Ein Tag in Spielberg: 27.05.2020

Mitgärtnern ganz Digital – unsere rasende Reporterin Rajka berichtet in dieser Saison hier im Blog, bei FB und Instagram darüber, was sich in der Gärtnerei so tut, mit Infos rund ums Gärtnern und Pflanzenwachstum und den Menschen, die unser Gemüse pflanzen, pflegen und ernten und die auch hinter den Kulissen fleißig daran arbeiten, unsere Vision der alternativen Versorgungsstruktur für München weiter auszubauen. 

Letzte Woche gab es wieder einiges zu tun in Spielberg. Die Kürbispflanzaktion ging los und unsere Folientunnel sind jetzt zu fünft ;-)… Aber lest selbst, was sich in unserer genossenschaftlichen Gärtnerei so tut:

Pünktlich zum (leckeren) Mittagessen mit genügend Sicherheitsabstand habe ich unserem Gärtner*innenteam wieder über die Schulter geschaut. Anna, die sich im Kartoffelkombinat vor allem um die Mitgliederbetreuung, Testphasenabläufe und Verteilpunkte kümmert, hat sich einen schönen Arbeitsplatz in der Sonne eingerichtet. Da wir überall auf der Gärtnerei gutes WLAN eingerichtet haben, lässt sich der Bürotag so gut nach draußen verlagern. 

Danach hat es mich zu den Tomaten ins Gewächshaus gezogen. Dort herrscht eine ganz besondere Stimmung – die Geräusche der Gärtnerei sind hier drinnen nur noch gedämpft zu hören, eine ruhige und entspannte Atmosphäre, eine mollig warme Temperatur und herrlich nach Heu duftende Luft empfängt mich dort. Spannend, wie schnell die Tomaten wachsen, die ersten Früchte sind schon zu sehen. Das Team kümmert sich derzeit vor allem um die Pflege. Dabei werden die kleinen Triebe aus den Blattachsen der Tomatenpflanze ausgegeizt, damit die meiste Energie in den Haupttrieb fließt. Außerdem müssen die Rankschnüre durch das Wachstum nachgezogen werden. Kompliziert und imposant sieht auch die Bewässerungsanlage aus, die wir installiert haben, und die in jeden Winkel und zu jeder Pflanze das nötige Nass transportiert. 

Tomaten verbrauchen in unserem eher gemäßigten Klima vergleichsweise wenig Wasser bei saisonalem Anbau im Vergleich zu Tomaten aus dem Süden. Durch die dort vorherrschenden hohen Temperaturen steigt der Wasserverbrauch um ein Mehrfaches. Pro Kilo Tomaten benötigen die Früchte hierzulande ca. 10 Liter Wasser, um zu reifen, Tomaten aus Südspanien im Schnitt 85 l, aus der Türkei 130 l, getoppt noch von ägyptischen Tomaten mit 230 l pro kg.

Hinzu kommt dann die hohe CO2 Belastung durch den Transport zu Land oder Schiff, die diese Tomaten zurücklegen, um auf unseren Tellern zu landen. Ungünstig wird diese Bilanz natürlich auch beeinflusst, wenn hiesige Tomaten nicht saisonal erzeugt werden und durch beheizte und beleuchtete Gewächshäuser sehr viel Energie verbraucht wird.

 

Wie letzte Woche versprochen, schaue ich mal, wie sich unser fünfter Folientunnel so macht. Die Gewächshaus-Jungs Moritz, Alex und Stefan kämpfen nicht nur mit der Hitze unter der Folie, auch der Wind verlangt so einiges an Muskelkraft ab, um den Kampf der Elemente für den Folientunnel zu gewinnen. Nun steht er endlich hinter unseren zwei Glasgewächshäusern, sieht gut aus und bietet noch mehr Platz für Sommergemüse, wie z.B. Paprika und Co.  

Als nächstes möchte ich natürlich die große Kürbispflanzaktion nicht verpassen, und mache mich auf den Weg vorbei an den Gewächshäusern zu meiner linken, den 4 Folientunnel zu meiner rechten und am neuen Maschinenunterstand vorbei zum Kürbisacker.

Auf dem Weg dahin passiere ich allerlei Beete und staune, was alles schon so auf dem Acker steht, und dank Sonne, Luft und Pflege wächst und gedeiht. Fenchel, Mangold, Lauch und frischer Knoblauch, Salat und Kohl.

Die Kürbisaktion ist schon im vollen Gange, fast das ganze Freilandteam ist mit dabei: Per Hand und teilweise mit maschineller Hilfe werden Teile der Ackerflächen mit Agrotex bedeckt. Um sie vor dem „Wegwehen“ zu schützen werden sie alle paar Meter mit Sandsäcken beschwert. Ca. 1.250 Säcke à 5 – 8 kg hat unser Team so einzeln auf dem Gewebe platziert. Zusätzlich wird das Gewebe noch mit sog. Erdnägeln fixiert – wie mir Samad erklärt.

Korbinian ritzt das Agrotex ca. alle 75 cm ein und Lias setzt die kleinen Kürbissetzlinge anschließend in die Erde. 8.000 selbst gezogene Kürbispflanzen stehen am Schluss auf dem Acker. Ein Teil der Pflanzen wird auf Mulch (Heusilage) gepflanzt. So testen wir aus, was den kleineren Arbeitsaufwand nach sich zieht, und auf welchem Mulch, die Pflanzen besser gedeihen. Das organische Mulch ist z.B guter Dünger, wobei beide Varianten Unkraut unterdrücken. Nachteil des Agrotex ist, dass es aus Kunststoff besteht, auch wenn wir es jahrelang wiederverwenden.

 

Zum Schutz vor Krähen waren wir kreativ und haben Vogelscheuchen gebastelt. Zudem bedecken wir den Acker mit einem leichten Pflanzenschutznetz. Wir freuen uns so auf ca. 16.000 Kürbisse zur Ernte, bunt gemischt aus Hokkaido, Butternut und Spaghettikürbis.

Es sieht schon lustig aus, wenn der komplette Acker mit Gewebe bedeckt ist, und um das Agrotex zu schonen, sind die meisten strumpfsockig unterwegs (natürlich nur bei Arbeiten, bei denen keine Sicherheitsschuhe notwendig sind). Das Ganze wird also zur Sockenparty – vielleicht zusätzlich noch ein gutes Mittel gegen die Krähen ;-).

 

Zu guter Letzt erwische ich Alex noch dabei, wie er in guter alter Ghostbusters-Manier sich auf den Weg in die Folientunnel macht. Da muss ich mit: Stefan und er haben Brennnesselsud angesetzt, indem sie Brennnesselblätter in Wasser „eingelegt“ haben, und den Sud 3 Tage ziehen liessen. Der Sud wird gegen die schon zahlreich gesichteten Blattläuse auf unseren Paprikapflanzen eingesetzt und auf die Pflanzen gesprüht. Er ist nicht wirklich schädlich für die Blattläuse, stärkt aber die Pflanzen ungemein, sodass sie den Läusebefall gelassen nehmen.

 

Und nicht nur wir waren fleißig an diesem Tag in Spielberg, auch die vielen kleinen Mitbewohner*innen, die die Gärtnerei ihr Zuhause nennen, sind emsig am Arbeiten, Nektar sammeln, Nester bauen, fressen und gefressen werden, fortpflanzen, brüten und jagen. 
In den Phazeliastreifen, summt und brummt es, dass es eine Freude ist. Einen kleinen Eindruck bekommt Ihr hier (Ton an): 

 

Phacelien werden übrigens umgangssprachlich auch Bienenweide, Bienenfreund oder Büschelschön genannt und häufig als Bienenweide angesät. Sie ist eine ertragreiche Pflanze, da sie in 24 Stunden Nektar nachproduzierten kann und dadurch für Bienen sozusagen ein Schlaraffenland darstellt. Zudem ist sie ein guter Bodenverbesserer, d.h. sie gibt die Nährstoffe im Boden gut an nachfolgende Pflanzen weiter, beschattet den Boden sehr gut und unterdrückt wirksam Unkraut. 

Das war unser Tag aus Spielberg, nächste Woche berichten wir, wie es unseren Kartoffeln so geht und wie unsere Weiß- und Chinakohljungpflanzen in den Acker gekommen sind.
Stay tunded!

Alles Gute und Euch allen eine wunderbare 1. Juniwoche
Bis bald!

 

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