BioTop – Säen und Ernten im Oberland

Es ist soweit, mit dem Kartoffelkombinat als Vorbild entsteht derzeit im wunderschönen bayrischen Oberland eine neue Solidarische Landwirtschaft. Sebastian aus dem Orga-Team sucht jetzt interessierte Leute, die mitmachen wollen und hat uns ein paar Zeilen geschrieben:

BioTop OberlandGemeinsam mit der Biolandgärtnerei Holzmann – auf dem Hofgut Letten bei Bad Heilbrunn – gründen wir die erste Solidarische Landwirtschaft am unmittelbaren Alpenrand.

Im Moment befinden wir uns in der Startphase des Projekts und bilden einen Kreis von Interessenten, aus dem wir noch im Frühjahr diesen Jahres eine Genossenschaft gründen möchten. Wer also Bekannte, Verwandte und Freunde im und rund ums Isar-Loisachtal hat, der erzähle es gerne weiter.

Auf www.biotop-oberland.de informieren wir regelmäßig über den aktuellen Stand der Dinge und veröffentlichen die Termine der bald anstehenden Infoabende.

Wir sind gespannt, ob Solidarische Landwirtschaft auch in ländlichen Regionen ein zukunftsfähiges Modell für eine regionale und nachhaltige Versorgungsstruktur sein kann. Wir hoffen es!

Vielen Dank an das Kartoffelkombinat für den bisherigen Inspirations- und Erfahrungsaustausch. Wir freuen uns auf weitere Zusammenarbeit, um gemeinsam eine grünere Zukunft zu gestalten!

Sebastian vom BioTop.

Eindrücke von der dOCUMENTA (13)

Letzte Woche hatte ich die große Freude zum ersten Mal die größte Schau zeitgenössischer Kunst besuchen zu dürfen. Und sagen wir es mal so: ausserhalb der 13. dOCUMENTA wäre ich sonst sicher niemals nach Kassel, der kleinen unscheinbaren Stadt im Herzen der Republik, gekommen.

Die Details des wirklich lohnenswerten Besuchs erspare ich Euch und gehe nur auf zwei Künstler ein, die zumindest für mich einen starken Bezug zum Kartoffelkombinat haben.

AND AND AND
Eine Gruppe von Künstlern aus aller Welt betreiben für die insgesamt hundert Tage unter dem Namen AND AND AND einen Kiosk in der Friedrichsaue, einem an das Stadtschloss Orangerie angrenzenden weitläufigen Park.
Dort werden frische Gemüse und leckere Gemüse-Snacks (Quiche, Teigtaschen, etc.) aus Solidarischer Landwirtschaft und von „normalen“ Biobetrieben feilgeboten. Daneben gibt es Milch und (Frucht)Buttermilch von der eigenorganisierten Molkerei Upland.

Im Gegensatz zu den betrachtbaren Kunstwerken oder den erlebbaren Installationen, ist die Versorgung von und durch AND AND AND selbst der künstlerische Teil, der sich darüber hinaus auf Picknicks, Diskussionsrunden, Volksküchen-Events und einen nicht-kapitalistischen Tee-Stand erstreckt. Unterstützt werden sie u.a. durch die Fakultäten der Uni Kassel und der Ökologischen Agrarwissenschaften in Witzenhausen.

Das Projekt selbst definiert für sich drei Horizonte:

  • COMMON(S)
    What is it that we are capable of sharing and can we construct a common space or a common time for thinking about common concerns?
  • REVOCATION
    This term means to introduce critical relations to existing forms of thinking, working, acting, doing, and living.
  • NON-CAPITALIST LIFE
    Why is it easier to imagine the destruction of the planet than an end to Capitalism? Can we explore together the potential for non-capitalist life? What does it look like, sound like, feel like, move like, taste like?

Solidarische Landiwrtschaft, öffentliche Räume die für Nutzgärten zur Verfügung stehen, saisonale und regionale Lebensmittel als Kunstform – der Laie wundert sich, der Fachmann staunt!

Claire Pentecost
Pentecost ist Professorin am Department of Photography an der School of the Art Institute of Chicago. Ihr Kunstwerk „When you step inside you see it is filled with seeds“ im so gennanten Ottoneum thematisiert Saatgut, den Verlust der Vielfalt, Kompost, Humus, Boden und warum das alles das älteste Wissen der Menscheit ist (hier ein kurzes Videostatement).

Kerngedanke den ich hier mitgenommen habe, ist die triviale Erkenntnis: Boden ist wertvoller als Gold.

Rückblick auf unser erstes Hoffest

Heidewitzka, war das ein Fest! Für letzten Samstag hatten wir unsere Haushalte der Testphase und alle Interessierten zum Hoffest eingeladen. Wir haben gefeiert, erklärt, was es mit Solidarischer Landwirtschaft auf sich hat und sehr lecker gegessen, aber seht selbst:

Auf Facebook haben wir hier ein Fotoalbum zusammengestellt.

Vielen Dank, dass Ihr dabei wart, so viele Kuchen gebacken habt und bei der Salaternte, dem Pizzabacken und natürlich beim Aufräumen so tatkräftig mitgeholfen habt. Nur so konnte es genauso angenehm und entspannt werden, wie es war.

Was ist eigentlich Solidarische Landwirtschaft?

In dem Text über uns haben wir in aller Kürze dargestellt, was unser Ziel ist: der Aufbau einer Struktur für Solidarische Landwirtschaft in München. Ergänzend hierzu möchten wir Euch einen guten Beitrag auf dem Blog unkontrollierbar.organisch empfehlen, der gut verständlich erläutert was eine „Solawi“ eigentlich ausmacht. Den sehr sympathischen Macher des genannten Beispiels, Peter Laßnig vom Gärtnerhof Ochsenherz bei Wien, haben wir neulich am Tempelhof getroffen – Küss die Hand und Grüße nach Österreich.

Kartoffelkombinat: Das Projekt beginnt

Corinna hat uns einen Text über die erste Testwoche geschickt, den wir Euch nicht vorenthalten möchten:

So kann es nicht weiter gehen! Daran muss sich etwas ändern! Ich muss etwas ändern!“,…geht es mir durch den Kopf, als ich mir im Hebst letzten Jahres zusammen mit Freunden den Film ‘Taste the Waste‘ im Kino ansehe. „Bereits bei der Kartoffelernte werden 40 bis 50 Prozent der Kartoffeln aussortiert, nur weil sie nicht dem Schönheitsideal entsprechen? Scanner kontrollieren, ob Tomaten die richtige Farbe haben, um im Handel statt im Müll zu landen? Ich werde nur noch krumme Zucchini kaufen!“ Na ja, nur dass es die eben gar nicht erst im Supermarkt gibt …

Doch der Firm zeigt auch Beispiele, wie man gegen die Lebensmittelverschwendung angehen kann. Von den Mülltauchern bin ich zwar angetan, kann mir aber nicht vorstellen, selbst in die großen Mülltonnen im Hinterhof von Edeka, Rewe und Co. zu steigen, um mir dort mein Mittagessen zu sichern. Besonders ansprechend finde ich dagegen die Idee, Anteilseigner bei einer Biofarm zu werden und meinen Ernteanteil an einem bestimmten Ort in meiner Stadt abzuholen. Blöd nur, dass ich in München wohne, wo eine derartige Community Supported Agriculture (CSA) noch nicht existiert. Bleibt noch die eigene Idee mit dem Pachten eines Krautgartens, die dann aber leider aus Zeitmangel wieder verworfen werden muss.

Nur wenige Tage nach meinem Kinobesuch stoße ich in Jeremy Rifkins Buch „Die dritte industrielle Revolution“ wieder auf das CSA-Geschäftsmodell. „Seine wachsende Beliebtheit reflektiert ein zunehmendes Verbraucherbewusstsein, das auch die Einsicht einschließt, die eigene Klimabilanz verbessern zu müssen. Man erreicht das durch die Eliminierung petrochemischer Kunstdünger und Pestizide und den Wegfall der beim Transport von Nahrungsmitteln über Ozeane und Kontinente anfallenden CO2-Emissionen. (…) Wie so viele andere neue, kollaborative Praktiken, die sich in allen gewerblichen Sektoren ausbreiten, kann diese neue laterale Wirtschaftlichkeit dem traditionellen, zentralisierten Ansatz – dem Aufbau riesiger Unternehmen mit vertikalen Größenvorteilen und hierarchisch organisierter Geschäftstätigkeit – durchaus Paroli bieten“, so der Autor.

Ich finde es wird Zeit, dass es eine CSA auch in München gibt!

Hallo zusammen, hier könnt Ihr mein neues Projekt verfolgen“, lese ich ein paar Wochen später auf meiner Startseite bei Facebook. Absender ist Freund Simon. Ich folge dem Link und bin platt. Sofort steht für mich fest: Ich bin dabei!

Ich möchte Mitglied des Kartoffelkombinats  werden und damit Anteilseigner von frischem, regionalem, saisonalem Ökogemüse, bei dem es auf den Geschmack ankommt und nicht auf Form, Farbe oder Gewicht.

Und heute ist es nun soweit. Die Testphase beginnt und ich bin gespannt und freue mich auf die erste Lebensmittelkiste, die zu Hause auf mich wartet.

Einen guten Appetit wünscht
Corinna

Liebe Corinna, vielen Dank für die Schilderung und schön, dass Du mit dabei bist 🙂

24h Solidarische Landwirtschaft / CSA am Schloss Tempelhof

Crailsheim, Montag 17:52 Uhr, Gleis 4.
Simon und ich sitzen in der Regionalbahn nach Hause und haben endlich Gelegenheit, die letzten 24h Revue passieren zu lassen. Es waren sehr intensive Stunden, mit vielen Menschen und noch mehr Gesprächen.

Plenum bei gefühlten 10°C

Plenum bei gefühlten 10°C

Anlass war das Frühjahrstreffen vom Netzwerk Solidarische Landwirtschaft, von dem wir über zwei Ecken erfahren hatten und über das wir im Vorfeld weder etwas wussten noch eine Ahnung hatten, was uns erwartet. Zusammengefasst handelt es sich um eine Initiative von CSA-Betrieben und/oder deren Mitgliedern und/oder Sympathisanten im weitesten Sinne. Erstaunt hat uns, dass von lediglich 20 existierenden deutschen CSA-Projekten nur eine Handvoll im Netzwerk organisiert sind und zumindest bei den anwesenden Projekten geht die Initiative fast ausschließlich von den jeweiligen Höfen aus – ist natürlich Ehrensache, dass wir jetzt Netzwerkmitglied sind 🙂
Um das englische Community Supported Agriculture in unsere Sprache zu überführen, wird hier der Begriff Solidarische Landwirtschaft verwendet, während die Österreicher Gemeinsame Landwirtschaft – GeLa – bevorzugen und sich mit ihrer Schreibeweise auch gleich noch die deutsche Diskussion der korrekten Schreibweise vom Hals halten: SoLaWi vs. SoLawi  … c’est la vie.

Tassenparade

Tassenparade

Im Verlauf der Gespräche merkte man immer wieder, es fehlt eine konkrete Definition, was Solidarische Landwirtschaft ist und dass es für unseren Ansatz noch nichts Vergleichbares gibt (der allgemeinen Verwirrung zuträglich: am zweiten Tag geisterte dann auch noch der Begriff Soziale Landwirtschaft und deren inhaltliche Abgrenzung durchs Plenum).

Besonders dankbar sind wir für die durchweg positiven Reaktionen und interessierten Nachfragen zum Kartoffelkombinat. Wir freuen uns auf eine weitere wohlwollende und konstruktive Begleitung der tollen Menschen, die wir kennenlernen durften und sind mindestens so gespannt wie sie, was wir beim nächsten Treffen über die Fortschritte des Kartoffelkombinats berichten werden.

Eine unserer Schlussfolgerungen lautet: wir brauchen als Ergänzung zur Genossenschaft noch einen gemeinnützigen Verein, um Spenden entgegennehmen zu können. Der Verein, fungiert als Träger der Bildungsarbeit und wird sich um die Veranstaltungen, Seminare und Workshops kümmern. In der Genossenschaft bleiben die „harten“ Bereiche wie z.B. Anbau und Logistik.

Treffpunkt war der Tempelhof, den wir fälschlicherweise reflexartig nahe Berlin verortet hatten, der jedoch in Baden Württemberg bei Crailsheim liegt.

Schloss Tempelhof

Schloss Tempelhof

Laut Selbstbeschreibung haben „zwanzig Menschen aus vielfältigen Gesellschafts- und Glaubensrichtungen (…) drei Jahre lang intensiv an einer Vision vom gemeinsamen Leben gearbeitet und über eine ökologisch nachhaltige, sozial gerechte und sinnerfüllte menschliche Daseinsform nachgedacht. Mit dem Tempelhof wurde Anfang des Jahres 2010 das geeignete Objekt für die Umsetzung gefunden und die Projektgruppe erweiterte sich innerhalb kurzer Zeit auf eine Gemeinschaft von derzeit 65 Erwachsenen und 15 Kindern, die unsere Vision nun in die Wirklichkeit trägt.“ Somit konnten wir nicht nur die Gelegenheit nutzen, um das Kartoffelkombinat-Konzept mit erfahrenen CSA-Leuten zu besprechen sondern gleichzeitig auch noch ein faszinierendes Lebens-Gesellschafts-Modell live kennenlernen. War bestimmt nicht unser letzter Besuch an diesem … anderen … Ort.
Hier könnt Ihr mehr über das Gemeinschaftsdorf erfahren: www.schloss-tempelhof.de

Weitere Links
CSA-Projekte: www.entrup119.de, www.ochsenherz.at
ähnlich wie Tempelhof: www.schloss-blumenthal.de

Ich kenne den Koch.

Ich kenne den Koch.

wie alles anfing …

Mit diesem Eintrag starten wir unser kontinuierliches Tagebuch, in das wir jedoch nicht täglich etwas schreiben werden – darum müsste es eigentlich „Immermalwiederbuch“ heißen.
Die Kategorie „Tagebuch“ dient als Artikelfilter, hier Ihr könnt die Tagebucheinträge auf der Kategorieseite im Überblick nachverfolgen.

Wie alles anfing …

Durch meine Initiative Stadtimker.de beschäftige ich mich unter anderem mit den jahreszeitlichen Besonderheiten und der gefühlten Unabhängigkeit von diesen durch unseren vermeintlich modernen Lebensstil.
Je tiefer ich im vergangenen Jahr in diese Thematik eingestiegen bin, um so deutlicher wurde mir, was direkt vor unserer Haustüre schiefläuft. Zusammengefasst:

  • Wir sind entkoppelt von den Abläufen der Natur (Spargel aus Peru zum Weihnachtsmahl) – was extreme Energieverschwendung bedeutet und in vielerlei Hinsicht massive, negative Folgen nach sich zieht.
  • Verstehen die Zusammenhänge nicht mehr (oder wusstest Du, dass rund die Hälfte unserer Lebensmittel – bis zu 20 Millionen Tonnen allein in Deutschland – im Müll landet? Das meiste schon auf dem Weg vom Acker in den Laden, bevor es überhaupt unseren Esstisch erreicht: jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel und jedes fünfte Brot -> mehr Info auf der Website von „Taste the Waste“).
  • Zerstören unseren ursprünglichen Lebensraum (siehe hier).
  • Machen uns zu 100% abhängig von einer globalisierten Versorgung (kleines Gedankenexperiment: wie würdest Du Dich ernähren, wenn die Supermärkte – aus welchen Gründen auch immer – einfach mal zwei Wochen geschlossen hätten?).

Im Sommer 2011 entwickelte sich dann die Idee einer Webplattform, die nach einer „ich suche“ / „ich biete“ Logik, PLZ-bezogen Biolebensmittel-Produzenten und Haushalte zusammenbringt. So sollten mehr Menschen Zugang zu den Produkten aus ihrer Region bekommen und die regionalen Versorgungsstrukturen gestärkt werden.

Mit einer handvoll Leuten besprach ich diesen Gedanken und bekam immer die Rückmeldung: ist zu technisch, muss persönlicher sein. Also recherchierte ich erstmal, was es in den unendlichen Weiten des Internets schon gibt, stieß auf tolle Projekte wie z.B. ortoloco, die park slope food coop oder auch das Portal Solidarische Landwirtschaft. Zum ersten Mal begegnete mir der Begriff CSA, also die Community Supported Agriculture – hierzu kann ich diesen wunderbaren Film „Farmer John“ empfehlen:

Die Idee einer technischen Plattform erschien immer unpassender. Mit Siggi Fuchs gab es in München bereits einen CSA-Gärtner, mit der Biokiste auch schon einen Lieferservice – aber was es noch nicht gab, ist ein Projekt, dass die generelle Versorgung mit regionalen und saisonalen Produkten anstrebt – wenn man so will, eine simulierte Dorfgemeinschaft … und kann es Zufall sein, dass es immer heißt „München ist ein Dorf“?

In den nächsten Tagen schreiben wir Euch, was bisher geschah …