Was ist Ernährungssouveränität?

Ernährungssouveränität ist das Recht der Völker auf gesunde und kulturell angepasste Nahrung, nachhaltig und unter Achtung der Umwelt hergestellt. […] Sie ist das Recht der Bevölkerung, ihre Ernährung und Landwirtschaft selbst zu bestimmen. Ernährungssouveränität stellt die Menschen, die Lebensmittel erzeugen, verteilen und konsumieren, ins Zentrum der Nahrungsmittelsysteme, nicht die Interessen der Märkte und der transnationalen Konzerne.“ (Erklärung von Nyeleni)

Illustration aus AgrarAttac-Broschüre

Die Zukunft der regionalen Landwirtschaft?
© AgrarAttac Österreich

Bereits in der zweiten Auflage (Oktober 2013) behandelt die Agrar-Gruppe von Attac Österreich das Thema Ernährungssouveränität.

Neben Fragen wie „Alles grün, alles gut? Green Grabbing und die Finanzialisierung der Natur“ geht es auch um Saatgut, EU-Politik, Dumpingpreise und Lebensmittelverschwendung. Darüber hinaus fehlt auch ein Blick auf den rechten Rand der Biobewegung nicht. Insgesamt eine sehr gelungene Übersicht mit teilweise unterhaltsamen Illustrationen.

Das moderne Lebensmittelsystem wurde von einer Handvoll privilegierter Menschen geschaffen. Ernährungssouveränität besteht darauf, dass dies illegitim ist, weil die Gestaltung unseres Gesellschaftssystems nicht das Privileg von Wenigen, sondern das Recht von Allen ist.“ (Raj Patel)

Die komplette Broschüre gibt’s unter: http://community.attac.at/uploads/media/Broschuere_ES_2.Auflage_WEB.pdf

 

Aufruf zur Revolution – mit dem Kochbuch zu Taste the Waste

Die heutige Jugend revoltiert zu wenig! Dabei gibt es genügend Dinge, für die es sich zu kämpfen lohnt. Das findet auch Valentin Thurn veröffentlich nach seinem Erfolgsfilm „Taste the Waste“ nun zusammen mit Gundula Oertel die Anleitung für angehende Revolutionäre in Buchform.


http://kochbuch.tastethewaste.com/

Wie schon der Film thematisiert das Buch die ungeheure Lebensmittelverschwendung einer industrialisierten Wegwerfgesellschaft. Auf dem Weg vom Acker bis auf den Teller werden auf jeder Stufe der Erzeugung, Vermarktung und des Konsums Mengen von genießbaren Lebensmitteln „entsorgt“. Dabei sollte uns diese Verschwendung durchaus Sorgen bereiten: Die Hälfte aller erzeugten Lebensmittel, und das sind in Deutschland immerhin bis zu 20 Tonnen täglich, wandert auf den Müll.

Valentin Thurn hat etwas dagegen und nachdem sein Film 2011 große Aufmerksamkeit erregt und eine überfällige Debatte angestoßen hat, liefert er jetzt Anleitungen und weitere Lösungsansätze nach. Das Buch „Taste the Waste – Rezepte und Ideen für Essensretter“ sieht zwar auf den ersten Blick aus wie ein Kochbuch für Weltverbesserer, der Inhalt geht allerdings weit darüber hinaus. Anhand verschiedener Projekte und ihrer Initiatoren zeigen Valentin Thurn und Gundula Oertel, wie die Revolution der Essensretter bereits ins Rollen geraten ist. Dabei verfolgt das Buch weniger den Zweck einer Dokumentation, vielmehr soll es ein Aufruf an die Gesellschaft sein, bewusster mit Lebensmitteln umzugehen.

Der Spaß an der Revolution soll dabei keinesfalls zu kurz kommen: Vergessenes Wissen, kreative Rezepte und die Wertschätzung auch für letzte Kartoffelschale bieten einige strategische Ansätze für die Essensretter-Guerilla von morgen.

Welternährungstag

Tomatenernte

Bio-Tomatenernte im Kartoffelkombinat

Heute ist wieder ein Weltdingsbumstag – diesmal geht es um Ernährung. Der Welternährungstag oder Welthungertag findet jedes Jahr am 16. Oktober statt und soll darauf aufmerksam machen, dass weltweit über eine Milliarde Menschen an Hunger leiden. Und auch wenn der laut UN die Ernährungslage generell besser wird, kann man bei 24.000 Verhungerten am Tag(!) nicht von einer Entspannung der Situation sprechen.

Warum wir in den Industrieländern mit unserem Konsumverhalten und den Finanzinvestitonen zu globaler Lebensmittelverknappung beitragen, wird hier und hier beschrieben.

Die vielen Hungertoten könnten von den Lebensmittel, die wir in Europa wegwerfen übrigens 3x ernährt werden. Aber warum verschwenden wir eigentlich so viele Lebensmittel?

Hier die Hauptgründe, warum rund 30% der angebauten Nahrungsmittel nicht auf unserem Tisch landet:

  • Wir denken in Handelsklassen
    zu dick, zu dünn, zu rot, zu grün, zu krum, zu gerade … was nicht der Norm entspricht kommt gar nicht erst in den Handel und wird aussortiert
  • Wir erwarten immer das (optisch) Perfekte und wollen die freie Auswahl
    Volle Brotregale, Obst und Gemüse, Fleisch, Milch und Käse – ob bis spät abends oder am Samstag, alles ist immer verfügbar. Dass dies nur mit einer geplanten Überproduktion und anschließenden Entsorgung der nichtverkauften Produkte funktioniert ist genau so logisch wie verwerflich.
  • Wir werfen weg und kaufen neu
    In der modernen Versorgungsstruktur sind wir entkoppelt vom Anbau und der Weiterverarbeitung. Für uns kommt Strom aus der Steckdose und das Essen aus dem Supermarkt. Wir werfen weg, was wir nicht mehr „brauchen“ und bei Bedarf wird’s einfach neu gekauft.

Wir wollen auch möglichst wenig Geld für Nahrungsmittel ausgeben, im Vergleich mit anderen Nationen ist Deutschland hierbei traditionell auf den letzten Plätzen zu finden. Wir fahren in teuren Autos und kaufen billige Lebensmittel – die Franzosen zum Beispiel machen es genau andersherum. Dabei sind die Produkte nur vermeintlich billig, denn der Markt gibt den Druck entgegen der Wertschöpfungskette weiter … den Ersten beissen die Hunde. Erschreckend niedrige Löhne, ausbeuterische Strukturen, Verlust der Artenvielfalt durch Monokulturen, Verbrauch von Böden und generell die Schädigung unseres Ökosystems sind der wahre Preis, den wir alle gemeinsam bezahlen – auch wenn wir Bioprodukte kaufen. Aber wie besser machen?

Wir müssen weg von der Finanzbezogenheit und wieder das Gemeinwohl ins Zentrum stellen. Naiv-romantisch? – vielleicht. Realistisch? – auf jeden Fall. Denn immer mehr Menschen nehmen die Dinge wieder selbst in die Hand. Für das Kartoffelkombinat zum Beispiel heißt einer dieser Lösungswege Solidarische Landwirtschaft. Was das ist und wie’s funktioniert erklären wir in diesem kleinen Film:

Kleine Anmerkung: aktuell liefern wir die Ernteanteile sogar bis zu unseren Genossenschaftsmitgliedern nach Hause. Und wer jetzt etwas akut gegen Lebensmittelverschwednung unternehmen will kann hier mitmachen.