Regional – Saisonal – Bio …

… alles das Gleiche – oder wo ist der Unterschied? Und was hat das Kartoffelkombinat damit zu tun?

Natürlich ist es nicht das Gleiche, das dürfte jedem klar sein. Wie kommt es dann aber zu der inzwischen oft gestellten Frage: „Ist regional das neue Bio?“

Sigi bei einer Hofführung

Sigi bei einer Hofführung

Während des aufkommenden Bio-Booms hat es für ein gutes Gewissen gereicht, Lebensmittel mit dem grünen Ökosiegel zu kaufen und so verantwortungsvoll(er) zu konsumieren. Mit der Nachfrage aber stieg auch das Angebot an Bio-Lebensmitteln immer weiter und so sind inzwischen im gut sortierten Einzelhandel fast alle erdenklichen Obst- und Gemüsesorten zu jeder Jahreszeit zu bekommen.  Für diejenigen Bio-Konsumenten, die auch aus Liebe zur Umwelt zu solchen Produkten greifen, muss sich aber die Frage stellen, wie sinnvoll es ist, im Winter Bio-Kartoffeln aus Israel zu kaufen.

Wird da nicht die Idee des Umweltschutzes und des nachhaltigen Konsums ad absurdum geführt? Ja, sagen viele – und deshalb sollte man lieber auf regionale und saisonale Produkte zurückgreifen.

Das allerdings ist oft gar nicht so einfach. Jedenfalls nicht, wenn man – wie die meisten – im ganz normalen Supermarkt einkaufen geht. Seltsamerweise ist es manchmal nicht einmal möglich, Zwiebeln oder Kartoffeln aus Deutschland zu bekommen.  Oder man wird eben vor die Wahl gestellt, Bio aus Israel oder konventionell aus Deutschland.
Und für diejenigen, denen da die Entscheidung noch nicht schwer genug fällt, gab es in diesem Jahr dann auch noch eine Studie, die das bewusste Einkaufen zusätzlich verkompliziert: Der Apfel aus Neuseeland zum Beispiel hat zu mancher Jahreszeit eine bessere Öko-Bilanz als der heimische. Der muss nämlich mit hohem Energieaufwand viele Monate gelagert werden um dann irgendwann Monate nach der Ernte frisch und knackig im Supermarktregal zu liegen.

Warum macht regionale und saisonale Ernährung überhaupt Sinn?
Der offensichtlichste Grund, vor allem in Zeiten der Klimadebatte, ist die Einsparung von CO², die man durch kurze Transportwege und kurze Lagerdauer erreichen kann – diese Einsparung kann man aber schnell wieder zunichte machen, indem man ständig mit dem Auto zum Einkaufen fährt. Und möglichst frisches Gemüse ohne lange Lagerzeiten schmeckt natürlich besser und hat noch einiges an Vitaminen und Inhaltsstoffen zu bieten, was sonst irgendwo unterwegs auf der langen Reise auf der Strecke bleibt.
Außerdem kann man so die Wertschöpfung in der Region halten und regionale Versorgungsstrukturen aufrecht erhalten. Kleinere Landwirte und Produktionsbetriebe können mit den Kampfpreisen und Massenangeboten der Discounter natürlich nicht mithalten, dafür bieten sie aber meist ein vielfältigeres und abwechslungsreicheres Angebot.

Ernährung mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln kann aber auch in anderer Hinsicht schwierig sein, vor allem jetzt, im Winter: Kohl, Rüben, Kartoffeln – wie kann man damit abwechslungsreich kochen und was gibt’s eigentlich sonst noch?

Der Ernteanteil vom Kartoffelkombinat kann da zwar einerseits eine Herausforderung darstellen, aber andererseits auch eine Hilfe: dass die Lebensmittel saisonal und vor allem regional produziert sind, ist klar (und bio noch dazu!) – damit hat sich schon mal das Einkaufen erledigt. Was es sonst noch alles gibt, davon kann man sich jede Woche aufs Neue überraschen lassen. So kann man Gemüsearten neu oder wieder entdecken, manches kennt man – hat es aber längst wieder vergessen, anderes ist ganz unbekannt und neu.

Und wenn’s erst mal in der Küche steht, muss man ja schließlich auch irgendwas damit anstellen. Die Frage nach dem abwechslungsreichen Kochen muss man sich also selbst beantworten, aber im Kartoffeldruck gibt’s ja auch dazu jede Woche neue Ideen.

Weitere Infos hierzu:
http://www.zeit.de/2012/13/Bio-Frage-2-Lokal
http://www.aid.de/ernaehrung/saisonkalender.php

Landgrabbing – was ist das?

Immer öfter hört man den Begriff „Landgrabbing“, (Landnahme ist wohl weniger gebräuchlich, meint aber das selbe Phänomen) aber was verbirgt sich dahinter und warum ist es ein Problem?

Getreidefeld

Foto: biloba / photocase.com

Unter dem Begriff versteht man im Allgemeinen langfristige Investitionen in Form von Pacht oder Kauf landwirtschaftlicher Flächen durch private oder staatliche Akteure.

Die Flächen werden meist zur Produktion von Nahrungsmitteln oder Energiepflanzen genutzt.
Aber auch die Nutzung von Süßwasserquellen oder der Abbau von Rohstoffen (gerade diese beiden Aspekte fallen oft zusammen und können großen Schaden anrichten) können zum Landgrabbing gezählt werden. Es gibt verschiedene Ursachen für und Beweggründe für die Investoren, sich in fremden Ländern Ackerland zu sichern:

Zum einen wird tatsächlich viel Land gebraucht um Lebens- und Futtermittel sowie Material für Biotreibstoff zu produzieren. Gerade Länder wie China oder Indien, die einen hohen Bevölkerungszuwachs haben, wollen die Versorgung mit Nahrungsmitteln sicherstellen und sich unabhängig von Weltmarktpreisen machen. Für den weltweit steigenden Fleischkonsum werden außerdem immer größere Mengen an Futtermitteln benötigt.

Ein anderer, in der Öffentlichkeit weniger wahrgenommener Aspekt ist der, dass seit der Finanzkrise Investoren auf der Suche nach sicheren Geldanlagen sind und noch dazu riesige Mengen „spekulatives Geld“ vorhanden sind. Hier geht also der Bezug vom Investor zur landwirtschaftlichen Produktionsfläche völlig verloren, da es primär der Geldanlage dient und nicht dem eigentlichen Zweck von Ackerland – nämlich der Erzeugung von Lebensmitteln.

Über den Umfang der gehandelten Flächen gibt es keine verlässlichen Angaben, lediglich Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO oder von Ökonomen der Weltbank, diese gehen davon aus, dass über 10 – 30 % des globalen Ackerlandes Verhandlungen laufen oder bereits abgeschlossen wurden. Zielländer sind leider häufig Länder, in denen ohnehin eine unsichere Ernährungssituation herrscht. Hier sind vor allem afrikanische aber auch asiatische Länder betroffen, in denen machtlose Bauern korrupten Regierungen wenig entgegensetzen können und keine Chance darauf haben, ihre Rechte wahrzunehmen. Menschenrechtsverletzungen in Form von Vertreibung von seit Generationen genutztem Weide- und Ackerland, Umsiedlungen, Zerstörung von Lebensraum indigener Völker bis hin zu Körperverletzung sind keine Ausnahmen.
Durch die „Fremdnutzung“ von Ackerland verschäft sich außerdem häufig die Hungerproblematik in den Zielländern. So sind diese absurderweise in hohem Maße vom Lebensmittelimport und somit von stark schwankenden Weltmarktpreisen abhängig, obwohl sie eigentlich über fruchtbaren Boden verfügen würden.
Häufig wird von Investoren versprochen, Arbeitsplätze in der Zielregion zu schaffen und eine Infrastruktur aufzubauen, die der Bevölkerung Einkommensmöglichkeiten und einen besseren Lebensstandard ermöglichen soll. Diese Versprechen erweisen sich aber meist als nicht haltbar, da eine Bewirtschaftung großer Monokulturen, wie sie eben dort entstehen, mit viel Maschineneinsatz und wenig menschlicher Arbeitskraft üblich ist. Und die versprochenen Straßen führen häufig nur vom Produktionsort zum nächsten Umschlagplatz und bringen der Bevölkerung keinerlei Nutzen.

Leider wird dieser dramatischen Entwicklung bisher wenig entgegengesetzt um sie einzuschränken und die Schäden, die zweifellos entstehen, zu begrenzen. Es gibt verschiedene Initiativen von Weltbank, FAO oder dem UN Ernährungsausschuss, denen Konzerne und Staaten auf freiwilliger Basis beitreten können. Sie unterzeichnen damit Verhaltensrichtlinien, zu deren Einhaltung sie sich verpflichten. Allerdings gibt es niemanden, der dies ernsthaft kontrollieren, geschweige denn Verstöße dagegen in irgendeiner Form bestrafen kann.

Weitere Infos
taz-Artikel: „Global Soil Week“ – Auf dem Boden der Tatsachen
Website: First global Soil Week