damit ein wesentlicher Hebel für (k)eine Wende in der Landwirtschaft. 

400.000.000.000 Euro umfasst das Haushaltsbudget der GAP. Heruntergebrochen auf jede/n EU-Bürger*in sind das 114 €  Steuergelder pro Nase, mit der wir die Landwirtschaft der Europäischen Union jährlich subventionieren. 

Ein Rückblick: Nach dem 2. Weltkrieg und vorherrschender Lebensmittelknappheit erhielten Landwirt*innen Subventionen als Anreiz, in ihre Betriebsstrukturen zu investieren, intensiver zu wirtschaften und z.B. neue Ställe zu bauen, um die Lebensmittelverfügbarkeit wieder herzustellen. 

Durch die voranschreitende Globalisierung wurden Politik, Konsum und Landwirtschaft mehr und mehr miteinander verwoben und neue Abhängigkeiten geschaffen. Die Subventionen dienten nun dazu europäische Betriebe auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig zu erhalten, um Standards und Regeln einhalten zu können und um Lebensmittel billiger zu machen.

Der Kerngedanke jeder Steuerpolitik ist es, öffentliche Gelder für Leistungen einzusetzen, die der Allgemeinheit – also uns – dienen. Die GAP verfehlt diesen Gedanken jedoch komplett.

Warum ist die GAP in der Kritik?
Die GAP verteilt ihre 400 Mrd. € nach dem sog. Gießkannenprinzip. Rund 80 % der Subventionen werden an landwirtschaftliche Betriebe nach Fläche vergeben.

Im Klartext: Viel Fläche bekommt viel Geld. Nur 20 % der Gelder werden für Umweltleistung, -bildung, ländliche Entwicklungsmaßnahmen sowie Arten- und Klimaschutz vergeben, die vor allem kleinbäuerliche Betriebe mit regionalen Vermarktungswegen durchführen und damit die Lebensqualität ihrer Region, fruchtbare Böden, saubere Luft und sauberes Wasser fördern. 

Wer trägt die Folgekosten?
Wir alle. Denn intensive landwirtschaftliche Nutzung führt zu ausgelaugten Böden, unwiederbringlichen Bodenverlusten, einem Rückgang der Artenvielfalt u.a. durch massiven Pestizideinsatz, Trinkwasserverschmutzung durch zu viel Dünger. Dieser Dünger wird bspw. nicht ausgebracht, weil der Boden ihn dringend braucht. Er wird auf die Felder gespritzt, da die Sch*** der viel zu vielen Tiere, die gehalten werden, um den immensen Bedarf an tierischen Produkten (Stichwort: tägliche Wurstsemmel oder auch Export in alle Welt) zu decken, irgendwo hin muss. Dadurch sind unsere Böden in Deutschland derart mit Nitrat belastet, dass wir von der EU verklagt wurden, da wir „keine ausreichenden Maßnahmen zur Verringerung der durch Nitrate aus landwirtschaftlichen Quellen verursachten Gewässerverschmutzung ergreifen“. Leider halten wir so einige EU-Vorgaben nicht ein, wie ein Blick in die 17 Punkte umfassende Klageschrift der EU-Kommission deutlich macht: kartoffelkombinat.de/eu-klage

Zurück zur GAP:
Die Subventionen fördern also genau jene Betriebe, die sich auf industrialisierte Landwirtschaft spezialisiert haben, umweltzerstörende Monokulturflächen bewirtschaften und so viel Massentierhaltung betreiben, dass sie nicht wissen, wohin mit all der Gülle.

Die Folgekosten von z.B. der Trinkwasseraufbereitung trägt die Allgemeinheit, also der/die Steuerzahler*in in den Kommunen und Gemeinden, die auf den Kosten sitzen bleiben.    

Billigere Lebensmittel für Alle?
Lebensmittel werden durch die GAP keineswegs billiger. Bereits heute kommt uns die Kostenexternalisierung bei der Lebensmittelproduktion für Mensch, Tier und Umwelt teuer zu stehen. Durch den massiven Rückgang der Artenvielfalt, Verödung der Böden, verschmutztes Trinkwasser und massenhafte CO2-Emissionen.

Fazit:
Das Verhältnis der GAP-Geldvergabe (80/20) zerstört das Ökosystem. Der Großteil der Subventionen muss zukünftig in kleinbäuerliche Strukturen fließen, um dort faire Arbeitsplätze und nachhaltige Zukunftschancen für Landwirt*innen zu schaffen. So kann Landwirtschaft und eine Lebensmittelproduktion für die Allgemeinheit in einer öko-sozialen Art und Weise betrieben werden.

Das wiederum erhöht die Lebensqualität von uns allen und hinterlässt fruchtbare Böden und in sich intakte natürliche Kreisläufe für jene, die nach uns kommen. Leider ist die Mutlosigkeit der verantwortlichen EU-Politiker*innen seit Jahren konstant und die Verschränkung mit Berufsständen der Lebensmittelindustrie sehr eng. Es braucht genau jetzt, dringend eine mutige und neue Auseinandersetzung über die Auswirkungen und Ziele für eine lebenswerte Zukunft, um Chancen für eine klimagerechte und umweltschonende Landwirtschaft anzupacken.

Ein Tag in Spielberg: 17.06.2020

Mitgärtnern ganz digital – unsere rasende Reporterin Rajka berichtet in dieser Saison hier im Blog, bei FB und Instagram darüber, was sich in der Gärtnerei so tut, mit Infos rund ums Gärtnern und Pflanzenwachstum und den Menschen, die unser Gemüse pflanzen, pflegen und ernten und die auch hinter den Kulissen fleißig daran arbeiten, unsere Vision der alternativen Versorgungsstruktur für München weiter auszubauen.

Diese Woche habe ich mich ganz dem Wachstum unserer Kulturen gewidmet. Es blüht, gedeiht, brummt und summt–- egal wohin ich schaue. Trotz oder gerade wegen Miesewetter und Dauerregen strotzt die Natur und platzt aus allen Nähten. Viel Spaß beim Schauen und Lesen…

Mein heutiger Rundgang beginnt im hinteren Bereich unserer Gärtnerei. Hinter der Packhalle öffnet sich der Blick auf unsere verschieden Kulturen, die wir im Freiland in einer Beetstruktur anbauen. Jedes Beet ist c.a 110 Meter lang und 1,5 Meter breit. Beim Rundblick sieht es wunderbar bunt und vielfältig aus. Und das ist auch mit ein Grund, warum wir in einer Beetstruktur arbeiten. Denn nicht nur wir mögen Vielfalt und Abwechslung in der Kiste, auch alles, was das fliegt, brummt, summt, kreucht und fleucht, freut sich in unserer Kulturlandschaft über verschiedenste Pflanzen, Wurzeln, Bodenbeschaffenheiten, Gerüche, Blüten, u.v.m.

Und da wir z.B. für 1.800 Ernteanteile mehrere aufeinander folgende Wochen frischen Salat ernten möchten, müssen wir unsere Kulturen zeitlich versetzt anpflanzen, damit nicht alle auf einmal erntereif sind. Das wiederum ermöglicht auch der Artenvielfalt in unseren Beeten mehr Schlupfwinkel und Rückzugsräume, längere Beschattung des Bodens und Verdunstungsschutz, da nur schrittweise abgeerntet wird.

Monokulturen und riesige Felder, auf denen nur eine Frucht oder Kultur angebaut wird, wäre für uns nur schwer zu bearbeiten. Die kleinstrukturierte Beetunterteilung ermöglicht es, von beiden Seiten gut an die Kulturen und Pflanzen „heranzukommen“. Der Maschineneinsatz ist dabei natürlich wiederum begrenzt, doch der Boden, der durch die abwechslungsreichen Fruchtfolgen gut mit Nährstoffen versorgt wird, dankt es uns mit gutem Wachstum.

Denn wenn Flächen in verschiedenen Fruchtfolgen bepflanzt werden, schützt das den Boden vor dem Auslaugen. Bei Monokulturen tritt häufig das Problem auf, dass sich durch aufeinanderfolgende Bepflanzung aus derselben Kulturenfamilie Schädlinge besser im Boden halten und fleißig Ihre Nester und Eiablage dort einrichten. In Folge muss dann wieder mehr mit chemischen Pflanzenmitteln gearbeitet werden.

Was mir bei der Betrachtung unserer bunten Beete auffällt ist, dass diese horizontal zum Hang angelegt sind. Das ist wichtig für die sog. Wasserhaltefähigkeit der Böden. Denn wenn Beete senkrecht zum Hang angelegt werden, rauscht das Regen- oder Bewässerungswasser wie einer Rodelbahn gen „Tal“.

Hier mal einige unserer Kulturen, wie sie stehen und wachsen auf unseren Beeten:
unser Knoblauch, gepflanzt im letzten Jahr und überwintert. Rechts daneben kommen langsam unsere Zucchini zum Vorschein.

Weiter gehts mit Brokkoli, Salaten, Mangold, Karotten, Fenchel etc.

Der Brokkoli wurde auch schon geerntet und wartet in der Kühlbox auf die Reise zu unseren Mitgliedern. Der holzige Teil des Strunkes verbleibt auf dem Feld. Den könnten wir auch noch abernten und auf dem Kompost werfen – wir sparen uns den Arbeitsschritt und werden in mittels maschineller Bodenverarbeitung in den Boden einarbeiten. Sozusagen als Futter für unsere Erde.

Die Kiste wird wohl recht bunt, jedenfalls sehen die frisch abgeernteten Kulturen einfach hübsch aus. In diesem Fall unser Brokkoli, kleine frische Bunde Minze, Spitzkohl, Bundzwiebeln, Salat und unsere Beauty: lila Kohlrabi.   

Ein kurzer Blick ins Gewächshaus lässt mich ebenfalls mal wieder staunen. Tomaten, Gurken und Auberginen machen sich ganz wunderbar und ich freue mich sehr, wenn mich die ersten Exemplare in der Kiste begrüßen. Der Sommer kann kommen ;-).

Vor dem Büro stehen große gestapelte Paletten mit dem nächsten Schwung Jungpflanzen, die in Sophies Obhut aufs Einpflanzen warten. Hier seht Ihr Lauch, Salat und Kohlpflänzchen. Ganz zart und klein. Sie werden erstmal auf die Jungpflanzentische verfrachtet, mit Pflanzenvlies abgedeckt und regelmäßig bewässert. Sobald es die Witterung und der Boden zulässt, werden sie eingepflanzt.

Die Wege in unserer Gärtnerei können weit sein, vor allem vom hintersten Kürbisacker bis vor in den Hof. Deshalb sind viele unserer Gärtnere*innen mit dem Radl unterwegs. Tollerweise haben wir genügend Kartoffelkombinat-Radl, die für Mitarbeiter*innen, Besucher*innen und Genoss*innen zur Verfügung stehen. Die Bikekitchen e.V aus München, hilft uns regelmäßig dabei, diese in Schuss zu halten.

Und hier noch ein letzter Blick auf die letztwöchige Salaternte-Aktion. Der R.egen hat es gut gemeint, und unsere Salate sind wortwörtlich Baden gegangen. Die Salate waschen wir zwar immer nach der Ernte vor, doch der Regen schwemmt teilweise so viel Erde und Schlamm zwischen die Blätter, da ist gründliches Reinigen zu Hause ebenfalls nochmal dringend zu empfehlen.

Nächsten Mittwoch, soll das Wetter ganz großartig werden und ich hoffe nun endlich den Kartoffekäfer auf die Spur zu kommen. Wir sehen bzw. lesen uns…

Alles Gute und bis bald

Ein Tag in Spielberg: 10.06.2020

Mitgärtnern ganz digital – unsere rasende Reporterin Rajka berichtet in dieser Saison hier im Blog, bei FB und Instagram darüber, was sich in der Gärtnerei so tut, mit Infos rund ums Gärtnern und Pflanzenwachstum und den Menschen, die unser Gemüse pflanzen, pflegen und ernten und die auch hinter den Kulissen fleißig daran arbeiten, unsere Vision der alternativen Versorgungsstruktur für München weiter auszubauen. 

Diese Woche war es ein ziemlich feuchtes Unterfangen, das Tun auf unserem Betrieb festzuhalten. Aber Gärtnern ist eben keine reine Schönwetterangelegenheit. U.a. zeigt Moritz mir, wie wir uns gegen gemeine Schädlinge in den Gewächshäusern mit natürlichen Mitteln wehren – getreu dem Motto: Der Feind Deines Feindes ist Dein Freund. In diesem Fall die Schlupfwespe und die Raubmilbe. Außerdem gibts mal wieder viel zu staunen, was Kraft der Natur dort alles so gedeiht. Viel Spaß beim Lesen…

Die Jungs vom Gewächshausteam sind fleißig – diesmal in unserer Werkstatt. Die wird entrümpelt und neu sortiert. Immerhin haben wir inzwischen einen gar nicht mehr so kleinen Maschinenpark – und der will mit allerlei Pflege und den richtigen Tools in Schuss gehalten werden. Auch manuelle Gartengerätschaften stapeln sich hier, von denen wir uns nach neuester Aufräumwissenschaft nur trennen, wenn sie uns nicht glücklich machen. 😉



Dann eile ich gleich aus dem Nieselregen ab ins Gewächshaus. Hier ist es schön warm, zumindest wärmer als draußen und ich staune nicht schlecht, welchen Wachstumsschub Auberginen, Gurken und Tomaten seit vergangener Woche hingelegt haben. 

   

Und wie die Natur diese Wunder vollbringt, ist sie auch noch kreativ und schafft ganz bescheiden irre Symmetrie-Kunstwerke ganz ohne Zirkel und Lineal – wie hier bei unseren Gurken zu bestaunen. Wunderschöne, zarte kleine Ranken, die dann auch noch essbare köstliche Dinge hervorbringen. What a wonderful world…

 

Während ich die Gurkenaustellung betrachte, ist Moritz dabei, ziemlich kleine, aber fiese Schädlinge zu vertreiben. Auf den Gurkenblättern hat sich die Spinnmilbe eingenistet. Die nistet in einem mit dem Auge fast nicht erkennbaren weißlichen Gespinst auf der Unterseite der Blätter und saugt diese an. In der Folge entstehen dann raue, gelbliche Stellen und die Pflanze verliert schnell an Kraft. Doch Hilfe ist unterwegs. Die Raubkatze unter den Milben, die sog. Raubmilbe kommt zu zehntausenden per Post in einem Röhrchen und ist zu allem bereit. Die Milben sind winzig klein, und schwer zu erkennen. Sie kommen auf organischen Trägermaterial daher und werden einfach wie Salz auf die Blätter gestreut. Von dort brechen sie zu ihren Raubzügen auf – in die Schlacht gegen die Spinnmilben-Hochburgen. Wenn das nicht Stoff für einen richtig guten Actionfilm hergibt – aber meine Kamera ist dafür wohl „zu groß“. 

Anderes Setting – gleiche Story. Die Blattlaus hat es sich auf unseren Paprika- und Gurken gemütlich gemacht und saugt sich mit süßem Pflanzensaft voll. Doch die frisch geschlüpften Schlupfwespen sind ausgeschlafen und ziemlich hungrig… Ende der Geschichte.

 

Zwei kleine Filmchen haben wir dennoch für Euch vorbereitet, wie Moritz die Nützlinge ausbringt. Guckt mal hier:

Auf meinem wöchentlichen Rundgang komme ich am neuen „Melonenfeld“ vorbei. Börje war fleißig und hat mit Unterstützung eine zugewucherte Fläche von Betonüberresten befreit, gemäht, umgegraben und gemulcht – und das an nur zwei Tagen. Hut ab für so viel Engagement. Hier werden wir einige Melonen anpflanzen. 

Dann gehts weiter zur nächsten Station. Conny ist im Freiland unterwegs und jätet die Karotten. Die Pflänzchen sind noch sehr sehr klein und das Jäten gestaltet sich entsprechend langwierig und setzt viel Fingerspitzengefühl voraus. Da braucht es Geduld – und gute Gesellschaft. Die ist zwar nicht sehr gesprächig, dafür überaus nützlich. Denn der Regenwurm (hier rechts im Bild) ist heldenhaft für unsere gesunden Böden tagtäglich im Einsatz. 

Durch das ständige Graben, lockert er den Boden auf, mischt ihn durch und reichert ihn mit Wurmhumus an. So verbessert er dauerhaft die Bodenstruktur. Wurmexkremente haben einen hohen Tongehalt. Dieser trägt dazu bei, das Böden Wasser besser speichern und bei Bedarf abgeben können. Da der Regenwurm zu dichte Böden nicht mag, macht er sich sofort ans Umgraben und lockert nach und nach dichte Bodenschichten auf. Das wiederum fördert die Sauerstoffzufuhr und die Verwurzelung von Pflanzen. Ein kleiner Tausendsassa also, der sich in Connys Nähe sichtlich wohlfühlt. 

Das Matschwetter verwandelt die Wege der Gärtnerei schnell in eine Slalom-Pfützen-Strecke. Der Matsch ist überall – und bevor es zum Mittagessen geht, heißt es erstmal gründlich Händewaschen, bzw. Hände waschen lassen. 😉 Conny und Felix – unsere Genossenschafts-WG sind ein Haushalt und die einzigen, ganz ohne Sicherheitsabstand unterwegs…Liab!

   

Noch ein schneller Blick auf den Acker, bevor es mich ins Warme treibt – unsere Kohlrabis auf dem Feld haben einen Wachstumssprung gemacht und sehen wunderschön aus im Regen. 

Das Mittagessen war mal wieder köstlich – mit gutem Kartoffelkombinat-Gemüse versteht sich. Das liegt wahrscheinlich an den tollen Kräutern, Beeren und essbaren Pflanzen, die hier an jeder Ecke wuchern. So wird aus jedem Salat und jeder Soße ein kulinarisches Highlight. Einige hab ich mal fotografisch festgehalten. Von links nach rechts:

  • Hoffentlich bald reife Brombeeren (Psst – Geheimtipp: im Orchideenhof)
  • Minze (Sprießt und gedeiht in Mengen vor dem 1. Gewächshaus)
  • Johannisbeeren, die noch ein bisschen Zeit brauchen (bei den Jungpflanzentischen)
  • Cosmos bipinnatus, auch Schmuckkörbchen genannt, verfeinert Salate und die hübschen Blüten jede Kräuterbutter (zwischen 1. und 2. Gewächshaus)
  • Salbei (vor dem 2. Gewächshaus)
  • Liebstöckel, oder auch Maggikraut genannt (praktischerweise direkt vor dem Eingang zur Küche 😉

Das nächste Mal, schaue ich mir unseren Maschinenpark mal etwas genauer an, und wie es um den Kartoffelkäfer steht – der war heute leider regenbedingt auf Tauchstation…

Bis bald!

Ein Tag in Spielberg: 03.06.2020

Mitgärtnern ganz digital – unsere rasende Reporterin Rajka berichtet in dieser Saison hier im Blog, bei FB und Instagram darüber, was sich in der Gärtnerei so tut, mit Infos rund ums Gärtnern und Pflanzenwachstum und den Menschen, die unser Gemüse pflanzen, pflegen und ernten und die auch hinter den Kulissen fleißig daran arbeiten, unsere Vision der alternativen Versorgungsstruktur für München weiter auszubauen. 

Letzte Woche hab ich mir von Moritz mal genau erklären lassen, wie Tomaten ausgegeizt werden, bestaunte den „angezogenen“ Kürbisacker, lernte, was Pflanzenveredelung bedeutet und wie Mulch riecht… Aber lest selbst:

Tomaten ausgeizen: Ich bin gespannt, was mir Moritz erzählt und wie das eigentlich funktioniert. Gerade am Anfang ist es sehr wichtig, die Pflanzen zu entlasten – sprich regelmäßig auszugeizen. Die Pflanzen brauchen Zeit und müssen eine gewisse Größe bzw. Blattmasse erreichen, um die Photosythese – das Wunder der Natur – zu vollbringen und damit auch Früchte zu entwickeln. Sind die Blätter noch zu klein, und die ersten Fruchtansätze schon sichtbar, werden diese zur Entlastung abgeknipst – also ausgegeizt – um die Pflanze nicht zu früh zu schnell auszulaugen und den Ertrag zu steigern. In diesem kleinen Video erklärt es uns Moritz ganz genau:

Unsere 3 Gewächshäuser mit jeweils 700 qm Anbaufläche beherbergen derzeit unsere Tomaten, Auberginen und Gurken – klassisches Sommergemüse – zumindest in unserer Region ;-).

Weiter geht’s auf meinem Rundgang in die Packhalle – demnächst berichte ich etwas ausführlicher, wie das Packen abläuft. Immerhin werden hier wöchentlich ca. 1.700 Kisten für unsere Genoss*innen gepackt.

Gerade wurden viele Paletten umsortiert, und unsere Gläser stehen herum. Gläser brauchen wir ziemlich viele, denn unsere Tomaten bauen wir z.B. so an, dass wir nicht nur frische Tomaten im Sommer genießen können, sondern auch im Winter. Dann allerdings in eingekochter Form.

Ende August kochen wir unsere Tomaten zu mehreren Sorten Tomatensugo im Glas selbst ein. Dieses bringt dann in den Wintermonaten sommerlichen Pfiff in die Kiste. Neben Tomatensugo machen wir auch unser eigenes Sauerkraut aus Kartoffelkombinat-Kohl, kochen Apfelkompott ein und haben seit letztem Jahr eine feine Würzpaste selbst entwickelt und eingemacht – die als Basis für herzhafte Suppen und Eintöpfe und die richtige  Kartoffelkombinat-Würze bringt.

Saisonale Ernährung wird oft mit Verzicht oder schmaler Auswahl an möglichen Lebensmitteln gleichgesetzt. Im Winter ist die Auswahl durchaus limitierter, doch durch Methoden wie Fermentation, Einkochen, Pökeln oder Dörren kann auch der Winter kulinarisch erschlossen werden!

 

Die Gläser schicken uns unsere Genoss*innen mit den leeren Ernteanteilskisten wieder zurück in die Gärtnerei, dort bewahren wir sie bis zur nächsten Einmachaktion auf, waschen sie aus und befüllen sie erneut. Die Deckel werden nicht weiterverwendet – das ist aus Hygiene-Gründen leider nicht möglich. 

Bei unseren Gärtnereimitarbeiter*innen Sophie, Samad und Agnes geht es um die Jungpflanzen und wann der richtige Zeitpunkt für die Bodenvorbereitungen für die Pflanzungen gegeben ist, das Einsetzen derselben auf dem Acker und Säen unsere Saatkulturen. An den Pflänzchen tummeln sich sehr viele Bienen, die in der feuchten Erde der Jungpflanzenstation ihren Durst stillen. Alle paar Stunden werden die Pflänzchen dank automatischer Sprinkleranlage bewässert. Das freut die Pflanzen und die Bienen.

 

Dann wird ersteinmal gesät – Kürbis aus der Tüte. 😉 Natürlich von Bingenheimer.

 

Ich bin neugierig, und schlendere weiter zu unseren Freilandbeeten, um zu schauen, was unsere Kulturen so treiben. Hübsch anzusehen (und sehr lecker) stehen da schon Baby-Brokkoli, roter Kohlrabi, Mangold und Salat in ihrer schönsten Pracht. Und obwohl der Regen gerade gar nicht nach Sommer schmeckt, rüstet unser Team bereits für die trockenste Periode in diesem Jahr auf.

 

Leider ist wieder ein Hitzesommer vorausgesagt, das heißt die Dürre wird voraussichtlich erneut den Wasserbedarf unserer Anbaukulturen in die Höhe treiben. Die Infrastruktur ist bereit „gelegt“. Da wir mehrere Fruchtwechsel auf unseren Böden haben, ändern sich die Standorte der Anbaukulturen jährlich. Auf dem diesjährigen Kürbisacker, wurden die Kartoffeln vor zwei Jahren angebaut. Und auf dem Zucchinifeld von letztem Jahr gedeihen nun unsere Kartoffeln. Das bedeutet, dass auch die Wasserrohre jedes Jahr neu verlegt werden – von Hand.

 

Der Kürbisacker ist fast fertig mit Agrotex bedeckt, Korbinian freut es sichtlich und ich mache mich auf den Weg zurück (per Radl, denn die Wege sind weit) zum Folientunnel.

 

Dort sind Stefan und Moritz dabei, bei gefühlt 100 % Luftfeuchtigkeit den Boden des Folientunnels, in dem unsere Auberginen wachsen, mit Grassilage zu mulchen. Das ist fermentiertes Gras – stinkt wie S*** und mir wird ganz schwummerig.

 

Tapfere Jungs und olfaktorisch wohl schon abgehärteter als ich. Stefan zeigt mir noch den Unterschied zur veredelten Auberginenpflanzen. Im Bild seht Ihr links eine umveredelte Jungpflanze und rechts eine veredelte Pflanze, die bereits viel größer ist und schon erste Mini-Auberginchen trägt. Die Veredelung machen wir nicht selbst, sondern kaufen die Jungpflanzen von einem entsprechenden Jungpflanzenzüchter. Es ist eine traditionelle Form der künstlichen vegetativen Vermehrung von Fruchtkulturen, wie z.B Auberginen, Tomaten und Gurken. Einfach erklärt wird ein Pflanzenteil auf eine andere Pflanze transplantiert bzw. „verklebt“. Das boosted das Wachstum und den Ertrag. 

 

Nächste Woche schaue ich beim Packteam vorbei, und berichte, wie unsere 1.700 Kisten jede Woche für unsere Genoss*innen frisch vorbereitet werden, und versuche den Kartoffelkäfer vor die Linse zu bekommen. Der ist nämlich aus seinem Winterschlaf erwacht und denkt nur an das eine … Er ist zwar durch den Regen in Sachen Liebe etwas abgekühlt, doch der Nachwuchs ist schon unterwegs…

Bis bald!

 

WuNdErSaM uNd mÄrChEnHaFt – dIe ErDkRöTe

Diesmal geben wir Euch einen Einblick in die feuchten und dunklen Ecken unserer Gärtnerei und machen uns auf die Suche nach einem Wesen, das wir im Alltag eher selten zu Gesicht bekommen: der Erdkröte.

Aus der Serie: Tiere in unserer Gärtnerei

Bis ins Mittelalter galt die Kröte als hässlichstes Tier der Schöpfung und auch in Märchen machte sie oft keine gute Figur und kam als Teufel oder Hausgeist daher. Sie ist außergewöhnlich anders, mit Gift produzierender Haut, vielen Häutungen und Fähigkeiten, die außerirdisch anmuten. Wird einer Kröte beispielsweise Blutplasma einer Frau injiziert oder in deren Urin gebadet, zeigt sie 12-24 Stunden später an, ob eine Schwangerschaft besteht, indem sie beginnt zu laichen. Was nach magischen Kräften und Hellseherei aussieht, ist einfach erklärt und diente bis in die 1960er Jahre als verbindliche Methode, um Schwangerschaften festzustellen. Durch die Hormone in den entsprechenden Körpersäften wird die Kröte ebenfalls hormonell angeregt und beginnt sich fortzupflanzen.

Bei aller Merkwürdigkeit ist die Kröte ein nicht zu unterschätzender Gewinn für jeden landwirtschaftlichen Betrieb als chemiefreier Nützling, der sich die Schädlinge im wahrsten Sinne des Wortes einverleibt. Auf ihrem Speiseplan stehen Würmer, Asseln, Spinnen und Schnecken sowie viele Insekten, die sie auf ihren nächtlichen Streifzügen erbeutet.

Die Kröte, mit ihrer warzigen grau- bis rotbraunen Haut, liebt feuchte, dunkle Orte und wird ca. 9-12 cm lang und zwischen 30-50 g, in Ausnahmefällen bis zu 150 g schwer.

In der Gärtnerei ist sie im Gewächshaus oder an Heckenrändern anzutreffen. Als wechselwarmes, dämmerungsaktives Tier ruht sie sich tagsüber unter Steinen, Laub, Totholz, Gebüschen oder in selbst gegrabenen Erdlöchern aus – in Strukturen also, die in der aufgeräumten Kulturlandschaft leider oftmals fehlen. Auch sonst hat die Kröte oft das Nachsehen durch intensive landwirtschaftliche Nutzung mit Pestizideinsatz und Düngung, starke Bodenbearbeitung und häufige Mahd. Hinzu kommen an Straßen fehlende Amphibienunterführungen und tückische Gullies der Straßenentwässerung. Wenn sie nicht überfahren werden, verenden die Tiere häufig in den Gullieschächten, durch deren Gitter sie einfach hindurch plumpsen.

Natürliche Feinde der Kröte sind Graureiher, Greif- und Rabenvögel, Marderarten und Katzen. Vor Feinden schützt sie sich (mit mäßigem Erfolg) mit einem durch die Haut abgesonderten Gift, das zudem den Befall der dauerfeuchten Haut vor Mikroorganismen schützt. Krötengifte sind die am längsten bekannten Tiergifte und wurden schon im Altertum als Heilmittel verwendet.

Im Frühjahr, je nach Witterung beginnt die Wanderung zu den Laichgewässern. Für die Fortpflanzung benötigen die Kröten einen Weiher, Teich oder See. Ihren Laich wickeln sie dabei in Schnüren von 5 bis 8 mm Dicke und 2 bis 5 m Länge um ins Wasser ragende Äste und Wasserpflanzen. Dabei werden zwischen 3.000 und 6.000 Eier gelegt. Nach ca. drei Monaten kommt es dann zum sog. Froschregen, wenn tausende kleine Kaulquappen nach ihrer Metamorphose massenhaft an Land streben, und eine neue Krötengeneration aus dem Wasser steigt. Die kleinen Kröten sind dann gerade einmal 7 bis 12 mm groß. Nach ca. drei Jahren werden sie geschlechtsreif, wobei sie in der freien Natur eine Lebenserwartung von zehn bis zwölf Jahren haben(!).

Durch das Bundesnaturschutzgesetz ist die Erdkröte, wie alle Amphibien, besonders geschützt. In einigen Bundesländern ist sie bereits als gefährdet gelistet. Im Kartoffelkombinat prüft die AG Naturschutz aktuell, wie wir den Amphibien auf dem Gärtnereigelände durch Reaktivierung der Teiche helfen können. Wir berichten!